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Oktober 20, 2012

Both kinds of music (Schluss)

Zum Abschluss der Country&Western-Reihe heute einfach eine Auswahl meiner Lieblingscountrytitel, in chronologischer Reihenfolge. Die meisten kamen schon einmal vor, andere hingegen hatte ich übergangen:


The Carter Family - No depression in Heaven (1936)


Hank Williams - There's a tear in my beer (1950-51?)


Brenda Lee - I'm sorry (1960)


Patsy Montana - Yodeling Ghost (1964)


George Harrison - Behind that locked door (1970)


Elvis Presley - Ghost riders in the sky (1970)


Gram Parsons & Emmylou Harris - In my hour of darkness (1974)


Johnny Cash, June Carter Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins - I saw the light (1981)


Jello Biafra & Mojo Nixon - Love me I'm a liberal (1994)



Hank Williams III - The rebel within (2010)

September 29, 2012

Both kinds of music (123): Es wird herbstlich

Irgendwann in den späten 1990ern bildete sich an der Schnittstelle von Indie-Rock, Alternative Country und Spätsechziger-Folk-Revival (nunmehr "Psychedelic Folk" genannt) eine neue, vom Feuilleton geliebte, Folk-Szene heraus, die als "nu folk", "freak folk", "neofolk" (nicht zu verwechseln mit dem aus dem Postpunk entwachsenen britischen Neofolk der 1980er), "indie folk", "psych folk" oder auch "new weird americana" bezeichnet wurde. Die Grenzen zwischen diesen verschiedenen Genres sind fließend. Hier heute drei Beispiele, in denen der Country-Einfluss besonders deutlich hervorsticht.

Bright Eyes, das Bandprojekt um Conor Oberst, veröffentlichte 2005 neben dem elektronischen Digital ash in a digital urn auch ein traditionell gehaltenes Album mit dem Titel I'm wide awake, it's morning mit niemand geringerem als Emmylou Harris als Background-Sängerin. Zwischen den Versionen mit Harris und späteren Live-Versionen ohne sie liegen übrigens Welten, insbesondere bei Titeln wie We are nowhere and it's now:

Als ziemlich country-lastig empfand ich auch das zweite Album von Alela Diane, To be still. Hiervon der Song White as diamonds:

Einen eindeutigen Bezug auf Country und Bluegrass fand man insbesondere bei 16 Horsepower, die aber zugleich Bezug auf düstere Rockmusik à la Joy Division und Nick Cave nahmen, und oft religiöse Thematiken auf eine etwas "gothische" Manier behandelten. Hier der Outlaw Song vom letzten Studioalbum Folklore (2002):

September 01, 2012

Both kinds of music (119): O raygun where art thou?

Im Jahr 2000 gab es, entgegen den Erwartungen unserer Vorfahren, zwar weder fliegende Autos noch Städte auf dem Mars, dafür - man höre und staune - ein erneutes Bluegrass-Revival. "Schuld" daran war die Odyssee-Adaptation O Brother where art thou? mit George Clooney bzw. der dazu gehörige Soundtrack. Dies ist zwar eigentlich einem Anachronismus geschuldet, denn der Film spielt in den 1930ern, also bevor Bill Monroe und die Bluegrass Boys den Stil überhaupt entwickelten... offenbar trägt der altertümlich wirkende Sound des Bluegrass zu der Vorstellung bei, dass dieser schon "seit Menschengedenken" existierte...
Den Hit Man of constant sorrow haben wir hier schonmal gebracht, heute also weitere Hits aus dem Soundtrack-Album. Zunächst der Titel Angel Band von den altehrwürdigen Stanley Brothers:


Hier der Sirenen-Song, der bei einer Ulysses-Variante auch nicht fehlen darf. Der Gesang der Sirenen, ein Titel namens Didn't leave nobody but the baby lieferten Gillian Welch, Emmylou Harris und Alison Krauss:

Alison Krauss profitierte überhaupt, als bekannteste zeitgenössische Bluegrass-Sängerin, von ihren Beiträgen zum Soundtrack, und ihr darauf folgendes Album mit der Union Station New Favorite (2001) konnte an diesen Erfolg anknüpfen. Hiervon die Single-Auskopplung The lucky one:

Juli 14, 2012

Both kinds of music (113): Emmylou Harris in den Neunzigern

Emmylou Harris, nunmehr mit schneeweissem Haar, löste 1991 ihre Hot Band auf, mit der sie seit den 1970ern zusammengearbeitet hatte. Dies tat jedoch der Qualität ihrer Alben keinen Abbruch, auch wenn ihre Verkaufszahlen einbrachen und Harris von den Country-Radiostationen mehr und mehr zugunsten von Garth Brooks und co. ignoriert wurde.

Drei Beispiele für Harris-Werke aus den Neunzigern:
Lodi, ein alter Creedance Clearwater Revival, live mit den Nash Ramblers 1991; eine weitere Version erschien 1992 auf dem Live-Album At the Ryman.

Orphan Girl und Blackhawk, hier begleitet vom Produzenten Daniel Lanois samt Band, vom 1995er Album Wrecking Ball:

1917, mit Linda Ronstadt, vom gemeinsamen Album Western Wall (The Tucson Sessions), erschienen 1999:

März 24, 2012

Both kinds of music (97): Emmylou Harris in den Achtzigern

Im Februar 1987 erschien, sozusagen als weibliches Pendant zu den Highwaymen, das Album Trio, auf dem Emmylou Harris, Dolly Parton und Linda Ronstadt als Co-Stars fungierten. Wie zu erwarten, war das Album ähnlich erfolgreich wie die Aufnahmen von Nelson, Cash, Jennings und Kristofferson, auch über die Grenzen des Country&Western-Genres hinaus. Dabei gingen die Vorbereitungen zu diesem Album bereits in die 1970er zurück, hatten erste gemeinsame Studio-Sessions doch bereits 1977/78 stattgefunden. Hier der Titel Those memories of you:

Die Zusammenarbeit mit Ronstadt und Parton half letztlich auch die Karriere von Emmylou Harris etwas wieder zu beleben. Nachdem sie die Achtziger mit dem Hit Born to run (1981; hier eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 1982 zusammen mit dem Titel I will follow you) begonnen hatte...

...fanden insbesondere das 1985 erschienene Konzeptalbum The Ballad of Sally Rose sowie das 1986er Album Thirteen (das bis heute nicht auf CD erschienen ist) nicht mehr den gleichen Anklang beim Publikum. Harris ließ sich nicht beirren, und spielte 1987 im Anschluss an das sehr erfolgreiche Trio-Album das Gospel-Album Angel Band ein. Mit dem 1989 erschienenen Album Bluebird mit Hochglanzproduktion fand Harris mit der Single Heartbreak Hill wieder ein größerer Hit auf den Country-Charts. Hier jedoch abschließend ein Titel von (und mit der)  Angel Band, If I be lifted up:

Februar 04, 2012

Both kinds of music (90): Die neuen Alten

Neben George Strait wurde die neotraditionalistische Welle der Mitachtziger u.a. von Ricky Scaggs initiiert, der in den 1970ern recht aktiv in der "Newgrass"-Szene war, und sowohl bei den Clinch Mountain Boys, den Country Gentlemen und J.D.Crowe's New South mitmischte. Ebenso spielte er auf dem 1980er Album von Emmylou Harris, Roses in the snow, das in gewisser Weise die Neotrad-Welle bereits vorwegnahm. In den frühen Achtzigern veröffentlichte Skaggs eine Reihe sehr erfolgreicher Solo-Alben, darunter das Nummer 1-Album Highways & Heartaches (1982), mit dem Hit Highway 40 Blues:

Ricky Scaggs auf dem 1983er Album von Gail Davies zu hören, deren Karriere in den frühen Achtzigern ihren Höhepunkt erreichte. Gail Davies, die Schwester des Songwriters Ron Davies, hatte 1979 als erste Country-Interpretin ihre eigene Platte produziert. 1985 bildete sie die kurzlebige Band Wild Choir, die schon ein wenig den Übergang von Neotrad zu alt-Country markierte. Hier jedoch der Titel It's a lovely, lovely world vom Album I'll be there (1981), mit Emmylou Harris als Backing-Sängerin:

Eines der erfolgreichsten Neotrad-Alben überhaupt war das 1986 erschienene Major-Debüt von Randy Travis, Storms of life. Hiervon der Titel On the other hand:

Dezember 31, 2011

Both kinds of music (85): Country goes Hollywood

Gleich vier größere Hollywood-Filme befassten sich 1980 mit der Country-Musik.
Zunächst erschien ein Biopic über Loretta Lynn mit Sissy Spacek (bekannt aus Carrie) in der Hauptrolle unter dem Titel Coal Miner's Daughter.  Hier der Titelsong, gesungen von Spacek selbst, sowie andere Songs aus dem Film im Abspann:

Nach der Disco- (Saturday Night Fever) und Retro-(Grease)Welle versuchte sich John Travolta 1980 als Urban Cowboy an der Seite von Ex-Wondergirl Debra Winger. Der Soundtrack enthielt unter anderem auch den Titel The devil went down to Georgia der Charlie Daniels Band.

Während Willie Nelson in Honeysuckle Rose einen fremdgehenden Countrysänger mimte (und im Duett mit Emmylou Harris 'Till I gain control again sang)...

...musste sich Dolly Parton als Sekretärin in 9 to 5 durchschlagen.

Dezember 24, 2011

Both kinds of music (84): Weihnachtslieder

Natürlich unterließen es die unterschiedlichsten Country-Stars auch in den 1970ern nicht, ihre Interpretationen von alten und neuen Weihnachtsliedern einzuspielen, und auch der fernsehende Countryfan kam an Weihnachten nicht um diverse Christmas Specials herum, so unter anderem die jährlichen Specials von Johnny Cash. In dieser schönen Aufnahme aus dem Fernsehspecial 1976 singen Ehefrau June und die drei Schwägerinnen (die Carter Sisters) das Lied In the pines:

Wem das jetzt nicht weihnachtlich (i.e. kitschig) genug war, kann sich diese Version aus Cashs 1978er Show des alten Bill Monroe-Titels Christmas time's a-coming mit June, Kris Kristofferson und dessen Gefährtin Rita Coolidge reinziehen:

Das wohl beste Weihnachtsalbum der Country-Musik veröffentlichte allerdings 1979 Emmylou Harris mit Light of the stable. Hieraus der Titel The first Noel, ein altes englisches Weihnachtslied aus dem 18. Jahrhundert:

November 12, 2011

Both kinds of music (78): Emmylou in den Siebzigern

Nach dem unerwarteten Tod ihres musikalischen Partners und Lehrers Gram Parsons am 19. September 1973, musste Emmylou Harris ihre Karriere auf eigene Füße stellen. 1974 wurde ihre Begleitband Hot Band zusammengestellt, zum Teil aus Mitgliedern von Elvis Presley's Tourband, und eine erste Tournee wurde organisiert. Im Februar 1975 erschien das erste Emmylou Harris-Album nach Parsons' Tod (das zweite nach dem 1970 erschienenen Gliding Bird) Pieces of the Sky, auf dem sie Parsons mit dem Song Boulder to Birmingham würdigte (hier live im Musikladen 1977):

Mit dem zweiten Album Elite Hotel (Dezember 1975) erreichte Harris gleich die Nummer 1 der Billboard-Country-Charts, ebenso mit dem Nachfolger Luxury Liner (Januar 1977). Auf diesem Album erschien auch eine Cover Version von Chuck Berrys (You never can tell) C'est la vie (live im Old Grey Whistle Test 1977):

Nach dem ebenfalls sehr erfolgreichen Album Quarter Moon in a Ten Cent Town (Januar 1978) wandte sich Harris auf dem 1979er Album Blue Kentucky Girl traditionellen Country-Klängen zu. Auf dem Album erschien auch der Titel Even cowgirls get the blues, zu dem Linda Ronstadt und Dolly Parton backing vocals beitrugen. Hier der Song in einer Live-Aufnahme aus dem Jahr 1980 in Rotterdam:

Oktober 22, 2011

Both kinds of music (75): Gram Parsons' letzter Höhenflug

1973 erschien das erste Solo-Album von Gram Parsons, drei Jahre nachdem er die Flying Burrito Brothers verlassen hatte. In der Zwischenzeit hatte Parsons die Rolling Stones auf Tour begleitet, lebte eine Zeitlang in der ehemaligen Gestapo-Villa Nellcôte in Villefranche-sur-Mer (Südfrankreich), während die Stones dort Exile on Main Street einspielten, bis er dort (aufgrund quasi ständigem Zugedröhntseins) auf Betreiben Anita Pallenbergs rausflog. Kurz darauf heiratete er Gretchen Burrell in New Orleans, bevor er Mitte 1972 wieder begann, Konzerte zu geben und neue Songs einzuspielen. Dabei lernte er Emmylou Harris kennen, eine aufstrebende Country-/Folk-Sängerin, deren erstes Album gefloppt war. Emmylou Harris wurde alsbald als Background-Sängerin für das erste Solo-Album GP engagiert.  

Nicht auf dem Album erschien der Titel Sin City, den sie in dieser wackeligen Aufnahme im Duett mit Parsons singt:


Im Studio klang das ganze dann wie hier in der Bobby Bare-Coverversion Streets of Baltimore:


Das im Januar 1973 veröffentlichte Album blieb lediglich ein Kritikererfolg, auch die darauf folgende Tour war nicht wirklich der große Renner. Nichtsdestotrotz nahm Parsons schon kurz später ein weiteres Album mit Harris auf, das ihn posthum zur Legende werden ließ: Grievous Angel. Hiervon der Titel In my hour of darkness:

Gram Parsons starb am 19. September 1973 im Alter von 26 Jahren an einer Überdosis Morphin und Alkohol in Joshua Tree, Kalifornien.

Juni 11, 2011

Both kinds of music (56): With a voice like sand and glue

Die wundersame Auferstehung des Bluegrass im Jahr 1967 (an der wohl auch der Film Bonnie and Clyde mit Musik von Earl Flatt und Lester Scruggs nicht unbeteiligt war) war nur ein Teil einer Reaktion auf die zunehmend psychedelisch bis protoprogressiv geprägte Pop- und Rockmusik. Gegen Ende des Jahres, am 27. Dezember, läutete Bob Dylan mit seinem Album John Wesley Harding eine Trendwende ein; in den folgenden Monaten kehrten die Größen des Business, von den Beach Boys über die Beatles zu den Stones allesamt zu ihren Wurzeln zurück, zu Blues, simpleren Rock'n'Roll (Lady Madonna z.B.) und eben auch Country und Bluegrass. Retro war plötzlich hip.

Dylan hatte, nach den nachträglich berühmten Sessions mit The Band in Woodstock (aus welchen die Basement Tapes hervorgingen), den Weg nach Nashville eingeschlagen und nahm dort in wenigen Sessions das nach dem Revolverhelden John Wesley Hardin (ja, das schreibt sich eigentlich ohne g...) benannte Album mit drei Country-Musikern auf: Charlie MacCoy, Kenny Buttrey und Pete Drake. Dabei kamen Evergreens wie All along the watchtower heraus, aber auch Kleinode wie I dreamed I saw Saint Augustine (eine Variation auf den alten linken Folk-Song I dreamed I saw Joe Hill last night):

Ein weiteres Highlight des Albums war das pure Country-Stück I'll be your baby tonight, das seitdem von unzähligen Interpreten gecovert wurde, so auch von Emmylou Harris auf ihrem Debut-Album Gliding Bird (1970):

Einen Schock erlebten die Dylan-Anhänger allerdings 16 Monate später, als das Nachfolge-Album Nashville Skyline erschien. Das erneut in Nashville produzierte Album startete mit einem Duett zwischen Dylan, dessen Stimme kaum noch wieder zu erkennen war (Dylan entdeckte seinen "Country Crooner"-Gesangstil, der für eine Weile den altbekannten nasalen Klang ablöste), und niemand geringeren als Johnny Cash. Das Album war ein geradezu puristisches Country-Album geworden, nichtsdestotrotz gelang Dylan mit der Single-Auskopplung Lay Lady Lay einer seiner größten Hits. Auf dem gleichen Album fand sich auch dieser nette Titel, To be alone with you: