August 27, 2012

242 Jahre Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Wer denkt abstrakt? (1807)


Denken? Abstrakt? - Sauve qui peut! Rette sich wer kann! So höre ich schon einen vom Feinde erkauften Verräter ausrufen, der diesen Aufsatz dafür ausschreit, daß hier von Metaphysik die Rede sein werde. Denn Metaphysik ist das Wort, wie abstrakt und beinahe auch Denken, ist das Wort, vor dem jeder mehr oder minder wie vor einem mit der Pest behafteten davonläuft.
Es ist aber nicht so bös gemeint, daß, was denken und was abstrakt sei, hier erklärt werden sollte. Der schönen Welt ist nichts so unerträglich als das Erklären. Mit selbst ist es schrecklich genug, wenn einer zu erklären anfängt, denn zur Not verstehe ich alles selbst. Hier zeigte sich die Erklärung des Denkens und des Abstrakten ohnehin schon als völlig überflüssig; denn gerade nur, weil die schöne Welt schon weiß, was das Abstrakte ist, flieht sie davor. Wie man das nicht begehrt, was man nicht kennt, so kann man es auch nicht hassen.
Auch wird es nicht darauf angelegt, hinterlistigerweise die schöne Welt mit dem Denken oder dem Abstrakten versöhnen zu wollen; etwa daß unter dem Scheine einer leichten Konservation das Denken und das Abstrakte eingeschwärzt werden sollte, so daß es unbekannterweise, und ohne eben einen Abscheu zu erweckt zu haben, sich in die Gesellschaft eingeschlichen hätte und gar von der Gesellschaft selbst unmerklich hereingezogen oder, wie die Schwaben sich ausdrücken, hereingezäunselt worden wäre und nun dem Autor dieser Verwicklung diesen sonst fremden Gast, nämlich das Abstrakte, aufdeckte, den die ganze Gesellschaft unter einem anderen Titel als einen guten Bekannten behandelt und anerkannt hätte. Solche Erkenntnisgrenzen, wodurch die Welt wider Willen belehrt werden soll, haben den nicht zu entschuldigenden Fehler an sich, daß sie zugleich beschämen und der Maschinist sich einen kleinen Ruhm erkünsteln wollte, so daß jene Beschämung und diese Eitelkeit die Wirkung aufheben, denn sie stoßen eine um diesen Preis erkaufte Belehrung vielmehr wieder hinweg.
Ohnehin wäre die Anlegung eines solchen Plans schon verdorben; denn zu seiner Ausführung wird erfordert, daß das Wort des Rätsels nicht zum voraus ausgesprochen sei. Dies ist aber durch die Aufschrift schon geschehen; in dieser, wenn dieser Aufsatz mit solcher Hinterlist umginge, hätten die Worte nicht gleich von Anfang auftreten dürfen, sondern wie der Minister in der Komödie, das ganze Spiel hindurch im Überrocke herumgehen und erst in der letzten Szene ihn aufknöpfen und den Stern der Weisheit aufblitzen lassen müssen. Die Aufknöpfung eines metaphysischen Überrocks nähme sich hier nicht einmal so gut aus wie die Aufknöpfung des ministriellen, denn was jene an den Tag brächte, wäre weiter nichts als ein paar Worte; denn das Beste vom Spaße sollte ja eigentlich darin liegen, daß es sich zeigte, daß die Gesellschaft längst im Besitze der Sache selbst war; sie gewönne also am Ende nur den Namen, dahingegen der Stern des Ministers etwas Reelleres, einen Beutel mit Geld, bedeutet.
Was Denken, was abstrakt ist - daß dies jeder Anwesende wisse, wird in guter Gesellschaft vorausgesetzt, und in solcher befinden wir uns. Die Frage ist allein danach, wer er sei, der abstrakt denke. Die Absicht ist, wie schon erinnert, nicht die, sie mit diesen Dingen zu versöhnen, ihr zuzumuten, sich mit etwas Schwerem abzugeben, ihr ins Gewissen darüber zu reden, daß sie leichtsinnigerweise so etwas vernachlässige, was für ein mit Vernunft begabtes Wesen rang- und standesgemäß sei. Vielmehr ist die Absicht, die schöne Welt mit sich selbst zu versöhnen, wenn sie sich anders eben nicht ein Gewissen über diese Vernachlässigung macht, aber doch vor dem abstrakten Denken als vor etwas Hohem eine gewissen Respekt wenigstens innerlich hat und davon wegsieht, nicht weil es ihr zu gering, sondern weil es ihr zu hoch, nicht weil es zu gemein, sondern zu vornehm, oder umgekehrt, weil es ihr eine Espèce, etwas Besonderes zu sein scheint, etwas wodurch man nicht in der allgemeinen Gesellschaft sich auszeichnet, wie durch einen neuen Putz, sondern wodurch man sich vielmehr, wie durch ärmliche Kleidung oder auch durch reiche, wenn sie aus alt gefaßten Edelsteinen oder einer noch so reichen Stickerei besteht, die aber längst chinesisch geworden ist, von der Gesellschaft ausschließt oder sich darin lächerlich macht.
Wer denkt abstrakt? Der ungebildete Mensch, nicht der gebildete. Die gute Gesellschaft denkt darum nicht abstrakt, weil es zu leicht ist, weil es zu niedrig ist, niedrig nicht dem äußeren Stande nach, nicht aus einem leeren Vornehmtun, das sich über das wegzusetzen stellt, was es nicht vermag, sondern wegen der inneren Geringheit der Sache.
Das Vorurteil und die Achtung für das abstrakte Denken ist so groß, daß feine Nasen hier eine Satire oder Ironie zum voraus wittern werden; allein, da sie Leser des Morgenblattes sind, wissen sie, daß auf eine Satire ein Preis gesetzt ist und daß ich also ihn lieber zu verdienen glauben und darum konkurrieren als hier schon ohne weiteres meine Sachen hergeben würde.
Ich brauche für meinen Satz nur Beispiele anzuführen, von denen jedermann zugestehen wird, daß sie ihn enthalten. Es wird also ein Mörder zur Richtstätte geführt. Damen machen vielleicht die Bemerkung, daß er ein kräftiger, schöner, interessanter Mann ist. Jenes Volk findet die Bemerkung entsetzlich: was ein Mörder schön? wie kann man so schlecht denkend sein und einen Mörder schön nennen; ihr seid wohl etwas nicht viel Besseres! Dies ist ein Sittenverderbnis, die unter den vornehmen Leuten herrscht, setzt vielleicht der Priester hinzu, der den Grund der Dinge und die Herzen kennt.
Ein Menschenkenner sucht den Gang auf, den die Bildung des Verbrechers genommen, findet in seiner Geschichte schlechte Erziehung, schlechte Familienverhältnisse des Vaters und der Mutter, irgendeine ungeheure Härte bei einem leichteren Vergehen dieses Menschen, die ihn gegen die bürgerliche Ordnung erbitterte, eine erste Rückwirkung dagegen, die ihn daraus vertrieb und es ihm jetzt nur durch Verbrechen sich noch zu erhalten möglich machte. - Es kann wohl Leute geben, die, wenn sie solches hören, sagen werden: der will diesen Mörder entschuldigen! Erinnere ich mich doch, in meiner Jugend einen Bürgermeister klagen gehört zu haben, daß es die Bücherschreiber zu weit treiben und Christentum und Rechenschaffenheit ganz auszurotten suchen; es habe einer eine Verteidigung des Selbstmordes geschrieben; schrecklich, gar zu schrecklich! - Es ergab sich aus weiterer Nachfrage, daß Werthers Leiden verstanden waren.
Dies heißt abstrakt gedacht, in dem Mörder nichts als dies Abstrakte, daß er ein Mörder ist, zu sehen und durch diese einfache Qualität alles übrige menschliche Wesen an ihm zu vertilgen. Ganz anders eine feine, empfindsame Leipziger Welt. Sie bestreute und beband das Rad und den Verbrecher, der darauf geflochten war, mit Blumenkränzen. - Dies ist aber wieder die entgegengesetzte Abstraktion. Die Christen mögen wohl Rosenkranzerei oder vielmehr Kreuzroserei treiben, das Kreuz mit Rosen umwinden. Das Kreuz ist der längst geheiligte Galgen und Rad. Es hat seine einseitige Bedeutung, das Werkzeug entehrender Strafe zu sein, verloren und kennt im Gegenteil die Vorstellung des höchsten Schmerzes und der tiefsten Verwerfung, zusammen mit der freudigsten Wonne und göttlicher Ehre. Hingegen das Leipziger Kreuz, mit Veilchen und Klatschrosen eingebunden, ist eine Kotzebuesche Versöhnung, eine Art liederlicher Verträglichkeit der Empfindsamkeit mit dem Schlechten.
Ganz anders hörte ich einst eine gemeine alte Frau, ein Spitalweib, die Abstraktion des Mörders töten und ihn zur Ehre lebendig machen. Das abgeschlagene Haupt war aufs Schaffot gelegt, und es war Sonnenschein; wie doch so schön, sagte sie, Gottes Gnadensonne Binders Haupt beglänzt! - Du bist nicht wert, daß dich die Sonne bescheint, sagt man zu einem Wicht über den man sich entzürnt. Jene Frau sah, daß der Mörderkopf von der Sonne beschienen wurde und es also auch noch wert war. Sie erhob ihn von der Strafe des Schaffots in die Sonnengnade Gottes, brachte nicht durch ihr Veilchen und ihre empfindsame Eitelkeit die Versöhnung zustande, sondern sah in der höheren Sonne ihn zu Gnaden aufgenommen.
Alte, ihre Eier sind faul, sagt die Einkäuferin zur Hökerfrau. Was, entgegnet diese, meine Eier faul? Sie mag mir faul sein! Sie soll mir das von meinen Einern sagen? Sie? Haben ihren Vater nicht die Läuse an der Landstraße aufgefressen, ist nicht ihre Mutter mit den Franzosen fortgelaufen und ihre Großmutter im Spital gestorben, - schaff sie sich für ihr Flitterhalstuch ein ganzen Hemd an; man weiß wohl, wo sie das Halstuch und die Mützen her hat; wenn die Offiziere nicht wären, wär jetzt manche nicht so geputzt, und wenn die gnädigen Frauen mehr auf ihre Haushaltung sähen, säße manche im Stockhause, - flick sie sich nur die Löcher in den Strümpfen! - Kurz, sie läßt keinen guten Faden an ihr. Sie denkt abstrakt und subsumiert sie nach Halstuch, Mütze, Hemd usf. wie nach den Fingern und anderen Partien, auch nach dem Vater und der ganzen Sippschaft, ganz allein unter das Verbrechen, daß sie die Eier faul gefunden hat; alles an ihr ist durch und durch und durch mit faulen Eiern gefärbt, dahingegen jene Offiziere, von denen die Hökersfrau sprach - wenn anders, wie sehr zu zweifeln, etwas dran ist -, ganz andere Dinge an ihr zu sehen bekommen mögen.
Um von der Magd auf den Bedienten zu kommen, so ist kein Bedienter schlechter dran als bei einem Manne von wenigem Stande und wenigem Einkommen, und um so besser daran, je vornehmer der Herr ist. Der gemeine Mensch denkt wieder abstrakter, er tut vornehm gegen den Bedienten und verhält sich zu diesem nur als einem Bedienten; an diesem einen Prädikate hält er fest. Am besten befindet sich der Bediente bei den Franzosen. Der vornehme Mann ist familiär mit dem Bedienten, der Franzose sogar gut Freund mit ihm; dieser führt, wenn sie allein sind, das große Wort, man sehe Diderot Jacques et son maître, der Herr tut nichts als Prisen-Tabak nehmen und nach der Uhr sehen und läßt den Bedienten in allem Übrigen gewähren. Der vornehme Mann weiß, daß der Bediente nicht nur Bedienter ist, sondern auch die Stadtneuigkeiten weiß, die Mädchen kennt, gute Anschläge im Kopfe hat; er fragt ihn darüber und der Bediente darf sagen, was er über das weiß, worüber der Prinzipial frug. Beim französischen Herrn darf der Bediente nicht nur dies, sondern auch die Materie aufs Tapet bringen, seine Meinung haben und behaupten, und wenn der Herr etwas will, so geht es nicht mit Befehl, sondern er muß dem Bedienten zuerst seine Meinung einräsonieren und ihm ein gutes Wort darum geben, daß seine Meinung die Oberhand behält.
In Militär kommt derselbe Unterschied vor; beim preußischen kann der Soldat geprügelt werden, er ist also eine Kanaille; denn was geprügelt zu werden das passive Recht hat, ist eine Kanaille. So gilt der gemeine Soldat dem Offizier für dies Abstraktum eines prügelbaren Subjekts, mit dem ein Herr, der Uniform und Porte d'épée hat, sich abgeben muß, und das ist, um sich dem Teufel zu ergeben.

