Posts mit dem Label max stirner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label max stirner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

März 06, 2013

Christoph Hackenberg liest Max Stirner

Schönes Video, entdeckt bei Ars Libertatis:

Auch gefallen auf dem gleichen Blog hat mir das unerwartete Plädoyer für eine traditionalistische katholische Kirche: http://arslibertatis.com/aus-gruenden-der-vielfalt-fuer-eine-traditionalistische-katholische-kirche/

Oktober 25, 2012

206 Jahre Max Stirner

Berlin, 24. Sept. Sie haben eine Ungerechtigkeit wieder gut zu machen, die ein Correspondent Ihrer Zeitung (Nr. 262) beging. Er befürchtete, dass durch die neueste Caricatur, welche den Umsturz des Kreuzes vorstellt, auch andere harmlosere Caricaturen leiden möchten. Er fand sie schlecht, weil sie etwas Heiliges dem Spotte preisgebe, woran Millionen Herzen mit Inbrunst hingen. Das Gesetz verpönt solche Angriffe allerdings, die Vernunft aber kann das Verbot nicht rechtfertigen. Ist etwas in dem Sinne heilig, dass es vernünftig ist, so weiss es den Spott zu ertragen und – muss ihn tragen, denn erst daran, dass es die Widerwilligen, die seiner spotten, durch den Nachdruck seiner überzeugenden Wahrheit endlich gewinnt, bewährt es sich selbst. Das wäre mir ein sauberer Heiliger, der gegen die Spötter – die Polizei zu Hülfe riefe! Aber Ihr Correspondent will ja die Angriffe auf das Heilige der „Wissenschaft“ überlassen wissen, damit nur „der Pöbel es nicht verlache.“ Ist denn Das, was man so das Heilige nennt, nur für die Elite der Gesellschaft vorhanden? Für wen war denn die Diana von Ephesus heilig? Demetrius klagt gegen Paulus, „dass der Tempel der grossen Diana für nichts geachtet und ihre Majestät untergehen werde, welcher doch ganz Asia und der Weltkreis Gottesdienst erzeigt“. Für ganz Asia und den Weltkreis ist sie „heilig“, und Paulus hätte, um diese Heiligkeit als eine Nichtigkeit aufzudecken, die ganze Sache nur unter den Schriftgelehrten ausfechten sollen? Sodann findet es der Correspondent auch noch ganz natürlich, dass eine solche Caricatur des Hohns von allem Humor entblösst sei. Heisst Humor so viel als unschuldige Harmlosigkeit, so trifft der Vorwurf allerdings; aber der Humor der Weltgeschichte ist auch ein Humor der Entrüstung.
(Korrespondenz in der Leipziger Allgemeinen Zeitung Nr. 270 vom 27. September 1842; nach Max Stirner's Kleinere Schriften und Entgegnungen auf die Kritik seines Werkes: „Der Einzige und sein Eigenthum“ aus den Jahren 1842–1848, 2. Auflage, Berlin 1914, S.175.)

