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Dezember 10, 2013

Sankt Madiba

Selten wohl hat der Tod eines Staatsmanns ein so uneingeschränkt positives Echo gefunden. Wann findet schon sonst eine Trauerfeier in einem Stadion statt und 90 amtierende oder ehemalige Staatschefs nehmen dran teil (nur die fiesen Israelis natürlich nicht)? Solche moralischen Instanzen wie der Dalai Lama und die Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey sind präsent, Reden werden unter anderem vom Oberimperialisten Obama und dem Oberantiimperialisten Castro geschmissen... Selbst Marine Le Pen konnte sich eine Würdigung des weisen, alten Mannes nicht verkneifen, nur dass dort insbesondere dessen patriotische Gesinnung hervor gestrichen wird. Auch in Luxemburg ist die Presse unisono, die Zeitung vum lëtzebuerger Vollek würdigt heute den "grossen und engen Freund der Kommunisten, während das Luxemburger Wort, das zu Zeiten des kalten Krieges Mandela für einen "Terroristen" hielt, von einem "Held unserer Zeit", einem "Gandhi" von heute, spricht.
 
Da tut es doch gut auch mal eine Stimme zu hören, die sich von diesem Einheitsbrei abhebt, in diesem Fall einen südafrikanischen Anarchisten, der dieses Bild doch etwas zurecht rückt (übrigens war auch Gandhi kein Gandhi):
 
"Mandela should be seen as the poster boy for the failure of political parties and for reformism. The ANC – whatever they consider their achievements, are nothing more than a party of gangsters, careerists, and anti-working class scumbags. Apartheid ended over twenty years ago, so what has changed? The black working class of South Africa has a new set of spivs, bosses, and politicians to oppress them.
You only have to look back on the various mine massacres by the security forces last year to see that not a lot has changed – I am given to understand that Mandela’s grandson is a part owner in one of those mines. Thirty years ago it would have been just white police officers shooting unarmed black miners in the back, now it is a mixture of white and black police officers doing the killing. Truly a massacre fit for apartheid.
Apart from an end to apartheid/segregation, has the lot of working class black South Africans improved? Not at all, unemployment, homelessness, and poverty are rife. However, there are a group in South African society who have benefited since the collapse of apartheid. They are of course the Mandela family:
Quote:
“Company information showed the Mandela children and grandchildren had, over the past two decades, been involved in about 200 companies extending over a wide range of sectors, including real estate, investments, railway engineering, minerals, medical firms, fashion, and entertainment. Mandela's eldest daughter, was an active director in 16 companies, including the South African subsidiary of the Swiss multinational food giant Nestle, a shopping centre in Kimberley, two railway engineering companies, and four companies apparently engaged in mineral exploration.”
Nelson Mandela himself – who left prison penniless – has a fortune that his family are now fighting over like vultures. Clearly a far cry from the lives of the average South African who generally do not have a pot to piss in!"
(Quelle)


April 04, 2013

Frau Foncks Geschichtsstunde

Heute gleich zwei Leitartikel von Danièle Fonck... im Tageblatt und Jeudi. In letzterem freut sie sich über den "Selig sind die Armen..."-Stil des neuen Pontifex, der sich vom Champagnergeschlürfe bei Anlässen wie den Morningstar Fund Awards 2013 denen sie beiwohnen muss so schön abhebt. Erstaunliches enthüllt sie dabei über Franz von Assisi:
"Le salut viendrait-il de François, le pape argentin qui renonce au pourpre et aux pompes rouges, baise les pieds des prisonniers et même des femmes? Admettons que l'homme soit plein de bonne volonté. (...) (son nom est une référence à saint François d'Assise, qui détestait les jésuites) (...)."

Dass bereits Franz von Assisi (gestorben 1226) den Jesuitenorden (gegründet 1534) hasste, ist ein starkes Stück. Von derartigen prophetischen Gaben des Begründers des Franziskanerordens wusste man ja noch gar nichts!

November 06, 2012

Zur Abwechslung ein paar Links...

"Gauche libérale" alias Alain Cohen-Dumouchel meint: Un syndicat de salariés , c'est libéral par nature. Un "syndicat" de patrons c'est étatiste par nature.

Endlich erschienen (Jahre nach der ersten Ankündigung): Der Industrial Radical des Molinari-Instituts.

Und wenn wir schon bei neuen Zeitschriften sind: ebenfalls dieser Tage erschienen ist Sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, angekündigt für nächstes Jahr ist eine Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie.

Von der bevorstehenden (?) Dollar-Apokalypse berichtet der stets informative (und gut informierte) luxemburgische Blog FISEC.

Robert M. Price über den rezenten "Frau Christus"-Medienunfug.

Sowie, da heute bekanntlich Wahlen beim Welthegemon stattfinden, die seltsamsten Präsidenten der US-Comic-Geschichte.

Oktober 25, 2012

206 Jahre Max Stirner

Berlin, 24. Sept. Sie haben eine Ungerechtigkeit wieder gut zu machen, die ein Correspondent Ihrer Zeitung (Nr. 262) beging. Er befürchtete, dass durch die neueste Caricatur, welche den Umsturz des Kreuzes vorstellt, auch andere harmlosere Caricaturen leiden möchten. Er fand sie schlecht, weil sie etwas Heiliges dem Spotte preisgebe, woran Millionen Herzen mit Inbrunst hingen. Das Gesetz verpönt solche Angriffe allerdings, die Vernunft aber kann das Verbot nicht rechtfertigen. Ist etwas in dem Sinne heilig, dass es vernünftig ist, so weiss es den Spott zu ertragen und – muss ihn tragen, denn erst daran, dass es die Widerwilligen, die seiner spotten, durch den Nachdruck seiner überzeugenden Wahrheit endlich gewinnt, bewährt es sich selbst. Das wäre mir ein sauberer Heiliger, der gegen die Spötter – die Polizei zu Hülfe riefe! Aber Ihr Correspondent will ja die Angriffe auf das Heilige der „Wissenschaft“ überlassen wissen, damit nur „der Pöbel es nicht verlache.“ Ist denn Das, was man so das Heilige nennt, nur für die Elite der Gesellschaft vorhanden? Für wen war denn die Diana von Ephesus heilig? Demetrius klagt gegen Paulus, „dass der Tempel der grossen Diana für nichts geachtet und ihre Majestät untergehen werde, welcher doch ganz Asia und der Weltkreis Gottesdienst erzeigt“. Für ganz Asia und den Weltkreis ist sie „heilig“, und Paulus hätte, um diese Heiligkeit als eine Nichtigkeit aufzudecken, die ganze Sache nur unter den Schriftgelehrten ausfechten sollen? Sodann findet es der Correspondent auch noch ganz natürlich, dass eine solche Caricatur des Hohns von allem Humor entblösst sei. Heisst Humor so viel als unschuldige Harmlosigkeit, so trifft der Vorwurf allerdings; aber der Humor der Weltgeschichte ist auch ein Humor der Entrüstung.
(Korrespondenz in der Leipziger Allgemeinen Zeitung Nr. 270 vom 27. September 1842; nach Max Stirner's Kleinere Schriften und Entgegnungen auf die Kritik seines Werkes: „Der Einzige und sein Eigenthum“ aus den Jahren 1842–1848, 2. Auflage, Berlin 1914, S.175.)

Oktober 18, 2012

Kleine Presseschau

Während man heute im Le Jeudi rassistischen Unfug über Kataris und Asiaten  lesen kann - erstere seien "plus fidèles et moins rusés que certains Asiatiques"(liegt Katar nicht auch in Asien?) - muss man den ehemaligen Geschäftsführer von ArcelorMittal Roland Junck loben, der im Tageblatt-Interview mit dem Mythos der ach so sozialen ehemaligen Arbed-Direktoren luxemburgischer (oder zumindest europäischer Herkunft) aufräumt, der üblicherweise herbeizitiert wird, wenn es wieder mal gegen "Koreaner, Inder, Betriebsschliesser" geht. Für Junck sind nämlich die Abbau-Pläne von Laksmi Mittal viel zu lasch:
"[Tageblatt:] Hätte Schifflingen auch ohne Lakshmi Mittal überlebt? [R.J.] Kaum. Aber ich hätte auch die Wallonie bereits geschlossen. Arcelor hatte mal einen solchen Plan für alle kontinentalen Werke. Die sind teurer als Werke an den Küsten. Der Plan wurde aber aufgegeben und jetzt reicht das Geld nicht mehr, um selbst in die guten zu investieren. Ich hätte auf jeden Fall mehr in die Milchkühe des Konzerns investiert... aber auch in Minen... jedoch ohne die Verschuldung derart in die Höhe zu treiben. Was Europas Stahlindustrie jetzt eigentlich bräuchte, wäre einen zweiten Davignon-Plan, also einen europaweiten Plan zum Abbau der bestehenden Überkapazitäten."
Auch schön mal wieder Jhos Levy von der katholischen Warte, der meint, Karl Marx hätte seinerzeit nicht voraussehen können, dass "Kommunismus und Sozialismus einmal das Opium nicht der Leidenden, sondern der viertelgebildeten Kleinbürger werden sollte" (dabei ignoriert er aber offenbar die doch sehr betonte Kritik Marxens am sogenannten "kleinbürgerlichen" Sozialismus seiner Zeit).
Im Lokalteil des Tageblatt findet man ansonsten aus gegebenem Anlass ein Interview mit den beiden republikanischen Escher Gemeinderäten Taina Bofferding (LSAP) und Marc Baum (Déi Lénk). Letzterer zeigt hier übrigens dass das Jubelcommuniqué der Lénk zum Wahlsieg von Chavez nur konsequent war. Baum vertritt hier nämlich die Idee einer Republik mit möglichst keiner Gewaltenteilung: statt eines adligen oder bürgerlichen Grussonkel wünscht er sich einen direkt gewählten Premierminister (also ein Präsidialsystem ohne Präsidenten), der Staatsrat soll gleich mit abgeschafft werden, denn verfassungsrechtliche Bedenken und Anmerkungen sind ja nur eine Beschneidung des "souveränen Volkswillens", der in einem "unikameralen" System besser zum Ausdruck kommt. Wenn man dann noch den ständigen Ruf nach Referenden und die Forderung einer direkten politischen Handhabe über die Zentralbank hinzuzieht, wird eigentlich das wesentlich bonapartistische Demokratieverständnis der Linken klar... Ansonsten verteidigt man aber natürlich die Ehre des "hohen Hauses", dessen heilige Hallen als "Symbol" der Demokratie nicht durch Privatfeiern wie grossherzogliche Hochzeitsempfänge entweiht werden sollen (siehe den "Appel citoyen" in der goosch.lu von heute...).
Nach all dem KPL-Bashing der letzten Zeit möchte ich zum Abschluss aber noch auf einen hervorragenden Artikel in der heutigen Zeitung vum lëtzebuerger Vollek hinweisen, nämlich den Beitrag von Klaus Fischer über die schäublesche Forderung eines Euro-Hugenbergs. Leider findet man ihn nicht auf der Webseite der Zeitung, jedoch kann man ihn bei der Jungen Welt einsehen: http://www.jungewelt.de/2012/10-17/011.php


Oktober 03, 2012

Kreative Wortschöpfung

Schönes Wortspiel - oder war es doch ein Tippfehler? - im Leitartikel der heutigen Zeitung vum lëtzebuerger Vollek ("Grossbetriebe verstaatlichen" von Gilbert Simonelli):
"Es handelt sich also keinesfalls um Schwatzmalerei, wenn wir behaupten, dass es um die Zukunft der hiesigen Stahlindustrie nach wie vor düster aussieht."
 
Übrigens sehen selbst die Maoisten des PCMLM ("Parti Communiste Marxiste-Léniniste-Maoïste") die Dinge klarer als die hiesigen Kommunisten, siehe hier:
"(...) la CGT, par la voix de son premier représentant Bernard Thibaut, réclame comme Marine Le Pen la nationalisation du site de Florange.
Mais qu'est ce que cela signifie pour les prolétaires que la « nationalisation », alors que l'Etat est totalement pénétré par les monopoles impérialistes, que l'Etat est lui-même un avant poste servant pour la domination des monopoles ?
Revendiquer la nationalisation n'a aucun sens pour qui connaît le B-A-BA du marxisme.
Le nationalisme est une impasse mortelle pour la classe ouvrière. Le seul intérêt de la nationalisation, c'est de faire rentrer le site de Florange dans le giron de l'impérialisme français en l'arrachant aux mains d'ArcelorMittal, un groupe luxembourgeois détenu par un indien."

September 28, 2012

Ertappt!

Lucas Zeise beschäftigt sich heute in der Zeitung vum lëtzebuerger Vollek (es handelt sich aber, wie üblich um eine Übernahme aus dem Ex-HJ/FDJ-Organ Junge Welt) mit dem Bestseller Schulden.Die ersten 5.000 Jahre des "amerikanischen Anarchisten, Ethnologen und Mitbegründers der occupy-Bewegung" und demaskiert ihn schonungslos... als Nicht-Marxisten.
"Es fehlt ihm komplett das Grundverständnis des historischen Materialismus. (...) Was Feudalismus oder Kapitalismus ist, weiß Graeber deshalb ebensowenig, obwohl er viel darüber schreibt. Daß er dem Kapitalismus, wie er ihn sieht, keine lange Restlaufzeit mehr zubilligt, mag Schirrmachers Herz erfreuen. Unsereins bleibt ein wenig deprimiert zurück." (Hört, hört!)
 
Eine bessere und ausführlichere Kritik aus marxistischem Blickwinkel (auch an der "schlechtesten politischen Parole der letzten Jahre": "Wir sind die 99%").  findet man übrigens in der neuen Wildcathttp://www.wildcat-www.de/wildcat/93/w93_bb_graeber.html
 
An einem anderen Ende des politischen Spektrums, in der gestrigen Wort-Beilage Die Warte (sozusagen die letzte Bastion des Ultramontanismus) ereifert sich seinerseits Jhos Levy über die kleinbürgerliche Linke, und setzt die gleich in Parallele "mit dem vulgären Neunazi" (nicht zu verwechseln mit dem kultivierten Neunazi, nehme ich an?). Der Text ist aber schön genug, um hier wiedergegeben zu werden:
"So mancher unserer saturierten Mittelstandsrevolutionäre, die sich nach einem überteuerten Essen zu später Stunde gerne in der pseudo-intellektuellen Posse [gemeint ist wohl Pose?] des kommunistischen Pausenclowns gefallen, weil sie permanent ihre Kontoauszüge mit Karl Marxens Kapitel verwechseln und deshalb an einem in der Fachwelt als Verhaltensstörung verzeichneten Wirklichkeitsverlust leiden, hat eine verblüffende Schnittmenge von Gemeinsamkeiten mit dem vulgären Neunazi. Dazu gehört die geteilte Überzeugung, die Menschheit leide an einem jüdisch-christlich oktroyierten Schuldkomplex. Der Meinung war Reichspropagandaminister Joseph Goebbels auch [wenn der ein Neunazi ist, wer sind dann die Altnazis? Richard Wagner?]. Er definierte das 'jüdische Gewissen als eine Beschneidung, eine Verstümmelung des Geistes'. [...]
Die gleiche Sicherheit teilen beide Protagonisten auch in ihrer Einschätzung des jüdisch-christlichen Monotheismus, der verantwortlich sein soll für den Raubbau der Natur, der die Menschheit Tag für Tag näher an den Abgrund drängt. Man zitiert dann gerne den Bibelvers aus dem Schöpfungsepos: 'bevölkert die Erde, unterwerft sie euch' (Gen 1,28b). Das ist umso erstaunlicher, da unsere links- und rechtsatheistischen Taliban die Natur gemeinhin als Kulisse für ihre Selbstinszenierungen dient. Unsere Gourmet-Guevaras hetzen stundenlang stumpfsinnig durch den Wald, um abzuspecken und unschuldige Käfer tot zu trampeln. Oder sie ergehen sich in so aussergewöhnlich kapitalismuskritischen Freizeitbeschäftigungen wie dem Golf, während ihre braunen Brüder Wehrsportübungen und Sonnenwendfeiern bevorzugen."
Levy bekennt sich dagegen zu einer "ökologisch getragenen Kapitalismuskritik" in der angeblich "die Catholica eine Vordenkerin [war], wie in anderen Bereichen auch."...

September 23, 2012

Was in der Zeitung steht...

Interessante Überlegungen im Economist über eine Studie des französischen Neurobiologen François Gonon über die Berichterstattung der Presse über Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen:
"Research on research—particularly on medical research, where sample sizes are often small—shows that lots of conclusions do not stand the test of time. The refutation of plausible hypotheses is the way that science progresses. The problem was in the way the work was reported in the press. (...)
There is (...) an 'almost complete amnesia in the newspaper coverage of biomedical findings'.
If the hypotheses reported in the original studies had stood the test of time, then such short journalistic attention spans would not be a problem. But as Dr Gonon has shown, 80% of the papers in the study turned out to be either wrong or questionable. Failure to follow that up risks leaving even attentive readers with a false impression of progress in the field.
It would be easy to point the finger at lazy journalists for this state of affairs, and a journalistic version of attention-deficit disorder is, no doubt, partly to blame, for the press has a natural bias towards the new and exciting. But science itself must carry some responsibility, too. Eight of the ten articles whose fates Dr Gonon studied were published in respected outlets such as the New England Journal of Medicine and the Lancet. The deflating follow-ups, by contrast, languished in more obscure publications, which hard-pressed hacks and quacks alike are less likely to read.
A sensible prescription is hard. The matter goes beyond simply not believing what you read in the newspapers. Rather, it is a question of remembering that if you do not read subsequent confirmation, then the original conclusion may have fallen by the wayside."
(den ganzen Artikel findet man hier).

Ich musste in diesem Fall an die Geschichte der Ratten mit faustgroßen Tumoren denken, die diese Woche (zumindest hier in Europa) ein größeres Thema in der Presse waren. Die Bilder werden sich wohl einprägen, und haben bereits zu den üblichen Reflexen, d.h. Aufrufen zu noch stärkerer Reglementierung bis hin zum (allerdings illusorischen) Totalverbot der grünen Gentechnik geführt. Weniger interessant für die Medien war der Hintergrund der beteiligten Wissenschaftler (beide bekannte Anti-GMO-Aktivisten, siehe hier, interessante Diskussion in den Kommentaren) und die fast einhellige Kritik anderer Spezialisten an der Methodik der Studie (eine Zusammenstellung findet man an dieser Stelle). Wetten dass etwaige Gegenpapiere, die das Ergebnis der Studie falsifizieren, mit keinem Wort in der Presse erwähnt werden?

Juli 25, 2012

Noch nie, zuletzt 1889

Quizfrage: wie kann ein Ereignis einerseits noch nie dagewesen zu sein, andererseits alle 150 Jahre auftreten?
L'essentiel.lu titelt nämlich zu den Satellitenaufzeichnungen einer rasanten Eisschmelze "Fonte sans précédent" und lässt eine Wissenschaftlerin im gleichen Artikel erklären, dies sei zuletzt 1889 der Fall gewesen:
"La dernière ayant eu lieu en 1889, cet événement est bien au rendez-vous", a-t-elle dit. "Mais si nous continuons à observer ce type de fonte au cours des prochaines années, ce sera angoissant".

Das Paradox haben übrigens nicht die Journalisten des Gratisblatts zu verantworten (sie haben allerdings den Widerspruch auch nicht bemerkt), sondern die NASA selber, die von einem "Unprecedented Greenland Ice Sheet Surface Melt" spricht und das gleiche Zitat der Glaziologin Lora Koenig bringt: http://www.nasa.gov/topics/earth/features/greenland-melt.html

Addendum: Weitere Infos, Details, Hintergründe, sowie Bildmaterial vom Boden findet man hier:
http://wattsupwiththat.com/2012/07/25/paging-aps-seth-borenstein-hey-seth-wheres-the-beef/

Juli 13, 2012

Salafistische Jakobiner?

Interessante Betrachtungen von Laurent Mignon zur Mausoleenstürmerei in Timbuktu  im Lëtzebuerger Land von heute:
"(...) le salafisme refuse tout intermédiaire entre Dieu et le croyant. Il se veut rationnel. Le culte des saints, le soufisme, et l'utilisation de chapelets et grigris en tout genre sont des abominations qu'il ne peut que condamner. Il s'agit de pratiques et de croyances considérées comme superstitieuses et irrationnelles par les fondamentalistes. 'La pire des bêtes aux yeux de Dieu est celle qui est sourde et muette et ne raisonne pas', dit le Coran. Selon des témoins qui assistèrent à la destruction de la porte interdite de la mosquée Sidi Yahya, les militants expliquèrent qu'ils voulaient montrer que son ouverture ne causerait pas la fin du monde. Il s'agissait d'un acte, certes iconoclaste, mais aussi éducatif et éclairé. Les Lumières à la sauce salafiste. Cette attitude, avouons-le, n'aurait pas déplu à Voltaire."
Der Schlussfolgerung Mignons kann ich mich im Übrigen anschliessen:
"Certes le combat de Voltaire n'était pas celui d'Iyad Ag Ghali. Néanmoins les évènements de Tombouctou montrent que ce n'est point la rationalité de nos convictions, mais bien notre capacité à tolérer l'irrationnel qui est une mesure de notre humanité."

März 09, 2012

Nie, nie, nie wieder Rente!

Bei der Gratispresse muss es manchmal etwas schnell gehen, da bleiben Details schon mal auf der Strecke. So schreibt L'Essentiel heute allen Ernstes von einer Gewerkschaftsdemo gegen die Renten:
"Un rassemblement de protestation contre les pensions sera organisé le 19 mars, à 18h30 au Tramsschapp, à l'appel des syndicats."
Man erfährt noch nicht einmal, welche Gewerkschaften denn da angeblich die ersatzlose Abschaffung des Rentensystems fordern.


Januar 05, 2012

Qualitätsjournalismus

In ihrer heutigen Ausgabe entdeckt die Zeitung vum lëtzebuerger Vollek die seltsame Kandidatur einer "Taube" inmitten eines "Wanderzirkus mit fünf Falken". Gemeint sind Ron Paul und der republikanische Wahlzirkus in den USA. Die Zeitung lobt zunächst die Antiimp-Credentials von Ron Paul:
"Was den Millionär Paul auszeichnet, sind seine seit Jahrzehnten beharrlich vertretenen Positionen gegen die militaristische Außenpolitik und die Aggressionskriege der USA sowie gegen die finanzielle und politische Unterstützung der israelischen Kriegsabenteurer und der israelischen Lobby in den USA."
Des Weiteren schreibt das KPL-Zentralorgan über Pauls Kampf gegen die Fed: "Paul wirft der Fed vor, den ihr vom Staat übertragenen hoheitlichen Aufgaben nicht zum Wohl des Volkes, sondern zwecks Bereicherung ihrer privaten Eigentümer nachzugehen und fordert daher ihre längst überfällige Verstaatlichung." 
Ähem, Genossen, es übersteigt vielleicht euer Vorstellungsvermögen: Ron Paul fordert keineswegs die "Verstaatlichung" der Federal Reserve (ohnehin ist die Eigentümerschaft der teilnehmenden Bankinstitute eher symbolischer Natur - obwohl man natürlich sagen kann, dass die Fed zum Wohl der Banken agiert, aber nicht weil sie dieses über das "Wohl des Volkes" stellt, sondern wohl weil sie beides als identisch ansieht) - er will ihre Abschaffung. Eigentlich ist der Titel seines Buches End the fed in dieser Hinsicht doch schwer misszuverstehen, oder?

November 25, 2011

Euro-CDOs

So langsam scheint sich die in diesem Blog schon vor fast einem Jahr vermerkte Wesensverwandtschaft zwischen den nun immer lautstärker geforderten "Eurobonds" und den als Krisenmitauslöser verschrieenen Collaterized Debt Obligations doch mehr Leuten aufzufallen; so schreibt heute Christian Muller im Tageblatt-Kommentar:
"Vor einem Jahrzehnt wurde in den USA eine Idee geboren: Viele Menschen könnten sich ein eigenes Haus leisten, wenn der Markt das Geld zur Verfügung stellt.
Die unterschiedlichsten Immobilienkredite wurden somit gesammelt, zerstückelt, und in sogenannten Subprime-Papieren untergebracht. Diese Papiere erhielten die Bestnoten der Ratingagenturen und wurden mit Begeisterung von den Investoren gekauft. Der Rest ist eine Geschichte mit Folgen: Als ein gewisser Anteil der Kredite nicht zurückgezahlt wurde, brach die Finanzkrise aus.
Diese Idee macht jetzt Schule in Europa: Man nehme Staatsanleihen von guten und schlechten Staaten, vermische sie miteinander in einem großen schwarzen Topf, und schaffe daraus Eurobonds. Der Investor soll nicht wissen, ob er griechische oder Luxemburger Papiere gekauft hat. Aus diesem Grund solle der Zinssatz für die hoch verschuldeten Staaten fallen, so die Hoffnung. Dass die Idee auf den gleichen Grundlagen beruht wie die US-Subprime-Papiere, scheint in Brüssel niemand zu merken."
(den ganzen Kommentar findet man hier)

November 15, 2011

Gerechtigkeit für Tony Martin! (*)

Sämtliche Zeitungen feiern dieser Tage unisono die Ankündigung des ersten neuen Black Sabbath-Studioalbums seit... Never say die (1978)! *sigh*

Bei diesem Video hier muss es sich folglich um eine Halluzination handeln:

(*) ...und Ronnie James Dio, Ian Gillan, Glenn Hughes, Geoff Nicholls, Cozy Powell, Bobby Rondinelli, Vinny Appice u.v.a. mehr...

Drei unkommentierte Schnipsel über China

"Mehr als 30 Jahre danach gibt es noch eine interessante Schlusswendung zur Bleistift-Geschichte (die tatsächlich auf einem Artikel des Ökonomen Leonard E. Read basierte). Heute werden nämlich die meisten der weltweit verwendeten Bleistifte in China produziert – in einer Volkswirtschaft, die einen speziellen Mix aus Privatunternehmertum und staatlichen Direktiven darstellt.
Ein [Milton] Friedman dieser Tage würde vielleicht fragen, wie es China geschafft hat, die Bleistift-Industrie – wie so viele andere – zu beherrschen. In Mexiko und Südkorea befinden sich bessere Graphit-Abbaugebiete. In Indonesien und Brasilien gibt es reichere Holzbestände. Deutschland und die USA verfügen über bessere Technologie. China hat zwar viele billige Arbeitskräfte, aber die gibt es auch in Bangladesh, Äthiopien und vielen anderen bevölkerungsreichen Niedriglohnländern.
Zweifellos ist dieser Erfolg größtenteils der Initiative und harten Arbeit der chinesischen Unternehmer und Arbeiter zu verdanken. Aber die Bleistift-Geschichte von heute wäre nicht vollständig ohne die Erwähnung staatlicher chinesischer Firmen, die ursprünglich in Technologie und Ausbildung investierten; einer lockeren Waldwirtschaftspolitik, aufgrund derer die Preise künstlich niedrig gehalten wurden; sowie großzügiger Exportförderungen und staatlicher Interventionen auf den Devisenmärkten, die den chinesischen Produzenten einen bedeutenden Kostenvorteil verschaffen. Der chinesische Staat hat seine Firmen subventioniert, geschützt und zu rascher Industrialisierung angespornt und dadurch die globale Arbeitsteilung zu seinen Gunsten geändert.
Friedman selbst hätte diese staatliche Politik bedauert. Die zehntausenden Arbeiter in den chinesischen Bleistiftfabriken wären jedoch höchstwahrscheinlich arme Bauern geblieben, wenn der Staat die Marktkräfte nicht angestupst hätte. Angesichts des wirtschaftlichen Erfolgs Chinas fällt es schwer, den Beitrag staatlicher Industriepolitik in Abrede zu stellen. "
Dani Rodrik, "Milton Friedmans Zaubertheorie", im Tageblatt, 15. November 2011.

"The Great Society has not worked, and it’s put us into the modern welfare state. If you look at China, they don’t have food stamps. If you look at China, they’re in a very different situ[ation] — they save for their own retirement security. They don’t have pay FDIC [Federal Deposit Insurance]. They don’t have the modern welfare state. And China’s growing. And so what I would do is look at the programs that LBJ gave us with The Great Society, and they’d be gone."
Michelle Bachmann in der republikanischen TV-Debatte am 12. November 2011.

"Im Jahre 1963 wurde Dadschai von der schwersten Katastrophe getroffen: im August regnete es sieben Tage lang ununterbrochen. Sturzbäche aus dem Gebirge vernichteten fast alle Kulturpflanzen und rissen die meisten der in einem Jahrzehnt mühsam errichteten Terrassenfelder weg. 97% der Wohnhäuser waren eingestürzt und alle Wege verschwunden. (...) Der Staat bot Hilfe an. Aber die Bauern von Dadschai hatten diese Frage bereits anders entschieden. Nach intensivem Studium der Schriften des Vorsitzenden Mao und langen Diskussionen beschlossen sie: 'Wir wollen vom Staat keine Unterstützung mit Geld oder Getreide noch irgendeine andere materielle Hilfe'. Alle Schwierigkeiten haben zwei Seiten, so auch diese. Einerseits bürden sie den Menschen einige Härten auf, andererseits halfen sie ihren revolutionären Willen stärken, was besonders für die jungen Leute wichtig war. Ausgehend von diesen Überlegungen und auf die eigenen Kräfte vertrauend, bauten sie Felder und Häuser besser und schöner wieder auf."
Aus dem Band Lernen von Dadschai - Chinas Volksmassen versetzen Berge (1976), zitiert nach Renate Dillmann, China. Ein Lehrstück über alten und neuen Imperialismus, einen sozialistischen Gegenentwurf und seine Fehler, die Geburt einer kapitalistischen Gesellschaft und den Aufstieg einer neuen Großmacht, Hamburg, 2009, S.116.

November 11, 2011

Il prend ses désirs pour la réalité

Am 3. November haben einige Hundertschaften Schüler gegen die angekündigte Reform des Sekundarunterrichts demonstriert; in der Form etwas überraschend, da der Protest bewusst ausserhalb der Unterrichtszeit (es waren gerade Ferien) stattfand - ausdrücklich im Gegensatz zu den Schülerstreiks der 1990er und des Jahres 2006, die ihre Mobilisierungskraft nicht zuletzt dadurch gewannen, dass die Schüler direkt in ihren jeweiligen Schulen "abgeholt" wurden und mit der Perspektive des Unterrichtausfalls gelockt wurden. Geradezu folgerichtig befürchten die protestierenden Schüler den mit der kompetenzorientierten Reformpädagogik der sozialdemokratischen Ministerin einhergehenden Niveauverlust, aufgrund dessen sie die zukünftige Vermarktbarkeit ihrer Arbeitskraft ("employability" nennt man das heute) bedroht sehen. Drei Stellungnahmen im L'essentiel vom 4. Oktober unterstreichen diese Haltung:
"Je trouve que le ministère veut essayer de faire passer trop de changements en même temps. J'ai peur que cela ne devienne la pagaille." - "J'ai peur que les diplômes scolaires ne soient dévalués. Je ne voudrais pas que mon petit frère ait des difficultés à rentrer à l'université." - "Le niveau de l'enseignement est déjà trop bas et je crains qu'après la réforme ça ne soit pire. On ne s'attaque pas aux causes du problème."
Davon ganz ungerührt interpretiert der angehende hauptstädtische Gemeinderat David Wagner (Déi Lénk) in seinem heutigen Leitartikel in der Woxx die Schüleremonstration allen Ernstes als (diffusen) Ausdruck einer antikapitalistischen Revolte:
"Quant aux manifs des élèves qui se dirigent, en gros, 'contre le nouveau régime', elles expriment une sorte d'opposition contre le régime tout court, à l'instar de celle de 2006 qui s'opposait à la loi sur l'emploi des jeunes. Le régime dans lequel vit notre société et qui est imposé aux jeunes : concurrence, compétitivité, traitement bureaucratique, précarité du travail. Le tout sur fond d'ambiance délétère d'un modèle politique et économique essoufflé qui n'enchante plus personne."

September 29, 2011

Nüchterne Ansichten zur Finanztransaktionssteuer

Gelesen im Quotidien, Ausgabe vom 28. September:
"(...) en marge de la conférence sur les fonds d'investissement, le directeur général adjoint de l'ALFI [Association Luxembourgeoise des Fonds d'Investissement], Charles Muller, a précisé que l'association est favorable à l'introduction d'une telle taxe pourvu qu'elle le soit au niveau mondial [ich unterstreiche]. En effet, une introduction uniquement en Europe pourrait avoir pour effet de rendre les transactions financières moins compétitives et pourrait, par ailleurs, inciter les acteurs financiers d'envergure à quitter l'Europe. (...)
Certains gérants de fonds s'inquiètent aussi de l'effet dissuasif que pourrait avoir une telle taxe sur des clients car, comme le rappelle Charles Muller : 'La taxe ne touchera pas, comme on l'a parfois entendu, spécifiquement les spéculateurs. Ce ne seront d'ailleurs même pas les banques qui la supporteront mais les clients avec leur petit fonds de pension ou leurs investissements à plus large échelle'.
Le directeur général adjoint de l'ALFI qualifie toutefois les craintes de certains gérants d'exagérées et précise que le montant de la taxe restera très faible."

September 01, 2011

Das Feuilleton in der Sinnkrise

Dachte ich, mit der letztwochigen Folge sei der Artikel von Portante über den abgedrifteten Kapitalismus ("Le capitalisme à la dérive") beendet, so wurde ich diese Woche im Le Jeudi von Teil 3 überrascht, in welchem Portante die Krise des Kapitalismus auch als "permanente Sinnkrise" versteht. Portante schlussfolgert, wieder resigniert, aber man kann dem Gedankengang folgen:
"Politiquement, cela ne peut favoriser que ceux qui propagent des formules faciles à saisir [siehe auch Teil 1]. Voilà l'autre cercle vicieux qui s'est emparé des choses.
L'évidage des cerveaux remonte à la sphère politique et y installe le degré zéro de la pensée. Ce qui fait, qu'on le veuille ou pas - mais je suis convaincu qu'on [wer ist dieser "on"? Der Zeitungsleser?] le veut - le lit des dirigeants aux idées creuses, mais à la gueule grande et aux bras musclés."

August 26, 2011

Das Feuilleton resigniert

Der zweite Teil von Portantes Pamphlet wider die "Diktatur des globalisierten Kapitalismus", veröffentlicht im gestrigen Le Jeudi, toppte den ersten Teil, in welchem zur Verstaatlichung der gesamten Finanzsphäre aufgerufen wurde, dann doch nicht. Eher endet Portante auf einer pessimistischen Note:
Aufgrund der Abdankung der "klassischen Politik" gegenüber den "Märkten" und der zunehmenden Bedeutungslosigkeit der Gewerkschaften, finde der "Klassenkampf" mittlerweile zwischen den indignados und der extremen Rechten statt (seltsamer Klassenbegriff, aber düstere Aussicht!). Von letzterer sei nichts zu erwarten, da sie einen "état liberticide" wolle, also (!) den Diktaten des Finanzkapitals unterworfen sei. Aller Rhetorik der neuen Rechten und alten Nazis vom Primat der Politik und dem Kampf zwischen raffendem und schaffendem Kapital zum Trotz, steht Portante also fest zur Dimitroff-Formel. Allerdings prophezeit Portante den Sieg der Rechten, seien die indignados doch zu disparat und  aufgrund der Erfahrungen des real existieren Sozialismus traumatisiert ("épouvanté encore par l'expérience du socialisme à la soviétique"); allgemein fehle ihr ein klar definiertes politisches Ziel - früher hätte man gesagt: eine Parteilinie - weshalb sie nur scheitern und verraten werden könne:
"Comme jadis, dans les pays de l'Est, au moment de la chute du Mur de Berlin, et dans le monde arabe aujourd'hui, l'indignation, faute d'objectif politique systémique ne peut être que récupérée. Et donc trahie. Alors que l'extrême droite, à petits pas, se lance à la conquête des urnes..."


August 19, 2011

Das Feuilleton schlägt zurück

Jean Portante, über die Grenzen des Landes hinaus bekannter luxemburgischer Schriftsteller (1), hier zu sehen im standesgemäßen roten Schal und vor seiner offenbar ausschließlich aus Lexika und Wörterbüchern bestehenden Bibliothek, hat im dieswöchigen Le Jeudi seine ganze Wut über die scheinbar permanent gewordene Krisis zusammengefasst:

Nun findet man dort zunächst wenig wirklich neues, was man nicht schon anderswo im Feuilleton gelesen hat (2): die zu "Mördern" (am Kapitalismus?!) erklärten "Märkte" (3), Finanzinstitute und Ratingagenturen, die von ihnen beherrschte Politik usw...

Im Allgemeinen verbleibt Portante dabei in der gleichen Logik wie folgender Mimi and Eunice-Cartoon:

Lediglich zum Schluss wächst Portante noch über den üblichen feuilletonistischen Diskurs hinaus und erhofft sich eine aus den Zeltstädten der Indignados erwachsende Revolution, welche die Regierenden (!) dazu zwingen soll, alles was "de près ou de loin" an das Finanzsystem erinnert, zu "nationalisieren", d.h. zu verstaatlichen. Portante will also als Lösung der "permanenten Krise" den totalen Staatskapitalismus. Ob er das im zweiten Teil noch toppen kann, oder ob dort eine überraschende Wende kommt: warten wir's ab...

(2) Hierzu jüngst Stefan Blankertz in der Freiheitsfabrik: "Klappt was nicht, hat der Bürger Angst vor Randalierern oder Spekulanten, vor den Zapfsäulenpiraten und Kredithaien, vor den Heuschrecken und Abzockern oder Klimaverschlechterern oder Genpan[t]schern, vor den Rauchern, vor Kinderverderbern und Hasspredigern oder was auch immer: dann schreit er nach Staat, mehr Staat, noch mehr Staat. Nehmt dem Staat die Fesseln ab, damit er handeln kann, rufen sie. Die Medien sind daran nicht schuld, sie schauen dem Volk aufs Maul und schreiben, was es hören will, sonst gäbe es keine guten Verkaufszahlen, keine Werbeeinnahmen, keine erreichten Quoten. Die Kapitalisten, sagte Lenin, werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufhängen."
(3) Früher nannten die Marxisten die Verdinglichung eines gesellschaftlichen Verhältnisses, das hier selber zum handelnden Akteur wird, ein "falsches Bewusstsein". Lang, lang ist's her...