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November 30, 2011

Überragende Sachkenntnis

Das Parlament im Jahr 2009 über den Linksextremismus in Deutschland (link):
"Im Gegensatz zur rechtsextremen Szene existieren in linken Kreisen kaum Strukturen für eine koordinierte Jugendarbeit. Die Linksextremisten bilden keine homogene Gruppe: Es gibt Kommunisten, die eine sozialistische Gesellschaftsordnung anstreben, Antideutsche, die den Staat Israel ablehnen, Autonome, Anarchisten und viele mehr. Unter ihnen besteht der kleinste gemeinsame Nenner darin, den Rechtsextremismus zu bekämpfen."

August 02, 2011

Bitte melden Sie diesen Blogpost der örtlichen Polizei

 
Aus einer Newsletter der Metropolitan Police Westminster, gesehen bei Principia Dialectica.

Juni 16, 2011

Abseits der Narrative

Fans des arabischen Fußballvereins Bnei Sakhnin im Doha-Stadion in Nordisrael:

September 28, 2010

Fortschritte im interkulturellen Dialog

Gelesen in Heinz Dieter Kittsteiners posthum erschienenen Buch Die Stabilisierungsmoderne. Deutschland und Europa 1618-1715, eigentlich dem ersten Halbband einer auf sechs Halbbände angelegten Deutschen Geschichte in den Stufen der Moderne (die aufgrund von Kittsteiners plötzlichem Tod im Sommer 2008 nicht zu Ende leider nicht mehr fertiggestellt werden wird), S.310-311:

"Von Gnaden des im Himmel waltenden Gottes verpfänden Wir, Mehmed, glorreicher und ganz allgewaltiger Kaiser von Babylonien und Judäa, vom Orient und Okzident, König aller irdischen und himmlischen Könige, Großkönig des heiligen Arabien und Mauretanien, geborener und ruhmgekrönter König Jerusalems, Gebieter und Herr des Grabes des gekreuzigten Gottes der Ungläubigen, Dir, Cäsar Roms [gemeint ist Kaiser Leopold I. in Wien], und Dir, König von Polen, Unser heiligstes Wort, ebenso allen Deinen Anhängern, daß Wir im Begriffe sind, Dein Ländchen mit Krieg zu überziehen, und führen Wir mit Uns 13 Könige mit 1.300.000 Kriegern, Fußvolk und Reiterei, und werden Dein Ländchen mit diesem Heer, von dem weder Du noch Deine Anhänger eine Ahnung hatten, ohne Gnade und Barmherzigkeit mit Hufeisen zertreten und dem Feuer und Schwert überliefern. Vor allem befehlen wir Dir, Uns in Deiner Residenzstadt Wien zu erwarten, damit Wir Dich köpfen können; auch Du, kleines Königlein von Polen, tu dasselbe. Wir werden Dich sowie alle Deine Anhänger vertilgen und das allerletzte Geschöpf Gottes, wie es nur ein Giaur ist, von der Erde verschwinden lassen; Wir werden groß und klein zuerst den grausamsten Qualen aussetzen und dann dem schändlichsten Tod übergeben. Dein kleines Reich will ich Dir nehmen und dessen gesamte Bevölkerung von der Erde fegen. Dich und den König von Polen werden Wir so lange leben lassen, bis Ihr Euch überzeugt habt, daß Wir alles Angekündigte erfüllt. Dies zur Darnachachtung. Gegeben in Unserem 40. Lebensjahr und im 26. Jahr Unserer allmächtigen Regierung."
[Kriegserklärung des Sultans Mehmed IV. an den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und den König von Polen, 31. März 1683].

Man kann also angesichts des ganzen Geredes vom "Kampf der Kulturen" doch feststellen, dass ein gewisser Fortschritt im interkulturellen Dialog seit 1683, den sprichwörtlich gewordenen "Türken vor Wien", zu verzeichnen ist.

September 24, 2010

Ein Gesetz ist auch keine Lösung

Die schönste Headline des Tages findet man heute auf dem Titelblatt der altehrwürdigen Wochenzeitschrift De Letzeburger Bauer:

"Kein Gesetz wird die Wildschweine dazu bewegen, kollektiven Selbstmord zu begehen."