Oktober 25, 2011

205 Jahre Max Stirner

"Es ist nöthig, noch ein Wort über den Menschen zu sagen. Wie es scheint, ist Stirners Buch gegen den Menschen geschrieben. Dadurch, wie auch durch das Wort Egoist hat er sich die schlimmsten Urtheile zugezogen oder die hartnäckigsten Vorurtheile rege gemacht. — Ja, es ist wirklich gegen den Menschen geschrieben, und gleichwohl hätte Stirner auf dasselbe Ziel losgehen können, ohne die Leute so arg vor den Kopf zu stossen, wenn er die Kehrseite herausgewendet und gesagt hätte: er schreibe gegen den Unmenschen. Nur hätte er dann selbst die Schuld getragen, wenn man ihn in entgegengesetzter, nämlich in sentimentaler Weise missverstanden und in die Reihe derer gestellt hätte, welche für den 'wahren Menschen' ihre Stimme erheben. Stirner aber sagt: Mensch ist der Unmensch, was der eine ist, das ist der andere, was gegen den einen gesagt wird, wird gegen den andern gesagt.
Misst man ein Wesen an einem Begriffe, so wird es niemals diesem Begriffe vollkommen entsprechend gefunden: misst man Dich an dem Begriffe Mensch, so wird sich stets herausstellen, dass Du etwas Apartes bist, etwas, was mit dem Worte Mensch nicht ausgedrückt werden kann, also jedenfalls ein aparter Mensch. Muthete man Dir nun zu, durchaus Mensch und nichts als Mensch zu sein, Du aber könntest dein Apartes nicht abstreifen, so wärest Du durch eben diess Aparte ein Unmensch, d. h. ein Mensch, der nicht wahrhaft Mensch, oder ein Mensch, der eigentlich Unmensch ist. Der Begriff Mensch hätte seine Realität gerade im Unmenschen.
Dass an dem Begriffe Mensch gemessen, jeder wirkliche Mensch ein Unmensch ist, hat die Religion durch den Satz ausgedrückt, dass alle Menschen 'Sünder' seien (das Sündenbewusstsein); heute nennt man den Sünder einen Egoisten. Und wozu entschloss man sich in Folge dieser Einsicht? Dazu, den Sünder zu erlösen, den Egoismus zu überwinden, den wahren Menschen zu finden und zu realisiren. Man verwarf das Aparte, d. h. das Einzige, zu Gunsten des Begriffes, verwarf den Unmenschen, zu Gunsten des Menschen, und erkannte nicht, dass der Unmensch die richtige und allein mögliche Realität des Menschen ist; man wollte durchaus eine wahrhaft menschliche Realität des Menschen.
Man verlangte eben eine Widersinnigkeit. Der Mensch ist real und wirklich im Unmenschen; jeder Unmensch ist — der Mensch. Aber Unmensch bist Du nur als die Realität des Menschen, Unmensch nur im Vergleich mit dem Begriffe Mensch.
Du bist Unmensch, und darum bist Du vollkommen Mensch, realer, wirklicher Mensch, bist vollkommener Mensch. Aber du bist eben mehr als vollkommener Mensch, Du bist ein aparter, ein einziger Mensch. Mensch und Unmensch, diese Gegensätze der religiösen Welt, verlieren ihre göttliche und teuflische, also ihre heilige oder absolute Bedeutung, in Dir, dem Einzigen. Der Mensch, nach dessen Anerkennung unsere Heiligen so sehr schmachten, indem sie allezeit eifern, man solle in den Menschen den Menschen anerkennen, wird erst dann vollständig und wirklich anerkannt, wenn er als der Unmensch anerkannt wird. Wird er als solcher anerkannt, so hören alle religiösen oder 'menschlichen' Zumuthungen auf, und die Herrschaft der Guten, die Hierarchie, hat ein Ende, weil der Einzige, der ganz gemeine Mensch (nicht Feuerbachs tugendhafter 'Gemeinmensch'), zugleich der vollkommene Mensch ist.
Indem also Stirner gegen den Menschen schreibt, schreibt er zugleich und in Einem Athemzuge gegen den Unmenschen, als den Gegensatz zum Menschen; er schreibt aber nicht gegen den Menschen, welcher Unmensch, nicht gegen den Unmenschen, welcher Mensch ist — d. h. er schreibt für den ganz gemeinen Einzigen, der dadurch, dass er Unmensch ist, ohnehin und von selbst vollkommener Mensch ist.
Nur Fromme, nur heilige Socialisten u. s. w., nur Heilige aller Art verhindern, dass der Mensch im Menschen anerkannt und gewürdigt wird; nur sie hemmen den reinen menschlichen Verkehr, indem sie den gemeinen egoistischen Verkehr allezeit eingeschränkt haben und einzuschränken trachten. Sie haben einen heiligen Verkehr eingeführt und möchten daraus wo möglich einen allerheiligsten machen."

Aus: "Recensenten Stirners", in Max Stirner’s Kleinere Schriften und Entgegnungen auf die Kritik seines Werkes: „Der Einzige und sein Eigenthum“ aus den Jahren 1842–1848, 2. erweiterte Auflage, 1914, S.366-368.

März 13, 2011

Libertäre Presse

Vor kurzem ist die erste Nummer des individualanarchistischen Blattes i erschienen, mit u.a.einem längeren Aufsatz von Lawrence Stepelevich über Max Stirner im Kontext der Junghegelianer, einer Buchrezension, ebenfalls zum Thema Stirner, des bekannten schottischen SF-Autoren Ken Mac Leod. Herausgeber ist Svein Olav Nyberg in Grimstad/Norwegen, redaktioneller Berater ist neben Thomas Gramstad auch der Autor der Dialectics & Liberty-Trilogie Chris Sciabarra. Ad multos...
 

Oktober 25, 2010

204 Jahre Max Stirner

Diesmal zu Stirners Wiegenfest kein Auszug aus dem Einzigen, sondern ein Kuriosum; eine Korrespondenz in der Rheinischen Zeitung vom 3. Juli 1842, als die deutschen Lande gerade mitten in einer erregten  medialen Debatte über die "Judenfrage" steckten:
 
"Als ich in der Broschüre des Staatsraths Hoffmann: 'Zur Judenfrage', Seite 24 folgende Stelle las: 'Dem Juden in seiner jetzigen Stellung erschweren es die Vorschriften und Gebräuche seines Glaubensbekenntnisses, Handarbeiten gemeinschaftlich mit Christen zu verrichten. Die Christen aller Religionsparteien feiern gemeinschaftlich die Sonntage und die meisten Kirchenfeste. Die Juden können schon vermöge ihrer Minderzahl keinen Anspruch auf die Befugniß machen, an diesen Sonn- und Festtagen, welche zusammengenommen beinahe ein Sechstheil des Jahres ausmachen, die Feier der Christen durch öffentlichen Betrieb ihrer Geschäfte zu stören,' — da überkam mir eine Anwandlung von übertriebenem christlichen Billigkeitssinn. Was in aller Welt, dachte ich, hat denn die 'Minderzahl' hier zu schaffen? Wenn die Christen verlangen können, daß ihre Festtage durch keinen Geschäftsbetrieb gestört werden, warum denn die Juden nicht auch? Hat Gott kein Gefallen daran, daß eine christliche Andacht durch Lärm unterbrochen werde, so wird er auch den Christen schwerlich freundlich sein, die eine jüdische Andacht mit Hämmern und Aexten durchlärmen. Was ist denn da für ein Unterschied? Verlangt Gott selbst Ruhe für die Andächtigen, so muß am Sabbath so gut als am Sonntag von Allen Ruhe gehalten werden; verlangen aber bloß die Christenmenschen für ihren Sonntag allgemeine Ruhe, so ist das ja ein ganz exclusives Privilegium, und wie das recht und billig sein soll, das verstehe Einer. Der Verfasser von 'Zur Judenfrage' versteht es aber, und mit ihm verstehen es — deß bin ich sicher — Millionen guter Christen, die gar kein Arg darin haben, daß Recht und Billigkeit nach der 'Minderzahl' abgewogen werden sollen. Sie finden es ganz in der Ordnung, daß sie gerade auf die Sonnabende ihre geräuschvollen Markttage verlegen und durch Scheuern und Abfegen ihres wochenalten Schmutzes neben den Stuben, Häusern und Synagogen der betenden Juden einen Mordspektakel machen, der ihnen am folgenden Tage von diesen durch — Schließen der jüdischen Läden und Einstellung alles jüdischen Geschäftsbetriebes — vergolten wird. Wann der Jude betet, schachert und scheuert der Christ, und wann der Christ betet, soll der Jude — faullenzen.

