November 17, 2009

143 Jahre Voltairine de Cleyre


"To those unfamiliar with the movement, the various terms are confusing. Anarchism is, in truth, a sort of Protestantism, whose adherents are a unit in the great essential belief that all forms of external authority must disappear to be replaced by self-control only, but variously divided in our conception of the form of future society. Individualism supposes private property to be the cornerstone of personal freedom; asserts that such property should consist in the absolute possession of one's own product and of such share of the natural heritage of all as one may actually use. Communist-Anarchism, on the other hand, declares that such property is both unrealizable and undesirable; that the common possession and use of all the natural sources and means of social production can alone guarantee the individual against a recurrence of inequality and its attendants, government and slavery. My personal conviction is that both forms of society, as well as many intermediations, would, in the absence of government, be tried in various localities, according to the instincts and material condition of the people, but that well founded objections may be offered to both. Liberty and experiment alone can determine the best forms of society. Therefore I no longer label myself otherwise than as 'Anarchist' simply. (...)
Apart from the question of ideals, there is the question of method. 'How do you propose to get all this?' is the question most frequently asked us. The same modification has taken place here. Formerly there were 'Quakers' and 'Revolutionists'; so there are still. But while they neither thought well of the other, now both have learned that each has his own use in the great play of world forces. No man is in himself a unit, and in every soul Jove still makes war on Christ. Nevertheless, the spirit of Peace grows; and while it would be idle to say that Anarchists in general believe that any of the great industrial problems will be solved without the use of force it would be equally idle to suppose that they consider force itself a desirable thing, or that it furnishes a final solution to any problem, From peaceful experiment alone can come final solution, and that the advocates of force know and believe as well as the Tolstoyans. Only they think that the present tyrannies provoke resistance. The spread of Tolstoy's 'War and Peace' and 'The Slavery of Our Times,' and the growth of numerous Tolstoy clubs having for their purpose the dissemination of the literature of non-resistance, is an evidence that many receive the idea that  it is easier to conquer war with peace. I am one of these. I can see no end of retaliation unless someone ceases to retaliate. But let no one mistake this for servile submission or meek abnegation; my right shall be asserted no matter at what cost to me, and none shall trench upon it without my protest."

November 16, 2009

Erzdemokrat, anno 1938

Interessante Fundstücke mal wieder in der vorletzten Nummer der Zeitungszeugen (No.39), z.B. dieses für viele wahrscheinlich überraschende Bekenntnis des GröFAZ zur Demokratie:
"Demokratie ist in unseren Augen ein Regime, das vom Willen des Volkes getragen wird. Ich bin nach den Regeln der parlamentarischen Demokratie einst in Deutschland Kanzler geworden (Brausende Bravo-Rufe), und zwar als der Führer der weitaus stärksten Partei. Nach den Regeln der parlamentarischen Demokratie erhielt ich dann die unbedingte Mehrheit, und - Herr Churchill mag es bezweifeln - heute die einmütige Zustimmung des deutschen Volkes!
Ich habe nun in diesem Jahre nicht - zwei Demokratien - beseitigt, sondern - ich möchte fast sagen - als Erzdemokrat habe ich zwei Diktaturen beseitigt! (Immer tosender wird der Sturm des Beifalls, in dem sich jubelnde Heilrufe und brausendes Händeklatschen mischen). Nämlich die Diktaturen des Herrn Schuschnigg [in Österreich] und die Diktatur des Herrn Benesch [in der Tschechoslowakei]. Ich habe friedlich versucht, diese beiden Diktaturen dazu zu bewegen, auf dem Wege der Demokratie endlich für die Betroffenen das Selbstbestimmungsrecht herbeizuführen. Dieser Versuch ist mir mißlungen. Dann erst habe ich die Kraft des großen deutschen Volkes eingesetzt, um die Demokratie in diesen Ländern herzustellen, d.h. um unterdrückten Menschen die Freiheit zu geben! (...)
Herr Churchill und diese Herren sind Abgeordnete des englischen Volkes, und ich bin Abgeordneter des deutschen Volkes. (Stürmische Heilrufe branden zum Führer empor.) Der Unterschied liegt nur darin, daß auf Herrn Churchill nur ein Bruchteil der englischen Stimmen gefallen ist, während ich, ich darf es sagen, das ganze deutsche Volk repräsentiere!"
Nach den Hamburger Nachrichten, aus der Rede Adolf Hitlers in München, am... 9. November 1938, wenige Stunden vor der als "spontanen" Volkserhebung (denn was ist schon demokratischer als ein Lynchmob?), als Reaktion auf die Ermordung des Legationssekretärs vom Rath durch den 17jährigen Herschel Grynzspan, vermarkteten Reichskristallnacht. Anscheinend gab es wirklich kein Regime seit dem Aus-der-Mode-kommen des Gottesgnadentums, das nicht vorgab, seine Legitimität vom Volk erhalten zu haben und in seinem Sinne zu handeln.

In der gleichen Ausgabe der Zeitungszeugen: ein Reprint der Zionistischen Rundschau vom 4. November 1938, wo man unter anderem über die starke arabische Emigration nach Palästina liest (wobei man sich fragen kann, wieviele Nachkommen von 1948 geflüchteten Palästinensern nach über 60 Jahren noch immmer unter den Flüchtlingsstatus mit allen damit verbundenen Diskriminationen fallen, obwohl ihre Vorfahren zuvor vielleicht nur ein Jahrzehnt in Palästina gelebt haben), und auch folgenden frommen Wunsch findet: "Wenn man den Terroristen [um Mufti al-Husseini] das Handwerk lege, so könne nichts die Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern zur Verteidigung ihres gemeinsamen Landes hindern können."

November 14, 2009

In defense of Progressive Rock (7): Prog aus der DDR

 Auch in der DDR wollte man in den 1970ern natürlich progressiv sein, man nannte den Progressivrock dort allerdings lieber "Kunstrock". Bekannteste Exponaten des Kunstrocks waren Lift, Electra und Stern Combo Meissen, der sogenannte Sachsendreier. Obwohl die meisten dieser Bands bereits Ende der 1960er aktiv waren, wurden erste Alben erst Ende der 1970er bei Amiga veröffentlicht, als im Westen der Prog-Rock schon fast wieder mausetot war. So stammt dieses Video von Stern Combo Meissen - Der Kampf um den Südpol aus den frühen 1980ern, war 1977 zum ersten Mal auf Vinyl gepresst worden, aber bereits 1971 geschrieben worden:


Etwas beschwingter als die recht pathetischen und  langatmigen Töne des Sachsendreiers war die Horst-Krüger-Band, hier mit Tagesreise (1975).


