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Oktober 06, 2012

Both kinds of music (124): Hank der Dritte

Der Enkel von Hank Williams und Sohn von Hank Williams, Jr. war sozusagen verdammt, die Familientradition fortzusetzen, zumal er in jungen Jahren offenbar wie ein Abziehbild seines Großvaters aussah. Hank der Dritte, geboren 1972, versuchte es vielleicht deswegen zunächst außerhalb der Country-Musik und spielte in den 1980ern in diversen Punk-Bands, bevor er 1989 zu einem Trio mit seinem verstorbenen Großvater (mittels Archiv-Aufnahmen) und seinem Vater verpflichtet wurde. So entstand das Album The Three Hanks: Men of broken hearts. Hiervon der Titel I'll never get out of this world alive.

Zehn Jahre später erschien das eigentliche Debut von Hank Williams III, Risin' Outlaw, das weitestgehend im Stil von Hank dem Ersten gehalten war. Hank III hat sich seitdem von dem Album distanziert, offenbar weil es ihn zu sehr in den Schatten des Großvaters stellte. Deutlicher auf seine eigenen Punk-Wurzeln bezog sich Williams auf dem dritten Album Straight to Hell (2006), mit dem programmatischen Song Dick in Dixie:

In den kommenden Jahren zementierte er seinen Ruf als Bad Boy der Country-Musik (womit er aber eigentlich ganz in der Familientradition blieb), und sich auch darüber hinaus im Metal-Milieu bewegte. So entstand das Band-Projekt Arson Anthem mit Ex-Pantera-Sänger Phil Anselmo und die "Punk-Metal"-Band Assjack. Ansonsten war Williams die letzten Jahre vor allem mit Konflikten mit seiner ehemaligen Plattenfirma Curb beschäftigt, die ohne dessen Erlaubnis auch zwei inoffizielle Williams-Alben (Hillbilly Joker und Long gone Daddy) veröffentlichen. Gleichzeitig bereichterte Williams seine Diskographie 2011 um gleich vier Alben, vielleicht um den unerlaubten Releases Paroli zu bieten (zwei Country-Alben, ein Doom Metal-Album und ein "Cattlecore"-Album). Hier der Titel Troopers Hollar vom Album Ghost to a ghost:

Mai 17, 2012

Himmelfahrt



The Psychedelic Avengers - Raumschiffkommandant (Egotronic Remix)

April 28, 2012

Both kinds of music (102): Even cowboys get the punk

Ein "Seitengenre", das hier noch nicht behandelt wurde, und das wir heute auch nur streifen können, ist der sogenannte "Cowpunk", der sich vor allem im Raum Los Angeles manifestierte. Ab den frühen 1980ern bauten dort Punk- und New Wave-Bands Country- und Rockabilly-Elemente in ihre Musik ein (etwas artverwandt ist der Psychobilly); darunter auch Größen des Genres wie X, hier mit dem Titel The new world (1983):

Weiter wären zu nennen: The Blasters, Rank and File, Blood on the Saddle oder Jason and the Scorchers. Daneben gab es aber auch Acts, die eher humorvoll an die Sache rangingen und/oder als Cowboys MTV-tauglichen New Wave/Pop machten; so z.B. Rubber Rodeo mit den Titeln wie How the west was won (ebenfalls 1983):

Ein Höhepunkt des Genres war sicherlich die Veröffentlichung des zweiten Social Distortion-Albums Prison Bound, das einen recht harten Punk-Sound mit Johnny Cash-Einflüssen verband. Hier eine sehr viel spätere - und softere - Aufnahme des Titelsongs, live 2011 beim Rock am Ring:

März 24, 2012

Die Woche der besungenen Anarchie (7)



The Orphans - For an old Kentucky anarchist (ca. 1995-96? veröffentlicht 2006)

März 20, 2012

Die Woche der besungenen Anarchie (2)



Vennaskond - Anarhia ENSV-s (1999)

März 19, 2012

Die Woche der besungenen Anarchie (1)



Crass - Bloody Revolutions (1980)

Dezember 10, 2011

Both kinds of music (82): Outlaw Country in Zeiten des Punk

1976 wurde die Outlaw-Bewegung in der Country-Bewegung sozusagen offizialisiert, als die Compilation Wanted! The Outlaws mit Titeln von Waylon Jennings, Willie Nelson, Jennings' Ehefrau Jessi Colter und Tompall Glaser (von den Glaser Brothers, die in den 1950ern Marty Robbins begleiteten). Das Album war die bis dahin erfolgreichste Country-Compilation und erreichte sowohl Platz 1 der Country-Albencharts als auch Platz 10 der US-Pop-Charts. Hieraus der alte Jimmy Rodgers-Titel T for Texas in der Version von Glaser:

Von Jessi Colter war auf dem Album unter anderem die Ballade I'm looking for Blue Eyes, eine überarbeitete Version des 1975 zuerst eingespielten Songs What's happened to Blue Eyes:

Einer der bekanntesten Outlaw-Songs erschien im darauf folgenden Jahr, 1977: Take this job and shove it von Johnny Paycheck, 1981 auch Titelsong eines gleichnamigen Films und 1986 gecovert von den Dead Kennedys:

Im gleichen Jahr erschien in England auch folgender sinnverwandter Song einer Band, die nun wenig mit Country zu tun hat, und doch auch ein Outlaw-Image pflegte:

November 11, 2009

Der Soundtrack zur Wende (4): Wir sind das Volk

Vielleicht die Geburtsstunde des Slogans "Wir sind das Volk": Schleim-Keim - Prügelknaben (Aufnahme von ca. 1986).


Der ganze Text zum Mitsingen:

PRÜGELKNABEN (1985)
Wir wollen nicht mehr, wie ihr wollt
wir wollen unsere Freiheit
wir sind das Volk, wir sind die Macht
wir fordern Gerechtigkeit
Wir sind das Volk, wir sind die Macht
Es ist zu spät, wenn es erst mal kracht
Das ist die Realität
und du merkst, wie die Zeit vergeht
du merkst, wie du langsam hier verfaulst
und wie eine kranke Katze jaulst
Gedanken werden sterilisiert
Worte durch Zensur kastriert
Bilder verfälscht, um den Schein zu wahren
sich stärker zeigen nach langen Jahren
den Willen nehmen und verformen
in Normen durch genormte Normen
aufbegehren durch Gewalt verwehren
sich nur um des Nachbars Fehler scheren
Das ist die Realität
und du merkst, wie die Zeit vergeht
du merkst, wie du langsam hier verfaulst
wie eine kranke Katze jaulst

In der saubereren CD-Aufnahme auf dem Album Abfallprodukte der Gesellschaft, 1992 bei HöhNIE Records erschienen, wird die erste Strophe übrigens nicht mehr gesungen.

Bonus: Spitzel

November 10, 2009

Der Soundtrack zur Wende (3): Aussteigen nicht vergessen

Die Firma - Revolutionäre und Verbrecher



Dieser Band war nach der Wende ein seltsames Schicksal beschieden: Sängerin Tatjana Besson und Keyboarder "Trötsch" wurden als Stasi-IMs enttarnt, Paul Landers und Christoph Schneider wurden mit Rammstein reich und berühmt.

November 09, 2009

Der Soundtrack zur Wende (2): Wir können bis an unsere Grenzen gehen

Eines meiner persönlichen Lieblingslieder: Sandow - Born in the GDR


Und hier die 160.000 Menschen auf die sich das Lied bezieht: anlässlich eines Solikonzerts der FDJ für das Ortega-Regime am 19.07.1988 singen zehntausende DDR-Bürger Born in the USA.

Oktober 25, 2009

203 Jahre Max Stirner

"Zu dem Kapitel der Gesellschaft gehört auch »die Partei«, deren Lob man jüngst gesungen hat.
Im Staate gilt die Partei. »Partei, Partei, wer sollte sie nicht nehmen!« Der Einzelne aber ist einzig, kein Glied der Partei. Er vereinigt sich frei und trennt sich wieder frei. Die Partei ist nichts als ein Staat im Staate, und in diesem kleineren Bienenstaate soll dann ebenso wieder »Friede« herrschen, wie im größeren. Gerade diejenigen, welche am lautesten rufen, dass im Staate eine Opposition sein müsse, eifern gegen jede Uneinigkeit der Partei. Ein Beweis, wie auch sie nur einen - Staat wollen. Nicht am Staate, sondern am Einzigen zerscheitern alle Parteien.
Nichts hört man jetzt häufiger als die Ermahnung, seiner Partei treu zu bleiben, nichts verachten Parteimenschen so sehr als einen Parteigänger. Man muss mit seiner Partei durch dick und dünn laufen und ihre Hauptgrundsätze unbedingt gutheißen und vertreten. Ganz so schlimm wie mit geschlossenen Gesellschaften steht es zwar hier nicht, weil jene ihre Mitglieder an feste Gesetze oder Statuten binden (z.B. die Orden, die Gesellschaft Jesu usw.). Aber die Partei hört doch in demselben Augenblicke auf, Verein zu sein, wo sie gewisse Prinzipien bindend macht und sie vor Angriffen gesichert wissen will; dieser Augenblick ist aber gerade der Geburtsakt der Partei. Sie ist als Partei schon eine geborne Gesellschaft, ein toter Verein, eine fix gewordene Idee. Als Partei des Absolutismus kann sie nicht wollen, dass ihre Mitglieder an der unumstößlichen Wahrheit dieses Prinzips zweifeln; sie könnten diesen Zweifel nur hegen, wenn sie egoistisch genug wären, noch etwas außer ihrer Partei sein zu wollen, d.h. unparteiische. Unparteiisch vermögen sie nicht als Parteimenschen zu sein, sondern nur als Egoisten. Bist Du Protestant und gehörst zu dieser Partei, so darfst Du den Protestantismus nur rechtfertigen, allenfalls »reinigen«, nicht verwerfen; bist Du Christ und gehörst unter den Menschen zur christlichen Partei, so kannst Du nicht als Mitglied dieser Partei, sondern nur dann, wenn Dich dein Egoismus, d.h. Unparteilichkeit, dazu treibt, darüber hinausgehen. Welche Anstrengungen haben die Christen bis auf Hegel und die Kommunisten herab gemacht, um ihre Partei stark zu machen; sie blieben dabei, dass das Christentum die ewige Wahrheit enthalten müsse, und man sie nur herauszufinden, festzustellen und zu rechtfertigen brauche.
Kurz die Partei verträgt nicht die Unparteilichkeit, und in dieser eben erscheint der Egoismus. Was schiert Mich die Partei. Ich werde doch genug finden, die sich mit Mir vereinigen, ohne zu meiner Fahne zu schwören."
aus: Max Stirner (d.i. Johann Caspar Schmidt), Der Einzige und sein Eigentum, Reclam-Ausgabe, S.259-261.

Bonus: Estlands bekannteste Punk-Band (nun gut, die einzige estnische Punk-Band, die ich kenne) Vennaskond verbreiten die reine egoistische Lehre in der estnischen Provinz:


Oktober 11, 2009

In defense of Progressive Rock (2): Jethro Tull



Anonym hat unten im Kommentar geschrieben:
"Wenn auch der Anti-Intellektualismus der "zu viele Noten"-Schreier zurückzuweisen ist, so war doch Punk zumindest eine verständliche Reaktion auf die ungebrochene Positivität von Prog-Rock-Bands wie Jethro Tull, die einem als erleuchtete, weise Männer sonstwas vom Pferd erzählt haben, wie magisch und toll doch die Welt ist.
Interessant in diesem Zusammenhang finde ich Frank Zappa und Captain Beefheart, die zuweilen auch in die Prog-Ecke gesteckt werden, sich aber massiv von Bands wie Yes oder Genesis abgegrenzt haben und immer eine passende Polemik gegen die Hippies auf den Lippen hatten..."

Dass Zappa und Beefheart (die ich eigentlich nicht, oder nur am Rande dem Prog zurechnen würde), sich irgendwann "massiv" von Yes und Genesis abgegrenzt haben, ist mir eigentlich neu; ich dachte eher, die hätten solche Bands schlicht und einfach ignoriert. Eigentlich zeigt der Kommentar aber auf, wie viele Vorurteile es schlicht und einfach zum Progressivrock gibt. Ausgerechnet Jethro Tull als Auswuchs "ungebrochener Positivität" - dabei besteht Tulls erfolgreichstes Album, das oben im Video erwähnte Aqualung, zur Hälfte aus einer Songsuite über einen Kinderschänder mit Atemproblemen; die andere Hälfte besteht aus einem Generalangriff gegen jegliche Religion.