Solche curiosen Grillen fuhren mir bei der Hoffmann'schen Stelle durch den Kopf. Seit ich aber mein christliches Bewußtsein und Hochgefühl wieder gesammelt habe, lache ich mich über meine kindische Guthmüthigkeit aus. Der Anfall menschlicher Schwachheit ist vorüber."
Quelle: John Henry Mackay (Hrsg.), Max Stirner's kleine Schriften und die Entgegnungen auf die Kritik seines Werkes "Der Einzige und sein Eigenthum" aus den Jahren 1842-1848, 2. Auflage, Treptow bei Berlin, 1914, S.73-74.

Dezember 14, 2009

Der Limonadenozean und die (Post-)Moderne

Als Zusatz zum Post von gestern, hier ein Text von Hakim Bey aus dem Jahr 1991, der sich u.a. mit Fouriers Phantasien auseinandersetzt. Hakim Bey definiert sich selber als "ontologischer Anarchist", beim libertärsozialistischen Establishment ist er hingegen als "Lifestyle-Anarchist" verpönt, der eine postmoderne Brühe aus Stirner, Nietzsche, Marx, situationistischer Internationale, Sufismus und Mystizismus als "Anarchismus" verkaufe. In gewisser Weise der Slavoj Zizek des Individualanarchismus. Der Leser urteile selbst:

The Lemonade Ocean & Modern Times

A Position Paper by Hakim Bey
1. One More River to Cross

In our experience (that is, not merely in intellectual speculation but in everyday-life) we have found that "the Ego" can be as much of a spook as "the Group"--or indeed, spooky as any abstraction which is allowed to control behavior, emotion, thought, or fate. Deeply as we've been influenced by Stirner / Nietzsche / Tucker/ Mackay, we have never held to any rigid ideological or psychological form of Individualism / Egoism. Individualist anarchism is lovely dynamite, but not the only ingredient in our cocktail.

Our position, put quite simply (in the form of a truism): The autonomy of the individual appears to be complemented & enhanced by the movement of the group; while the effectiveness of the group seems to depend on the freedom of the individual.

In the 1980's--thru poverty, terror, mediation, & alienation--the individual was more & more isolated, while all forms of "combination" (communes, co-ops, etc.) were eliminated or else reduced to pure simulation. The pleasures of the isolated ego have begun to pull as the "self" is gradually reduced to a comm-terminal or funnel for commodity-fetishes. In the 90's we will demand effective means of association which depend neither on Capital nor any other form of representation. We reject the false trance of the Spectacular group--but we also reject the lonely ineffectiveness of the embittered hermit. Always one more illusion to overcome!

2. Maximizing Marx

"Type-3 anarchism" (a term coined by Bob Black) designates a radically non-ideological form of anarchism neither Individualist nor Collectivist but in a sense both at once. This current within anti-authoritarianism is not a new invention, however (nor has it been given any final form). One can find versions of it in such works as bolo'bolo, or in the writings of the Situationists. One Situ group ("For Ourselves") went so far as to suggest a synthesis of Max Stirner & Karl Marx, who in real life were bitter enemies. They pointed out that Stirner's psychological existentialism does not necessarily conflict with Marx's economics. Bakunin criticized not Marx's original critique but rather the solution he proposed, dictatorship.

As for us, Stirner outweighs Marx because psychology precedes economics in our theory of liberation--but we read Stirner in the light of Bakunin & the early Marx--the light of the 1st International & the Commune of 1870--the light of Proudhon.

