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Mai 25, 2012

Zinsknechtschaft gebrochen

Gelesen auf causeur.fr:
"Ce mercredi 23 mai 2012, l’État allemand a emprunté 5 milliards d’euros sur les marchés financiers jusqu’au 13 juin 2014 – soit pour un peu plus de deux ans. Comme d’habitude, la Deutsche Bundesbank a mis une obligation fédérale (Bundesschatzanweisungen) aux enchères ; elle a reçu un peu plus de 7,7 milliards d’offres et en a retenu les meilleures pour le montant de 5 milliards initialement prévu. Si je vous parle de cette émission, ce n’est pas que le montant emprunté et la durée de l’emprunt aient quoi que ce soit d’inhabituel. Ce n’est pas non plus parce que l’offre de la Deutsche Bundesbank a été sursouscrite – c’est tout ce qu’il y a de plus commun. Mais cette obligation a été émise au taux de 0%. Oui, vous avez bien lu : l’État allemand est désormais en mesure, sans le moindre problème, d’emprunter 5 milliards d’euros sur 2 ans sans payer ne serait-ce qu’un centime d’intérêt."

Januar 10, 2012

Der späte Sieg des Silvio Gesell

Deutschland und Dänemark sind offenbar vorübergehend aus den Klauen der Zinsknechtschaft befreit, wie man heute im Luxemburger Wort lesen kann:
"Neues Jahr, neues Glück – an den Finanzmärkten gilt dieser fromme Wunsch diesmal nicht. Die Euroschuldenkrise hat die Finanzwelt weiter fest im Griff. Auf der verzweifelten Suche nach sicheren Anlage-Häfen akzeptieren Investoren mittlerweile sogar Negativ-Zinsen. Was Ende des vergangenen Jahres bei der Versteigerung von dänischen Schuldverschreibungen noch als Kurskapriole für ungläubiges Kopfschütteln bei den Investoren sorgte, scheint im neuen Jahr Schule zu machen. Am Montag versteigerte die Bundesrepublik Deutschland erstmals Wertpapiere mit einem negativen Zinssatz. (...)
Für die Experten der Finanzagentur war das derart ungewöhnlich, dass sie in der offiziellen  Mitteilung prompt einen Fehler einbauten und das Minuszeichen vergaßen. 'Das negative Vorzeichen bei der Durchschnittsrendite ist eben auch in der Schreibweise noch nicht üblich', hieß es als Entschuldigung in einer korrigierten Fassung."


Juni 27, 2011

Keine Haftung für Spekulationen

Etwas verduzt las ich dieser Tage im Luxemburger Wort (25.6.), in einem Artikel zur Pressekonferenz von Déi Lénk zur beschissenen Lage der Eurozone, folgenden Satz:
"Die Schuldnerstaaten sollten nämlich nur die 'legitimen' Schulden zurückzahlen müssen, nicht aber jene, die durch Spekulation entstanden sein, so Déi Lénk".

Zuerst hatte ich angenommen, der klerikale Journalist hätte hinterhältig den Sinn der Aussage verkehrt, und die Vertreter der luxemburger Linkspartei hätten eigentlich von einem Schuldenaudit gesprochen, wie ihn einige griechische Abgeordnete in der Tat fordern (wobei es hier darum geht, den griechischen Staat von jenen Schulden zu entledigen, die auf illegale Weise zustande kamen, d.h. vor allem auf Grund von Zahlung von Schmiergeldern. Eigentlich gar keine so dumme Idee, nur folgerichtig müsste man dann eigentlich auch fordern, dass die zuständigen Politiker oder Beamten in diesem Falle persönlich zu haften hätten). Ein Besuch auf der Webseite der Linken hat mich belehrt: tatsächlich wird gefordert dass "Schuldenstaaten" ("pays endettés", also eigentlich alle) nicht für diejenigen Schulden aufzukommen brauchen, welche durch "Spekulationen" entstanden. Nun sind Investitionen welche die Zukunft betreffen (und das tun sie immer), logischerweise immer mit einem Element der "Spekulation" behaftet, wie schon Proudhon wusste. So z.B. sind staatliche Investitionen in die Ausbildung eines Studenten höchst spekulativ: keineswegs ist ausgemacht, dass die Investitionen den Studenten in ein "produktives Mitglied der Gesellschaft" verwandeln, sprich einen wertschaffenden und steuerzahlenden Lohnarbeiter oder Selbstständigen produzieren: vielleicht wandert der Student aus, vielleicht wird er zum Sozialfall, vielleicht stirbt er vor Ende des Studiums...