September 14, 2010

Jerusalem, anno 1918

Diesmal ohne kämpfende Mönche, dafür bewegte Bilder aus dem Jerusalem des Jahres 1918:

(via Elder of Ziyon)

August 22, 2010

Zeitreise

Manchmal findet man wirklich Erstaunliches im Netz:  
Farbfotos aus dem vorrevolutionären Rußland, von einer Schärfe, dass man meinen könnte, sie seien erst gestern geschossen worden:

Juli 18, 2010

Wissenschaftliche Planung in der Schweiz, anno 1942

Wieder mal ein Fundstück aus den Zeitungszeugen (in der Nummer 73 von vorletzter Woche): ein Auszug aus einer Mitteilung der "Eidgenössischen Zentralstelle für Kriegswirtschaft" aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 11. Juni 1942, die zeigt welche Auswirkungen der Weltkrieg auf eine nicht aktiv beteiligte Nation wie die Schweiz hatte:

"Die Lebensmittelrationen für die geistig Arbeitenden.
(...)
Der keine beträchtliche Körperarbeit Leistende braucht pro Tag 2200 bis 2400 Kalorien. Körperliche Schwer- und Schwerstarbeit erhöht diesen Nahrungsbedarf um 50, 100 und noch mehr Prozent. Es ist aber eine durch exakte Messungen bewiesene Tatsache, daß durch Geistesarbeit der Stoffwechsel nur um etwa zehn Prozent ansteigt; und selbst dieser Mehrverbrauch ist nicht einmal durch die Geistesarbeit selber bedingt, sondern durch die diese Geistesarbeit begleitende erhöhte Muskelspannung. Die geistige Arbeit, und zwar auch die genialste, wird von unserm Organismus praktisch geliefert. So ist es wissenschaftlich durchaus begründet, daß Zusätze von Nahrungsmitteln für die Geistesarbeiter nicht notwendig sind, solange die Normalration, wie dies gegenwärtig der Fall ist, noch genügt. Spezialmaßnahmen würden erst dann notwendig, wenn die Normalration ungenügend würde, weil die geistige Arbeit bei Unterernährung schneller und intensiver leidet als die körperliche.

Zweifellos empfinden viele Geistesarbeiter ein Bedürfnis nach gewissen stimulierenden Genußmitteln, wie Kaffee oder Tee, aber hier muß unterschieden werden zwischen dem physiologischen Bedürfnis des Organismus und dem psychologischem Bedürfnis. Es muß ausdrücklich gesagt werden, daß ein physiologisches Bedürfnis nach Alkaloiden wie Koffein nicht besteht. Die Denker des klassischen Altertums haben höchste geistige Leistungen vollbracht, ohne Kaffee oder Tee zu kennen, und viele Intellektuelle von heute meiden den Kaffee gerade dann, wenn sie intensivste und beste Arbeit leisten müssen, weil die durch Kaffee erzeugte Erregtheit der Stetigkeit der Ideenentwicklung eher abträglich ist; denn die nervöse Geschäftigkeit und Sprunghaftigkeit nach dem Kaffeegenuß ist der Leistungsintensität durchaus nicht immer förderlich, und manch ein Angestellter wird darüber froh sein, daß sein Chef infolge geringeren Kaffeegenusses auch weniger nervös und gereizt ist.

(...) Wenn somit die Geistesarbeiter keine Zusatzkarten erhalten, so nicht etwa deshalb, weil sie vergessen oder ihre berechtigten Bedürfnisse ignoriert worden wären. Die Mitglieder der eidgenössischen Kommission für Kriegsernährung, die den wissenschaftlichen Plan der abgestuften Rationierung ausgearbeitet haben, zählen sich auch zu den Geistesarbeitern; sie haben es aber als physiologisch richtig betrachtet, daß wohl den körperlich schwer Arbeitenden, nicht aber den Geistesarbeitern Sonderrationen zugebilligt werden."

Juni 17, 2010

Der Messias

"Ich möchte wissen, ob es wahr ist, dass man in Berlin eine Prachtausgabe des Eulenspiegel's veranstaltet hat? Die Hegelianer sollen alle subskribirt haben, um ihre Neidlosigkeit zu bewähren. Dieses langverkannte Volksbuch mit bacchantischem Enthusiasmus aufgenommen worden. Zeune nannte es das Urbuch der Deutschen, und der Hofdemagog erklärte den Eulenspiegel für den höchsten Repräsentanten der tiefsten Nation. Hegel, mehrfach gesagt, soll erklärt haben: Im Eulenspiegel zeige sich das deutsche Selbstbewusstsein gerade auf dem Punkte, wo es, vorwärts und rückwärts blickend, das Ding an sich, durch die Perplexität einer convexen Anschauung, mehr schalkhaft als wissenschaftlich verauktionire. Der letztere Ausdruck wurde von den bacchantischen Anbetern des Eulenspiegels übel gedeutet und Einer äusserte gegen Hegel, dass durch den E. die Zeiten erfüllt seien, worauf Hegel kurz und klar antwortete: 'Der Messias bin ich'.

Eulenspiegel, verkündet das Berliner Conversationsblatt, heisst nichts andres als Spiegel der Weisheit und wie ein neapolitanischer Mönch, der, auf der Strasse predigend, seine Zuhörer nach einer Pulcinellbude laufen sah, das Crucifix in die Höhe hob, und erzürnt ausrief: 'Ecco il vero Pulcinella!' so können auch wir Berliner von Hegel sagen: Dies ist der wahre Eugenspiegel!"

(aus einem Brief von Graf August von Platen an Ranke vom 19. August 1830; nicht zurückbehalten für Benjamins Briefanthologie Deutsche Menschen; zitiert nach Walter Benjamin, Werke und Nachlaß. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 10, S.133; den Absatz habe ich eingesetzt).

April 25, 2010

Fundsachen

- Was wäre wenn... Robert Crumb statt des Buches Genesis die Geschichte der Band Genesis illustriert hätte? (via Comicsbeat)

- Kevin Carson über Elinor Ostrom im neuesten Freeman.

- Achtung, Satire: Ron Paul hates white people (wie immer bei Youtube wird vor einer Lektüre der Kommentare abgeraten).
Siehe auch: Ron Paul: no friend of freedom (von 2008).
Aber auch: Noam Chomsky über "common grounds" mit Ron Paul-Unterstützern.

Und noch ein Fundstück:
 Aus Jungle Comics #33 (September 1942)

Oktober 21, 2009

They guard our mails!

Real Life Comics #44 (1948)

September 21, 2009

"Wahl ohne Qual", Anno 1932

Aus einem Gedicht des Gesellianers Eugen Graske, veröffentlicht im Bändchen Der politische Freiheitskampf gegen Kapitalismus und Marxismus, Erfurt, 1932 (zugleich Band 17 der "Wissenschaftlichen Schriftenreihe" der Freiwirtschaftlichen Zeitung):

Bist du ein Ritter, hast du ein Gut,
fließt in den Adern blaues Blut,
Und schwärmst für Zölle, alte Zeit,
Dann wähle stramm - wenn es so weit:
Deutschnational.

Willst du als echter Deutscher schlemmen,
Ein Monopol dein eigen nennen,
Von hohen Löhnen macht dich frei
Durch Dingeldey
Die Volkspartei.

Bist mit dem Zustand du zufrieden,
Suchst du allein im Jenseits Frieden,
Vertraust auf Gott und deine Leiter;
gehab dich wohl, vertraue weiter:
Zentrum.

[Demokraten und Wirtschaftspartei überspring' ich mal.]

Doch auf des Staates höchste Stufen
Wird man dich Arbeitsmann berufen,
Sei wie ein Fuchs, gehörst zur Clique,
Und - lenkst des Arbeiters Geschicke:
SPD.

Du rechnest zu den "Radikalen",
Weil eingeseift du bist zumalen?
Die Bourgeois willst du vernichten,
Die Staatsfabrik sodann errichten?
KPD

Es fehle nicht der letzte Streich:
Der Eingang in das "Dritte Reich".
Für Kasernierung, Schipp-Hurra,
Zur Vornotierung stehen da:
NSDAP

[es folgt dann noch der obligatorische Wahlaufruf für die längst vergessene "Freiwirtschaftliche Partei Deutschlands" (FPD), auf dass "die Volksgemeinschaft uns beschieden" (sic!)]

September 16, 2009

Warten auf den Aufschwung, Anno 1939

Hat was von Führerbunker: US-Finanzminister Henry Morgenthau, Jr. (ja, das ist der, der Deutschland zerschlagen und in ein Agrarland verwandeln wollte) verzweifelt an der Krisenbekämpfung.

"[U.S. Treasury Secretary Henry Morgenthau, Jr.]: No, gentlemen, we have tried spending money. We are spending more than we have ever spent before and it does not work. And I have just one interest, and if I am wrong, as far as I am concerned, somebody else can have my job. I wantto see this country prosperous. I want to see people get a job. I want to see people get enough to eat. We have never made good on our promises…

But why not let’s come to grips? And as I say, all I am interested in is to really see this country prosperous and this form of Government continue, because after eight years if we can’t make a success somebody else is going to claim the right to make it and he’s got the right to make the trial. I say after eight years of this Administration we have just as much unemployment as when we started.

Mr. Doughton: And an enormous debt to boot!

HMJr.: And an enormous debt to boot! We are just sitting here and fiddling and I am just wearing myself out and getting sick. Because why? I can’t see any daylight. I want it for my people, for my children, and your children. I want to see some daylight and I don’t see it…"

—Transcript of private meeting at the Treasury Department, May 9, 1939, F.D. Roosevelt Presidential Library

(zitiert nach: Econ Journal Watch, vol. VI, 3, September 2009).

September 15, 2009

We're all Attacies now

Zitat des Tages: "Bei G-20-Treffen demonstrieren die Attac-Leute gegen Politiker, die ihre Zielsetzung im Grunde teilen." (Peer Steinbrück, Lehman-taz von heute).

Juni 15, 2009

30 Jahre Islamische Republik in 7 Minuten

Tarikhe Ma - Our History
(mit handlicher englischer Übersetzung. Vermutlich in der Nähe der "Volksmudschahidin" angesiedelt; weiß jemand mehr?)


Das "El pueblo unido..."-Sample in Verbindung mit Linkin Park, na, das hat doch mal was.

Mai 28, 2009

Das "LW" zum Tode Proudhons

In seiner Ausgabe vom 4. Februar 1865 interessiert sich das gute alte Luxemburger Wort mehr für die ausgebliebene letzte Ölung Proudhons als für den Verstorbenen (die Nachricht kam unter "Vermischtes"):



Quelle: "Numérisé par la Bibliothèque nationale de Luxembourg, http://www.eluxemburgensia.lu/"(unbedingt empfohlen!)

Februar 28, 2009

Deutsch-sowjetische Freundschaft

Ein Dialog aus dem Fortsetzungsroman Achtung! Industriespione! Geheimagent X wird eingesetzt! eines gewissen Max Ewerwien. Veröffentlicht in Der Deutsche. Die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront, Ausgabe vom 20. Januar 1934 (Reprint 2009 in Zeitungszeugen No. 6):

"Weiter laß dir gesagt sein, Lindström, daß der polnische Korridor nur eine vorübergehende Erscheinung ist im Leben der Völker. Das sagen sogar die Pazifisten. (...)"

"Zugegeben, Serno! Im Zusammenhang damit behaupte ich, daß jeder russische Soldat schon heute ein Aktivposten für Deutschland ist."

"Und der Nichtangriffspakt, den Rußland mit Polen abgeschlossen hat?"

"Du ahnungsloser Engel", lächelte Serno. "Der Nichtangriffspakt ist nur zu dem Zwecke von Rußland unterzeichnet worden, um ihn zur gegebenen Zeit zerreissen zu können. Es heißt dann im Falle eines Falles: Es sind Momente eingetreten, oder auch, um dem Weltproletariat die Sache schmackhaft zu machen: 'Die Lebensbedingungen des werktätigen, russischen Volkes usw.' Wir werden mit Rußland schon mal wieder Arm in Arm gehen müssen, gleichgültig unter welcher Staatsform dieses Sechstel der Erde marschieren wird."

"Serno, Kind Gottes! Ich lache Tränen, wenn die deutschen Kommunisten in absehbarer Zeit vor Staatsgesinnung triefen und den gerade amtierenden Ministern Ovationen bereiten. (...)"

"Sei nicht ironisch, Lindström! Ein Block Deutschland - Rußland - Italien?"

"Junge, Junge! Dann noch ein einziges Mal Soldat sein! Das wäre doch etwas anderes gewesen als 1914, gekettet an einen Staat, der schon damals ein Leichnam war und dessen Völkerschaften zu 50 Prozent an Verrat und Sabotage dachten. (...)"

"Stelle dir nur vor, Lindström! Das neue Rußland. Die Indolenz und Stupidität des Muschiks aufgelockert. 50 000 deutsche Offiziere und Unteroffiziere nach Rußland exportiert, das Land selbst ein einziger Atem von Initiative. Und Italien! (...) Wenn man die Italiener an ihre antiken Vorgänger erinnert, läßt sich mit ihnen etwas anfangen. (...)"

"Und wenn es uns an Offizieren fehlt? Dann machen wir wahrscheinlich wieder Seminaristen und Gymnasiasten zu Kompanieführern, was?"

"Unsinn! Das gab's nur einmal. Es wird schon dafür gesorgt werden, daß tüchtige Arbeiter- und Bauernsöhne, die das Zeug zu Führern haben, an die Tete kommen werden. Diese Kerle, zusammengeschweißt mit dem alten preußischen Schwertadel, würden sich, wenn sie angesetzt werden, in die Ziele hineinfressen."