In order to clarify this position, we'll introduce two more names from our "family tree," Steven Pearl Andrews (1812-1886) & Charles Fourier (1772-1837). In a sense we find them a more congenial pair than Max und Marx, because they both made significant donations to the cause of erotic liberation (a central concern of the Mackay Society), unlike say the virginal Bakunin, or Marx or Proudhon--both prudes--or for that matter Stirner, Nietzsche, or Tucker, who all more or less avoided the subject. Serious historians of the Social often ignore Andrews & Fourier because they were "cranks"--utopianists, marginals, Blake-like visionaries. One needs to be something of a surrealist to appreciate them. But our appreciation is more than erotic, aesthetic, or spiritual. We also draw from them a precise picture of our own position in the "type-3" current of contemporary libertarianism.

3. Lemonade Ocean

Fourier was amazing. He lived at the same time as De Sade & Blake, & deserves to be remembered as their equal or even superior. Those other two apostles of freedom & desire had no political disciples, but in the middle of the 19th century literally hundreds of communes (phalansteries) were founded on fourierist principles in France, N. America, Mexico, S. America, Algeria, Yugoslavia, etc. Proudhon, Engels, Kropotkin all read him with fascination, as did Andre Breton & Roland Barthes. But today in America he is forgotten--not one complete work by Fourier is in print here--a few anthologies came out in the 70's but have vanished--& only one work about him (a fine biography by Jonathan Beecher, which may serve to stir some enthusiasm). Fourier's own disciples suppressed some of his most important texts (on sexuality), which did not appear in print till 1967. It's about time he was re-discovered again.

To quote Fourier out of context is to betray him. To say for example that he believed the ocean would turn to lemonade in the future, when humanity comes to live in Harmonial Association, is to make him a figure of fun (as Hawthorne did in The Blythedale Romance). To understand the beauty of the idea it must be seen in the context of Fourier's grand & brilliant cosmological speculations, rivals in complexity of Blake's prophecies. For Fourier the universe is composed of living beings, planets, & stars, who feel passion & who carry out sexual intercourse, so that creation itself is continual. The miseries of Civilization have deflected Earth & humanity from their proper destiny in a literal cosmic sense. Passion, which we have been taught to regard as "evil," is in fact virtually the divine principle. Human beings are microscopic stars, & all passions & desires (including "fetishes" & "perversions") are by nature not only good but necessary for the realization of human destiny. In Fourier's system of Harmony all creative activity including industry, craft, agriculture, etc. will arise from liberated passion--this is the famous theory of "attractive labor." Fourier sexualizes work itself--the life of the Phalanstery is a continual orgy of intense feeling, intellection, & activity, a society of lovers & wild enthusiasts. When the social life of Earth is harmonized, our planet will re-join the universe of Passion & undergo vast transformations, affecting human form, weather, animals, & plants, even the oceans.

Passion draws humanity into association just as gravity draws celestial bodies into orbital systems. The phalanstery is a little solar system revolving around the central fire of the passions. Thus, altho Fourier always defends the individual against the tyranny of the Civilized groups (what we've called Spectacular groups, in the modern context), nevertheless for him the group in its ideal form takes on a quality of absoluteness. It's been jokingly said of him that the only sin in his system is eating lunch alone. But "association" cannot be considered a form of collectivism or communism--it is not strictly "egalitarian," nor does it eliminate personal property or even inheritance. Moreover, all the elaborate titles & ranks Fourier delighted to invent for his Harmonians were voluntary & purely ceremonial. The Harmonian does not live with some 1600 people under one roof because of compulsion or altruism, but because of the sheer pleasure of all the social, sexual, economic, "gastrosophic," cultural, & creative relations this association allows & encourages.

4. The Convivial Individualist

One of Fourier's favorite illustrations of how harmony works even in Civilization was the dinner party, where wine, wit, & good food are enjoyed according to a spontaneous order, not subject to any law or morality. Social Harmony would be like a never-ending party: Fourier envisioned people leaping out of bed at 3 a.m. to pick cherries as if they were rushing off to a grand ball.