Die Trennung zwischen "legitimen" und "spekulativen" Schulden scheint mir also recht waghalsig und eine Einladung zu einer Behandlung "à la tête du client". Auf jeden Fall verwundert es, dass gerade Déi Lénk, die ansonsten die "Tyrannei der Finanzmärkte und Rating-Agenturen" anprangern und die "Souveränität der Völker" "wieder herstellen" wollen, wie sie offenbar vor "Einzug des Neoliberalismus" bestand  (unter solch "authentisch linken" Politikern wie Pierre Werner und Gaston Thorn?), geradezu einen Freibrief für Spekulationen fordern (wenn auch nur für den ideellen Gesamtkapitalisten und nicht für den Privatspekulanten, der ohnehin abgeschafft gehört), und die Staaten geradezu dazu einladen, möglichst viel des "so genannten Nationalreichtums" (siehe MEW, 23, S.782) an der Börse zu verspekulieren...

September 26, 2009

Die Pointe

September 25, 2009

Kreditknauserigkeit der Banken, Anno 1946

Text und Zeichungen: Art Helfant. Aus: Blue Bolt v7 # 1, Juni 1946.

Fortsetzung folgt...

Juni 25, 2009

Faule Kredite sollen den Mittelstand retten

In den letzten Tagen wurde die Gründung der "Northstar Europe S.A." als Joint-Venture des kanadischen "Finanzdienstleister" Northstar Trade Finance, der staatlichen Investitionsbank SNCI und dem ebenfalls staatlichen Kreditversicherer Office du Ducroire quer durch den luxemburger Blätterwald als wirksame Hilfe für die schwer gebeutelten, exportorientierten mittelständischen Unternehmen Europas im Allgemeinen und Luxemburgs im Besonderen gefeiert. Das Luxemburger Wort vom 20. Juni 2009 berichtet ausführlicher über die Vorgehensweise der neuen Gesellschaft:
"Ein Luxemburger Unternehmen will einer ägyptischen Firma eine Maschine verkaufen, [hier fehlt offensichtlich ein: diese] hat aber nicht genügend Geld. Das benötigte Kapital leihen sich die Ägypter bei Northstar Europe, das den luxemburgischen Exporteur bezahlt. Northstar leiht sich das Geld bei Banken, die den Kredit über den SNCI refinanzieren können. Versichert wird der Kredit beim Ducroire, das sich wiederum selbst rückversichert."
D.h. ganz nach dem Modell des berüchtigten Derivate-Handels setzt Northstar keinerlei eigenes Kapital ein, sondern verkauft bloss Kredite weiter, die er woanders aufgenommen hat, und die noch dazu vom Staat refinanziert werden sollen. Dabei bietet die öffentliche Hand gleich eine doppelte Absicherung, da sie neben der Refinanzierung gegenüber den Banken zugleich auch noch die Versicherung beim Zahlungsausfall zu leisten hat. Dem Luxemburger Unternehmen kann es also in letzter Instanz egal sein, ob sein ägyptischer Kunde zahlungsfähig ist, da der Luxemburger Staat ja sowieso einspringen wird. Dies lädt natürlich geradezu dazu ein, von vornherein völlig überhöhte Preise zu verlangen. Der Ägypter wiederum wird dadurch gezwungen, sich zu verschulden. Falls die Rückzahlung inklusive Zins und Zinseszins dann ausbleibt (das Office du Ducroire hat gerade erst über die "mangelnde Zahlungsmoral" seit Ausbruch der Krise geklagt), häufen sich bei den Banken, bei denen Northstar Kunde ist, die faulen Kredite (für die in letzter Instanz der Steuerzahler einzuspringen hat). Über die Gewinnmarge von Northstar bei der ganzen Chose schweigt sich das Luxemburger Wort wohlweislich aus.