Auch hervorzuheben: die jazzigeren Töne der Vorläuferband von Karat, Pantha Rhei - Alles fließt (1973).

November 11, 2009

Der Soundtrack zur Wende (4): Wir sind das Volk

Vielleicht die Geburtsstunde des Slogans "Wir sind das Volk": Schleim-Keim - Prügelknaben (Aufnahme von ca. 1986).


Der ganze Text zum Mitsingen:

PRÜGELKNABEN (1985)
Wir wollen nicht mehr, wie ihr wollt
wir wollen unsere Freiheit
wir sind das Volk, wir sind die Macht
wir fordern Gerechtigkeit
Wir sind das Volk, wir sind die Macht
Es ist zu spät, wenn es erst mal kracht
Das ist die Realität
und du merkst, wie die Zeit vergeht
du merkst, wie du langsam hier verfaulst
und wie eine kranke Katze jaulst
Gedanken werden sterilisiert
Worte durch Zensur kastriert
Bilder verfälscht, um den Schein zu wahren
sich stärker zeigen nach langen Jahren
den Willen nehmen und verformen
in Normen durch genormte Normen
aufbegehren durch Gewalt verwehren
sich nur um des Nachbars Fehler scheren
Das ist die Realität
und du merkst, wie die Zeit vergeht
du merkst, wie du langsam hier verfaulst
wie eine kranke Katze jaulst

In der saubereren CD-Aufnahme auf dem Album Abfallprodukte der Gesellschaft, 1992 bei HöhNIE Records erschienen, wird die erste Strophe übrigens nicht mehr gesungen.

Bonus: Spitzel

November 10, 2009

Der Soundtrack zur Wende (3): Aussteigen nicht vergessen

Die Firma - Revolutionäre und Verbrecher



Dieser Band war nach der Wende ein seltsames Schicksal beschieden: Sängerin Tatjana Besson und Keyboarder "Trötsch" wurden als Stasi-IMs enttarnt, Paul Landers und Christoph Schneider wurden mit Rammstein reich und berühmt.

November 09, 2009

Der Soundtrack zur Wende (2): Wir können bis an unsere Grenzen gehen

Eines meiner persönlichen Lieblingslieder: Sandow - Born in the GDR


Und hier die 160.000 Menschen auf die sich das Lied bezieht: anlässlich eines Solikonzerts der FDJ für das Ortega-Regime am 19.07.1988 singen zehntausende DDR-Bürger Born in the USA.

November 08, 2009

November 07, 2009

In defense of Progressive Rock (6): Mahavishnu Orchestra

Auf Wunsch von JayJay von L for Liberty heute Mahavishnu Orchestra mit You know you know.


Technisch gesehen machen John McLaughlins Mahavishnu Orchestra gar keinen Prog, sondern  Fusion Jazz/Rock. Während viele Prog-Bands Inspirationen aus dem Jazz bezogen, war Mahavishnu im Gegenzug in gewisser Weise der Einzug des Progs in den Jazz. Später dann sind sie auf R n' B umgewechselt, und haben die Grundlage für den größten Hit von Massive Attack geschaffen: Planetary Citizen.

November 06, 2009

Nie wieder Internationale

Malte Lehming bringt die Sache mal wieder auf den Punkt:
"Auf dem 5. Parteitag der SED verkündete deren damaliger Generalsekretär, Walter Ulbricht, im Jahre 1958 die 'Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik'. Das geschah ausdrücklich in Anlehnung an die biblischen Gebote, von denen sie sich abgrenzen sollten, um den DDR-Bürger zum Atheismus zu erziehen. Das erste der neuen Gebote lautete: 'Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.'

Seit der Opel-Debatte wissen wir, dass die deutsche Linke inzwischen lieber ein elftes Gebot befolgt. Es lautet: 'Proletarier aller Länder, ihr seid uns schnurzpiepegal. Das Lied der sozialistischen Arbeiterbewegung ,Die Internationale’ singen wir nie wieder. Und wir pfeifen fröhlich auf die internationale Solidarität der Arbeiterklasse.'

Denn der Gleichklang der Empörungsposaunen nach der Entscheidung von General-Motors, Opel behalten zu wollen, ist frappierend. Wenn FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle nun tönt 'Ein solcher Umgang mit den Arbeitnehmern acht Wochen vor Weihnachten ist in keiner Weise hinnehmbar' oder CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers poltert 'Dieses Verhalten von General-Motors zeigt das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus', dann unterscheiden sich solche Wutschnaubereien nicht mehr von denen deutscher Betriebsräte, Sozialdemokraten und Linkspartei-Vertretern. Der nationalautistische Kampf um die Erhaltung rein deutscher Arbeitsplätze schweißt links und rechts wie Pech und Schwefel zusammen."

Allerdings irrt sich Lehming nun wirklich, wenn er darin eine neue Entwicklung zu entdecken glaubt... Und vom "Internationalismus" der SED kann man auch ein eigenes Lied singen... Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, was ein gewisser Herr Marx aus Trier seinerzeit über den Internationalismus der deutschen Linken schrieb:

"Und worauf reduziert die deutsche Arbeiterpartei ihren Internationalismus? Auf das Bewußtsein, daß das Ergebnis ihres Strebens 'die internationale Völkerverbrüderung sein wird' - eine dem bürgerlichen Freiheits- und Friedensbund entlehnte Phrase, die als Äquivalent passieren soll für die internationale Verbrüderung der Arbeiterklassen im gemeinschaftlichen Kampf gegen die herrschenden Klassen und ihre Regierungen. Von internationalen Funktionen der deutschen Arbeiterklasse also kein Wort! Und so soll sie ihrer eignen, mit den Bourgeois aller andern Länder bereits gegen sie verbrüderten Bourgeoisie und Herrn Bismarcks internationaler Verschwörungspolitik das Paroli bieten!

In der Tat steht das internationale Bekenntnis des Programms noch unendlich tief unter dem der Freihandelspartei. Auch sie behauptet, das Ergebnis ihres Strebens sei 'die internationale Völkerverbrüderung'. Sie tut aber auch etwas, um den Handel international zu machen, und begnügt sich keineswegs bei dem Bewußtsein - daß alle Völker bei sich zu Haus Handel treiben." (MEW, 19, S.24).

Oktober 31, 2009

In defense of Progressive Rock (5): Halloween Special

Beginnen wir mit Zombies von Magma, hier in einer Live-Aufnahme von 2006. Das zuerst 1976 auf dem Album Udu Wudu veröffentlichte Stück ist nur ein Auszug des Magma-Werks Ëmëhntêht-Rê, das kommenden Montag zum ersten Mal integral als Studio-Version veröffentlicht werden wird.


Goblin war eine italienische Prog-Band, die vor allem durch ihre Soundtracks verschiedener Horrorfilme von Dario Argento bekannt wurden, wie z.B. Suspiria (1976).


Die bekannteste Filmmusik mit Prog-Bezug ist aber natürlich Tubular Bells von Mike Oldfield aus Der Exorzist (1973):


Der Regisseur des Exorzisten spielte übrigens zeitweilig auch mit dem Gedanken The Lamb lies down on Broadway von Genesis zu verfilmen. Ob er auch Peter Gabriels etwas... exzentrische Bühnenkostüme in den Film integriert hätte?

Oktober 29, 2009

Licht aus in Ungarn

Wie man der heutigen Ausgabe des Luxemburger Wort entnehmen kann, beginnt das Glühbirnenverbot langsam zu wirken:
"Das Aus für die herkömmliche Glühbirne in der Europäischen Union kostet 2750 Mitarbeitern des US-Herstellers General Electric (GE) in Ungarn den Arbeitsplatz. Der Personalabbau soll binnen zwei Jahren erfolgen, sagte der Europa-Direktor des Konzerns, Phil Marshall, am Mittwoch in Budapest, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete.
1300 von 1750 Beschäftigten der GE-Glühbirnenfabrik in Nagykanizsa im Südosten des Landes sollen entlassen werden. Dort solle nur die Produktion von Autoscheinwerfer und Leuchtröhren weitergehen. Eine andere GE-Glühbirnenfabrik in Vac bei Budapest soll geschlossen werden. (...) Marshall sagte, GE wolle die Leuchtkörperherstellung aus Ungarn nicht ganz abziehen. Das Unternehmen plane Investitionen in neue Produktionstechniken. Über deren Umfang sei allerdings noch nicht entschieden. (...)"

Brassens again

Vor wenigen Tagen erst wurde an dieser Stelle anlässlich seines Geburtstags an Georges Brassens erinnert; heute nun jährt sich der Todestag des Chansonniers. Deswegen gleich noch ein Brassens-Video: Fernande.


Oktober 27, 2009

Ostrom zum Dritten

"The selection of Elinor Ostrom as co-recipient of the 2009 Nobel Prize in Economics will do much to advance anarchist theory among people who traffic in ideas.  Ostrom is being cited for her work on the management of common pool resources, or 'commons', and should inspire more thinkers to recognize the potential for solutions to problems that seem immune to both private property and government property solutions." (weiter hier).

Siehe auch "Nobel Prize in Anarchy" auf Omniorthogonal.

Ich selber habe mir das Buch Governing the commons aus dem Jahr 1990 bestellt, und werde mich gegebenenfalls an dieser Stelle dazu äussern.

Oktober 25, 2009

203 Jahre Max Stirner

"Zu dem Kapitel der Gesellschaft gehört auch »die Partei«, deren Lob man jüngst gesungen hat.
Im Staate gilt die Partei. »Partei, Partei, wer sollte sie nicht nehmen!« Der Einzelne aber ist einzig, kein Glied der Partei. Er vereinigt sich frei und trennt sich wieder frei. Die Partei ist nichts als ein Staat im Staate, und in diesem kleineren Bienenstaate soll dann ebenso wieder »Friede« herrschen, wie im größeren. Gerade diejenigen, welche am lautesten rufen, dass im Staate eine Opposition sein müsse, eifern gegen jede Uneinigkeit der Partei. Ein Beweis, wie auch sie nur einen - Staat wollen. Nicht am Staate, sondern am Einzigen zerscheitern alle Parteien.
Nichts hört man jetzt häufiger als die Ermahnung, seiner Partei treu zu bleiben, nichts verachten Parteimenschen so sehr als einen Parteigänger. Man muss mit seiner Partei durch dick und dünn laufen und ihre Hauptgrundsätze unbedingt gutheißen und vertreten. Ganz so schlimm wie mit geschlossenen Gesellschaften steht es zwar hier nicht, weil jene ihre Mitglieder an feste Gesetze oder Statuten binden (z.B. die Orden, die Gesellschaft Jesu usw.). Aber die Partei hört doch in demselben Augenblicke auf, Verein zu sein, wo sie gewisse Prinzipien bindend macht und sie vor Angriffen gesichert wissen will; dieser Augenblick ist aber gerade der Geburtsakt der Partei. Sie ist als Partei schon eine geborne Gesellschaft, ein toter Verein, eine fix gewordene Idee. Als Partei des Absolutismus kann sie nicht wollen, dass ihre Mitglieder an der unumstößlichen Wahrheit dieses Prinzips zweifeln; sie könnten diesen Zweifel nur hegen, wenn sie egoistisch genug wären, noch etwas außer ihrer Partei sein zu wollen, d.h. unparteiische. Unparteiisch vermögen sie nicht als Parteimenschen zu sein, sondern nur als Egoisten. Bist Du Protestant und gehörst zu dieser Partei, so darfst Du den Protestantismus nur rechtfertigen, allenfalls »reinigen«, nicht verwerfen; bist Du Christ und gehörst unter den Menschen zur christlichen Partei, so kannst Du nicht als Mitglied dieser Partei, sondern nur dann, wenn Dich dein Egoismus, d.h. Unparteilichkeit, dazu treibt, darüber hinausgehen. Welche Anstrengungen haben die Christen bis auf Hegel und die Kommunisten herab gemacht, um ihre Partei stark zu machen; sie blieben dabei, dass das Christentum die ewige Wahrheit enthalten müsse, und man sie nur herauszufinden, festzustellen und zu rechtfertigen brauche.
Kurz die Partei verträgt nicht die Unparteilichkeit, und in dieser eben erscheint der Egoismus. Was schiert Mich die Partei. Ich werde doch genug finden, die sich mit Mir vereinigen, ohne zu meiner Fahne zu schwören."
aus: Max Stirner (d.i. Johann Caspar Schmidt), Der Einzige und sein Eigentum, Reclam-Ausgabe, S.259-261.

Bonus: Estlands bekannteste Punk-Band (nun gut, die einzige estnische Punk-Band, die ich kenne) Vennaskond verbreiten die reine egoistische Lehre in der estnischen Provinz:


Oktober 24, 2009

In defense of Progressive Rock (4): Peter Hammill / Van der Graaf Generator

Van der Graaf Generator - Theme One (1972)
 

"That proclivity for cacophony and chaos, as opposed to longevity and commercial reward [...], and an inability to understand the word "compromise" meant that Van der Graaf Generator had a surprising amount in common with the more interesting members of the subsequent punk and post-punk generations. Punk's rejection of musicianship, artistry, and complexity might have appeared diametrically opposed to VdGG's core characteristics, which were the very things the class of '76 supposedly sought to purge. However, something in their aesthetic definitely resonated with figures like Mark E. Smith, Howard Devoto, John Lydon, and Nick Cave, all of whom have expressed admiration for the band. Most famously, during a July 1977 Capitol Radio show, Lydon treated listeners to some of his favorite tunes: alongside surprising inclusions like Captain Beefheart and Tim Buckley, Lydon included a track from Peter Hammill's 1975 solo album Nadir's Big Chance, recorded with Banton, Jackson and Evans." (Originalkontext).