Steven Pearl Andrews (who also used the dinner-party metaphor) was not a fourierist, but he lived through the brief craze for phalansteries in America & adopted a lot of fourierist principles & practices. His chief mentor was Josiah Warren, first exponent of Individualist anarchism (or "Individual Sovereignty") in America--altho Warren in turn inherited much from certain strains of radical democracy & Protestant "spiritual anarchy" which can be traced to the earliest Colonial period. Andrew was a system-builder, a "logothete" like Fourier & Blake, a maker of worlds out of words. He syncretized Abolitionism, Free Love, spiritual universalism, Warren, & Fourier into a grand utopian scheme he called the Universal Pantarchy.

He was instrumental in founding several "intentional communities," including the "Brownstone Utopia" on 14th St. in New York, & "Modern Times" in Brentwood, Long Island. The latter became as famous as the best-known fourierist communes (Brook Farm in Massachusetts & the North American Phalanx in New Jersey)--in fact, Modern Times became downright notorious (for "Free Love") & finally foundered under a wave of scandalous publicity. Andrews (& Victoria Woodhull) were members of the infamous Section 12 of the 1st International, expelled by Marx for its anarchist, feminist, & spiritualist tendencies.

Like Fourier, Andrews created a "religion" to replace all the corrupt authoritarian cults of Civilization. We admit that this mystical tendency in both thinkers interests us a great deal, &again rouses our sympathies more than the cold atheism (or "fundamental materialism") of a Stirner or Marx. Type-3 anarchism includes for us the heritage of the Ranters, Antinomians, & Family of Love, as well as radical forms of buddhism, taoism, & sufism.
Like Blake, Fourier & Pearl Andrews built systems of their own so as not to be slaves to someone else's--& these grand structures included psychological, sexual, & spritual dimensions missing from mere ideological or philosophical systems. The structural details of Harmony & Pantarchy are fascinating & inspiring, but for us their deepest value lies in the daring of their total "radical subjectivity." Fourier & Pearl Andrews created poetics of life, not merely politics or economics, & it is this aspect of their work we most admire & wish to emulate.

5. Universal Pantarchy & North American Phalanx

In a more immediate sense, however, we find that Fourier & Pearl Andrews offer useful arguments & practical hints for the establishment of a kind of association which seems even more desirable now than before the age of Late Capitalism, Dead Communism, pure Spectacle, & the eerie alienation of credit cards & answering machines, polls & surveys, computer viruses, & immune-system breakdowns. In the 1980's even the anti-authoritarian "Margin" fell into a spooky state of communication via the mail, BBSs, xerography, & tape. Physical separateness can never be overcome by electronics, but only by "conviviality," by "living together" in the most literal physical sense. The physically divided are also the conquered & Controlled. "True desires"--erotic, gustatory, olfactory, musical, aesthetic, psychic, & spiritual--are best attained in a context of freedom of self & other in physical proximity & mutual aid. Everything else is at best a sort of representation. The entire revolt against Civilization can be seen (at least from one point of view) as an attempt to recreate the autonomous intimacy of the band, the free association of individuals.

Morbid loneliness is no better than the engineered consensus of the New World Order--in fact the two are but opposite sides of the coin, like homelessness & rent: false individualism vs. false collectivism. In the face of this illusory dichotomy we will continue to propagate Individual Sovereignty--but at the same time proclaim that our first & most urgent research of the decade must concern the nature of association.

Thus we announce our intention to revive & amalgamate both the Universal Pantarchy & the North American Phalanx, the local (NY area) manifestations of Andrews' & Fourier's systems. The new Universal Pantarchy & North American Phalanx (UP/NAP) will be first a society of appreciation & research (more musty-dusty 19th century obscure crackpots to venerate & imitate!)--but also & perhaps more importantly it may become a nucleus of association. We plan to make field trips to the original sites of Modern Times & the Phalanx; we intend to revive the fourierist tradition of banquets; we plan to construct a shrine to Fourier & the Pantarch; we may even go so far as to produce another newsletter!