Überhaupt sind Tull, mit ihren ironischen bis sarkastischen, häufig ziemlich düsteren Texten, und ihrem skurillen (manchmal auch recht platten) Humor gar nicht so weit von Beefheart oder Zappa entfernt (man siehe etwa "The hare who lost his spectacles" von A passion play). Tulls progressives Meisterwerk Thick as a brick wird vom Bandleader Ian Anderson auch regelmässig als Parodie der Konzeptalben von Bands wie Yes oder ELP abgetan. Das Album besteht aus einem einzigen Titel, der 45 Minuten dauert, und ist angeblich die Vertonung eines Gedichts des 8jährigen Wunderkinds Gerald Bostock, genannt "Little Milton".

Hier jedoch ein späteres (und rockigeres) Werk von Tull: Heavy Horses (1978)



P.S. A propos Hippies dissen: "The reason I didn’t want to play Woodstock is because I asked our manager, Terry Ellis, 'Well, who else is going to be there?' And he listed a large number of groups who were reputedly going to play, and that it was going to be a hippie festival, and I said, 'Will there be lots of naked ladies? And will there be taking drugs and drinking lots of beer, and fooling around in the mud?' Because rain was forecast. And he said, 'Oh, yeah.' So I said, 'Right. I don’t want to go.' Because I don’t like hippies, and I’m usually rather put off by naked ladies unless the time is right. Well, indeed, unless the money’s right." (Kontext)

Juli 26, 2009

Die Woche des Väterchen Machno: Mongol Shuudan

Die russische Anarchopunk-Legende Mongol Shuudan mit dem Titel "Makhno" aus dem Film I wanted to see angels:

April 20, 2009

Noch mehr Fuzzbox

Als Zugabe zu Samstag, hier auch die zweite Single von Fuzzbox:
We've got a Fuzzbox and we're gonna use it! - Love is the slug



Die Achtziger waren schon irgendwie schön und schaurig zugleich.

April 18, 2009

Frauen ohne Regel

We've got a Fuzzbox and we're gonna use it! - Rules and Regulations


April 05, 2009

Frauen aus Japan

Japan scheint mit Abstand die höchste Frauenband-Quote weltweit zu haben. Hier im Westen sind Bands ohne männliche Beteiligung vielleicht nicht mehr ganz so ein Kuriosum wie in den Siebzigern, aber doch eher die Ausnahme (man überlässt den Frauen die Leadsängerinnen- bzw. Blickfangrolle); in Japan hingegen hat man den Eindruck, dass es genausoviele Frauen- wie Männerbands gibt. Woran's liegt? Vielleicht an der Vorreiterrolle von Yoko Ono?

Shonen Knife - Riding on the rocket



The 5.6.7.8.s - Motorcycle Go-Go-Go!



The Planets - Crazy Love


Januar 26, 2009

The Deviants


Ich entdecke dieser Tage die drei Sechziger-Jahre-Alben der Deviants. Es ist überaus erstaunlich, dass mir diese Band bis vor kurzem völlig unbekannt war; diffus anarchistischer Proto-Punk/Psychedelic Rock-Mischmasch, inklusive an die Situationisten angelehnte Entwendung und Verfremdung der Ästhetik der Konsumgesellschaft der damaligen Zeit (Werbung, Erotikheftchen, Marvel Comics und B-Movies). Sex Pistols zehn Jahre vor den Sex Pistols, quoi. Die Musik ist dabei fast Nebensache.

Mehr Infos findet man hier.

Da die Deviants nie bei Top of the Pops, Musikladen, Disco usw. aufgetreten sind, findet man auch keine bewegten Bilder auf Youtube.
Hier hat aber jemand die Coverversion von Papa Oo Mao Mao vom zweiten Album zur Untermalung seines politischen Plädoyers benutzt (das folgende Video ist im Gebiet der Volksrepublik China gesperrt):