August 25, 2012

Both kinds of music (118): Fiddle like it's 1999

Heute drei Hits des Jahres 1999, bevor wir zu den letzten Folgen dieser endlos erscheinenden Reihe aufbrechen...

Nach Shania Twain waren die erfolgreichsten Country-Interpretinnen der Spätneunziger die Dixie Chicks, deren fünftes Album Fly 1999 erschien und sich über 10 Millionen mal verkaufte, nachdem sie im Vorjahr mit Wide open spaces den Sprung in die Mainstream-Charts geschafft hatten. Von Fly der Titel Sin Wagon:

Den Country-Hit des Jahres landete allerdings die Band Lonestar aus Texas mit der Schnulze Amazed vom Album Lonely Grill:

Das unerwarteste Comeback des Jahres hatte Altstar George Jones mit dem Album Cold hard truth, das Platz 5 der Country-Charts erreichte. Für den Song Choices erhielt er sogar einen Grammy.

268 Jahre Johann Gottfried Herder

"Der Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung; er stehet aufrecht. Die Waage des Guten und Bösen, des Falschen und Wahren hängt in ihm: er kann forschen, er soll wählen. Wie die Natur ihm zwo freie Hände zu Werkzeugen gab und ein überblickendes Auge, seinen Gang zu leiten, so hat er auch in sich die Macht, nicht nur die Gewichte zu stellen, sondern auch, wenn ich so sagen darf, selbst Gewicht zu sein auf der Waage. Er kann dem trüglichsten Irrtum Schein geben und ein freiwillig Betrogener werden; er kann die Ketten, die ihn, seiner Natur entgegen, fesseln, mit der Zeit lieben lernen und sie mit mancherlei Blumen bekränzen. Wie es also mit der getäuschten Vernunft ging, gehet's auch mit der mißbrauchten oder gefesselten Freiheit; sie ist bei den meisten das Verhältnis der Kräfte und Triebe, wie Bequemlichkeit oder Gewohnheit sie festgestellet haben. Selten blickt der Mensch über diese hinaus und kann oft, wenn niedrige Triebe ihn fesseln und abscheuliche Gewohnheiten ihn binden, ärger als ein Tier werden.
Indessen ist er, auch seiner Freiheit nach, und selbst im ärgsten Mißbrauch derselben, ein König. Er darf doch wählen, wenn er auch das Schlechteste wählte; er kann über sich gebieten, wenn er sich auch zum Niedrigsten aus eigner Wahl bestimmte. Vor dem Allsehenden, der diese Kräfte in ihn legte, ist freilich sowohl seine Vernunft als Freiheit begrenzt; und sie ist glücklich begrenzt, weil, der die Quelle schuf, auch jeden Ausfluß derselben kennen, vorhersehen und so zu lenken wissen mußte, daß der ausschweifendste Bach seinen Händen nimmer entrann; in der Sache selbst aber und in der Natur des Menschen wird dadurch nichts geändert. Er ist und bleibt für sich ein freies Geschöpf, obwohl die all umfassende Güte ihn auch in seinen Torheiten umfasset und diese zu seinem und dem allgemeinen Besten lenket. Wie kein getriebenes Geschoß der Atmosphäre entfliehen kann, aber auch, wenn es zurückfällt, nach einen und denselben Naturgesetzen wirket, so ist der Mensch im Irrtum und in der Wahrheit, im Fallen und Wiederaufstehen Mensch, zwar ein schwaches Kind, aber doch ein Freigeborner; wenn noch nicht vernünftig, so doch einer bessern Vernunft fähig; wenn noch nicht zur Humanität gebildet, so doch zu ihr bildbar. Der Menschenfresser in Neuseeland und Fenelon, der verworfene Pescherei [Feuerländer] und Newton sind Geschöpfe einer und derselben Gattung."
(Aus den Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit; zitiert nach Johann Gottfried Herder, Staat Nation Humanität. Ausgewählte Texte, Würzburg, 2007, S.227-228).

August 24, 2012

113 Jahre Jorge Luis Borges

Ich
 
 Der Schädelknochen, das geheime Herz,
die Wege des Blutes die ich nicht sehe,
die Tunnel des Traums, der ein Proteus ist,
die Eingeweide, der Hals, das Skelett.
Ich bin all dieses. Unglaublicherweise
bin ich auch die Erinnerung an ein Schwert
und an eine einsam sinkende Sonne,
die sich zu Gold streut, zu Schatten, zu Nichts.
Ich bin der vom Hafen aus Schiffe sieht,
bin die gezählten Bücher, die gezählten
Stiche, die von der Zeit ermüdet sind,
bin der jene beneidet die längst starben.
Noch seltsamer ist es, der Mensch zu sein,
der Wörter flicht im Zimmer eines Hauses. 
(Übersetzung von Gisbert Haefs, nach den Gesammelten Werken, Band 9)