John Lydon aka Johnny Rotten schon wieder (nach Tulls Aqualung) als Prog-Fan? Mochte gar besonders Van der Graaf Generator, die 23minütige Songs namens "A plague of lighthouse keepers" oder Albentitel wie H to He who am the only one aufzuweisen haben, auf dem gleichen Label wie Genesis (Charisma) erschienen und auch den gleichen Cover-Maler benutzten (Paul Whitehead). War das T-Shirt "I hate Pink Floyd" etwa ein Missverständnis? In der Tat hasst jeder "Proggie" der reinen Schule die Post-Syd Barrett-Pink Floyd, die als die Prog-Band schlechthin gelten, dabei allerdings zumeist "traditionellen Blues-Strukturen" verhaftet bleiben. Wie dem auch sei, dass Lydon/Rotten ein Stück vom Album Nadir's Big Chance spielte, mag weniger zu überraschen, wenn man sich den Titeltrack dieses Albums anhört:



Oktober 22, 2009

Brassens

...und hier wieder ein Beitrag in unserer höchst unregelmäßigen Reihe des Begehens von Geburts- oder Todestagen anarchistischer Größen der Vergangenheit: Georges Brassens wäre heute 88 Jahre alt geworden.
Zur Feier des Tages: die Ballade des gens qui sont nés quelque part.


Oktober 21, 2009

They guard our mails!

Real Life Comics #44 (1948)

Oktober 14, 2009

In defense of Progressive Rock (3): King Crimson

Larks' Tongues in Aspic: wohl die Geburtsstunde des Prog-Metal; ursprünglich aufgenommen 1973, hier eine Live-Version aus dem Jahr 1984 (mit Gruß zurück an Entdinglichung).



Bonus: Robert Fripp im Interview 1979 - Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4. Lang, aber unterhaltsam.

Neues Update erst nächste Woche: ich bin die kommenden Tage unterwegs.

Oktober 13, 2009

Ostrom zum Zweiten

Auch Reason gibt der frischgebackenen Nobelpreisträgerin libertäre Credentials:
"When economists show that market arrangements fail, they usually make the simple recommendation that 'the' state should take care of these problems. Elinor Ostrom has demonstrated empirically that 'the' state may not be 'the' solution. Her work argues for the wisdom of institutional diversity, looking to individuals to solve problems rather than relying on top down, one-size-fits-all solutions. The conventional wisdom assumes that natural resources and environmental problems should be solved in a centralized - and if possible, global - manner. Through innovative analysis in the field, in the experimental laboratory, and in theory, Ostrom’s work has show that creative solutions to problems such as the depletion of common pool resources exist outside of the sphere of national governments. Weiterlesen...  

Die taz hingegen sieht Ostrom in einer Reihe mit dem Keynesianer Krugman und dem eher sozialliberalen Amartya Sen (der für die Presse als "links" gilt, weil er aus Indien kommt) als weiteres "Feigenblatt" in einer "Bastion der Marktradikalen". Tja, seltsam dann, dass die gleichen "Marktradikalen" den Daumen hoch heben. Aber das übersteigt wohl den Horizont der taz.

Oktober 12, 2009

Ja, wat denn nu?

Zuerst lese ich auf Tagesschau.de dass mit Elinor Ostrom eine gestandene Antiliberale den Wirtschaftsnobelpreis gewinnt: "Die 1933 geborene Ostrom werde für ihre Arbeit zu Gemeinschaftseigentum ausgezeichnet, teilte das Komitee weiter mit. Die Wissenschaftlerin geht dabei der Frage nach, wie öffentliche Güter - etwa Weideland oder Fischgründe - durch Nutzergemeinschaften verwaltet werden können. Dabei widerlegte sie die gängige Theorie, wonach Gemeinschaftseigentum von den Nutzern ausgebeutet wird und deswegen entweder reguliert oder privatisiert werden sollte."

In freudiger Erwartung der dort zu erwartenden Wutausbrüche über die Preisverleihung an eine Bolschewikin eile ich zum Mises Economics Blog, und siehe da: dort freut man sich, dass zum ersten Mal seit Friedrich Hayek 1974 zwei zumindest ansatzweise der "Austrian School of Economics" nahe stehenden Ökonomen den Nobelpreis erhalten haben. Huh?

Vielleicht sollte man sich mit den beiden Gewinnern dieses Jahres mal genauer auseinandersetzen. Insbesondere Ostrom hört sich eigentlich nach libertärem Sozialismus an: "Ostrom's work is about how commons problems can be solved locally, from the bottom up without centralized state authority. Its all about how you can get social cooperation even when something can't (technologically) be chopped into parcels of private property." (Kommentar Adam Martin auf dem oben verlinkten Mises Blog). Ja, ich glaube, da werde ich bei Gelegenheit einen Blick reinwerfen.

Oktober 11, 2009

In defense of Progressive Rock (2): Jethro Tull



Anonym hat unten im Kommentar geschrieben:
"Wenn auch der Anti-Intellektualismus der "zu viele Noten"-Schreier zurückzuweisen ist, so war doch Punk zumindest eine verständliche Reaktion auf die ungebrochene Positivität von Prog-Rock-Bands wie Jethro Tull, die einem als erleuchtete, weise Männer sonstwas vom Pferd erzählt haben, wie magisch und toll doch die Welt ist.
Interessant in diesem Zusammenhang finde ich Frank Zappa und Captain Beefheart, die zuweilen auch in die Prog-Ecke gesteckt werden, sich aber massiv von Bands wie Yes oder Genesis abgegrenzt haben und immer eine passende Polemik gegen die Hippies auf den Lippen hatten..."

Dass Zappa und Beefheart (die ich eigentlich nicht, oder nur am Rande dem Prog zurechnen würde), sich irgendwann "massiv" von Yes und Genesis abgegrenzt haben, ist mir eigentlich neu; ich dachte eher, die hätten solche Bands schlicht und einfach ignoriert. Eigentlich zeigt der Kommentar aber auf, wie viele Vorurteile es schlicht und einfach zum Progressivrock gibt. Ausgerechnet Jethro Tull als Auswuchs "ungebrochener Positivität" - dabei besteht Tulls erfolgreichstes Album, das oben im Video erwähnte Aqualung, zur Hälfte aus einer Songsuite über einen Kinderschänder mit Atemproblemen; die andere Hälfte besteht aus einem Generalangriff gegen jegliche Religion.

Überhaupt sind Tull, mit ihren ironischen bis sarkastischen, häufig ziemlich düsteren Texten, und ihrem skurillen (manchmal auch recht platten) Humor gar nicht so weit von Beefheart oder Zappa entfernt (man siehe etwa "The hare who lost his spectacles" von A passion play). Tulls progressives Meisterwerk Thick as a brick wird vom Bandleader Ian Anderson auch regelmässig als Parodie der Konzeptalben von Bands wie Yes oder ELP abgetan. Das Album besteht aus einem einzigen Titel, der 45 Minuten dauert, und ist angeblich die Vertonung eines Gedichts des 8jährigen Wunderkinds Gerald Bostock, genannt "Little Milton".

Hier jedoch ein späteres (und rockigeres) Werk von Tull: Heavy Horses (1978)



P.S. A propos Hippies dissen: "The reason I didn’t want to play Woodstock is because I asked our manager, Terry Ellis, 'Well, who else is going to be there?' And he listed a large number of groups who were reputedly going to play, and that it was going to be a hippie festival, and I said, 'Will there be lots of naked ladies? And will there be taking drugs and drinking lots of beer, and fooling around in the mud?' Because rain was forecast. And he said, 'Oh, yeah.' So I said, 'Right. I don’t want to go.' Because I don’t like hippies, and I’m usually rather put off by naked ladies unless the time is right. Well, indeed, unless the money’s right." (Kontext)

Oktober 10, 2009

We're all Keynesians now

Neue Töne bei der letzten Bastion des Marxismus-Leninismus reinsten Wassers in Luxemburg, der KPL: nicht nur dass die Kommunisten sich neuerdings dann doch wieder eine Allianz mit der Linken vorstellen können (und von einer "Bündelung aller Linkskräfte" spricht, die man erreichen müsste), sie empfehlen im Übrigen der CSV-LSAP-Regierung sich der Rezepte des rooseveltschen New Deals bedienen, um der Krise beizukommen (Luxemburger Wort vom 10.10.09). Und das von der Partei, die im Wahlkampf beständig wiederholt hat, sie wolle "als einzige politische Kraft" den Kapitalismus "nicht retten, sondern abschaffen"...

Willkommen im Verein











Oktober 04, 2009

Free Tibet? Free Humanity!

Wütender Beitrag heute auf Strike the root gegen jeglichen Nationalstaat, a forteriori gegen jegliche nationale "Befreiung"sbewegung. Sehr schön, wenn auch natürlich etwas arg undifferenziert...

In defense of Progressive Rock (1)

Alle Popkritiker und -historiker sind sich einig: Gottseidank wurde die progressive Rockmusik 1977 von Punk und New Wave hinweggefegt, gewann der Rock'n'Roll dadurch seinen verloren gegangenen rebellischen Geist zurück. Erst vor kurzem, während meines Urlaubs, konnte ich auf Arte zwei Teile der Serie über die 1980er Jahre, pardon "die Eighties", sehen, in der genau dieser Diskurs wieder abgespult wurde, und zum "Beleg" für das Prätentiöse des "Prog"ein zwanzigsekundiger Videoausschnitt, ich glaube von Yes, herhalten musste. Vor einigen Jahren folgte ich selber noch der herrschenden Geschichtsauffassung ("was man in drei Minuten nicht sagen kann, wird man auch in zwanzig Minuten nicht ausdrücken können!"), mittlerweile frage ich mich jedoch, ob man nicht diejenigen, die schon bei Mozart "Zu viele Noten!" geschrieen haben, zu "Revolutionären" gemacht hat, und ob "Keine Experimente!" wirklich als Umwertung aller Werte herhalten kann.

Wohl die meistgehassteste Prog-Band aller Zeiten sind Emerson, Lake and Palmer, die als Inbegriff eines saft- und kraftlosen, mit einem übertriebenen intellektuellen Anspruch behafteten, bis ins Lächerliche bombastischen Stadion-Rock gelten, und noch dazu einen Namen haben, der eher an eine Anwaltskanzlei als an eine Rockband erinnert. In einer Umfrage im Jahr 2003 wurde ELP zur zweitschlechtesten Band aller Zeiten gewählt (hinter der Insane Clown Posse), vermutlich von Leuten, die noch nie im Leben ein Album von Emerson, Lake and Palmer gehört haben.

Also, Ladies and Gentlemen, so klingt die zweitschlechteste Band aller Zeiten:

Knife Edge (1970)


Und so sahen ELP bei ihrem Comeback-Versuch 1993 aus:


P.S. Sehr schön fand ich allerdings anno dazumal eine Kritik des Sven Väth-Albums The Harlequin, The Robot and The Ballet Dancer in einer Techno-Gazette (evt. die Frontpage): er hätte das Album auch gleich The Emerson, The Lake and The Palmer nennen können.

Oktober 01, 2009

September 28, 2009

Völker, hört die Signale! Auf zum jüngsten Gericht!

"During a visit to the sacred city of Mashhad in northern Iran, Venezuelan President Hugo Chavez said to his host, Iranian President Mahmoud Ahmadinejad, that Jesus and the Mahdi (the Shi'ite messiah) will arrive soon and establish justice in the world.
Chavez also said that, starting October 2009, Venezuela will export to Iran 20,000 barrels/day of refined oil, at a cost of $200 million.

Source: Mehr (Iran), September 6, 2009"

(via Memri)

September 27, 2009

September 26, 2009

Die Pointe

September 25, 2009

Kreditknauserigkeit der Banken, Anno 1946

Text und Zeichungen: Art Helfant. Aus: Blue Bolt v7 # 1, Juni 1946.

Fortsetzung folgt...

September 23, 2009

Pitiyanquis de mierda! Compre nuestro petróleo!

Wer finanziert die "bolivarische Revolution"? Na, die "Pitiyanquis", wer denn sonst! Wie man oben sehen kann, hat der Anteil der USA an den Erdölexporten Venezuelas, trotz aller Geschäftemacherei mit China, Russland und den meisten anderen autoritären Regimen dieser Welt, trotz aller nationalistischer Rhetorik, seit dem Beginn der Ära Chavez im Jahr 1998 nie gekannte Höhen erreicht (gleichzeitig ist der Anteil der Erdölproduktion an der gesamten Exportwirtschaft ebenfalls weiter angestiegen).

September 21, 2009

"Wahl ohne Qual", Anno 1932

Aus einem Gedicht des Gesellianers Eugen Graske, veröffentlicht im Bändchen Der politische Freiheitskampf gegen Kapitalismus und Marxismus, Erfurt, 1932 (zugleich Band 17 der "Wissenschaftlichen Schriftenreihe" der Freiwirtschaftlichen Zeitung):

Bist du ein Ritter, hast du ein Gut,
fließt in den Adern blaues Blut,
Und schwärmst für Zölle, alte Zeit,
Dann wähle stramm - wenn es so weit:
Deutschnational.

Willst du als echter Deutscher schlemmen,
Ein Monopol dein eigen nennen,
Von hohen Löhnen macht dich frei
Durch Dingeldey
Die Volkspartei.

Bist mit dem Zustand du zufrieden,
Suchst du allein im Jenseits Frieden,
Vertraust auf Gott und deine Leiter;
gehab dich wohl, vertraue weiter:
Zentrum.

[Demokraten und Wirtschaftspartei überspring' ich mal.]

Doch auf des Staates höchste Stufen
Wird man dich Arbeitsmann berufen,
Sei wie ein Fuchs, gehörst zur Clique,
Und - lenkst des Arbeiters Geschicke:
SPD.

Du rechnest zu den "Radikalen",
Weil eingeseift du bist zumalen?
Die Bourgeois willst du vernichten,
Die Staatsfabrik sodann errichten?
KPD

Es fehle nicht der letzte Streich:
Der Eingang in das "Dritte Reich".
Für Kasernierung, Schipp-Hurra,
Zur Vornotierung stehen da:
NSDAP

[es folgt dann noch der obligatorische Wahlaufruf für die längst vergessene "Freiwirtschaftliche Partei Deutschlands" (FPD), auf dass "die Volksgemeinschaft uns beschieden" (sic!)]

September 19, 2009

Einiges Lesenswertes aus letzter Zeit

- Caracas Gringo gab einige Hintergrundorganisationen zur bonapartistischen... pardon bolivarischen Revolution in Venezuela, insbesondere zu Diosdado Cabello, dem Minister für öffentliche Bauten und Wohnungsbau, und seinem Umfeld.

- Principia Dialectica brachte Marc Geoffroys Generalabrechnung mit der nationalen Befreiungsarmee der Zapatisten im Chiapas (die ja auch in libertärsozialistischen Kreisen häufig beklatscht wird), aus dem Jahre 1995.

- Sean Gabb von der rechtslibertären "Libertarian Alliance" aus Grossbritannien hat einen lesenwerten Artikel über die Frage der Krankenversicherung geschrieben: wieso das derzeitige amerikanische System nicht funktioniert und ungerecht ist, wieso das "sozialisierte" britische System auch nicht besser ist, und was libertäre Vorschläge sein könnten (insbesondere eine drastische Kostensenkung durch Abschaffung der Patentierung von Medikamenten). Sehr ähnlich argumentiert auch, aus etwas linkerer Perspektive, Gary Chartier auf der Seite des Center for a Stateless Society.

- Eine kurz vor Kopenhagen politisch wohl eher inopportune Nachricht: zum zweiten Jahr hintereinander ist das Schmelzen der Polarkappe in der Arktis im Vergleich zum Vorjahr rückläufig (hier und hier). Ist die Talsohle also 2007 erreicht worden? Warten wir die kommenden Jahre ab...

- ...und eine wahre Schatztruhe an französischer Sozialistika hat La Bataille Socialiste letztens verlinkt: die 40 Bände der Révolutions du XIXe siècle, darunter aus linkslibertärer Sicht besonders interessant: die komplette Ausgabe der Zeitung La Mutualité. Journal du Travail von 1865-1866.

Italienisches zum Sommerausklang

Le Orme - Ad Gloriam (1968), bebildert mit Auszügen aus Filmen von Risi, Pasolini, Antonioni und Germi.

September 18, 2009

Wider die Widerspruchslosigkeit

Und noch ein Zitat:
"Bastiat spottet [...], Proudhon habe ihm einmal gesagt, er fände das Paradies langweilig, weil der Widerspruch dort fortfiele."
(aus Carl Ludwig Michelets Naturrecht oder Rechts-Philosophie als die praktische Philosophie, enthaltend Rechts-, Sitten- und Gesellschaftslehre, Band 1, Berlin, 1866, S.37.)

September 16, 2009

Warten auf den Aufschwung, Anno 1939

Hat was von Führerbunker: US-Finanzminister Henry Morgenthau, Jr. (ja, das ist der, der Deutschland zerschlagen und in ein Agrarland verwandeln wollte) verzweifelt an der Krisenbekämpfung.

"[U.S. Treasury Secretary Henry Morgenthau, Jr.]: No, gentlemen, we have tried spending money. We are spending more than we have ever spent before and it does not work. And I have just one interest, and if I am wrong, as far as I am concerned, somebody else can have my job. I wantto see this country prosperous. I want to see people get a job. I want to see people get enough to eat. We have never made good on our promises…

But why not let’s come to grips? And as I say, all I am interested in is to really see this country prosperous and this form of Government continue, because after eight years if we can’t make a success somebody else is going to claim the right to make it and he’s got the right to make the trial. I say after eight years of this Administration we have just as much unemployment as when we started.

Mr. Doughton: And an enormous debt to boot!

HMJr.: And an enormous debt to boot! We are just sitting here and fiddling and I am just wearing myself out and getting sick. Because why? I can’t see any daylight. I want it for my people, for my children, and your children. I want to see some daylight and I don’t see it…"

—Transcript of private meeting at the Treasury Department, May 9, 1939, F.D. Roosevelt Presidential Library

(zitiert nach: Econ Journal Watch, vol. VI, 3, September 2009).

September 15, 2009

We're all Attacies now

Zitat des Tages: "Bei G-20-Treffen demonstrieren die Attac-Leute gegen Politiker, die ihre Zielsetzung im Grunde teilen." (Peer Steinbrück, Lehman-taz von heute).

September 12, 2009

Si tacuisses, Jhang

"Mit Blick auf die Zukunft betonte Asselborn, die internationale Gemeinschaft habe erst gewonnen, wenn die Taliban eines Tages mit in der Regierung seien." (Quelle).

Für unseren Außenminister ist also das Ziel des NATO-Einsatzes in Afghanistan nunmehr, dass die Taliban wieder an die Macht kommen sollen (wenn auch in einer "Regierung der nationalen Einheit" mit Karzai und Abdullah. "Regierungen der nationalen Einheit" sind für unsere Politiker sowieso immer das Allheilmittel für alle möglichen Krisenregionen, in Entwicklungsländern so dass man sich fragen kann, wieso sie gleichzeitig auf dem Abhalten von pluralistischen Wahlen bestehen. Man wählt, damit sich am Ende sowieso alle in einer Einheitsregierung zusammen raufen?). Gibt's dann endlich wieder mediengerechte Hinrichtungen im Stadion von Kabul?

Ein paar Infos über die Wohltaten der letzten Amtsperiode der Koranschüler auf dieser älteren Webseite: http://www.hazara.net/taliban/taliban.html

Ringo Starr Week: Ja, er lebt noch...

...singt aber schon Lieder über das Leben nach dem Tod:

R U Ready? (2008)



Th-th-that's all Folks!

September 11, 2009

Ringo Starr Week: Free Drinks!

Ringos Reminiszenz an seinen Lebenswandel in den späten 1970ern, vom Album Choose Love (2005):

September 10, 2009

Ringo Starr Week: Movie Starr

Neben seiner musikalischen Karriere ist sie etwas in Vergessenheit geraten: Ringos Filmkarriere. Hier ein Überblick über einige von Ringos schönsten Rollen:

Als 50er-Jahre Rocker "Mike" in That'll be the day...

Als Papst in Lisztomania, einem Film, wie er heute wohl kaum noch gedreht werden könnte...

Als Spaghetti-Western-Held in Blindman...

Als Frank Zappa-Double "Larry the Dwarf" in Frank Zappas 200 Motels...

Als mexikanischer Gärtner in der Erotik-Komödie Candy...

...und als Mock die Schildkröte in Alice im Wunderland:


September 09, 2009

Ringo Starr Week: Act Naturally

Aus gegebenem Anlass: Ringo und seine Backing-Band covern 1965 einen alten Buck Owens-Titel.



Mehr zu Ringos "natural acting" morgen.

September 08, 2009

Ringo Starr Week: Werbepause





Intellektuelle Cretins

Teodoro Petkoff über Oliver Stones und Noam Chomskys rezente Lobhudeleien für Chavez:

"One might even be sympathetic to people like Noam Chomsky or Oliver Stone. They are part of a left so very, very powerless in their own country, that every time they see a Third World military such as Chávez or a guerrilla, even one of papier-mache as the ineffable Marcos, who sticks his finger in the eye to gringos - verbally, of course - they cling to their epaulets and live, then, vicariously, the "revolution" for which they feel that there's no room in [North] America.

So there we must offer a bit of indulgence with the political idiocy that characterizes them. Only political cretinism, because, on the other hand, these are people whose talent can not be ignored. And this is why their behavior is so damaging.

They are not mercenaries or bought. Unlike rabble like Ignacio Ramonet, for example, who everyone knows is a cynic who charges Chavez for writing in his favor, Stone and Chomsky are honest people who believe in what they say and who are also outstanding in their specific fields of knowledge. Would we not have discovered faster the treachery that was the Soviet Union had it not not been for hundreds and hundreds of some of the brightest intellectuals of the world singing the praises of daddy Stalin and his successors ? Now we have Oliver Stone to sell the world the image of Chacumbele [Chavez], based on lot the tall tales he sold him and that Stone bought without even making an inventory, not even bothering to compare them against some piece of the Venezuelan reality.

You read that immense and river like book that Neruda's Canto General is and when you stumble on the "Song of Stalin", yet one wonders how could Neruda, with all his genius, could write such a great stupidity. One wonders if this Oliver Stone of "South of the Border" is the same as the one of "Platoon"."

(via Venezuela News and Views)

September 07, 2009

Ringo Starr Week: Klaatu barada nikto!

Only you (1974)



mit Harry Nilsson im Bademantel.

September 06, 2009

Ringo Starr Week: Women! Booze! Disco!

Drowning in the sea of love (1977)


September 05, 2009

Ringo Starr Week: The Greatest!

I'm the greatest (1973)



mit John Lennon, George Harrison, Klaus Voormann und Billy Preston.

August 23, 2009

Wer ist Wilhelm Rosenthal?


Anlässlich meines heutigen Aufbruchs Richtung Reichshauptstadt (Dienstag geht's dann noch weiter ostwärts), hier Auszüge aus einem Artikel aus dem Angriff vom 17. Januar 1937 (Reprint in der letzten Ausgabe der Zeitungszeugen) über "ungeheuerliche" Vorgänge bei der Aktionärsversammlung der Berliner Lokalbrauerei Schultheiss:

Wer ist Wilhelm Rosenthal? Was wird gegen ihn unternommen?
"Wie erinnerlich stand in der Generalversammlung Herr Rosenthal auf und verlangte auf Kosten der Wohlfahrtsfonds der Gesellschaft eine höhere Dividende. (...) Die Vorgänge in der Schultheiß-Versammlung sind aber so unglaublich, daß sich die maßgebenden Stellen dieses Falles annehmen müssen. Es ist einfach unmöglich, daß ein Mann mosaischen Namens (seine wahre Abstammung steht noch nicht fest) die gesamte deutsche Sozialpolitik öffentlich torpediert. In Kreisen der Schultheiß-Belegschaft hat man den Eindruck, daß es sich hier um einen Racheakt entlassener jüdischer Hopfen- und Gerstenlieferanten handelt. Dafür spricht folgendes: Herr Rosenthal hat sich getarnt. Mit dem Vornamen heißt er Wilhelm, aber einen Wilhelm Rosenthal in Berlin-Charlottenburg gibt es gar nicht. (...)
Es geht nicht, daß in einer Versammlung ein zweifelhafter Mann auftaucht, durch unglaubliche Zumutungen. die von jeher sozial eingestellte Betriebsführung beleidigt und nach getaner Arbeit ins Dunkel taucht und verschwindet. Herr Rosenthal verdient seine Strafe. Es muß die Möglichkeit geben, einen Mann hinter Schloß und Riegel zu setzen, der es wagt, die betriebliche Sozialpolitik zu verhöhnen. Nicht af die 30 RM. [mehr Dividende] kam es ihm an, es kam ihm sicherlich darauf an, an Schultheiß sein Mütchen zu kühlen. Warum ist er untergetaucht, warum versteckt er sich? Etwa um seine Hintermänner zu decken? Wer sind die? Auch die Firma Schultheiß hat ein Recht darauf, daß ihr Recht widerfährt."

Mehr zum Schultheiss-Komplex und zur Künstlergruppe der "Schultheiss-Nazis" auf den Seiten des Erratik-Instituts Berlin über Psychogeographie. Das Schultheiss-Bier selber ist übrigens eine ziemliche Plörre.

August 22, 2009

Live on Playboy After Dark (7 und Schluss)

Ike & Tina Turner - I wanna take you higher / Come together / Proud Mary

August 20, 2009

Drolliges aus dem Zwischennetz (2)

Dr. Anarchy aka Mike Gogulski legt die "offizielle" anarchistische Stellung zur Zombie-Apokalypse dar.

Die nahezu ultimative Liste aller "Hick Flicks" (auch bekannt als "Redneck Cinema", sozusagen die kaukaso-amerikanische Antwort auf die Blaxploitation-Welle) findet man im grossartigen Blog Retrospace.

Schon etwas älter: die Titanic stellt schon mal sinngemäss den Inhalt der historisch-kritischen Ausgabe von Mein Kampf vor (via Hitler-Blog).

August 19, 2009

Libertäre Presse

LeftLiberty 2 ist bei Corvus Distribution erschienen.
Shawn Wilbur, der mittlerweile nicht mehr in der Alliance of the Libertarian Left aktiv ist, präsentiert dort wieder klassische Texte aus der mutualistischen und individualanarchistischen Tradition, darunter das Abschlusskapitel von Proudhons posthumer Théorie de la propriété (die selber nur ein Fragment aus dem immer noch unveröffentlichten Polen-Buch von 1861 ist) oder das "Mini Manual of the Individualist-Anarchist" von Emile Armand, diesmal jedoch erweitert durch Kommentare und Überlegungen von Wilbur selber. Des Weiteren findet der geneigte Leser ein weiteres Kapitel des (völlig unzugänglichen) fourieristischen Science-Fiction-Romans The Distributive Passions und einen unfreiwillig komischen Text aus der ersten Version der marxistischen International Socialist Review über "Sozialismus in der Pflanzenwelt".

August 15, 2009

Live on Playboy After Dark (6)

Iron Butterfly - Iron Butterfly Theme


August 14, 2009

Drolliges aus dem Zwischennetz

Kurt Tucholsky gibt eine Einführung in die hohe Kunst der Wirtschaftswissenschaft: "Kurzer Abriss der Nationalökonomie" (via Walgesang).

JayJay über das Stopfen von Sommerlöchern vermittels Speck (und darüberhinaus dem Wahlkampf in Deutschland).

Roger Pielke Jr über die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Glenn Allport über Ringos Gesetz.

Immer wieder schön: Lp Cover Lover.

August 12, 2009

August 10, 2009

Rettet die Birne!

Einen lesenswerten Text von Albert Carlsson zum Glühbirnenverbot aus dem Journal von vergangenem Samstag findet man hier.

Helmut Höge, der ewige Aushilfshausmeister der taz, berichtet indessen bereits über den War on Bulbs, der dem War on Drugs neuerdings Konkurrenz macht:
"Glühbirnen horten, die Verdunklungsgefahr bekämpfen:
Gleich zwei Hubschrauber kreisten über der Hasenheide. Bild berichtete anderntags triumphierend, dass ihr Einsatz erfolgreich war: “12 Drogenhändler gingen der Polizei ins Netz.” Mitnichten! Sie nahmen keine Rauschgift- sondern Glühbirnen-Dealer fest. Schon gleich nachdem Herstellung, Handel und Genuß dieser Lichtquellen verboten worden war, hatten Osram und Philips die Glühbirnenpreise nahezu verdoppelt. Und obwohl sie dann sogar doppelt so viele Birnen wie früher verkauften, weil die Kunden massenhaft Vorräte anlegten - vor allem mit 100-Wattbirnen, die als erstes verboten werden, drängte Siemens/Osram auf Beendigung des Handels mit Glühbirnen. Das bezog sich auf die schmutzige Konkurrenz. Narva (in Brand-Erbisdorf), Philips, General Electric und Auer Lightnings bieten gerade neue Glühbirnen an: Sie brennen länger, verbrauchen weniger und sind heller. “Technology Review” schreibt: “Die neue Technologie wendet sich an Kunden, denen das von Kompaktleuchtstofflampen abgegebene Licht nicht zusagt, die gleichzeitig aber dennoch etwas für die Umwelt tun wollen. Zumal die Entsorgung unkomplizierter ist: Reguläre Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber, was sie zum Sondermüll macht,” außerdem fehlt ihrem “kalten Licht” der auf Dauer lebenswichtige Infrarotanteil.
Darüberhinaus werden auch weiterhin normale unter das Verbot fallende Glühbirnen angeboten: von Merkur in Hamm, von mehreren chinesischen Firmen und vor allem von italienischen Händlern. Das italienische Wirtschaftsministerium verweigert sich einstweilen noch dem europäischen Glühbirnenverbot. Das deutsche hat dagegen verfügt: Wer nach dem Stichtag noch matte Glühbirnen bestellt, dem droht ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro. In Kreuzberg haben pfiffige Ökos bereits eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet, die langzeitarbeitslosen 1-Euro-Jobbern eine Chance gibt (22 bisher): Diese patroullieren durch den Bezirk und zeigen alle an, die ihre Räume mit matten Glühbirnen erhellen. Sie erkennen die schon von weitem am warmen Licht. Das Ordnungsamt verhängt daraufhin ein Bußgeld von 123 Euro pro Birne (schon der Besitz ist strafbar!). “Es ist wie früher im Krieg, als Verdunklung angeordnet wurde, nur andersherum,” meint einer der “Light-Controller”, der ungenannt bleiben will."

August 09, 2009

Unconscientious Objector

Ein kurioser Gag-Strip von Jack Cole aus Crack Comics #29 (Quality Comics, Mai 1943), der in seltsamen Kontrast zu der integral in die Kriegspropaganda eingebundenen US-Comic-Szene der damaligen Zeit steht. Will Cole damit evt. Isolationisten als Hillbillies, Südstaaten-Revanchisten und zurückgebliebene Ignoranten kennzeichnen?

August 08, 2009

Live on Playboy After Dark (5)

Buddy Miles - Them Changes / Dreams

August 03, 2009

Maulkorbgesetz in Venezuela

Vergangenen Donnerstag hat die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega einen Gesetzentwurf gegen "Medienverbrechen" beim venezuelanischen Parlament eingebracht, der ihr zufolge eine "Regulierung der Meinungsfreiheit" (sic!) einleiten soll. Der Text des Entwurfs ist einsehbar: hier im Original, auf englisch oder auf französisch.
Die aktuellen Ereignisse, wie das Schliessen von 34 Radiostationen wegen ungültigen Lizenzen oder die ersten Nachstellungen gegen einen oppositionellen Blogger scheinen also nur der Anfang eines allgemeinen Angriffs auf Meinungs- und Pressefreiheit in Venezuela zu sein. Der Minister für öffentliche Bauten Diosdado Cabello wird hierzu wie folgt zitiert: "Die Meinungsfreiheit ist nicht die allerheiligste Freiheit, die existiert". Na dann...

August 01, 2009

Live on Playboy After Dark (4)

Deep Purple - And the address / Hush