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September 05, 2010

Nahost-"Friedensprozess", anno 1939

... oder plus ça change, plus c'est la même chose:
"The British did not accept all the mufti's demands and were unable to bridge the gaps between Arab and Jewish positions. On 17 May they issued their new policy, the White Paper of 1939, based on the understandings they had reached with the delegations from the other Arab countries. The principal points were severe restrictions on Jewish immigration to Palestine and Jewish land purchases and agreement in principle to the establishment of an independent Palestinian state within ten years - if Jewish-Arab relations would allow proper administration of the country. On the following day the Higher Arab Committee discussed the proposal. Hajj Amin chaired the meeting, which was attended by five other members. They decided to reject the White Paper, despite the fact that it included significant gains for the Arabs. The four members who were absent from this meeting favored acceptance of the British decision; they remained in the minority. The Nashashibis' announcement that they supported the new British policy was only of marginal significance because of their political weakness. So, despite the White Paper's many benefits for Arabs, and even though most of the Arab public in Palestine viewed it as an achievement, the official Palestinian Arab leadership rejected it.
The campaign against the opposition and its leaders continued after the promulgation of the White Paper, and it did not end when the rebellion ended. Ihsan al-Nahmer, an oppositionist in Nablus, discerned after the fact that there was a pattern to the rebel actions - they killed a prominent opposition figure in each of the country's regions: Rafe' al-Fahoum in Nazareth, Dr. Anwar Shuqayri in Acre, Ahmad and Muhammad Irshein in Jenin, Hasan Sidqi al-Dajani in Jerusalem, Nassir al-Din in Hebron, and prominent leaders in the villages. This was in addition to the death sentences passed on figures such as Fakhri Nashashibi and Fakhri 'Abd Al-Hadi, which were proclaimed publicly. In this way the Husseini leadership silenced opposition political voices (although oppositionists continued to extend military and intelligence aid to the British and Zionists)."

Aus: Hillel Cohen, Army of Shadows. Palestinian collaboration with Zionism, 1917-1948, Berkeley, Los Angeles, London, 2008, S.133-134. Die Fußnoten habe ich übersprungen.

Juli 30, 2010

Links

- Zwei Studien über den frühen amerikanischen Anarchismus/Individualismus: Rudolf Rockers Pioneers of American Freedom und E.M. Schusters Native American Anarchism auf Reason Hit & Run, via Jesse Walker.

- Ebenfalls von Jesse Walker: eine historische Kontextualisierung von Burqa-Verboten und Ground-Zero-"Moschee"-Diskussion.

- Ein animierter Slavoj Žižek.


- Saint Che: ein schon fast klassischer Text von Larry Gambone aus dem Jahre 1997, via Entdinglichungs neuester Durchforstung der Archive der "radikalen und nicht so radikalen Linken".

- Hier hingegen ein vom Glauben abgefallener Linker. Man beachte folgende Passage: "I began a journey across the left, attempting to rediscover the original vision of the need for a better world which had originally inspired me, but I came to the conclusion that the rot went far further than just the SWP. It was not there was a moral vacuum in the left, but instead a willingness to close its collective eyes to injustice and oppression in the name of a Greater Good. Only among the Anarchists that could I find those who refused to compromise principle and remain true to a vision of a better world free from the shackles of State and God, however, even within the Anarchist movement they were a small minority whilst the mass of anarchists parroted the lefty lines; but dressed in black and with more swears."

November 16, 2009

Erzdemokrat, anno 1938

Interessante Fundstücke mal wieder in der vorletzten Nummer der Zeitungszeugen (No.39), z.B. dieses für viele wahrscheinlich überraschende Bekenntnis des GröFAZ zur Demokratie:
"Demokratie ist in unseren Augen ein Regime, das vom Willen des Volkes getragen wird. Ich bin nach den Regeln der parlamentarischen Demokratie einst in Deutschland Kanzler geworden (Brausende Bravo-Rufe), und zwar als der Führer der weitaus stärksten Partei. Nach den Regeln der parlamentarischen Demokratie erhielt ich dann die unbedingte Mehrheit, und - Herr Churchill mag es bezweifeln - heute die einmütige Zustimmung des deutschen Volkes!
Ich habe nun in diesem Jahre nicht - zwei Demokratien - beseitigt, sondern - ich möchte fast sagen - als Erzdemokrat habe ich zwei Diktaturen beseitigt! (Immer tosender wird der Sturm des Beifalls, in dem sich jubelnde Heilrufe und brausendes Händeklatschen mischen). Nämlich die Diktaturen des Herrn Schuschnigg [in Österreich] und die Diktatur des Herrn Benesch [in der Tschechoslowakei]. Ich habe friedlich versucht, diese beiden Diktaturen dazu zu bewegen, auf dem Wege der Demokratie endlich für die Betroffenen das Selbstbestimmungsrecht herbeizuführen. Dieser Versuch ist mir mißlungen. Dann erst habe ich die Kraft des großen deutschen Volkes eingesetzt, um die Demokratie in diesen Ländern herzustellen, d.h. um unterdrückten Menschen die Freiheit zu geben! (...)
Herr Churchill und diese Herren sind Abgeordnete des englischen Volkes, und ich bin Abgeordneter des deutschen Volkes. (Stürmische Heilrufe branden zum Führer empor.) Der Unterschied liegt nur darin, daß auf Herrn Churchill nur ein Bruchteil der englischen Stimmen gefallen ist, während ich, ich darf es sagen, das ganze deutsche Volk repräsentiere!"
Nach den Hamburger Nachrichten, aus der Rede Adolf Hitlers in München, am... 9. November 1938, wenige Stunden vor der als "spontanen" Volkserhebung (denn was ist schon demokratischer als ein Lynchmob?), als Reaktion auf die Ermordung des Legationssekretärs vom Rath durch den 17jährigen Herschel Grynzspan, vermarkteten Reichskristallnacht. Anscheinend gab es wirklich kein Regime seit dem Aus-der-Mode-kommen des Gottesgnadentums, das nicht vorgab, seine Legitimität vom Volk erhalten zu haben und in seinem Sinne zu handeln.

In der gleichen Ausgabe der Zeitungszeugen: ein Reprint der Zionistischen Rundschau vom 4. November 1938, wo man unter anderem über die starke arabische Emigration nach Palästina liest (wobei man sich fragen kann, wieviele Nachkommen von 1948 geflüchteten Palästinensern nach über 60 Jahren noch immmer unter den Flüchtlingsstatus mit allen damit verbundenen Diskriminationen fallen, obwohl ihre Vorfahren zuvor vielleicht nur ein Jahrzehnt in Palästina gelebt haben), und auch folgenden frommen Wunsch findet: "Wenn man den Terroristen [um Mufti al-Husseini] das Handwerk lege, so könne nichts die Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern zur Verteidigung ihres gemeinsamen Landes hindern können."