And perhaps our research will actually lead to further experiments in the creation of temporary autonomous zones, free times & spaces excavated in the walls of Babylon--creative autonomy & comradeship in the no-go areas where power has "disappeared"--& who knows? even in our lifetimes, the mutation..."A crank? Yes, I'm a crank: a little device that causes revolutions!" (E.F. Schumacher).

Long live Individual Sovereignty! Long live the Pantarchy! Long live Harmony!

-- April 7 (Fourier's birthday) 1991 NYC

Oktober 25, 2009

203 Jahre Max Stirner

"Zu dem Kapitel der Gesellschaft gehört auch »die Partei«, deren Lob man jüngst gesungen hat.
Im Staate gilt die Partei. »Partei, Partei, wer sollte sie nicht nehmen!« Der Einzelne aber ist einzig, kein Glied der Partei. Er vereinigt sich frei und trennt sich wieder frei. Die Partei ist nichts als ein Staat im Staate, und in diesem kleineren Bienenstaate soll dann ebenso wieder »Friede« herrschen, wie im größeren. Gerade diejenigen, welche am lautesten rufen, dass im Staate eine Opposition sein müsse, eifern gegen jede Uneinigkeit der Partei. Ein Beweis, wie auch sie nur einen - Staat wollen. Nicht am Staate, sondern am Einzigen zerscheitern alle Parteien.
Nichts hört man jetzt häufiger als die Ermahnung, seiner Partei treu zu bleiben, nichts verachten Parteimenschen so sehr als einen Parteigänger. Man muss mit seiner Partei durch dick und dünn laufen und ihre Hauptgrundsätze unbedingt gutheißen und vertreten. Ganz so schlimm wie mit geschlossenen Gesellschaften steht es zwar hier nicht, weil jene ihre Mitglieder an feste Gesetze oder Statuten binden (z.B. die Orden, die Gesellschaft Jesu usw.). Aber die Partei hört doch in demselben Augenblicke auf, Verein zu sein, wo sie gewisse Prinzipien bindend macht und sie vor Angriffen gesichert wissen will; dieser Augenblick ist aber gerade der Geburtsakt der Partei. Sie ist als Partei schon eine geborne Gesellschaft, ein toter Verein, eine fix gewordene Idee. Als Partei des Absolutismus kann sie nicht wollen, dass ihre Mitglieder an der unumstößlichen Wahrheit dieses Prinzips zweifeln; sie könnten diesen Zweifel nur hegen, wenn sie egoistisch genug wären, noch etwas außer ihrer Partei sein zu wollen, d.h. unparteiische. Unparteiisch vermögen sie nicht als Parteimenschen zu sein, sondern nur als Egoisten. Bist Du Protestant und gehörst zu dieser Partei, so darfst Du den Protestantismus nur rechtfertigen, allenfalls »reinigen«, nicht verwerfen; bist Du Christ und gehörst unter den Menschen zur christlichen Partei, so kannst Du nicht als Mitglied dieser Partei, sondern nur dann, wenn Dich dein Egoismus, d.h. Unparteilichkeit, dazu treibt, darüber hinausgehen. Welche Anstrengungen haben die Christen bis auf Hegel und die Kommunisten herab gemacht, um ihre Partei stark zu machen; sie blieben dabei, dass das Christentum die ewige Wahrheit enthalten müsse, und man sie nur herauszufinden, festzustellen und zu rechtfertigen brauche.
Kurz die Partei verträgt nicht die Unparteilichkeit, und in dieser eben erscheint der Egoismus. Was schiert Mich die Partei. Ich werde doch genug finden, die sich mit Mir vereinigen, ohne zu meiner Fahne zu schwören."
aus: Max Stirner (d.i. Johann Caspar Schmidt), Der Einzige und sein Eigentum, Reclam-Ausgabe, S.259-261.

Bonus: Estlands bekannteste Punk-Band (nun gut, die einzige estnische Punk-Band, die ich kenne) Vennaskond verbreiten die reine egoistische Lehre in der estnischen Provinz: