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Oktober 13, 2012

Both kinds of music (125): Kurz vor der Maya-Apokalypse

Nächste Woche kommt unser Überblick über die Geschichte der Country-Musik an sein wohlverdientes (und überfälliges?) Ende. Kurz vor Schluss will ich noch einen Blick auf die aktuelle Szene werfen, und bringe heute drei Country-Hits aus dem Jahr 2012.

Lady Antebellum, seit 2008 eine der erfolgreichsten Country-Pop Bands aus Nashville, die dieses Jahr für Own the night den Grammy für das beste Country-Album erhielten. Hier die aktuelle Single Wanted you more:

Sowohl in den amerikanischen Pop- und Country-Charts führt derzeit kein Weg an Taylor Swift vorbei, deren neues Album Red für den 22. Oktober angekündigt ist. Daraus der noch unveröffentlichte Titelsong, live bei den BBC Radio 1 Teen Awards am 7. Oktober:

Den Grammy für das beste Country-Duo und das beste Folk-Album gewannen dieses Jahr The Civil Wars aus Nashville (die übrigens kürzlich ebenfalls ein Duett mit Swift einspielten). Hier die rezenteste Single Kingdom Come, die auch im Film The Hunger Games zum Einsatz kam.

September 29, 2012

Both kinds of music (123): Es wird herbstlich

Irgendwann in den späten 1990ern bildete sich an der Schnittstelle von Indie-Rock, Alternative Country und Spätsechziger-Folk-Revival (nunmehr "Psychedelic Folk" genannt) eine neue, vom Feuilleton geliebte, Folk-Szene heraus, die als "nu folk", "freak folk", "neofolk" (nicht zu verwechseln mit dem aus dem Postpunk entwachsenen britischen Neofolk der 1980er), "indie folk", "psych folk" oder auch "new weird americana" bezeichnet wurde. Die Grenzen zwischen diesen verschiedenen Genres sind fließend. Hier heute drei Beispiele, in denen der Country-Einfluss besonders deutlich hervorsticht.

Bright Eyes, das Bandprojekt um Conor Oberst, veröffentlichte 2005 neben dem elektronischen Digital ash in a digital urn auch ein traditionell gehaltenes Album mit dem Titel I'm wide awake, it's morning mit niemand geringerem als Emmylou Harris als Background-Sängerin. Zwischen den Versionen mit Harris und späteren Live-Versionen ohne sie liegen übrigens Welten, insbesondere bei Titeln wie We are nowhere and it's now:

Als ziemlich country-lastig empfand ich auch das zweite Album von Alela Diane, To be still. Hiervon der Song White as diamonds:

Einen eindeutigen Bezug auf Country und Bluegrass fand man insbesondere bei 16 Horsepower, die aber zugleich Bezug auf düstere Rockmusik à la Joy Division und Nick Cave nahmen, und oft religiöse Thematiken auf eine etwas "gothische" Manier behandelten. Hier der Outlaw Song vom letzten Studioalbum Folklore (2002):

Juli 14, 2012

Both kinds of music (113): Emmylou Harris in den Neunzigern

Emmylou Harris, nunmehr mit schneeweissem Haar, löste 1991 ihre Hot Band auf, mit der sie seit den 1970ern zusammengearbeitet hatte. Dies tat jedoch der Qualität ihrer Alben keinen Abbruch, auch wenn ihre Verkaufszahlen einbrachen und Harris von den Country-Radiostationen mehr und mehr zugunsten von Garth Brooks und co. ignoriert wurde.

Drei Beispiele für Harris-Werke aus den Neunzigern:
Lodi, ein alter Creedance Clearwater Revival, live mit den Nash Ramblers 1991; eine weitere Version erschien 1992 auf dem Live-Album At the Ryman.

Orphan Girl und Blackhawk, hier begleitet vom Produzenten Daniel Lanois samt Band, vom 1995er Album Wrecking Ball:

1917, mit Linda Ronstadt, vom gemeinsamen Album Western Wall (The Tucson Sessions), erschienen 1999:

März 24, 2012

Die Woche der besungenen Anarchie (7)



The Orphans - For an old Kentucky anarchist (ca. 1995-96? veröffentlicht 2006)

August 20, 2011

Both kinds of music (66): Hillbilly Hippies!

Nicht nur die Beatles versuchten sich Anfang der 1970er in Country-Musik; allgemein war um 1970 herum Country-Rock das Gebot der Stunde, insbesondere in den USA. Dem entsprach eine neue Zuwendung zur Idiotie Einfachheit des Landlebens, das sich auch auf zahlreichen bukolischen Album-Covern widerspiegelte. Die Hippies zog es aufs Land, und das drückte sich musikalisch eben auch in der Hinwendung zur und in der Aufwertung der zuvor als "spießig" abgekanzelten Country-Musik aus.

Allen voran die Überhippies um Jerry Gracia, The Grateful Dead, deren beiden Alben aus dem Jahr 1970, Workingman's Dead und American Beauty, eindeutig im Country-Rock-Bereich anzusiedeln sind. Zum Vergleich eine Live-Aufnahme von Don't ease me in aus dem gleichen Jahr:


Auch die "Super Group" Crosby, Stills, Nash and Young, die sich aus David Crosby von den Byrds, Graham Nash von den Hollies, sowie Neil Young und Stephen Stills von Buffalo Springfield zusammensetzte, bewegte sich zum Teil in Country-verwandten Gefilden (zu Youngs Solo-Sachen in diesem Bereich komme ich nächste Woche), so z.B. beim Titel Teach your children von Nash, erschienen auf dem ersten Album mit Young, Déjà Vu (1970):


Zum Abschluss für heute noch ein Ausflug nach Großbritannien. Die Folkgruppe Pentangle spielte 1971 diese Coverversion  von Will the circle be unbroken von der Carter Family ein:

Juni 11, 2011

Both kinds of music (56): With a voice like sand and glue

Die wundersame Auferstehung des Bluegrass im Jahr 1967 (an der wohl auch der Film Bonnie and Clyde mit Musik von Earl Flatt und Lester Scruggs nicht unbeteiligt war) war nur ein Teil einer Reaktion auf die zunehmend psychedelisch bis protoprogressiv geprägte Pop- und Rockmusik. Gegen Ende des Jahres, am 27. Dezember, läutete Bob Dylan mit seinem Album John Wesley Harding eine Trendwende ein; in den folgenden Monaten kehrten die Größen des Business, von den Beach Boys über die Beatles zu den Stones allesamt zu ihren Wurzeln zurück, zu Blues, simpleren Rock'n'Roll (Lady Madonna z.B.) und eben auch Country und Bluegrass. Retro war plötzlich hip.

Dylan hatte, nach den nachträglich berühmten Sessions mit The Band in Woodstock (aus welchen die Basement Tapes hervorgingen), den Weg nach Nashville eingeschlagen und nahm dort in wenigen Sessions das nach dem Revolverhelden John Wesley Hardin (ja, das schreibt sich eigentlich ohne g...) benannte Album mit drei Country-Musikern auf: Charlie MacCoy, Kenny Buttrey und Pete Drake. Dabei kamen Evergreens wie All along the watchtower heraus, aber auch Kleinode wie I dreamed I saw Saint Augustine (eine Variation auf den alten linken Folk-Song I dreamed I saw Joe Hill last night):

Ein weiteres Highlight des Albums war das pure Country-Stück I'll be your baby tonight, das seitdem von unzähligen Interpreten gecovert wurde, so auch von Emmylou Harris auf ihrem Debut-Album Gliding Bird (1970):

Einen Schock erlebten die Dylan-Anhänger allerdings 16 Monate später, als das Nachfolge-Album Nashville Skyline erschien. Das erneut in Nashville produzierte Album startete mit einem Duett zwischen Dylan, dessen Stimme kaum noch wieder zu erkennen war (Dylan entdeckte seinen "Country Crooner"-Gesangstil, der für eine Weile den altbekannten nasalen Klang ablöste), und niemand geringeren als Johnny Cash. Das Album war ein geradezu puristisches Country-Album geworden, nichtsdestotrotz gelang Dylan mit der Single-Auskopplung Lay Lady Lay einer seiner größten Hits. Auf dem gleichen Album fand sich auch dieser nette Titel, To be alone with you:

Februar 19, 2011

Both kinds of music (40): Historesken

Johnny Horton, anfangs eher ein Honky Tonk-, dann ein Rockabilly-Sänger, mit Titeln wie Honky Tonk Man (1956) und dem Cherokee Boogie (1959)...


...löste 1959/60 einen seltsamen Trend aus: Sogenannte "saga songs", mehr Folk als Country, die historische Ereignisse aus der US-amerikanischen Geschichte, insbesondere des Unabhängigkeits- und des Sezessionskriegs zum Thema hatten und alte, historische Weisen mit neuen Titeln vermischten. So behandelte Hortons erster großer Erfolg in diesem Feld, The Battle of New Orleans (1959) die Verteidigung von New Orleans durch die Truppen Andrew Jacksons gegen die britischen Invasoren. Dass Horton dabei eine Biberfellmütze trug, wie der Held der damals äußerst populären TV-Serie Davy Crockett, mag zum Erfolg des Titels beigetragen haben.


Ein weiterer Erfolg war 1960 North to Alaska über den Goldrausch, auch Titelsong des gleichnamigen Films mit John Wayne und Stewart Granger:


Johnny Horton starb am 5. November 1960 an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Hortons Ehefrau Billie Jean Jones, deren zweiter Ehemann Hank Williams am Neujahrstag 1953 einem Herzstillstand erlegen war, wurde damit im Alter von nur 28 Jahren zum zweiten Mal Witwe.

Oktober 26, 2010

122 (oder 121?) Jahre Nestor Machno

Der Schutzpatron dieses Blogs (bzw. der Typ auf dem Foto oben rechts) ist je nach Quellenlage entweder am 26.10.1888 oder am 27.10.1889 in Gulai-Pole in der Ukraine geboren. Machno habe ich letztes Jahr ja eine ganze Woche gewidmet - dort findet man auch persönliche Anmerkungen von mir. Das Foto ist übrigens eine Reminiszenz an die erste und einzige Papier-Ausgabe des Lëtzebuerger Anarchist, erschienen 2001.

Im Gegensatz zu anderen Geburtstagskindern kein Text von Machno - auch seine treuesten Anhänger werden wohl zugeben, dass das Schreiben nicht gerade seine stärkste Seite war... - sondern ein Lied (überhaupt hat Machno haufenweise nette Lieder inspiriert, ein paar habe ich ja schon auf diesem Blog gebracht):
Apuamater aus Italien mit Makno, sowie zuvor Var'ka, zwei Liedern gegen den "bürokratischen Zentralismus" aus dem Jahr 2006:

September 18, 2010

Both kinds of music (18): Linke Country-Musik nennt man Folk

Anfang der 1940er Jahre etabliert sich gegenüber der "Hillbilly"-Szene eine urbanere Gegenbewegung, die zwar ähnlich wie die Country-Musik auf den Katalog volkstümlicher amerikanischer Musik zurückgriff, jedoch politischere bzw. sozialkritische Themen aufgriff und zumeist klar auf der politischen Linken einzuordnen war: die Folk-Musik. Ich zitiere aus Pietro Scaruffis kurzer Geschichte der Country-Musik:
"If country music represented the quintessential American values, and a positive attitude towards the American way of life, others (harking back to the epics of the itinerant 'hobos') were seeing through the American Dream and confronting the issues of poverty, fascism and racism.(...) These folksingers had little in common (stylistically or ideologically) with the hillbillies of country music, but they ended up creating the urban audience for country music. Country music, even in states that were rapidly urbanizing such as Texas, had been catering mainly to the countryside. The post-war generation of folksingers catered almost exclusively to the audience of the big cities. It wasn't long before country music learned that lesson."

Die Grenzen zwischen Country bzw. Hillbilly und Folk waren allerdings, trotz ästhetischer wie politischer Differenzen, durchaus fließend. Tatsächlich ersetzte Billboard den Oberbegriff "Hillbilly Music" 1944 durch "Folk songs and blues", bevor 1949 der bis heute vorherrschende Begriff "Country and Western" eingeführt wurde.

Der bekannteste unter den linken Folk-Sängern war natürlich Woody Guthrie aus Okemah, Oklahoma, der sich  trotz dieser Herkunft dagegen verwahrte, als "Hillbilly", "Mountain Hick" oder explizit als "Louisiana Swamp Dweller" vermarktet zu werden. Hier der Titel Jesus Christ aus dem Jahr 1940 (auf die Melodie der Ballade  über Jesse James):

Woody's Cousin Jack Guthrie blieb hingegen der traditionellen Country-Musik treu, wie z.B. mit dem von Woody geschriebenen Titel Oklahoma Hills (1944):


Ein weiterer Folk-Sänger auf der Kreuzung zwischen Country und Folk, der sogar einmal als "singing cowboy" gecastet wurde, ist Burl Ives, hier mit der Urversion des Klassikers Ghost Riders in the Sky (1949) - mit kitschiger Streicherbegleitung.

September 11, 2010

Both kinds of music (17): Hillbillies go to war

Wie eigentlich alle Formen der Populärkultur wurde auch die Country-Musik in die "große patriotische Anstrengung", d.h. die Kriegspropaganda im Kampf gegen die Achse eingebunden. Heute bringe ich ohne lange Einleitung und Erläuterungen drei Titel aus diesem Zeitrahmen:

Elton Britt - There's a star spangled banner waving somewhere (1942)

Roy Acuff & his Smoky Mountain Boys and Girls - Smoke on the water (1943)

Woody Guthrie - All you fascists bound to lose (1944)

Mai 29, 2010

Both kinds of music (2): Zugunglück als Millionen-Seller

Am 27. September 1903 entgleiste die "Fast Mail", Zug 97 der Southern Railway, nahe Danville, Virginia, auf der Strecke von Monroe in Virginia nach Spencer in North Carolina. 21 Jahre später landete Vernon Dalhart mit einer Ballade über diesen Unfall einen Hit: "The Wreck of the old 97", ein Song, der allgemein als erster Country-Titel gilt, der sich über eine Million mal verkaufte.


Ähnlich wie bei "Sally Goodin'" haben nahezu alle bekannten Country- und Folkgrößen Versionen des Songs eingespielt, darunter z.B. Hank Snow, Woody Guthrie, Johnny Cash oder Pete Seeger. Hier eine rezente Version von Randy Thompson (2008):


1959 persiflierten Dave Van Ronk und Richard Ellington den Song in ihrem Buch The Bosses' Songbook. Songs to stifle the flames of discontent als Ballad of a Party Folk Singer:

Well, they gave him his orders
Up at Party headquarters
Saying: "Pete, you're way behind times.
This is not '38; this is 1947,
And there's been a change in that old Party line".

Well, it's a long long haul
From "Greensleeves" to "Freiheit",
And the distance is more than long,
But that wonderful outfit they call the People's Artists
Is on hand with those good old Peoples' Songs.

Their material is corny,
But their motives are the purest,
And their spirits will never be broke,
As they go right on with their great noble crusade,
Of teaching folksongs to the folk.

Dezember 08, 2008

Punk anscheinend doch noch nicht ganz tot

Noch etwas mehr Machno:

Контра - Махно