August 23, 2012

Wie "Neoliberalismus" funktioniert

Tim Black in Spiked (bereits am 16. August) über die Folgen der britischen Eisenbahnprivatisierung, die ja auch hierzulande gerne als Musterbeispiel für die Verfehlungen des "Neoliberalismus" herhalten muss:
"Far from the state cutting loose what used to be a nationalised state asset, and slashing public expenditure in the process, precisely the opposite has occurred: public spending on the railways has actually increased since privatisation in 1994. The state hasn’t given free rein to the market; it has had to regulate and intervene more thoroughly, dishing out cash with one hand, and setting performance targets on the other. So according to a Department of Transport report released last year, public subsidy of the supposedly privatised rail service has not fallen since the sell-off; it has actually increased by £1.7 billion between 1996-97 and 2009-10. Incredibly, in 2006/7, £6.8 billion of public money was used to prop up the supposedly privatised rail industry – that’s nearly 50 per cent of the the rail industry’s total costs. This figure now stands closer to £4.5 billion but it still represents significant state intervention into what is supposedly a privatised industry.
To grasp the customer-unfriendly hodge-podge that is Britain’s railways in terms of some free-market attempt to make loadsamoney, and, just as importantly, save the state a fair bit, too, misses the point. Privatising the railways was never really about rolling back the state as the lazy Thatcherism-cliché pedlar would have it. The key dynamic here was all about the state cutting its responsibilities, not public services. It didn’t want to save money so much as save itself accountability. Hence the paradox: state responsibility has lessened while public expenditure has risen.
The reason for the state’s willingness to keep itself apart from a national service like rail travel is the profound crisis of authority, of legitimacy, that has afflicted the British state since the Cold War drew to a close and deprived the British state of one its last raisons d’être. In fact, so lacking in confidence, in direction, has the state been, that it hardly feels itself to be capable of organising the proverbial brewery drinks party, let alone running a national rail-network. The solution has been to pass the buck, be it to assorted, heavily subsidised rail operators, or Network Rail (formerly Railtrack), the track-management company.
Of course, this erosion of state authority and the concomitant attempt to outsource responsibility to the private sector is not limited to the rail industry. One can see the same process at work in the health service, in the military, in prisons. As Patrick Hayes reported earlier this year, it is even affecting the state’s ‘armed body of men’, the police, with core services such as crime investigation and intelligence management up for tender. (And while this is happening, state expenditure as a percentage of GDP is not falling; it is remaining steady. During the 1980s, it averaged 44 per cent - a couple of years ago it was up to nearly 48 per cent.)"


August 20, 2012

Rechtsstaatliche Prinzipien

Gelesen auf rtl.lu: "Pussy Riot: Déi Lénk fuerderen Protest vun der Regierung". Déi Lénk fordert dies aufgrund der "Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien".
Tatsächlich würde aber gerade die luxemburgische Regierung rechtsstaatliche Prinzipien verletzen, wenn sie gegen das Urteil des russischen Gerichts Einspruch einlegen würde - denn die Tat der russischen Punk-Band wäre auch hierzulande strafbar, wenngleich auch mit niedrigen Strafen belegt als bei unseren deutschen Nachbarn und in der Russischen Föderation:
"Ceux qui, par des troubles ou des désordres, auront empêché, retardé, ou interrompu les exercices d'un culte qui se pratiquent dans un lieu destiné ou servant habituellement au culte ou dans les cérémonies publiques de ce culte, seront punis d'un emprisonnement de huit jours à trois mois et d'une amende de '251 à 5.000 euros'." (Art. 143 Code Pénal)

August 18, 2012

Both kinds of music (117): Kanada 1, USA 0

Auch nach kurzer Pause bleiben wir im poppigeren Bereich der Country-Musik, denn wir kommen wohl kaum an der Tatsache vorbei, dass 1997 das bis dato erfolgreichste Country-Album aller Zeiten erschienen. Dabei ist das Überraschende, dass dieses Album nicht von US-Interpreten eingespielt wurde, sondern von einer Kanadierin: Shania Twain, deren drittes Album (von bis heute insgesamt vier) Come on over mehr als 40 Millionen mal verkauft wurde - nicht wenige davon sogar in Europa. 

Shania Twain, die übrigens keineswegs mit Mark Twain verwandt ist (beide Namen sind Pseudonyme), begann ihre Karriere in den 1980ern mit lokalen kanadischen Bands namens Longshot und Flirt bevor 1993 ihr Solo-Debut erschien, das sie erstmals über Kanadas Grenzen bekannt machte. 1995 folgte der Durchbruch mit The woman in me. Hiervon der Titel Any man of mine:

Vom Überflieger Come on over bringe ich Man! I feel like a woman. Die Country-Bezüge sind recht minim, wenn man von einer gelegentlichen Steel Guitar-Einlage absieht.

Fünf Jahre später erschien noch Up!, bis dato das rezenteste Album der Kanadierin, mit weiteren Hits I'm gonna getcha good, hier live bei den Country Music Association Awards 2002, auch wenn die Musik mehr mit 1980er Hard Rock gemein hat als mit Hank Williams:

August 16, 2012

Starke Rede


Maria Aliochina von Pussy Riot beim Schlussplädoyer:
"And what really irritates me is how the prosecution uses the words “so-called” in reference to contemporary art. I would like to point out that very similar methods were used during the trial of the poet [Joseph] Brodsky. His poems were defined as 'so-called' poems; the witnesses for the prosecution hadn’t actually read them—just as a number of the witnesses in our case didn’t see the performance itself and only watched the clip online. Our apologies, it seems, are also being defined by the collective prosecuting body as 'so-called' apologies. Even though this is offensive. And I am overwhelmed with moral injury and psychological trauma. Because our apologies were sincere. I am sorry that so many words have been uttered and you all still haven’t understood this. Or it is calculated deviousness when you talk about our apologies as insincere. I don’t know what you still need to hear from us. But for me this trial is a 'so-called' trial. And I am not afraid of you. I am not afraid of falsehood and fictitiousness, of sloppily disguised deception, in the verdict of the so-called court. Because all you can deprive me of is 'so-called' freedom. This is the only kind that exists in Russia. But nobody can take away my inner freedom."

August 15, 2012

August 13, 2012

RIP Joe Kubert


2012 scheint wirklich das grosse Comiczeichner-Sterben eingesetzt zu haben... einer der letzten alten Meister und bis zuletzt aktiv, ist Joe Kubert gestern Sonntag im Alter von 85 Jahren verstorben. Kubert war bekannt für Kriegscomics wie Sgt. Rock und Enemy Ace, Helden wie Tor, Tarzan und Hawkman, aber auch anspruchsvollere Werke wie Fax from Sarajevo und Yossel.



 

August 05, 2012

I'm moving on

Wegen Umzugs wird dieser Blog die nächsten Tage pausieren...




August 04, 2012

Both kinds of music (116): Im Soge der Garthmania

Heute wenden wir uns wieder dem poppigerigen Bereich der Country-Musik zu, und wenden uns drei der erfolgreichsten Country-Sänger der 1990er zu, deren Karriere im Soge der "Garthmania" begann.

Besonders berüchtigt ist wohl Billy Ray Cyrus, übrigens der Vater von Disney-Star Miley Cirus, dessen Debut-Single Achy Breaky Heart die meistverkaufteste Single des Jahres 1992 in den USA war. An diesen Erfolg und den des ersten Albums Some gave all konnte Cyrus nie wieder anknüpfen. Immerhin wurde in den Spätneunzigern die Musik besser, bevor Cyrus nach 2000 sich zunächst zwei Alben mit christlicher Musik aufnahm, dann in der Serie seiner Tochter Hannah Montana mitwirkte, ebenso bei der Show Dancing with the stars, und schliesslich mit Brother Clyde eine Alternative Rock-Band gründete. Hier jedoch ein Titel aus den 1990ern: Trail of Tears vom gleichnamigen Album (1996).

Ebenso wie Cyrus feierte Faith Hill bereits mit ihrer Debut-Single Wild One vom ersten Album Take me as I am (1993) den Durchbruch:

Ab 1998 und dem Album Faith verlass Hill eigentlich das Country-Genre in Richtung Pop, auch wenn sie 2005 mit Fireflies wieder ein Country-lastigeres Album einspielen sollte. In der Zwischenzeit hatte sie mit Tim McGraw einen weiteren Shooting-Star der Country-Musik geheiratet, mit dem sie 1996 zusammen auf Tour ging und mit dem sie in der Folge mehrere Duette aufnahm, wie etwa Let's make love (1999):

August 03, 2012

Der Ami schiesst am Wannsee

Der folgende Abschnitt im neuesten Perry Rhodan (Heft 2659, "Toufec" von Gastautor Richard Dübell) zeigt wieweit eine Serie gekommen ist, die wie keine andere zur Amerikanisierung des deutschen "Zukunftsromans" beigetragen hat und in der Terraner US-amerikanischer Herkunft wie Rhodan, Bull und Tifflor weiterhin die Hauptrolle spielen:
"Die Hypnoschulung hatte ihn [Toufec, ein umerzogener Babylonier aus dem 6. Jahrhundert v.u.Z.] darauf vorbereitet, dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der Bannerträger der westlichen Kultur von Freiheit und Gleichheit - die Vereinigten Staaten von Amerika - im Wesentlichen von bigotten und rassistischen Chauvinisten bewohnt war, deren Sinn für die Gleichheit aller Menschen da endete, wo die anderen Menschen nicht genauso dachten, lebten und aussahen wie sie."
Tja, wenn bloss der tolerante und stets politisch korrekte Deutsche den Welthegemon stellen würde... 
Bleibt die Frage, ob der Sinn für die Gleichheit aller Menschen  auch den bigott-rassistisch-chauvinistischen Ami beingreift?

Juli 31, 2012

Links, ökonomische

Aus der Rubrik Wer hätte das gedacht?

Der schrumpfende Staat unter Obama (wobei allerdings lediglich die Beamtenzahl gemeint ist):

Wieso Konservative den Mindestlohn unterstützen sollten:
(Kurzfassung: entgegen der allgemeinen Ansicht liberaler Ökonomen steigt nach einer neueren Studie nach Erhöhung des Mindestlohns weniger die Arbeitslosigkeit, als vielmehr die Pro-Kopf-Produktivität, i.e. die Ausbeutungsrate der Arbeitskraft).

Wissenschaftlich bewiesen: Peak Pop war 1969, seitdem geht alles den Bach runter!
(gut, das ist jetzt zugegebenerweise weniger aus der Rubrik Wer hätte das gedacht?...)

Nordkorea, Traumland für Investoren:

...und ein Beitrag zur Debatte über die Indexierung in den 1970ern und 1980ern:
(ja, Milton Friedman war ein Anhänger der Lohnindexierung, wäre also heute quasi ein Kommunist).

Juli 28, 2012

Both kinds of music (115): Die späte Königin des Bluegrass

Nach erster, zweiter, dritter Generation, Progressive Bluegrass, Newgrass und Neotraditional Bluegrass, wurde der Bluegrass in den 1990ern plötzlich wieder charts-kompatibel. Verantwortlich dafür war vor allem eine Frau, die bereits mit 15 ihr erstes Album eingespielt hatte, mit 19 ihren ersten Grammy (von mittlerweile 27!) gewann und mit 21 als jüngstes Mitglied aller Zeiten in die Grand Ole Opry aufgenommen wurde: Alison Krauss. Am erfolgreichsten war Krauss mit ihrer Begleitband Union Station zwischen 1992 und 1999, mit Alben wie Every time you say goodbye (1992) - hiervon der Titelsong:

...oder So long so wrong (1997), das gleich drei Grammy-Awards gewann. Wobei Krauss & Union Station sich auf diesem Album etwa vom traditionellen Bluegrass entfernten, siehe etwa der Titelsong, hier live im britischen Fernsehen 1997:

Eine ganz neue Fanschicht konnte Krauss in jüngeren Jahren entdecken, als sie zusammen mit ex-Led Zeppelin-Sänger Robert Plant das Album Raising Sand (2007) einspielte, auch wenn es für dessen Fans wohl gewöhnungsbedürftiger war. Hier ein Medley von zwei Songs vom Album (Rich Woman/Gone Gone Gone (Done moved on)), live bei der diesjährigen Grammy-Show:

208 Jahre Ludwig Feuerbach


"Laßt den andern glauben, was er will, aber fordert dafür auch von ihm, daß er dich nicht glauben läßt, was er glaubt. Diese Forderung ist gerecht und billig; aber ungerecht und verwerflich, verwerflicher noch als die Intoleranz des Gläubigen ist die Intoleranz des Aufgeklärten, welcher von den andern ohne Unterschied verlangt, daß sie zwar nicht so glauben, aber so denken, so frei und gescheut sein sollen, wie er selbst. Man muß auch gegen die Unfreiheit und Dummheit tolerant sein."
(25. Oktober 1851; nach Sämtliche Werke, Band 10, 2. Auflage, 1960, S.346).

Juli 25, 2012

Noch nie, zuletzt 1889

Quizfrage: wie kann ein Ereignis einerseits noch nie dagewesen zu sein, andererseits alle 150 Jahre auftreten?
L'essentiel.lu titelt nämlich zu den Satellitenaufzeichnungen einer rasanten Eisschmelze "Fonte sans précédent" und lässt eine Wissenschaftlerin im gleichen Artikel erklären, dies sei zuletzt 1889 der Fall gewesen:
"La dernière ayant eu lieu en 1889, cet événement est bien au rendez-vous", a-t-elle dit. "Mais si nous continuons à observer ce type de fonte au cours des prochaines années, ce sera angoissant".

Das Paradox haben übrigens nicht die Journalisten des Gratisblatts zu verantworten (sie haben allerdings den Widerspruch auch nicht bemerkt), sondern die NASA selber, die von einem "Unprecedented Greenland Ice Sheet Surface Melt" spricht und das gleiche Zitat der Glaziologin Lora Koenig bringt: http://www.nasa.gov/topics/earth/features/greenland-melt.html

Addendum: Weitere Infos, Details, Hintergründe, sowie Bildmaterial vom Boden findet man hier:
http://wattsupwiththat.com/2012/07/25/paging-aps-seth-borenstein-hey-seth-wheres-the-beef/

Juli 21, 2012

Both kinds of music (114): Onkel Tupelos Neffen

Nicht Tick, Trick und Track, sondern Wilco, Son Volt und The Bottle Rockets... gleich drei Bands gingen aus Uncle Tupelo hervor.

Bereits 1992 bildeten sich die Bottle Rockets um den zeitweiligen Tupelo-Gitarristen Brian Henneman und gehörten bald zu deren Hauptkonkurrenten im Alternative Country-Genre. Hier eine aufgespeedte Version von Radar Gun, der erfolgreichsten Single der Rockets vom zweiten Album The Brooklyn Side (1994):

Die eigentliche Nachfolge-Band von Uncle Tupelo ist Wilco um den Sänger Jeff Tweedy. Die Band, die insbesondere in der Independant-Szene aktiv ist, hat in gewisser Weise den Post-Byrds Country-Rock der 1970er in das neue Jahrtausend geführt. Sogar Tweedys Stagedress erinnert an Gram Parsons, wie hier beim Titel Monday vom zweiten Album Being there (1996):

Weniger erfolgreich war Gitarrist Jay Farrar mit seiner Band Son Volt, die bereits 1999 ihren Major-Vertrag mit Warner Brothers verlor. Farrar hat seitdem die Band nach Gutdünken aufgelöst und reformiert und 2006 das ganze Personal ausgetauscht. Nichtsdestotrotz sind Son Volt ebenfalls bis heute aktiv. Der folgende Titel Live Free (hier live in St. Louis) stammt vom Debut-Album Trace (1995):

Juli 19, 2012

Marcuse als Prophet der "Befreiung vom Überfluss"?

Zu Herbert Marcuses 114. ein Auszug aus Leszek Kołakowskis Main currents of marxism, Ausgabe New York und London, 2005, S.1122-1123:

"Marcuse combines contempt for science and technology with the belief that we must strive for higher values because all the problems of material welfare have been solved and commodities exist in plenty: to increase the amount can only serve the interests of capitalism, which lives by creating false needs and instilling a false consciounsness. In this respect, Marcuse is typical of the mentality of those who had never to trouble themselves to obtain food, clothing, housing, electricity, and so on, as all these necessities of life were available ready-made. This accounts for the popularity of his philosophy among those who never had anything to do with material and economic production. Students from comfortable middle-class backgrounds have in common with the lumpenproletariat that the technique and organization of production is beyond their mental horizon: consumer goods, whether plentiful or in short supply, are simply there for the taking. Contempt for technique and organization goes hand in hand with a distaste for all forms of learning that are subject to regular rules of operation or that require vigorous effort, intellectual discipline, and a humble attitude towards facts and the rules of logic. It is much easier to shirk the laborious task and to utter slogans about global revolution transcending our present civilization and uniting knowledge and feeling. (...)

There could hardly be a clearer instance of the replacement of Marx's slogan 'either socialism or barbarism' by the version 'socialism equals barbarism'. And there is probably no other philosopher in our day who deserves as completely as Marcuse to be called the ideologist of obscurantism."

Juli 16, 2012

Army of lovers

Auszüge aus dem avis des Staatsrats zur Gesetzesvorlage 6379 ("...ayant pour l'objet la discipline dans l'armée, la police grand-ducale et l'inspection générale de police"):

"La mention côte à côte des notions de patrie, Nation et Etat, l’affirmation que les militaires de l’armée et les membres du cadre policier servent leur patrie, respectent et défendent la liberté de la Nation, respectent et défendent les institutions de l’Etat ne suffisent pas à elles seules pour définir des obligations auxquelles serait tenu le personnel visé. Quelle est l’attitude concrète attendue de la part d’un fonctionnaire de la Police respectueux de la liberté de la Nation? A quelles obligations spécifiques est-il soumis? Par quelles actions concrètes contreviendrait-il à ces obligations? La même attitude n’est-elle pas attendue de la part de tout fonctionnaire de l’Etat? Comment l’Armée défend-elle les institutions de l’Etat?"
(...)
"Par rapport au texte initial correspondant à l’article 3, les qualificatifs « fidèlement » et « courageusement » ont été abandonnés. Les notions de « loyauté », « solidarité », « camaraderie », « honneur » et « dignité » sont tout aussi difficiles à cerner. Obliger un soldat à respecter les « règles découlant de la camaraderie » ouvre les portes à l’arbitraire lorsqu’il s’agira d’apprécier dans un cas concret l’action ou l’inaction de ce soldat. Puisque l’inobservation de ces « règles » risque de donner ouverture à des actions disciplinaires, seule la précision nécessaire dans l’expression des normes à respecter permettra à chaque agent de calquer son comportement sur des règles connues de tous."
(...)
"Comment conjuguer l’application du principe de la « camaraderie » avec l’exigence de surveiller la discipline des subordonnés? Si « tout manquement à la discipline engage la responsabilité du supérieur hiérarchique qui reste en défaut de provoquer ou d’infliger une sanction disciplinaire », la réaction prévisible de personnes vivant dans une société portée à faire intervenir les juridictions pour trancher tout incident présumé et tout manquement perçu dans le chef d’autrui, cette réaction sera celle de se prémunir contre tout reproche d’inaction et de lancer soi-même à titre préventif des enquêtes et des actions disciplinaires."
(...)
"Si le Conseil d’Etat comprend et approuve l’approche fondamentale des auteurs du projet de texte sous avis – les principes fondamentaux sur lesquels sont bâtis notre société et notre Etat doivent prévaloir dans le fonctionnement des corps militaires –, il estime cependant que l’imbrication des droits et libertés fondamentaux des personnes avec les droits et devoirs des agents des corps visés par la loi en projet, dont notamment les militaires de l’Armée aboutira à des situations inextricables. En vertu de l’article 11(1) de la Constitution, « l’Etat garantit les droits naturels de la personne humaine », mais dans certaines circonstances l’ordre d’un sergent ou d’un officier exposent leurs subordonnés à la quasi-certitude de perdre leur vie ou de subir de graves conséquences en ce qui concerne leur intégrité physique et leur santé. L’Armée luxembourgeoise cesserait-elle donc de fonctionner en temps de guerre?
Le Conseil d’Etat estime que le régime disciplinaire de l’Armée devrait distinguer entre l’état de paix et la situation de conflit armé, les deux situations exigeant des comportements tellement différents qu’un seul et même texte ne peut pas les régler toutes les deux identiquement."

Juli 14, 2012

Both kinds of music (113): Emmylou Harris in den Neunzigern

Emmylou Harris, nunmehr mit schneeweissem Haar, löste 1991 ihre Hot Band auf, mit der sie seit den 1970ern zusammengearbeitet hatte. Dies tat jedoch der Qualität ihrer Alben keinen Abbruch, auch wenn ihre Verkaufszahlen einbrachen und Harris von den Country-Radiostationen mehr und mehr zugunsten von Garth Brooks und co. ignoriert wurde.

Drei Beispiele für Harris-Werke aus den Neunzigern:
Lodi, ein alter Creedance Clearwater Revival, live mit den Nash Ramblers 1991; eine weitere Version erschien 1992 auf dem Live-Album At the Ryman.

Orphan Girl und Blackhawk, hier begleitet vom Produzenten Daniel Lanois samt Band, vom 1995er Album Wrecking Ball:

1917, mit Linda Ronstadt, vom gemeinsamen Album Western Wall (The Tucson Sessions), erschienen 1999:

Juli 13, 2012

Salafistische Jakobiner?

Interessante Betrachtungen von Laurent Mignon zur Mausoleenstürmerei in Timbuktu  im Lëtzebuerger Land von heute:
"(...) le salafisme refuse tout intermédiaire entre Dieu et le croyant. Il se veut rationnel. Le culte des saints, le soufisme, et l'utilisation de chapelets et grigris en tout genre sont des abominations qu'il ne peut que condamner. Il s'agit de pratiques et de croyances considérées comme superstitieuses et irrationnelles par les fondamentalistes. 'La pire des bêtes aux yeux de Dieu est celle qui est sourde et muette et ne raisonne pas', dit le Coran. Selon des témoins qui assistèrent à la destruction de la porte interdite de la mosquée Sidi Yahya, les militants expliquèrent qu'ils voulaient montrer que son ouverture ne causerait pas la fin du monde. Il s'agissait d'un acte, certes iconoclaste, mais aussi éducatif et éclairé. Les Lumières à la sauce salafiste. Cette attitude, avouons-le, n'aurait pas déplu à Voltaire."
Der Schlussfolgerung Mignons kann ich mich im Übrigen anschliessen:
"Certes le combat de Voltaire n'était pas celui d'Iyad Ag Ghali. Néanmoins les évènements de Tombouctou montrent que ce n'est point la rationalité de nos convictions, mais bien notre capacité à tolérer l'irrationnel qui est une mesure de notre humanité."

Juli 12, 2012

Kurzer Gedanken zur "nachhaltigen Entwicklung"

Gesehen im Tageblatt vom 6. Juli 2012:


Ist es nicht erstaunlich, dass ausgerechnet ein Urwaldindianer als Symbolisierung der "nachhaltigen Entwicklung" herhalten muss, zeichnet sich doch ihr historisches Dasein - ob scheinbar oder wirklich, sei dahin gestellt - durch die Abwesenheit jeglicher Entwicklung aus, und dass ein Überleben von Tag zu Tag, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von unter 45 Jahren als besonders nachhaltig gelten kann, will mir auch nicht einleuchten. Sorry, liebe Romantisierer des sog. "edlen Wilden".

Juli 11, 2012

Wandelndes Public-Private-Partnership

Im heutigen Tageblatt sind die diversen Posten von Gaston Reinesch, der bekanntlich als Favorit für die Nachfolge von Yves Mersch an der Spitze der Luxemburger Zentralbank gilt, nachdem Mersch nunmehr seine maoistische Wühlarbeit (der Luxemburger Anarchist berichtete) von Frankfurt/Main aus fortsetzt:
Generaladministrator im Finanzministerium
Präsident des Verwaltungsrats der BGL BNP Paribas
Präsident des Verwaltungsrats der Post (Entreprise des P&T)
Präsident des Exekutivkomittees und des Verwaltungsrats der nationalen Kreditanstalt SNCI
Präsident des Verwaltungsrats des Commissariat aux Assurances
Vize-Präsident des Verwaltungsrats der Überwachungsstelle des Finanzsektors CSSF
Mitglied des Verwaltungsrats von SES Global
Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrats
Gastprofessor an der Uni Luxemburg

Da hat das Tageblatt ganz vergessen, dass er ausserdem noch Mitglied des Board of Directors der Europäischen Investitionsbank und Alternate Board Member im Europäischen Investitonsfonds ist, und im Verwaltungsrat der Cargolux, Paul Wurth und Enovos International sitzt. Wann der Mann schläft, ist mir nicht bekannt. Zumindest hatte er aber Zeit zwischenzeitlich zwei Kinder zu zeugen. Dementsprechend, wie das t weiss: "Eines ist allerdings sicher, sollte Gaston Reinesch zum Zentralbankchef werden, wird dies eine Kaskade von Umbesetzungen in verschiedenen Verwaltungsräten mit sich bringen".

Juli 09, 2012

112 Jahre Louis Simon

"La révolution ne se proclame pas, ne se provoque pas. Elle s’établit sans qu’on l’attende, sans qu’on se doute de sa présence, et se révèle après coup, parfois longtemps après son apparition quasi clandestine. Certains observateurs croient deviner : combien s’imaginent lucides et se trompent ?
Gardons-nous de penser que tout soit bon et vaille la peine d’être retenu de ce qui est apporté dans ce changement plus ou moins intégral, que l’on appelle, et qui déçoit lorsqu’on en goûte les fruits.
La jeunesse est exaltée par la vague puissante qui déferle. Qui s’opposerait à l’enthousiasme du flux créateur ?
La grave raison pèse les conséquences. Elle choisit le possible, l’accessible, la valeur durable. Je dis en toute tranquillité à des esprits qui me semblent brouillons et qui mélangent des choses qui doivent être distinguées : vouloir agir à tout prix est enfantin et nuisible.
Voyons les réalités et les illusions de la radicale métamorphose qui doit abolir l’écrasement des masses ouvrières par les classes possédantes. Est-ce pour ne parvenir qu’à un changement de maîtres et un échange de places ?
Où sont les vrais révolutionnaires ? Ceux-là ont transmuté les vieilles valeurs. Ils apportent une conception neuve, une méthode de libération sans ambiguïté.
Pour Han Ryner, il ne fut pas étranger à la recherche d’une entrée dans les faits. Il a envisagé éventualités et modes d’action. Il n’a pu s’abstraire des leçons d’application de l’histoire. On y surprend les obstacles à éviter, comme les failles éternelles.
Trouver une science des rapports humains ? Le mot science est bien fort. Les jugements au domaine sociologique, sont la plupart du temps orientés par l’autorité — au moins celle des chefs de file que l’on tient pour avertis. Ainsi, chez nos contemporains, la révérence aux propositions de Marx et d’Engels et de leurs suiveurs plus ou moins fidèles, que l’on admet comme 'scientifiques'.
Or, des formules impérieuses présentées comme indiscutables ont été démenties par les faits. Je n’en discuterai pas ici. J’y vois l’obéissance à des théories construites par des spécialistes, dans l’abstraction. La Science se justifie par l’observation directe.
Ce n’est pas, de ma part, pour m’incliner devant une autre infaillibilité, celle de Han Ryner : loin de là ! Il nous sert à nous défier de la logique apparente, des systèmes dialectiques qui voilent l’humble concret, et des affirmations gratuites trop séduisantes.
C’est une sagesse de l’esprit aussi bien que sagesse dans le comportement. Est-on si pressé ? Le monde attend-il impatiemment que nous approuvions un mode de salut qui nous semble urgent ? Faut-il parvenir en toute force de conviction à la transfiguration apocalyptique ?
Réserve, examen, attente. L’acquiescement complet se donne lorsqu’aucune ombre ne subsiste. Ce n’est en rien pessimisme, mais scepticisme historique et philosophique sur les forces à mouvoir. L’avenir reste entre nos mains, dans nos volontés : nous incliner sous les nécessités, mais en user pour les faire concourir à notre intention.
La Justice ne peut étouffer la vie, ni plaquer sous une loi arbitraire les vivants. L’égalité mathématique n’est pas un idéal humain. C’est une Idole qui suggère de niveler selon une moyenne dérisoire les têtes et les pieds.
Comment s’en remettre, d’ailleurs, à des juges faillibles et intéressés pour infliger leur justice à ceux qui ne se soumettraient pas à leurs décrets ? Folie législatrice. Le dogmatisme use volontiers des logiques fermées pour délirer. La persuasion qu’il apporte ne repose à la fin que sur une foi. Son entêtement à ne point vouloir considérer ce qui ne rentre pas dans son corset ou son armure, à affirmer comme non advenu ce qui vit hors du système et malgré lui, fait partie, autant que de la fureur inquisitoriale, de toute une scolastique moderne."
(Auszug aus Un individualiste dans le social: Han Ryner, Paris, 1973, S.97 ff.)

Juli 07, 2012

Both kinds of music (112): Cash in den Neunzigern

Ganz neue Zielgruppen konnte der "Man in Black" in den 1990ern erobern, als er zusammen mit dem Hip Hop- und Metal-Produzenten Rick Rubin (der bis dahin etwa Run DMC und Public Enemy, aber auch Slayer und Danzig produziert hatte, das Album American Recordings einspielte, das zugleich die Geburt des gleichnamigen Labels markierte (zuvor: "Def American"). Das Album enthielt unter anderem Cash-Versionen von Songs von Glenn Danzig (Thirteen), Leonard Cohen und Tom Waits, neben alten und neuen Titeln von Cash selber.

Aufgrund des großen, kritischen wie kommerziellen, Erfolgs des Albums setzten Rubin und Cash die gleiche Formel 1996 auf Unchained fort, diesmal unter anderem mit Covern von Soundgarden und Beck, sowie Gastauftritten von Tom Petty, Flea von den Red Hot Chili Peppers sowie Lindsey Buckingham und Mick Fleetwood von Fleetwood Mac. Hier der Titel Spiritual, geschrieben von Josh Haden:

Der dritte von mittlerweile sechs Alben in der "American-Reihe" erschien im Jahr 2000 als American III - Solitary Man, auf dem Cash unter anderem Solitary Man von Neil Diamond, One von U2 und I see a darkness von Bonnie "Prince" Billy coverte.

Juli 03, 2012

129 Jahre Franz Kafka

Gibs auf! (Ende 1922)

Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: "Von mir willst du den Weg erfahren?" "Ja", sagte ich, "da ich ihn selbst nicht finden kann." "Gibs auf, gibs auf", sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

Juli 01, 2012

Als Klischee noch Klischee sein durfte...

Nachdem ich gestern Abend Rock of ages (Kurzfazit: trotz der nervigen Musicalpassagen und zu blonder Hauptdarstellerin aufgrund der schauspielerischen Leistung von Cruise, Baldwin, Brand und Giamatti doch recht unterhaltsam) fühle ich mich dazu getrieben, heute hier drei der am meisten dem Geist der 80er verhafteten Musikvideos zu bringen...

Twisted Sister - I wanna rock

W.A.S.P. - Wild child

Judas Priest - Hot rockin'

Pariser Schnappschüsse (5)

Etwas weiter nordöstlich der Kolumbariumzellen von Machno und Volin findet man auch die letzte Ruhestätte des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs...


Juni 30, 2012

Both kinds of music (111): Der nicht mehr so junge Neil

Nachdem der ewig produktive Neil Young Anfang der 1980er eine gewisse Schaffenskrise hatte (erinnert sich noch jemand an das Album Re-Ac-Tor?) und sich dann in verschiedenen Musikrichtungen versuchte (Synthie-Pop, Rockabilly, R&B...) und auch wieder ein traditionelles Country-Album mit dem Titel Old Ways (1985) einspielte, war nach seiner erneuten Zusammenarbeit mit Crazy Horse auf dem Album Ragged Glory (1990) Anfang der 1990er als angeblicher "Godfather of Grunge" wieder in aller Munde. 1992 jährte sich zudem der 20. Geburtstag des Albums Harvest und Young tat sich wieder mit Linda Ronstadt, James Taylor und den Stray Gators zusammen und spielte das "Sequel" Harvest Moon ein. Hiervon der Titelsong...

...und Unknown legend.

Im darauf folgenden Jahr erschien mit Lucky Thirteen eine eklektizistische Sammlung von Outtakes aus den 1980ern, darunter auch der ursprünglich für Old ways vorgesehene Depression Blues (dazu passt das minimalistische Video ;-) ).

Juni 29, 2012

Pariser Schnappschüsse (4)

...und nur wenige Meter von Machno entfernt findet man seinen Weggefährten... oder doch eher Gegner? Die korrekte Bezeichnung ist wohl "Parteifreund", auch wenn das Wort "Partei" im Anarchistischen ja eher vermieden wird...

Juni 28, 2012

Pariser Schnappschüsse (3)

Der Weg des ukrainischen Partisanenführers endet im Kolumbarium des Père Lachaise... etwas ungewöhnlich für den Sohn eines Kleinbauern aus Gulai-Pole!

Wen die Verzierung mit zwei Anarcho-"A"s übrigens stört, sei auf die Kolumbarienzelle von Pierre Frank, dem früheren Cheforganisator der Vierten Internationale, verwiesen, dem ein heutiger Anhänger die letzte Ehre durch Anbringen eines Aufklebers des Nouveau Parti Anticapitaliste erwies...


Juni 27, 2012

Pariser Schnappschüsse (2)

Schon wieder Weltuntergang... 2012 oblige?

Juni 25, 2012

109 Jahre George Orwell

Literature and Totalitarianism (19. Juni 1941)

I said at the beginning of my first talk that this is not a critical age. It is an age of partisanship and not of detachment, an age in which it is especially difficult to see literary merit in a book with whose conclusions you disagree. Politics — politics in the most general sense — have invaded literature, to an extent that does not normally happen, and this has brought to the surface of our consciousness the struggle that always goes on between the individual and the community. It is when one considers the difficulty of writing honest unbiased criticism in a time like ours that one begins to grasp the nature of the threat that hangs over the whole of literature in the coming age.
We live in an age which the autonomous individual is ceasing to exist — or perhaps one ought to say, in which the individual is ceasing to have the illusion of being autonomous. Now, in all that we say about literature, and (above all) in all that we say about criticism, we instinctively take the autonomous individual for granted. The whole of modern European literature — I am speaking of the literature of the past four hundred years — is built on the concept of intellectual honesty, or, if you like to put it that way, on Shakespeare’s maxim, ‘To thine own self be true’. The first thing that we ask of a writer is that he shall not tell lies, that he shall say what he really thinks, what he really feels. The worst thing we can say about a work of art is that it is insincere. And this is even truer of criticism than of creative literature, in which a certain amount of posing and mannerism, and even a certain amount of downright humbug, doesn’t matter, so long as the writer is fundamentally sincere. Modern literature is essentially an individual thing. It is either the truthful expression of what one man thinks and feels, or it is nothing.
As I say, we take this notion for granted, and yet as soon as one puts it into words one realizes how literature is menaced. For this is the age of the totalitarian state, which does not and probably cannot allow the individual any freedom what ever. When one mentions totalitarianism one thinks immediately of Germany, Russia, Italy, but I think one must face the risk that this phenomenon is going to be world-wide. It is obvious that the period of free capitalism is coming to an end and that one country after another is adopting a centralized economy that one can call Socialism or state capitalism according as one prefers. With that the economic liberty of the individual, and to a great extent his liberty to do what he likes, to choose his own work, to move to and fro across the surface of the earth, comes to an end. Now, till recently the implications of this were not foreseen. It was never fully realized that the disappearance of economic liberty would have any effect on intellectual liberty. Socialism was usually thought of as a sort of moralized liberalism. The state would take charge of your economic life and set you free from the fear of poverty, unemployment and so forth, but it would have no need to interfere with your private intellectual life. Art could flourish just as it had done in the liberal-capitalist age, only a little more so, because the artist would not any longer be under economic compulsions.
Now, on the existing evidence, one must admit that these ideas have been falsified. Totalitarianism has abolished freedom of thought to an extent unheard of in any previous age. And it is important to realize that its control of thought is not only negative, but positive. It not only forbids you to express — even to think — certain thoughts, but it dictates what you shall think, it creates an ideology for you, it tries to govern your emotional life as well as setting up a code of conduct. And as far as possible it isolates you from the outside world, it shuts you up in an artificial universe in which you have no standards of comparison. The totalitarian state tries, at any rate, to control the thoughts and emotions of its subjects at least as completely as it controls their actions.
The question that is important for us is: can literature survive in such an atmosphere? I think one must answer shortly that it cannot. If totalitarianism becomes world-wide and permanent, what we have known as literature must come to an end. And it will not do — as may appear plausible at first — to say that what will come to an end is merely the literature of post-Renaissance Europe.
There are several vital differences between totalitarianism and all the orthodoxies of the past, either in Europe or in the East. The most important is that the orthodoxies of the past did not change, or at least did not change rapidly. In medieval Europe the Church dictated what you should believe, but at least it allowed you to retain the same beliefs from birth to death. It did not tell you to believe one thing on Monday and another on Tuesday. And the same is more or less true of any orthodox Christian, Hindu, Buddhist or Muslim today. In a sense his thoughts are circumscribed, but he passed his whole life within the same framework of thought. His emotions are not tampered with.
Now, with totalitarianism, exactly the opposite is true. The peculiarity of the totalitarian state is that though it controls thought, it does not fix it. It sets up unquestionable dogmas, and it alters them from day to day. It needs the dogmas, because it needs absolute obedience from its subjects, but cannot avoid the changes, which are dictated by the needs of power politics. It declared itself infallible, and at the same time it attacks the very concept of objective truth. To take a crude, obvious example, every German up to September 1939 had to regard Russian Bolshevism with horror and aversion, and since September 1939 he had to regard it with admiration and affection. If Russia and Germany go to war, as they may well do within the next few years [tatsächlich begann der deutsche Angriff auf die Sowjetunion drei Tage später!], another equally violent change will have to take place. The German’s emotional life, his loves and hatreds, are expected, when necessary, to reverse themselves overnight. I hardly need to point out the effect of this kind of thing upon literature. For writing is largely a matter of feeling, which cannot always be controlled from outside. It is easy to pay lip-service to the orthodoxy of the moment, but writing of any consequence can only be produced when a man feels the truth of what he is saying; without that, the creative impulse is lacking. All the evidence we have suggests that the sudden emotional changes which totalitarianism demands of its followers are psychologically impossible. And that is the chief reason why I suggest that if totalitarianism triumphs throughout the world, literature, as we have known it, is at an end. And, in fact, totalitarianism does seem to have had that effect so far. In Italy literature has been crippled, and in Germany it seems almost to have ceased. The most characteristic activity of the Nazis is burning books. And even in Russia the literary renaissance we once expected has not happened, and the most promising Russian writers show a marked tendency to commit suicide or disappear into prison.
I said earlier that liberal capitalism is obviously coming to an end, and therefore I may have seemed to suggest that freedom of thought is also inevitably doomed. But I do not believe this to be so, and I will simply say in conclusion that I believe the hope of literature’s survival lies in those countries in which liberalism has struck its deepest roots, the non-military countries, western Europe and the Americas, India and China. I believe — it may be no more than a pious hope — that though a collectivized economy is bound to come, those countries will know how to evolve a form of Socialism which is not totalitarian, in which freedom of thought can survive the disappearance of economic individualism. That, at any rate, is the only hope to which anyone who cares for literature can cling. Whoever feels the value of literature, whoever sees the central part it plays in the development of human history, must also see the life and death necessity of resisting totalitarianism, whether it is imposed on us from without or from within.

Juni 23, 2012

Both kinds of music (110): Mir wëlle jo Texaner sinn

Haut op "Kinneksgebuertsdag" (deen den 23. Juni gefeiert gëtt, well d'Charlotte den 23. Januar Gebuertsdag haat - don't ask - méi sënnvoll wier et jo vlaicht, d'Verfassung vun 1848 ze feieren, déi een 23. Juni gestëmmt guef) ass et un der Zäit och emol ee Blëck op "onsen" Country-Sänger, de Buffalo C. Wayne, ze werfen, och wa mir domadder streng gesinn, d'Chronologie e bësschen verloossen. Allerdengs brengen ech de Buffalo awer mat den Nonnzeger a Verbindung, waarscheinlech well ech hien do live in Concert erliewt hun - beim Meesebuerger Schlass, si je ne me trompe.

De Buffalo C. Wayne war schons mat 15 Joer an der Rock-Band The Pink Five aktiv an huet op Thé-dansants a Baler gespillt. 1979 huet hien den Country-Sänger (a spéidere Schauspiller a Mann vum Julia Roberts) Lyle Lovett begéint, eng Frëndschaft déi bis haut undauert. Drai Joër méi spéit huet de Buffalo d'Buffalo Wayne Band gegrënnt, spéider huet hien mat The Rogues gespillt, bei deenen eng ganz Rei bekannt Session-Musiker vun Nashville matgemach hun. De Buffalo C. Wayne ass Member vun der Country Music Academy an der Nashville Songwriters Association.

Hei drai Titelen:
Her Daddy's got a gun

Geronimo

Hooked on a redneck girl

Juni 22, 2012

245 Jahre Wilhelm von Humboldt

Zum Geburtstag des (halben) Namensgebers der ostberliner Universität, des älteren der beiden Humboldt-Brüder heute ein Auszug aus einem Klassiker des Liberalismus, der bisweilen (größtenteils wohl doch zu Unrecht) auch als protoanarchistisch charakterisiert wird und überraschenderweise einen bleibenden Einfluss auf Noam Chomsky ausübte...
die Ideen zu einem Versuch die Gränzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen aus dem Revolutionsjahr 1792. Hier ein Auszug aus Punkt 3 aus dem III. Abschnitt:

"Alles, womit sich der Mensch beschäftigt, wenn es gleich nur bestimmt ist, physische Bedürfnisse mittelbar oder unmittelbar zu befriedigen oder überhaupt äußere Zwecke zu erreichen, ist auf das genaueste mit innren Empfindungen verknüpft. Manchmal ist auch neben dem äußeren Endzweck noch ein innerer, und manchmal ist sogar dieser der eigentlich beabsichtete, jener nur notwendig oder zufällig damit verbunden. Je mehr Einheit der Mensch besitzt, desto freier entspringt das äußere Geschäft, das er wählt, aus seinem innren Sein, und desto häufiger und fester knüpft sich dieses an jenes da an, wo dasselbe nicht frei gewählt wurde. Daher ist der interessante Mensch in allen Lagen und allen Geschäften interessant; daher blüht er zu einer entzückenden Schönheit auf in einer Lebensweise, die mit seinem Charakter übereinstimmt.
So ließen sich vielleicht aus allen Bauern und Handwerkern Künstler bilden, d. h. Menschen, die ihr Gewerbe um ihres Gewerbes willen liebten, durch eigengelenkte Kraft und eigne Erfindsamkeit verbesserten und dadurch ihre intellektuellen Kräfte kultivierten, ihren Charakter vereitelten, ihre Genüsse erhöhten. So würde die Menschheit durch eben die Dinge geadelt, die jetzt, wie schön sie auch an sich sind, so oft dazu dienen, sie zu entehren. Je mehr der Mensch in Ideen und Empfindungen zu leben gewohnt ist, je stärker und feiner seine intellektuelle und moralische Kraft ist, desto mehr sucht er allein solche äußre Lagen zu wählen, welche zugleich dem innren Menschen mehr Stoff geben, oder denjenigen, in welche ihn das Schicksal wirft, wenigstens solche Seiten abzugewinnen. Der Gewinn, welchen der Mensch an Größe und Schönheit einerntet, wenn er unaufhörlich dahin strebt, daß sein inneres Dasein immer den ersten Platz behaupte, daß es immer der erste Quell und das letzte Ziel alles Wirkens und alles Körperliche und Äußere nur Hülle und Werkzeug desselben sei, ist unabsehlich.
Wie sehr zeichnet sich nicht, um ein Beispiel zu wählen, in der Geschichte der Charakter aus, welchen der ungestörte Landbau in einem Volke bildet. Die Arbeit, welche es dem Boden widmet, und die Ernte, womit derselbe es wieder belohnt, fesseln es süß an seinen Acker und seinen Herd; Teilnahme der segenvollen Mühe und gemeinschaftlicher Genuß des Gewonnenen schlingen ein liebevolles Band um jede Familie, von dem selbst der mitarbeitende Stier nicht ganz ausgeschlossen wird. Die Frucht, die gesäet und geerntet werden muß, aber alljährlich wiederkehrt und nur selten die Hoffnung täuscht, macht geduldig, vertrauend und sparsam; das unmittelbare Empfangen aus der Hand der Natur, das immer sich aufdrängende Gefühl, daß, wenn gleich die Hand des Menschen den Samen ausstreuen muß, doch nicht sie es ist, von welcher Wachstum und Gedeihen kommt; die ewige Abhängigkeit von günstiger und ungünstiger Witterung flößt den Gemütern bald schauderhafte, bald frohe Ahndungen höherer Wesen, wechselweis Furcht und Hoffnung ein und führt zu Gebet und Dank; das lebendige Bild der einfachsten Erhabenheit, der ungestörtesten Ordnung und der mildesten Güte bildet die Seelen einfach, groß, sanft und der Sitte und dem Gesetz froh unterworfen. Immer gewohnt hervorzubringen, nie zu zerstören, ist der Ackerbauer friedlich und von Beleidigung und Rache fern, aber er füllt von dem Gefühl der Ungerechtigkeit eines ungereizten Angriffs und gegen jeden Störer seines Friedens mit unerschrockenem Mut beseelt.
Allein, freilich ist Freiheit die notwendige Bedingung, ohne welche selbst das seelenvollste Geschäft keine heilsamen Wirkungen dieser Art hervorzubringen vermag. Was nicht von dem Menschen selbst gewählt, worin er auch nur eingeschränkt und geleitet wird, das geht nicht in sein Wesen über, das bleibt ihm ewig fremd, das verrichtet er nicht eigentlich mit menschlicher Kraft, sondern mit mechanischer Fertigkeit. Die Alten, vorzüglich die Griechen, hielten jede Beschäftigung, welche zunächst die körperliche Kraft angeht oder Erwerbung äußerer Güter, nicht innere Bildung, zur Absicht hat, für schädlich und entehrend. Ihre menschenfreundlichsten Philosophen billigten daher die Sklaverei, gleichsam um durch ein ungerechtes und barbarisches Mittel einem Teile der Menschheit durch Aufopferung eines andren die höchste Kraft und Schönheit zu sichern. Allein den Irrtum, welcher diesem ganzen Räsonnement zum Grunde liegt, zeigen Vernunft und Erfahrung leicht. Jede Beschäftigung vermag den Menschen zu adeln, ihm eine bestimmte, seiner würdige Gestalt zu geben. Nur auf die Art, wie sie betrieben wird, kommt es an; und hier läßt sich wohl als allgemeine Regel annehmen, daß sie heilsame Wirkungen äußert, solange sie selbst und die darauf verwandte Energie vorzüglich die Seele füllt, minder wohltätiger oft nachteilige hingegen, wenn man mehr auf das Resultat sieht, zu dem sie führt, und sie selbst nur als Mittel betrachtet. Denn alles, was in sich selbst reizend ist, erweckt Achtung und Liebe, was nur als Mittel Nutzen verspricht, bloß Interesse; und nun wird der Mensch durch Achtung und Liebe ebensosehr geadelt, als er durch Interesse in Gefahr ist, entehrt zu werden."

Juni 20, 2012

Blasphemisches

Nik Brückner kommt auf den Babyblauen Seiten (deutschsprachiges Progressive Rock-Portal) zum unpopulären, ja in gewisser Weise "politisch inkorrekten" (hier "inkorrekt" im Sinne der Standards und Regeln der Musikkritik im Pop- und Rockbereich) Schlussfolgerung, dass die 2003 veröffentlichte Neueinspielung von Mike Oldfields Hauptwerk Tubular Bells dem Original aus dem Jahr 1974 "objektiv" überlegen ist.

Interessante Überlegungen hierbei über den Kultus des Ursprünglichen in der Rockmusik, verkörpert im sentimentalen Pochen auf die "Original-Aufnahme", das hier in Gegensatz zur Klassik gestellt wird - genauso gut hätte man im Übrigen auch den Jazz anführen können:
"Wir Rockhörer sind Fanatiker des Originals. Seltsamerweise. Denn in den anderen Künsten ist ihre Reproduzierbarkeit seit über hundert Jahren ein zentrales und nicht mehr wegzudenkendes Thema. In der Musik ist es das ebenfalls, noch dazu auf eine ganz besondere Weise: Bei einem klassischen Werk würde niemand auch nur auf die Idee kommen, die erste Tonaufnahme für sakrosankt zu erklären. Noch dazu, wenn man deutlich hört, dass die Musiker sich verspielt haben und ihre Instrumente verstimmt waren. Ich kenne Leute, die so weit gehen, dass sie sich gar keine Aufnahmen kaufen, weil sie der Meinung sind, dass Musik allein durch ihre Aufführung lebt. In der Rockmusik ist das ganz anders: Wir stellen das Studioalbum über die Performance und sehen in der Studioversion das Eigentliche, Ursprüngliche, Unantastbare."

Juni 18, 2012

Juni 16, 2012

Both kinds of music (109): A class of her own

Eine gewisse Alternative zum Stadion-Country von Brooks bot Anfang der 1990er Mary Chapin Carpenter, die mit ihrer Mischung aus Country, Folk und Rock gleich viermal in Folge (1992-1995) den Grammy für die "Best Country Vocal Performance" gewann.

Carpenters Karriere hatte 1987 recht unauffällig mit dem Folk-Album Hometown Girl begonnen, es folgten das country-lastigere State of the heart (1989) und Shooting straight in the dark (1990). Ein Highlight des letzteren Albums war die Single Down at the twist and shout, bei der Carpenter von der Cajun-Band Beausoleil begleitet wurde:

Das erfolgreichste Album von Carpenter bleibt das 1992 erschienene Come on Come on mit gleich sieben Hits auf den Country-Charts; hier der rockigere Titel I feel lucky:

Zur gleichen Zeit wurde Carpenter auch zunehmend als Songwriterin wahrgenommen; so schrieb sie unter anderem für Wynonna Judd, Cindy Lauper, später auch für Trisha Yearwood. Den Titel Stones in the road, den sie 1992 für Joan Baez schrieb, übernahm sie 1994 selber als Titelsong ihres fünften Albums; Stones in the road wurde später von der Webseite Country Universe zum besten zeitgenössischen Country-Album schlechthin gekürt. Hier der Titelsong, im Duett mit Baez:

185 Jahre Élie Reclus

Mit David Graeber ist eine spezifisch anarchistische Anthropologie wieder in Mode gekommen; vielleicht eine Gelegenheit Klassiker des Genres wieder zu entdecken, auch wenn vieles heute wissenschaftlich überholt ist.

Primitive Folk von Élie Reclus, dem Bruder des bekannteren Geographen Élisée, erschien zuerst 1885 als Les primitifs. Hier ein auf archive.org gefundener Scan der ersten amerikanischen Ausgabe aus dem Jahr 1891:
(besser lesbar im Fullscreen, versteht sich)

Juni 10, 2012

Juni 09, 2012

Both kinds of music (108): Garthmania

Nachdem wir letztes Mal Brooks' Background-Sängerin und heutige Ehefrau Trisha Yearwood hörten, diesmal the man himself: Garth Brooks, nicht nur der Country-Star der 1990er, sondern in den USA (in Europa weitestgehend unbemerkt) mittlerweile in absoluten Albenverkäufen die Nummer 1 schlechthin, weit vor den Beatles, Elvis, den Rolling Stones... und das obwohl seine eigentliche Karriere nur 12 Jahre umfasste (1989-2001), auch wenn er seit ein paar Jahren wieder Konzerte gibt.

Das erfolgreichste Album bleibt No fences aus dem Jahr 1990, hieraus der Titel Friends in low places, live im New Yorker Central Park 1997:

Nach den Riots in LA 1992 spielte Brooks den soullastigen Song We shall be free ein, der auch auf dem vierten Album The chase erschien, und mit einem Gospel-Chor aufwartete:

1994 tat er sich dann auch noch mit KISS zusammen, um deren Titel Hard Luck Woman neu einzuspielen (hier live bei Jay Leno):

Juni 04, 2012

Ich bin sprachlos

Aus einem Leserbrief von Jean Bodry im heutigen Tageblatt, betreffend die rezente Verurteilung des Staates in punkto Nachzahlungen an die Pflegeversicherung:
"Der manchmal anwesende Premier und sein Finanzminister und LSAP-Gesundheitsminister werden auffällig durch die Vielfalt der Fehler durch die klerikale Mehrheit in der Regierung.
Dies führt zu einer Nebenart des Anarchismus, die Sozialgesetzgebung wird von innen ausgehöhlt.
Natürlich ist es nicht der Anarchismus des 17. Jahrhunderts [!?], der hatte zum Ziel, die Herrschaftslosigkeit und Gesetzgebung außer Kraft zu setzen und die Gesellschaft in einen ordnungslosen Zustand zu versetzen [ich unterstreiche].
Der heutige Ansatz zum Anarchismus hat zum Ziel, die sozialen Errungenschaften außer Kraft zu setzen und die Gewerkschaften zu schwächen, die Arbeitslosenzahlen in die Höhe zu treiben, den Staat und die Nation durch ihre Fehler in einen ordnungslosen Zustand zu versetzen."

Juni 02, 2012

Both kinds of music (107): Ein gutes Jahr für Shooting Stars

Auch das "Country-Jahr" 1991 ist von einer Welle von Newcomern geprägt, die im Windschatten des phänomenalen Erfolgs von Garth Brooks zum Zuge kamen. Direkt aus dem Umfeld von Brooks stammt Trisha Yearwood, die auf Brooks' zweitem Album Background-Vocals sang und im Gegenzug durch Brooks einen Plattenvertrag bei MCA vermittelt bekam. Diese werden den Vertrag nicht bereut haben, schoss die Debut-Single She's in love with the boy doch gleich auf Nummer 1 der C&W-Charts und lancierte die bis heute andauernde Karriere von Yearwood als Sängerin, Schauspielerin (Lt. Cmdr. Coulter bei JAG, wenn sich noch jemand an die Serie erinnern kann) und neuerdings auch als TV-Köchin.

Ebenfalls mit der ersten Single gleich auf Nummer 1 - als erste Country-Band überhaupt - startete im gleichen Jahr die Karriere der neotraditionalistischen Band Diamond Rio mit dem Titel Meet in the middle, die seit 2007 auf christliche Musik umgestiegen ist.

Und auch das Duo Brooks & Dunn erreichte gleich mit der ersten Single Brand New Man Platz 1 der Country-Charts. Beide Musiker waren allerdings schon ältere Hasen im Geschäft, Kix Brooks als Songwriter und Ronnie Dunn als Session-Musiker. Die beiden wurden Anfang der 1990er auf Initiative des Labels Arista als Duo lanciert, eine Partnerschaft, die bis 2009 anhielt.

Juni 01, 2012

Plus ça change...

Gelesen im heutigen Lëtzebuerger Land (im Artikel "Un pacte similaire au pacte fiscal" von Jean-Luc Karleskind):
"À ceux qui auraient de fortes attentes vis-à-vis du Président de centre-gauche [Hollande], craintes ou espoirs, nous rappelerons que son collègue de parti, Lionel Jospin, fut élu en 1997 après avoir pris l'engagement solennel de ne valider le Traité d'Amsterdam qu'à satisfaction de trois conditions catégoriques: l'instauration d'un gouvernement économique pour contrebalancer le pouvoir de la BCE, une orientation de politique monétaire qui écarte les aberrations de l' 'euro fort', et une réorientation des traités économiques dans le sens de la croissance. Or, le ministre allemand des Finances de l'époque, Theo Waigel, a raconté la négociation de 1997 avec Dominique Strauss-Kahn le 18 mai dernier à Luxembourg. Selon lui, à part le titre du traité de stabilité auquel on ajouta les mots 'et de croissance' et un paragraphe sur les réformes structurelles, 'pas un point, pas une virgule, pas un chiffre ne furent changés au texte'."