September 23, 2009

Pitiyanquis de mierda! Compre nuestro petróleo!

Wer finanziert die "bolivarische Revolution"? Na, die "Pitiyanquis", wer denn sonst! Wie man oben sehen kann, hat der Anteil der USA an den Erdölexporten Venezuelas, trotz aller Geschäftemacherei mit China, Russland und den meisten anderen autoritären Regimen dieser Welt, trotz aller nationalistischer Rhetorik, seit dem Beginn der Ära Chavez im Jahr 1998 nie gekannte Höhen erreicht (gleichzeitig ist der Anteil der Erdölproduktion an der gesamten Exportwirtschaft ebenfalls weiter angestiegen).

September 21, 2009

"Wahl ohne Qual", Anno 1932

Aus einem Gedicht des Gesellianers Eugen Graske, veröffentlicht im Bändchen Der politische Freiheitskampf gegen Kapitalismus und Marxismus, Erfurt, 1932 (zugleich Band 17 der "Wissenschaftlichen Schriftenreihe" der Freiwirtschaftlichen Zeitung):

Bist du ein Ritter, hast du ein Gut,
fließt in den Adern blaues Blut,
Und schwärmst für Zölle, alte Zeit,
Dann wähle stramm - wenn es so weit:
Deutschnational.

Willst du als echter Deutscher schlemmen,
Ein Monopol dein eigen nennen,
Von hohen Löhnen macht dich frei
Durch Dingeldey
Die Volkspartei.

Bist mit dem Zustand du zufrieden,
Suchst du allein im Jenseits Frieden,
Vertraust auf Gott und deine Leiter;
gehab dich wohl, vertraue weiter:
Zentrum.

[Demokraten und Wirtschaftspartei überspring' ich mal.]

Doch auf des Staates höchste Stufen
Wird man dich Arbeitsmann berufen,
Sei wie ein Fuchs, gehörst zur Clique,
Und - lenkst des Arbeiters Geschicke:
SPD.

Du rechnest zu den "Radikalen",
Weil eingeseift du bist zumalen?
Die Bourgeois willst du vernichten,
Die Staatsfabrik sodann errichten?
KPD

Es fehle nicht der letzte Streich:
Der Eingang in das "Dritte Reich".
Für Kasernierung, Schipp-Hurra,
Zur Vornotierung stehen da:
NSDAP

[es folgt dann noch der obligatorische Wahlaufruf für die längst vergessene "Freiwirtschaftliche Partei Deutschlands" (FPD), auf dass "die Volksgemeinschaft uns beschieden" (sic!)]

September 19, 2009

Einiges Lesenswertes aus letzter Zeit

- Caracas Gringo gab einige Hintergrundorganisationen zur bonapartistischen... pardon bolivarischen Revolution in Venezuela, insbesondere zu Diosdado Cabello, dem Minister für öffentliche Bauten und Wohnungsbau, und seinem Umfeld.

- Principia Dialectica brachte Marc Geoffroys Generalabrechnung mit der nationalen Befreiungsarmee der Zapatisten im Chiapas (die ja auch in libertärsozialistischen Kreisen häufig beklatscht wird), aus dem Jahre 1995.

- Sean Gabb von der rechtslibertären "Libertarian Alliance" aus Grossbritannien hat einen lesenwerten Artikel über die Frage der Krankenversicherung geschrieben: wieso das derzeitige amerikanische System nicht funktioniert und ungerecht ist, wieso das "sozialisierte" britische System auch nicht besser ist, und was libertäre Vorschläge sein könnten (insbesondere eine drastische Kostensenkung durch Abschaffung der Patentierung von Medikamenten). Sehr ähnlich argumentiert auch, aus etwas linkerer Perspektive, Gary Chartier auf der Seite des Center for a Stateless Society.

- Eine kurz vor Kopenhagen politisch wohl eher inopportune Nachricht: zum zweiten Jahr hintereinander ist das Schmelzen der Polarkappe in der Arktis im Vergleich zum Vorjahr rückläufig (hier und hier). Ist die Talsohle also 2007 erreicht worden? Warten wir die kommenden Jahre ab...

- ...und eine wahre Schatztruhe an französischer Sozialistika hat La Bataille Socialiste letztens verlinkt: die 40 Bände der Révolutions du XIXe siècle, darunter aus linkslibertärer Sicht besonders interessant: die komplette Ausgabe der Zeitung La Mutualité. Journal du Travail von 1865-1866.

Italienisches zum Sommerausklang

Le Orme - Ad Gloriam (1968), bebildert mit Auszügen aus Filmen von Risi, Pasolini, Antonioni und Germi.

September 18, 2009

Wider die Widerspruchslosigkeit

Und noch ein Zitat:
"Bastiat spottet [...], Proudhon habe ihm einmal gesagt, er fände das Paradies langweilig, weil der Widerspruch dort fortfiele."
(aus Carl Ludwig Michelets Naturrecht oder Rechts-Philosophie als die praktische Philosophie, enthaltend Rechts-, Sitten- und Gesellschaftslehre, Band 1, Berlin, 1866, S.37.)

September 16, 2009

Warten auf den Aufschwung, Anno 1939

Hat was von Führerbunker: US-Finanzminister Henry Morgenthau, Jr. (ja, das ist der, der Deutschland zerschlagen und in ein Agrarland verwandeln wollte) verzweifelt an der Krisenbekämpfung.

"[U.S. Treasury Secretary Henry Morgenthau, Jr.]: No, gentlemen, we have tried spending money. We are spending more than we have ever spent before and it does not work. And I have just one interest, and if I am wrong, as far as I am concerned, somebody else can have my job. I wantto see this country prosperous. I want to see people get a job. I want to see people get enough to eat. We have never made good on our promises…

But why not let’s come to grips? And as I say, all I am interested in is to really see this country prosperous and this form of Government continue, because after eight years if we can’t make a success somebody else is going to claim the right to make it and he’s got the right to make the trial. I say after eight years of this Administration we have just as much unemployment as when we started.

Mr. Doughton: And an enormous debt to boot!

HMJr.: And an enormous debt to boot! We are just sitting here and fiddling and I am just wearing myself out and getting sick. Because why? I can’t see any daylight. I want it for my people, for my children, and your children. I want to see some daylight and I don’t see it…"

—Transcript of private meeting at the Treasury Department, May 9, 1939, F.D. Roosevelt Presidential Library

(zitiert nach: Econ Journal Watch, vol. VI, 3, September 2009).

September 15, 2009

We're all Attacies now

Zitat des Tages: "Bei G-20-Treffen demonstrieren die Attac-Leute gegen Politiker, die ihre Zielsetzung im Grunde teilen." (Peer Steinbrück, Lehman-taz von heute).

September 12, 2009

Si tacuisses, Jhang

"Mit Blick auf die Zukunft betonte Asselborn, die internationale Gemeinschaft habe erst gewonnen, wenn die Taliban eines Tages mit in der Regierung seien." (Quelle).

Für unseren Außenminister ist also das Ziel des NATO-Einsatzes in Afghanistan nunmehr, dass die Taliban wieder an die Macht kommen sollen (wenn auch in einer "Regierung der nationalen Einheit" mit Karzai und Abdullah. "Regierungen der nationalen Einheit" sind für unsere Politiker sowieso immer das Allheilmittel für alle möglichen Krisenregionen, in Entwicklungsländern so dass man sich fragen kann, wieso sie gleichzeitig auf dem Abhalten von pluralistischen Wahlen bestehen. Man wählt, damit sich am Ende sowieso alle in einer Einheitsregierung zusammen raufen?). Gibt's dann endlich wieder mediengerechte Hinrichtungen im Stadion von Kabul?

Ein paar Infos über die Wohltaten der letzten Amtsperiode der Koranschüler auf dieser älteren Webseite: http://www.hazara.net/taliban/taliban.html

Ringo Starr Week: Ja, er lebt noch...

...singt aber schon Lieder über das Leben nach dem Tod:

R U Ready? (2008)



Th-th-that's all Folks!

September 11, 2009

Ringo Starr Week: Free Drinks!

Ringos Reminiszenz an seinen Lebenswandel in den späten 1970ern, vom Album Choose Love (2005):

September 10, 2009

Ringo Starr Week: Movie Starr

Neben seiner musikalischen Karriere ist sie etwas in Vergessenheit geraten: Ringos Filmkarriere. Hier ein Überblick über einige von Ringos schönsten Rollen:

Als 50er-Jahre Rocker "Mike" in That'll be the day...

Als Papst in Lisztomania, einem Film, wie er heute wohl kaum noch gedreht werden könnte...

Als Spaghetti-Western-Held in Blindman...

Als Frank Zappa-Double "Larry the Dwarf" in Frank Zappas 200 Motels...

Als mexikanischer Gärtner in der Erotik-Komödie Candy...

...und als Mock die Schildkröte in Alice im Wunderland:


September 09, 2009

Ringo Starr Week: Act Naturally

Aus gegebenem Anlass: Ringo und seine Backing-Band covern 1965 einen alten Buck Owens-Titel.



Mehr zu Ringos "natural acting" morgen.

September 08, 2009

Ringo Starr Week: Werbepause





Intellektuelle Cretins

Teodoro Petkoff über Oliver Stones und Noam Chomskys rezente Lobhudeleien für Chavez:

"One might even be sympathetic to people like Noam Chomsky or Oliver Stone. They are part of a left so very, very powerless in their own country, that every time they see a Third World military such as Chávez or a guerrilla, even one of papier-mache as the ineffable Marcos, who sticks his finger in the eye to gringos - verbally, of course - they cling to their epaulets and live, then, vicariously, the "revolution" for which they feel that there's no room in [North] America.

So there we must offer a bit of indulgence with the political idiocy that characterizes them. Only political cretinism, because, on the other hand, these are people whose talent can not be ignored. And this is why their behavior is so damaging.

They are not mercenaries or bought. Unlike rabble like Ignacio Ramonet, for example, who everyone knows is a cynic who charges Chavez for writing in his favor, Stone and Chomsky are honest people who believe in what they say and who are also outstanding in their specific fields of knowledge. Would we not have discovered faster the treachery that was the Soviet Union had it not not been for hundreds and hundreds of some of the brightest intellectuals of the world singing the praises of daddy Stalin and his successors ? Now we have Oliver Stone to sell the world the image of Chacumbele [Chavez], based on lot the tall tales he sold him and that Stone bought without even making an inventory, not even bothering to compare them against some piece of the Venezuelan reality.

You read that immense and river like book that Neruda's Canto General is and when you stumble on the "Song of Stalin", yet one wonders how could Neruda, with all his genius, could write such a great stupidity. One wonders if this Oliver Stone of "South of the Border" is the same as the one of "Platoon"."

(via Venezuela News and Views)

September 07, 2009

Ringo Starr Week: Klaatu barada nikto!

Only you (1974)



mit Harry Nilsson im Bademantel.

September 06, 2009

Ringo Starr Week: Women! Booze! Disco!

Drowning in the sea of love (1977)


September 05, 2009

Ringo Starr Week: The Greatest!

I'm the greatest (1973)



mit John Lennon, George Harrison, Klaus Voormann und Billy Preston.

August 23, 2009

Wer ist Wilhelm Rosenthal?


Anlässlich meines heutigen Aufbruchs Richtung Reichshauptstadt (Dienstag geht's dann noch weiter ostwärts), hier Auszüge aus einem Artikel aus dem Angriff vom 17. Januar 1937 (Reprint in der letzten Ausgabe der Zeitungszeugen) über "ungeheuerliche" Vorgänge bei der Aktionärsversammlung der Berliner Lokalbrauerei Schultheiss:

Wer ist Wilhelm Rosenthal? Was wird gegen ihn unternommen?
"Wie erinnerlich stand in der Generalversammlung Herr Rosenthal auf und verlangte auf Kosten der Wohlfahrtsfonds der Gesellschaft eine höhere Dividende. (...) Die Vorgänge in der Schultheiß-Versammlung sind aber so unglaublich, daß sich die maßgebenden Stellen dieses Falles annehmen müssen. Es ist einfach unmöglich, daß ein Mann mosaischen Namens (seine wahre Abstammung steht noch nicht fest) die gesamte deutsche Sozialpolitik öffentlich torpediert. In Kreisen der Schultheiß-Belegschaft hat man den Eindruck, daß es sich hier um einen Racheakt entlassener jüdischer Hopfen- und Gerstenlieferanten handelt. Dafür spricht folgendes: Herr Rosenthal hat sich getarnt. Mit dem Vornamen heißt er Wilhelm, aber einen Wilhelm Rosenthal in Berlin-Charlottenburg gibt es gar nicht. (...)
Es geht nicht, daß in einer Versammlung ein zweifelhafter Mann auftaucht, durch unglaubliche Zumutungen. die von jeher sozial eingestellte Betriebsführung beleidigt und nach getaner Arbeit ins Dunkel taucht und verschwindet. Herr Rosenthal verdient seine Strafe. Es muß die Möglichkeit geben, einen Mann hinter Schloß und Riegel zu setzen, der es wagt, die betriebliche Sozialpolitik zu verhöhnen. Nicht af die 30 RM. [mehr Dividende] kam es ihm an, es kam ihm sicherlich darauf an, an Schultheiß sein Mütchen zu kühlen. Warum ist er untergetaucht, warum versteckt er sich? Etwa um seine Hintermänner zu decken? Wer sind die? Auch die Firma Schultheiß hat ein Recht darauf, daß ihr Recht widerfährt."

Mehr zum Schultheiss-Komplex und zur Künstlergruppe der "Schultheiss-Nazis" auf den Seiten des Erratik-Instituts Berlin über Psychogeographie. Das Schultheiss-Bier selber ist übrigens eine ziemliche Plörre.

August 22, 2009

Live on Playboy After Dark (7 und Schluss)

Ike & Tina Turner - I wanna take you higher / Come together / Proud Mary

August 20, 2009

Drolliges aus dem Zwischennetz (2)

Dr. Anarchy aka Mike Gogulski legt die "offizielle" anarchistische Stellung zur Zombie-Apokalypse dar.

Die nahezu ultimative Liste aller "Hick Flicks" (auch bekannt als "Redneck Cinema", sozusagen die kaukaso-amerikanische Antwort auf die Blaxploitation-Welle) findet man im grossartigen Blog Retrospace.

Schon etwas älter: die Titanic stellt schon mal sinngemäss den Inhalt der historisch-kritischen Ausgabe von Mein Kampf vor (via Hitler-Blog).

August 19, 2009

Libertäre Presse

LeftLiberty 2 ist bei Corvus Distribution erschienen.
Shawn Wilbur, der mittlerweile nicht mehr in der Alliance of the Libertarian Left aktiv ist, präsentiert dort wieder klassische Texte aus der mutualistischen und individualanarchistischen Tradition, darunter das Abschlusskapitel von Proudhons posthumer Théorie de la propriété (die selber nur ein Fragment aus dem immer noch unveröffentlichten Polen-Buch von 1861 ist) oder das "Mini Manual of the Individualist-Anarchist" von Emile Armand, diesmal jedoch erweitert durch Kommentare und Überlegungen von Wilbur selber. Des Weiteren findet der geneigte Leser ein weiteres Kapitel des (völlig unzugänglichen) fourieristischen Science-Fiction-Romans The Distributive Passions und einen unfreiwillig komischen Text aus der ersten Version der marxistischen International Socialist Review über "Sozialismus in der Pflanzenwelt".

August 15, 2009

Live on Playboy After Dark (6)

Iron Butterfly - Iron Butterfly Theme


August 14, 2009

Drolliges aus dem Zwischennetz

Kurt Tucholsky gibt eine Einführung in die hohe Kunst der Wirtschaftswissenschaft: "Kurzer Abriss der Nationalökonomie" (via Walgesang).

JayJay über das Stopfen von Sommerlöchern vermittels Speck (und darüberhinaus dem Wahlkampf in Deutschland).

Roger Pielke Jr über die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Glenn Allport über Ringos Gesetz.

Immer wieder schön: Lp Cover Lover.

August 12, 2009

August 10, 2009

Rettet die Birne!

Einen lesenswerten Text von Albert Carlsson zum Glühbirnenverbot aus dem Journal von vergangenem Samstag findet man hier.

Helmut Höge, der ewige Aushilfshausmeister der taz, berichtet indessen bereits über den War on Bulbs, der dem War on Drugs neuerdings Konkurrenz macht:
"Glühbirnen horten, die Verdunklungsgefahr bekämpfen:
Gleich zwei Hubschrauber kreisten über der Hasenheide. Bild berichtete anderntags triumphierend, dass ihr Einsatz erfolgreich war: “12 Drogenhändler gingen der Polizei ins Netz.” Mitnichten! Sie nahmen keine Rauschgift- sondern Glühbirnen-Dealer fest. Schon gleich nachdem Herstellung, Handel und Genuß dieser Lichtquellen verboten worden war, hatten Osram und Philips die Glühbirnenpreise nahezu verdoppelt. Und obwohl sie dann sogar doppelt so viele Birnen wie früher verkauften, weil die Kunden massenhaft Vorräte anlegten - vor allem mit 100-Wattbirnen, die als erstes verboten werden, drängte Siemens/Osram auf Beendigung des Handels mit Glühbirnen. Das bezog sich auf die schmutzige Konkurrenz. Narva (in Brand-Erbisdorf), Philips, General Electric und Auer Lightnings bieten gerade neue Glühbirnen an: Sie brennen länger, verbrauchen weniger und sind heller. “Technology Review” schreibt: “Die neue Technologie wendet sich an Kunden, denen das von Kompaktleuchtstofflampen abgegebene Licht nicht zusagt, die gleichzeitig aber dennoch etwas für die Umwelt tun wollen. Zumal die Entsorgung unkomplizierter ist: Reguläre Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber, was sie zum Sondermüll macht,” außerdem fehlt ihrem “kalten Licht” der auf Dauer lebenswichtige Infrarotanteil.
Darüberhinaus werden auch weiterhin normale unter das Verbot fallende Glühbirnen angeboten: von Merkur in Hamm, von mehreren chinesischen Firmen und vor allem von italienischen Händlern. Das italienische Wirtschaftsministerium verweigert sich einstweilen noch dem europäischen Glühbirnenverbot. Das deutsche hat dagegen verfügt: Wer nach dem Stichtag noch matte Glühbirnen bestellt, dem droht ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro. In Kreuzberg haben pfiffige Ökos bereits eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet, die langzeitarbeitslosen 1-Euro-Jobbern eine Chance gibt (22 bisher): Diese patroullieren durch den Bezirk und zeigen alle an, die ihre Räume mit matten Glühbirnen erhellen. Sie erkennen die schon von weitem am warmen Licht. Das Ordnungsamt verhängt daraufhin ein Bußgeld von 123 Euro pro Birne (schon der Besitz ist strafbar!). “Es ist wie früher im Krieg, als Verdunklung angeordnet wurde, nur andersherum,” meint einer der “Light-Controller”, der ungenannt bleiben will."

August 09, 2009

Unconscientious Objector

Ein kurioser Gag-Strip von Jack Cole aus Crack Comics #29 (Quality Comics, Mai 1943), der in seltsamen Kontrast zu der integral in die Kriegspropaganda eingebundenen US-Comic-Szene der damaligen Zeit steht. Will Cole damit evt. Isolationisten als Hillbillies, Südstaaten-Revanchisten und zurückgebliebene Ignoranten kennzeichnen?

August 08, 2009

Live on Playboy After Dark (5)

Buddy Miles - Them Changes / Dreams

August 03, 2009

Maulkorbgesetz in Venezuela

Vergangenen Donnerstag hat die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega einen Gesetzentwurf gegen "Medienverbrechen" beim venezuelanischen Parlament eingebracht, der ihr zufolge eine "Regulierung der Meinungsfreiheit" (sic!) einleiten soll. Der Text des Entwurfs ist einsehbar: hier im Original, auf englisch oder auf französisch.
Die aktuellen Ereignisse, wie das Schliessen von 34 Radiostationen wegen ungültigen Lizenzen oder die ersten Nachstellungen gegen einen oppositionellen Blogger scheinen also nur der Anfang eines allgemeinen Angriffs auf Meinungs- und Pressefreiheit in Venezuela zu sein. Der Minister für öffentliche Bauten Diosdado Cabello wird hierzu wie folgt zitiert: "Die Meinungsfreiheit ist nicht die allerheiligste Freiheit, die existiert". Na dann...

August 01, 2009

Live on Playboy After Dark (4)

Deep Purple - And the address / Hush


Juli 31, 2009

Die Woche des Väterchen Machno: Persönliche Anmerkungen

Wieso eigentlich Machno?
Machno hat ja nun eigentlich keine individualistischen oder "linkslibertären" Positionen vertreten, sondern sich, im Gegensatz zu mir, explizit als "Kommunist" verstanden. Allerdings beschränkte sich der "Kommunismus" Machnos auf die - freiwillige - Sozialisierung des Bodens; das System der Landkommunen und durch Arbeiterkooperativen selbstverwaltete Fabriken, die untereinander Tauschwirtschaft betreiben, lässt sich durchaus mit mutualistischen oder voluntaristischen Ansichten vereinbaren. Auch von Machno hochgehaltene Prinzipien wie Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Initiative und Kreativität erinnern nicht unbedingt an das, was der Individualist oder "Marktanarchist" gemeinhin unter "Kommunismus" versteht.

Mit der Organisationsplattform von Machno und Arschinow, letztlich der Versuch das Programm einer anarchistischen bzw. libertärkommunistischen Partei (im politischen Sinn des Wortes) aufzustellen, konnte ich allerdings auch schon in jüngeren Jahren nichts anfangen, als ich regelrecht alles über die Machnowstischina in mich hineinfrass: die Geschichte der Machno-Bewegung von Arschinow, die (Machno eigentlich nicht ganz so wohlgesonnene) Unbekannte Revolution Volins, die Machno-Hagiographie von Alexander Skirda, ein dünner französischer Band mit (nicht sonderlich spannenden) Schriften Machnos selber, bis hin zu obskuren anarchistischen Broschüren über "Machno und die Judenfrage". Ein Fall von jugendlicher Revolutionsromantik meinerseits?

Vielleicht eher von Wildwest-Romantik. Tatsächlich scheint mir Machno als Figur der volkstümlichen Mythologie Osteuropas - abgesehen von der Adoption Machnos durch ukrainisch-nationalistische Kreise, dies obwohl Machno kein Wort Ukrainisch sprach und der Machnowist Shalom Schwartzbard den historischen Führer der ukrainischen Nationalisten Simon Petliura ermordet hat - eher an den Mythos von Jesse James (wohlverstanden nicht der reale Jesse James, der wohl, nach allem was man weiss, ein ganz gewöhnlicher Krimineller war), an einen "Rächer der Enterbten" im Stile eines Zorro oder Robin Hood, als einen Ernesto "Che" Guevara zu erinnern. Nicht revolutionäre Volksmassen stehen im Mittelpunkt der Verbildlichung der Machnowstschina, sondern wilde, freie Reiter, die durch die Weite der Steppe rasen. So symbolisiert Machno einerseits eben die mit dieser Weite in Verbindung gebrachte Freiheit, das freie Leben der Kosaken, andererseits den Freiheitskämpfer, der, im Unterschied zu allen anderen maßgeblichen Protagonisten des russischen Bürgerkriegs, nicht nach Übernahme der Macht strebt, sondern nach siegreicher Beendung des Krieges und Eroberung der Freiheit zu einem einfachen Leben als Bauer zurückkehren will.

Zugleich ist die historische Erfahrung der Machnowstschina auch eine Mahnung: wie Machno selber einmal eingesteht, ist eine Armee wohl die schlechteste Grundlage für den Aufbau einer libertären Gesellschaft, die man sich denken kann. Dass die Schwarze Armee Machnos im Gemetzel des Bürgerkriegs nicht von dunklen Flecken verschont bleiben konnte, und Machno oft seine eigenen Truppen nicht unter Kontrolle behielt (siehe etwa Fedir Shsus' Massaker an Russlanddeutschen), scheint mir fast die logische Folge der Lage, in der sich die Machno-Bewegung befand. Auch wenn es hier oft schwer fällt, historische Wahrheit und Mythos auseinanderzuhalten (siehe etwa die Anklagen seitens der mennonitischen Kirche, die von einer systematischem Verfolgung und Ermordung von Mennoniten seitens Machno sprechen; das Problem ist nur, dass man hierüber in der oben genannten Literatur nichts findet, und auch Machno nirgends die Mennoniten auch nur erwähnt. Hier würde man sich wirklich nichtmennonitische Recherchen wünschen...) hat die anarchistische Geschichtsschreibung die Vorwürfe gegen die Machnowisten oft etwas allzu schnell als bolschewistische Propaganda abgetan.

In diesem Sinn sei das Bildnis des Väterchen Machno neben einer Reminiszenz an alte Zeiten auch als Symbol des Freiheitskampfes gegen sämtliche Tyrannen, gleichwelcher Couleur, verstanden, zugleich aber auch als Mahnung, dass das Errichten einer herrschaftsfreien Gesellschaft und Ausüben von Gewalt, d.h. von Herrschaft, notwendigerweise in Widerspruch zueinander stehen (zum Thema Anarchismus und Gewalt sei auch auf diesen lesenswerten Text bei Wendy McElroy verwiesen).

Juli 29, 2009

Die Woche des Väterchen Machno: Das Tageblatt berichtet...

...am 3. November 1920 über die "Bauern-Revolte in der Ukraine":
"Die Zeitungen von Helsingfors zeigen an, daß die unklare Situation in der Ukraine [in] eine heftige Revolte der Bauern, welche zu gleicher Zeit gegen die Roten und die Weißen gerichtet ist, ausartet. Alle Nachte werden Züge von mit Flinten und Maschinengewehren bewaffneten Bauernscharen angehalten und alle sich darin befindlichen Kommunisten niedergemacht. Man sagt. daß sich die Bauernrevolte auf 11 russische Provinzen erstrecke. Die Gefängnisse sollen voll Gefangener sein, unter denen sich die Generäle Brussilow und Numetz befinden solllen."

Im Allgemeinen entspricht diese kurze Meldung der damaligen Berichterstattung über den Krieg in Russland und der Ukraine: Gerüchte besagen... Nichts genaues weiss man nicht...
Zum Zeitpunkt der Notiz kämpften übrigens sowohl die Schwarze Armee Machnos als auch die Überreste der "Grünen Armee" gemeinsam mit der Roten Armee auf der Krim gegen die Truppen Wrangels. Nur wenige Wochen später, nach dem Sieg über Wrangel, floh Machno nach Westen, nachdem Lenin die Verhaftung sämtlicher machnowistischer Offiziere angeordnet hatte.
Die Bauernrevolte, über die das Tageblatt berichtet, ist vermutlich mit dem Aufstand von Tambow identisch, der, analog zur "Machnowstschina", nach dem Sozialrevolutionär Antonow auch "Antonowstschina" genannt wurde.

Juli 28, 2009

Die Woche des Väterchen Machno: свобода або смерть

In diesem Auszug aus einer der aufwendigsten Produktionen des russischen Staatsfernsehen, der 12-teiligen Biopic-Serie "Die neun Leben des Nestor Machno", sehen wir das Zustandekommen der schwarzen Totenkopf-Flagge der Machnowisten, die bewusst oder unbewusst den alten Schlachtruf der amerikanischen Revolution aufgreift: Freiheit oder Tod!



(Die Flagge ist authentisch, ob Machnos Sonnenbrille und die stereotypen jüdischen Schneider es sind, wage ich mal zu bezweifeln...)


Juli 27, 2009

Die Woche des Väterchen Machno: Das Spiel

Ein Spielentwurf von Justin Pickard:
"How about a hex/card-based (alternate) history strategy game? Let’s call it Free Territory
The players are the immediate subordinates of Ukrainian anarchist Nestor Makhno, competing to amass resources and meet certain conditions (mostly involving their own self-preservation) while preserving the autonomy of the ‘Free Territory’ (represented by a certain configuration of hex tiles) in the face of attacks by various enemies - Bolsheviks, Germans, Austrians, counter-revolutionary White Russians, and various Ukrainian nationalist movements.

Historial Player Characters: Lev Zadov, Viktor Belash, Simon Karetnik, Fedir Shchus, Peter Arshinov, Volin (or, alternatively, a bunch of fictional characters – circumventing controversy and opening up the endgame as something where anything could happen)

Three stages of play: (1) set-up (semi-random determination of the size and borders of the ‘Free Territory’, plus the location of player power-bases); (2) the middle (bulk of the game, comprising of alternate phases of politiking, historical events, and random events); and (3) the end (determining which of the players escape the fall of the ‘Free Territory’, and with what).

If the game was to stick to history-as-it-happened, the game would run from January 1919 to November 1920. I’d rather have the game finish at a random end date, as the ‘Free Territory’ falls to one of its enemies. The end would be between – say – December 1919 and December 1923. If rounds were monthly, that’d give us a game of between 12 and 24 rounds. Does that sound manageable? Would monthly intervals give enough room for manouvre? Depends on how long a round is. "
Im Originalkontext auf Nostalgia for the future.

Juli 26, 2009

Die Woche des Väterchen Machno: Mongol Shuudan

Die russische Anarchopunk-Legende Mongol Shuudan mit dem Titel "Makhno" aus dem Film I wanted to see angels:

Juli 25, 2009

Die Woche des Väterchen Machno

Wenn Nestor Machno schon als Galionsfigur für diesen Blog herhalten muss (dies als Reminiszenz an den gedruckten Lëtzebuerger Anarchist, der bereits das gleiche Foto von Machno im Titel trug), obwohl er sich nicht mehr dagegen wehren kann, scheint es nur angemessen, dass Machno, der vor genau 75 Jahren, am 25. Juli 1934 im Pariser Exil starb, hier gebührend geehrt wird.
Zunächst sei auf das Portrait Ida Metts verwiesen, die Machno im Pariser Exil kennengelernt hat, und die auch die auf die unterschiedlichen Probleme eingeht, die sich bei der Bewertung der Persönlichkeit stellen.
Dann soll auch die postsowjetische Popikone Batko Machno nicht zu kurz kommen, so etwa in diesem Titel einer der erfolgreichsten russischen Bands der Gegenwart, Lyube:


Die Bilder aus einem alten sowjetischen Film haben, glaube ich, nichts mit Machno zu tun, spiegeln aber gut das in sowjetischen Filmen wiedergegebene Bild des Ukrainers wieder.

Juli 24, 2009

Zelayas illustrer Begleiter

Ausgerechnet Edén Pastora, der 1979 als Commandante Cero maßgeblich zum Sturz der Somoza-Diktatur in Nicaragua beitrug, jedoch ab 1981 die Waffen gegen seine ehemaligen sandinistischen Waffenbrüder erhob und Führer einer eigenen Contra-Truppe wurde, begleitet den geschassten honduranischen Präsidenten und kündigt schon mal an, dass das "Problem" in Honduras nur mit Waffengewalt gelöst werden kann.

Siehe auch:
http://www.nicaraguahoy.info/dir_cgi/topics.cgi?op=view_topic;cat=Opinion;id=57336

Juli 23, 2009

"We support freedom of the press...

...But, of course, the freedom of the press we support will be a freedom of the press that supports the revolution."

Schön, dass mal jemand von der über alle Parteigrenzen hinweg, allgemein akzeptierten Grossen Erzählung über die sandinistische Revolution in Nicaragua abweicht. Berichtete die westliche Presse zu Zeiten der "Systemauseinandersetzung" noch pflichtgemäß von Massakern an Miskito-Indianern und sonstigen Kriegsverbrechen der Sandinisten, so dominiert heute die Mär vom idealistischen Revolutionär und Demokraten Ortega, der sich vom Paulus zum Saulus entwickelt hat, und eine Autokratie über sein Land errichten will. Die traurige Wahrheit ist: der Ortega der achtziger Jahre war noch viel schlimmer. Aber besagte Massaker, Angriffe gegen Pressefreiheit und Streikrecht, und - gegen Ende des Regimes - der legalisierten Kleptokratie (La Piñata) seitens der sandinistischen Führung, passen heute nicht mehr ins Bild der "offiziellen" Geschichtsschreibung, und sind genauso in Vergessenheit geraten, wie im Einzelnen die Morde, Vergewaltigungen und Vertreibungen seitens der verschiedenen Contra-Gruppen (die gelten zwar immer noch als böse, aber in erster Linie deswegen, weil sie Geld und Waffen von den USA annahmen).
Da aber seltsamerweise viele Leute beim Anblick von uniformierten Männern mit Maschinengewehren und Fotos von "Märtyrern", zumal diese von einem kitschigen Lied über Volk und Vaterland begleitet werden, schwere Anfälle von Revolutionsromantik erleiden, macht sich die Erzählung vom gefallenen Engel Ortega wohl besser.

Juli 22, 2009

Hurra! Wir werden entlassen!

Kürzlich erregte sich die neu gegründete "Coordination des luttes anti-capitalistes" (CLAC) darüber, dass die Gewerkschaften einen Sozialplan nach dem anderen unterschreiben (die CLAC lebt nämlich offenbar im Irrglauben, wenn die Gewerkschaften nichts unterschreiben würden, würde auch niemand entlassen...). Zumindest bei den Banken scheinen die Lohnabhängigen dies aber anders zu sehen, wenn man dem Tageblatt von heute Glauben schenken darf:
"Zum Sozialplan [bei der von der italienischen Unicredit geschluckten HVB Luxemburg] selbst saft Giovanni Giallombardo: 'Es ist ein grosszügiger Sozialplan, der der Kultur der Unicredit-Gruppe entspricht.' Offensichtlich gab es auch mehr Mitarbeiter in der HVB, die ihn ihn nutzen wollten, als Plätze dafür zur Verfügung standen. Angelo Brizi: 'Es hat Fälle gegeben, in denen wir Kandidaten für den Sozialplan abgelehnt haben, weil sie für die Bank wichtig waren und wir sie behalten wollen."
Na, die werden fluchen, dabei hatten sie sich schon so sehr auf die Arbeitslosigkeit gefreut...


Sehr schön im gleichen Artikel auch noch folgende Aussage zur Präsenz Unicredits in Osteuropa: "Sorgen, dass dann Gelder der osteuropäischen Mafia-Gesellschaften über die Unicredit Luxemburg den Weg nach Luxemburg finden könnten. hat Brizi nicht. 'Kunden und Vermögen kommen über unser Netz in diesen Ländern.'" Und dass eine italienische Bank sich auf Geschäfte mit "Mafia-Gesellschaften" einlässt, wäre ja auch völlig abwegig.

Juli 21, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number 8 in a series)

Offensichtlich wird bei der Lektüre des Briefes an Danielson (siehe vorangegangene Abschnitte) nicht zuletzt auch, dass der alte Marx kein Freund des Papiergeldes ist - gemeint sind damit nicht Banknoten im Allgemeinen, sondern nicht durch ein Edelmetall (Gold, Silber) gedecktes Geld. So unterstreicht er dass sein "ehemaliger intelligenter Kritiker" Illarion Ignatjewitsch Kaufman (der liberale Petersburger Ökonom Kaufman hatte 1872 in einer russischsprachigen Kritik des ersten Bandes des Kapitals Marx' Buch, im Unterschied zu den anderen russischen Rezensenten, nicht als bloßen Angriff auf die unmenschlichen Verhältnisse im britischen Fabrikwesen aufgefasst, sondern als grundsätzliche Untersuchung des Transformationsproblems, das sich beim Übergang von einer Gesellschaftsform in eine anderen stellt), "alles andere als originell" sei, lobt jedoch dessen "Polemik gegen das Papiergeld" (die Theorie und Praxis des Bankgeschäftes Kaufmans ist meines Erachtens leider nur auf Russisch erschienen, so dass ich mangels Sprachkenntnisse nicht nachschauen kann, wie Kaufmans Polemik konkret ausschaut); MEW, 34, S.375.

Auch scheint ihm die Überlegenheit der USA gegenüber dem Zarenreich u.a. darin zu liegen, dass dort der Staat "vom Papiergeld losgekommen" ist, "wenn auch in höchst infamer Weise zum Vorteil der Gläubiger und auf Kosten des menu peuple", (vergleiche hierzu Murray Rothbard, A History of Money and Banking in the United States: The Colonial Era to World War II, Ausgabe 2002, S.156-159), während in Rußland "keine Fabrik so gut [geht] wie die Papiergeldfabrik"; MEW, 34, S.374.

In Marx' theoretischem Gerüst kommt ungedecktes Papiergeld hingegen eigentlich nicht vor. In seiner Darlegung der Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel in Kapital, Band 1, definiert Marx Papiergeld lediglich als Geld- oder Goldzeichen: "Sein Verhältnis zu den Warenwerten besteht nur darin, daß sie ideell in denselben Goldquantis ausgedrückt sind, welche vom Papier symbolisch sinnlich dargestellt werden. Nur sofern das Papiergeld Goldquanta repräsentiert, die, wie alle andren Warenquanta, auch Wertquanta, ist es Wertzeichen" (S.142 der Ausgabe Hamburg, 1890). Marx setzt dabei "der Vereinfachung halber, Gold als die Geldware voraus" (S.109). Die Geldware Gold hat dabei als Geld eine doppelte Funktion: einerseits ist es "Maßstab der Preise", andererseits dient es als "Maß der Werte". Maß der Werte kann es laut Marx nur deshalb sein, "weil es selbst Arbeitsprodukt, also der Möglichkeit nach ein veränderlicher Wert ist" (S.113). Hier würde also der "Geldwert" ebenfalls die in ihm enthaltene "gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit" beinhalten; die Variationen dieser würden den "Wert" des Goldes bzw. Geldes bestimmen, der zugleich als Wertmesser gegenüber allen anderen Waren dient: steigt der Wert der Geldware an, bei gleichbleibenden Warenwerten, würden die Preise folglich fallen und umgekehrt. Inflation und Deflation erscheinen so bei Marx letztendlich als Folge der Schwankungen des Wertes des Goldes als "Arbeitsprodukt". Die zur Verfügung stehende Quantität, d.h. die Geldmenge, spielt dabei für Marx, im krassen Gegensatz zur klassischen politischen Ökonomie oder auch zu Milton Friedman, keine Rolle, im Gegenteil: "Preise sind also nicht hoch oder niedrig, weil mehr oder weniger Geld umläuft, sondern es läuft mehr oder weniger Geld um, weil die Preise hoch oder niedrig sind" (Zur Kritik der politischen Ökonomie. Einleitung, MEW, 13, S.86).

Nun kann man sich fragen, wie der Wert des Geldes, der als Maß aller anderen Werte fungieren soll, bei Marx "konstituiert" werden soll. An einer anderen Stelle von Kapital Band I schreibt Marx über das Messen des Wertes folgendes: "Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen 'wertbildenden Substanz', der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw." (S.53). Es folgt die Unterscheidung zwischen konkreter individueller Verausgabung und abstrakter Arbeit: nicht die reale Zeit, die der einzelne Arbeiter bei der Produktion einer Ware vertrödelt,wird betrachtet, sondern das "Quantum" der "gesamtgesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit" zur Herstellung der Ware. Man kann hieraus zwei Schlussfolgerungen ziehen:
1) der Wert des Goldes als Geldware wird bestimmt durch die zu seiner Gewinnung aufgebrachten gesamtgesellschaftlichen Arbeitszeit (idem für nicht durch Edelmetall gedecktes Papiergeld?)
2) da Geld als Maß der Werte fungiert, und Marx zugleich schreibt, dass die Grösse des Werts durch das Quantum der in ihm enthaltenen Substanz, der Arbeit, gemessen wird, kann man schliessen - nein, nicht dass Geld = Arbeit ist - dass sich dieses Quantum Arbeit notwendigerweise in Geldform ausdrückt.

So sind wir, in verkürzter Form, bei der Lektüre von Marx als einem Vertreter einer "monetären Werttheorie" angekommen, wie sie ausgehend von Hans-Georg Backhaus' "Dialektik der Wertform" aus von einem Kreis deutscher marxistischer Akademiker vertreten wird, die "ihren" Marx retten wollen, und zwar nicht nur wegen der vernichtenden Kritik der "bürgerlichen Ökonomisten" an der Marxschen "Arbeitswertlehre" (die er für die "Monetaristen" unter den Marxisten eben nicht vertreten hat), sondern auf Grund der Tatsache, dass der real existierende Kapitalismus mittlerweile ohne jegliche Geldware auskommt, wie Ingo Stützle treffend schreibt: "Aber die Marxsche Werttheorie ist nicht nur 'klassischer' Kritik ausgesetzt (u.a. Böhm-Bawerk 1896), sondern ist auch mit der konkret-empirischen Verfasstheit kapitalistischer Ökonomie konfrontiert. So dominiert in westlichen Industrienationen ein auf keinem Goldstandard mehr beruhendes Geldsystem. Eine für viele MarxistInnen beunruhigende Tatsache, ging doch Marx in seiner Theorie von einer Geldware aus."

Heute flutscht die Papiergeldfabrik nicht mehr nur im Zarenreich. Dass Marx sowas ähnliches 1848 selber vorschlug - zumindest trug das Flugblatt Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland auch seine Unterschrift - nämlich die stufenweise Ablösung der Edelmetalle durch die Herausgabe eines gesetzlichen definierten Papiergeldes durch eine zentrale Staatsbank, finde ich allerdings bei keinem der "Monetaristen" behandelt. Dabei wäre es eine Untersuchung wert, wie Marx von einer Forderung wie der folgenden zu seiner späteren Ablehnung des Papiergeldes gekommen ist:
"An die Stelle aller Privatbanken tritt eine Staatsbank, deren Papier gesetzlichen Kurs hat.Diese Maßregel macht es möglich, das Kreditwesen im Interesse des ganzen Volkes zu regeln und untergräbt damit die Herrschaft der großen Geldmänner. Indem sie nach und nach Papiergeld an die Stelle von Gold und Silber setzt, verwohlfeilert sie das unentbehrliche Instrument des bürgerlichen Verkehrs, das allgemeine Tauschmittel, und erlaubt, das Gold und Silber nach außen hinwirken zu lassen. Diese Maßregel ist schließlich notwendig, um die Interessen der konservativen Bourgeois an die Revolution zu knüpfen [!]."

Juli 18, 2009

Live on Playboy After Dark (3)

Steppenwolf - Monster / Sookie Sookie


Juli 16, 2009

Gelungene Titelwahl

"Eine unbequeme Wahrheit" überschreibt das Luxemburger Wort heute ihren Bericht über die Vorschläge des Unternehmerverbands UEL zur "langfristigen Sicherung des Rentensystems". Eine überaus passende Anlehnung an Al Gores Film, da genau wie bei Gore Rechenmodelle, die versuchen mögliche Projektionen über eine mögliche Entwicklung zu liefern, als unanfechtbare Tatsachen, eben als DIE "Wahrheit" dargestellt werden. Dabei ist in beiden Fällen die Anzahl der Variablen, auf denen das Rechenmodell beruht, sehr hoch. Im Fall des Rentensystems wird u.a. ein durchschnittliches Anwachsen der Arbeitskraft um 0,5%, eine durchschnittliche Steigerung der Produktivität um 1,7%, ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 2,2% und eine Fruchtbarkeitsquote von 1,7 Kindern pro Frau vorausgesetzt; zugleich wird von allen möglichen Erschütterungen (im positiven wie im negativen) des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ökologischen, technologischen, wissenschaftlichen Status quo abgesehen.

Letztlich dienen diese Modelle, an das schwammige Schlagwort der "Generationengerechtigkeit" geheftet, zum Durchsetzen einer Verzichtsrhetorik: um die Dauerhaftigkeit des Systems zu garantieren, muss die heutige Generation zurückstecken - die UEL fordert die Anpassung der Renten an den Preisindex gleich fünfmal auszusetzen, egal wie die Entwicklung der Inflation aussehen mag; bei hoher Inflation also eine recht drastische Rentenkürzung -, damit der nächsten Generation mehr bleibt. Da es auch in Zukunft kommende Generationen geben wird, kann man das Argument bis ad aeternam wieder aus der Schubladen ziehen. Generationengerecht und gottgefällig ist also, wenn jede Generation auf ein Neues Verzichtsarbeit leistet.


P.S. Noch so eine unbequeme Wahrheit:

James Hansens Prognosen aus dem Jahr 1988 - und die reale Temperaturentwicklung (via Watt's up with that)

Juli 14, 2009

Schock! Messias säuft!


Und das auch noch in Anwesenheit eines kleinen Kindes!

Juli 11, 2009

Live on Playboy After Dark (2)

Canned Heat - Turpentine Moan / On the road again

Juli 10, 2009

Blogroll Honduras

Ich habe bereits am letzten Wochenende die honduranische Blogosphäre durchforstet, aber davon abgesehen meine Linkzusammenstellung hier zu posten. Da das Thema aber mittlerweile in den Medien schon wieder soweit "durch" ist, ist es vielleicht doch interessant auf Quellen aus erster Hand zurück zu greifen. Das Bild, das sich bietet, ist das eines tief gespaltenes Land - die meisten Blogs, die ich gefunden habe, schienen eher früh darüber, zu sein dass Zelaya, der quasi als angehender Diktator geschildert wird, erst mal weg vom Fenster ist, während die Pro-Zelaya-Blogs ausführlich über die Repression und Gewalt seitens der "Ordnungskräfte" berichten.

Pro-Zelaya

http://hondurasresistencia.blogspot.com/ (spanisch)

http://aliveinhonduras.org/ (spanglish)

http://porhonduraslibre.blogspot.com/ (spanisch)

http://hibueras.blogspot.com/ (spanisch)

http://redeshn.com/ (spanisch)

http://honduras.redeshn.com/ (spanisch)

Addendum: http://pst-secuenciadelgolpe.blogspot.com/ (spanisch)


Anti-Zelaya

http://lagringasblogicito.blogspot.com/ (englisch; US-Amerikanerin vor Ort)

http://blog.aeortiz.com/ (englisch)

http://hondurasliving.blogspot.com/ (englisch)

http://borninhonduras.blogspot.com/ (englisch)

http://laurieishere.blogspot.com/ (englisch)

http://bloglectores.hondublogs.com/ (spanisch)

http://elcatracho.blogspot.com/ (spanisch)

http://elinvestigador.blogspot.com/ (spanisch, seit Januar nicht mehr aktiv)


Vor allem über Vögel, auch Anti-Zelaya:

http://www.hondubirding.wordpress.com/ (spanglish)

Mühsam

Aus gegebenem Anlass hier ein Auszug aus Mühsams Ascona (1905) über deutsche Arbeiterbewegung und Vegetarier:

"Wenn etwas typisch ist für den Charakter einer Bevölkerung, so ist es ihre Arbeiterbewegung; und wer als vorwärtsdrängender Kritiker das kennengelernt hat, was in Deutschland unter dem Namen Arbeiter-'bewegung' stagniert, dessen Laune müßte eitel Zuckerwerk sein, wollte er dem deutschen Volkscharakter gegenüber liebenswürdig bleiben.

Ich für meine Person habe zu lange im Kampfe für die Befreiung der Arbeiterschaft und für den Sozialismus dem feindlich gegenübergestanden, was in Deutschland Arbeiterbewegung heißt, um dem Charakter der großen Volksmasse in Deutschland, der ganz und gar dem Charakter des Besitzmobs entspricht, die geringste Sympathie entgegenbringen zu können. Und wenn ich angesichts des wahlbeflissenen Proletariats, das das Seinige getan zu haben wähnt, wenn es 3.000.000 sozialdemokratische Stimmen ins behördlich sanktionierte Closet zerrt, nicht lache, bis ich mir den Bauch halte, wie es einige kluge Individualisten tun, sondern mit Zornesworten weiterkämpfe für die Arbeiter - und gegen ihre Führer, so mag das wohl das Rudiment eines atavistischen Nationalbewußtseins sein, das mich selbst für die Deutschen noch auf die Stunde revolutionärer Selbsterkenntnis hoffen läßt ...

... An dieser Stelle mag die Wiedergabe eines Liedes am Platze sein, das mir jüngst in einer verbrecherischen Stunde entfuhr und das den Vegetarier als Sammelbegriff vielleicht besser illustriert als eine weitschweifige Charakteristik.

Der Gesang der Vegetarier

Ein alkoholfreies Trinklied

(Melodie Immer langsam voran)

Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.
Auch Früchte gehören zu unsrer Diät.
Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.

Wir sonnen den Leib, ja wir sonnen den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.
Doch manchmal paddeln wir auch im Teich,
Das kräftigt den Körper und wäscht ihn zugleich
Wir sonnen den Leib und wir baden den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.

Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
Und die Milch und die Eier und lieben keusch.
Die Leichenfresser sind dumm und roh,
Das Schweinevieh - das ist ebenso.
Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
Und die Milch und die Eier und lieben keusch.

Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.
Gemüse und Früchte sind flüssig genug,
Drum trinken wir nichts und sind doch sehr klug,
Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.

Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut das scheußliche Sündenpack.
Wir setzen uns lieber auf das Gesäß
Und leben gesund und naturgemäß.
Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut nur das scheußliche Sündenpack.

Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.
Und schimpft ihr den Vegetarier einen Tropf,
So schmeißen wir euch eine Walnuß an den Kopf.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat."

Mehr zu Erich Mühsam findet man zum Beispiel auf der Webseite der Erich-Mühsam-Gesellschaft.

Juli 08, 2009

Schock! Nicht mal Papst kann Weltwirtschaftskrise beheben!

Wenn man in der heutigen taz die deutschen Reaktionen zur päpstlichen Enzyklika Caritas in veritate liest, kann man nur staunen. Offenbar musste der Papst dem Anspruch Genüge tun, die Weltwirtschaftskrise im Alleingang zu lösen:
"Der religionspolitische Sprecher der 'Linken'-Bundestagsfraktion, Bodo Ramelow, begrüßte zwar die 'klare Äußerung' des Papstes: 'Leider bleibt die Enzyklika in Fragen konkreter Maßnahmen hinter den Erwartungen zurück.' CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Enzyklika mache deutlich, dass unternehmerische Freiheit und Initiative so wichtig seien wie soziale Verantwortung und die Ausrichtung der Wirtschaft an den Interessen von Mensch und Umwelt. Bernhard Emunds, Professor für Christliche Gesellschaftsethik der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen bei Frankfurt (Main), kritisierte, längst überfällige und erwartete Aussagen zum Klimawandel finde man in dem Text fast gar nicht. Auch die Aussagen zu Ursachen und Lösungschancen für die Finanzkrise hätten eine zu starke 'individualistische Schlagseite' [sic!]. Die Ideen zur Regulierung der Finanzkrise wirkten 'hilflos'. Auch der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach sagte: 'Gerade die Probleme der Finanzmärkte sind ziemlich schwach und blass dargestellt. Es gibt keine konkreten Anweisungen oder konkrete Orientierungen, wie sie gelöst werden sollen.' "

Währenddessen beschließt das Möchtegern-Zentralkomitee des Weltkapitalismus, dessen Beschlüsse sich bis dahin vor allem dadurch auszeichneten, rein gar keine Folgen gehabt zu haben, in einem Anfall von Hybris, dass die Weltdurchschnittstemperatur bis 2050 oder so herum um maximal 2 Grad Celsius zu steigen hat. Ob das real existierende Klima sich an diesen epochemachenden Beschluss hält, ist zwar mehr als fraglich, jedoch ist die Weltöffentlichkeit erstmal happy über dieses "wichtige Signal", obwohl auch in diesem Zusammenhang natürlich mehr "konkrete Anweisungen" gewünscht werden.

Berichtigung [10.7.09]: Nicht bis 2050 sondern bis Ende des Jahrhunderts soll's 2 Grad wärmer werden, und zwar nicht im Vergleich zu heute, sondern zum "vorindustriellen Zeitalter". Siehe hierzu auch Maxeiner und Miersch in Springers Welt.

Juli 07, 2009

Juli 05, 2009

Live on Playboy After Dark (1)

Fleetwood Mac - Rattlesnake Shake


Juli 04, 2009

"Our skin is every color and our faith is every creed"

Michael O'Donoghue - Don't tread on me


Juli 02, 2009

Einige Gedanken zum Putsch in Honduras

Bereits vor ein paar Tagen hat sich der venezuelanische Blogger Miguel auf The Devil's Excrement gewundert, wieso sich die ganze Welt nach dem Umsturz in Honduras auf die Seite des geschassten Präsidenten Zelaya stellt (die UNO hat seitdem einstimmig für das Wiedereinsetzen Zelayas gestimmt). Alle Beteiligten, Militär, Oberster Gerichtshof, Parlament, haben sich zumindest formal an alle demokratisch-rechtsstaatlichen Regeln gehalten; es war im Gegensatz Zelaya selber, der sich über die Verfassung gestellt hat, indem er - gegen die überwältigende Mehrheit im Parlament, gegen eine Entscheidung des obersten Verfassungsgerichts, gegen seine eigene liberale Partei - sich per Referendum eine oder mehrere weitere Amtszeiten sichern wollte (gerade aufgrund der Erfahrungen aus der wenig demokratischen Vergangenheit des Landes ist die Mandatsperiode in Honduras sehr strikt auf eine Amtsperiode beschränkt). Kann man also sogar sagen, die Institutionen des Landes hätten eine mögliche Diktatur Zelayas verhindert?
Zugleich ist die Art der Absetzung allerdings nicht gerade dazu geeignet, Vertrauen in die neue Regierung zu wecken: allzusehr erinnerte die Vorgehensweise an Militärputschs früherer Zeiten. Gezieltes Verbreiten von Desinformationen (z.B. wurde offenbar gemeldet, Zelaya hätte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt), nächtliche Ausgangssperren, Verhaftung von Gewerkschaftsfunktionären, Einschränkungen der Demonstrations-freiheit, das "vorübergehende" Aussetzen von verfassungsmässig garantierten Freiheiten trüben das demokratische Bild. Jedoch legt die Weltöffentlichkeit den Schwerpunkt weniger auf die Verurteilung dieser Angriffe gegen die bestehenden individuellen Freiheiten, als vielmehr auf die Person Zelayas, der gegen den Willen sämtlicher staatlicher Institutionen und seiner eigenen Partei, eventuell sogar gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung (der Generalstreikaufruf der Gewerkschaften ist laut der taz von heute lediglich von der Lehrerschaft gefolgt worden, nicht von den Arbeitern; zugleich gab es grössere Demonstrationen gegen eine Rückkehr Zelayas) zurück ins Amt gehievt werden soll.
Für den Editorialisten des liberalen Journal von heute hat "das Volk" von Honduras mit Zelaya seinen einzigen Fürsprecher verloren. In gewisser Weise zeigt diese Fokussierung auf eine "Lichtgestalt" (inwiefern der Grossgrundbesitzer Zelaya, der aus einem auf "Law and Order"-fokussierten Wahlkampf siegreich hervorging, überhaupt als solche dienen kann, sei dahingestellt) das Weiterbestehen eines vordemokratischen, absolutistischen Politikverständnisses. Nicht nur dass man aus einer blossen Stimmmehrheit anlässlich einer Wahl das Recht Herrschaft über andere auszuüben ableitet, nein, für viele begründet die "Volkssouveränität" offenbar das Recht sich über den verfassungsmässigen Rahmen, in dem man sich bewegt, hinwegzusetzen; siehe z.B. die häufig von "antiimperialistischen Linken" zu hörende rhetorische Fragestellung zum Iran: "und wenn Ahmadinedschad doch gewonnen hat?" - als würde ein Wahlsieg Ahmadinedschads Verhaftungen, Folter und Morde rechtfertigen.

Persepolis 2.0

Die Auseinandersetzungen im Iran, illustriert mit Bildern aus Marjane Satrapis Persepolis:

Juni 30, 2009

Arme Unternehmer!

Wieder mal lustiges aus dem Wirtschaftsteil des Luxemburger Wort: Deloitte und die Fiducaire Générale de Luxembourg leisten ihren "Beitrag, anderen in der Krise zu helfen", indem sie den notleidenden und überforderten Unternehmern helfen, staatliche Subventionen an Land zu ziehen, von deren Existenz die Unternehmer wohl noch nichts wussten:
"Tatsächlich gibt es derzeit 67 [!] Programme, von denen kleine und mittlere Unternehmen profitieren können. Die Facette reicht von Investitionshilfen über Mittel für die Umwelt, Forschung, Weiterbildung, Übernahme und Erhalt der Arbeitsplätze. Hinzu kommt noch das seit Mai gültige Konjunktur-Paket. Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es immer noch die "Aide de minimis", die bis zu 200000 Euro betragen kann. 'Für ein kleines Unternehmen ist der Zeitaufwand für die Prüfung all dieser Mittel viel zu groß' weiß Meyers [Wirtschaftsprüfer der Fiduciaire Générale] aus Erfahrung.".
Seltsam also, dass die Unternehmerverbände, die sonst so auf Bürokratieabbau und Sanierung der Staatsfinanzen pochen, nicht den Dickicht des "Förder-Dschungels" ein wenig lichten wollen, sondern sich demnächst am liebsten dafür bezahlen lassen wollen, dass sie überhaupt neue Leute einstellen (die sogenannten Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, bei denen der staatliche Beschäftigungsfonds die Hälfte beilegt, sprechen ja schon eine deutliche Sprache).

Juni 28, 2009

Aus der Rubrik: es war nicht alles schlecht

Feeling B - Lied von der unruhevollen Jugend

Juni 27, 2009

Dies und das

Heute nur ein paar lesenswerte Links aus der schönen, weiten Welt des Internets:
- Roderick T. Long und Daniel zum Medien-Overkill anlässlich des Todes von Michael Jackson.
- Eine (bislang) vier Teile umfassende individualanarchistische Kritik am Anarchokommunismus von Ken Knudson bringt Wendy McElroy: Teil 1, 2, 3, 4.
- JayJay berichtet über die gestrige Demo an der Gëlle Fra.
-Thomas Eppinger über Jubelperser.
- Ein Interview mit den Machern von El Libertario auf Infoshop.

Update: Teil 5 und Teil 6 der Polemik von Knudson.

Juni 25, 2009

Faule Kredite sollen den Mittelstand retten

In den letzten Tagen wurde die Gründung der "Northstar Europe S.A." als Joint-Venture des kanadischen "Finanzdienstleister" Northstar Trade Finance, der staatlichen Investitionsbank SNCI und dem ebenfalls staatlichen Kreditversicherer Office du Ducroire quer durch den luxemburger Blätterwald als wirksame Hilfe für die schwer gebeutelten, exportorientierten mittelständischen Unternehmen Europas im Allgemeinen und Luxemburgs im Besonderen gefeiert. Das Luxemburger Wort vom 20. Juni 2009 berichtet ausführlicher über die Vorgehensweise der neuen Gesellschaft:
"Ein Luxemburger Unternehmen will einer ägyptischen Firma eine Maschine verkaufen, [hier fehlt offensichtlich ein: diese] hat aber nicht genügend Geld. Das benötigte Kapital leihen sich die Ägypter bei Northstar Europe, das den luxemburgischen Exporteur bezahlt. Northstar leiht sich das Geld bei Banken, die den Kredit über den SNCI refinanzieren können. Versichert wird der Kredit beim Ducroire, das sich wiederum selbst rückversichert."
D.h. ganz nach dem Modell des berüchtigten Derivate-Handels setzt Northstar keinerlei eigenes Kapital ein, sondern verkauft bloss Kredite weiter, die er woanders aufgenommen hat, und die noch dazu vom Staat refinanziert werden sollen. Dabei bietet die öffentliche Hand gleich eine doppelte Absicherung, da sie neben der Refinanzierung gegenüber den Banken zugleich auch noch die Versicherung beim Zahlungsausfall zu leisten hat. Dem Luxemburger Unternehmen kann es also in letzter Instanz egal sein, ob sein ägyptischer Kunde zahlungsfähig ist, da der Luxemburger Staat ja sowieso einspringen wird. Dies lädt natürlich geradezu dazu ein, von vornherein völlig überhöhte Preise zu verlangen. Der Ägypter wiederum wird dadurch gezwungen, sich zu verschulden. Falls die Rückzahlung inklusive Zins und Zinseszins dann ausbleibt (das Office du Ducroire hat gerade erst über die "mangelnde Zahlungsmoral" seit Ausbruch der Krise geklagt), häufen sich bei den Banken, bei denen Northstar Kunde ist, die faulen Kredite (für die in letzter Instanz der Steuerzahler einzuspringen hat). Über die Gewinnmarge von Northstar bei der ganzen Chose schweigt sich das Luxemburger Wort wohlweislich aus.

Juni 24, 2009

Demo am Freitag

Die ASTI und die iranische Gemeinschaft in Luxemburg rufen zu einer Solidaritätsdemo mit der Demokratiebewegung im Iran auf. Stattfinden soll das Ganze am 26. Juni von 12 bis 14 Uhr an der Gëlle Fra.

Juni 23, 2009

Verantwortlicher für die Krise endlich gefunden

Ausgerechnet der keynesianische Vorzeigeökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman ist an allem Schuld, wie Lew Rockwell kürzlich enthüllt hat. Krugman hatte 2002 in einem Kommentar in der New York Times Alan Greenspan ans Herz gelegt, eine Immobilienblase als Gegengift zur Dot-com-Blase zu inszenieren:
"The basic point is that the recession of 2001 wasn't a typical postwar slump, brought on when an inflation-fighting Fed raises interest rates and easily ended by a snapback in housing and consumer spending when the Fed brings rates back down again. This was a prewar-style recession, a morning after brought on by irrational exuberance. To fight this recession the Fed needs more than a snapback; it needs soaring household spending to offset moribund business investment. And to do that, as Paul McCulley of Pimco put it, Alan Greenspan needs to create a housing bubble to replace the Nasdaq bubble."
Mehr darüber hier.

Juni 21, 2009

The times they are a-changin'

Ein Auftritt, wie er heute nicht mehr möglich wäre: das Golden Gate Quartet live im Blauen Bock 1977.

Geradezu ein Sinnbild für den Spagat der Bonner Republik, der alten BRD, zwischen Verwestlichung bzw. Amerikanisierung einerseits, und Muff von tausend Jahren andererseits.

Als Bonus noch ein Titel des Golden Gate Quartet von 1943, der bereits vier Jahre später nicht mehr politically correct war:

Juni 18, 2009

Von einer Theokratie zur nächsten

Während die iranische Theokratie gerade zwischen ihren inneren Widersprüchen zerrieben zu werden scheint (mal schauen wie's ausgeht), befindet sich eine andere Theokratie erst an ihrem Anfang.
Aber der neue Messias ist offenbar noch nicht ganz unfehlbar.

Juni 16, 2009

Live from Teheran

Hier nur ein paar Links zu Blogs direkt aus dem Iran bzw. von Iranern:
Revolutionary Road
Rotten Gods
Alireza ab
Iranian Woman
Global Voices: Iran

Die luxemburger "Blogosphere" scheinen die Geschehnisse ja kalt zu lassen, abgesehen vom Solidaritätsaufruf von ck auf L for Liberty. Geradezu gar nichts findet man bei Anarchisten und Libertären. Vielleicht liegt es daran dass es keine wirklich aktive libertäre Organisation im Iran zu geben scheint, wenn man linke Blogs wie La Bataille Socialiste, SB News und Entdinglichung vergleicht, die alle seit langem mit den iranischen Arbeiterkommunisten sympathisieren und in den letzten Tagen die Ereignisse im Iran zum Schwerpunkt der Blogaktivität gemacht haben.

Juni 15, 2009

30 Jahre Islamische Republik in 7 Minuten

Tarikhe Ma - Our History
(mit handlicher englischer Übersetzung. Vermutlich in der Nähe der "Volksmudschahidin" angesiedelt; weiß jemand mehr?)


Das "El pueblo unido..."-Sample in Verbindung mit Linkin Park, na, das hat doch mal was.

Juni 10, 2009

Kraken und Anti-Kraken

Angesichts der rezenten Debatte hier in Luxemburg über eine Hausbesetzung in Clausen vielleicht von Interesse: das holländische Modell des Kraken, sowie des Anti-Kraken, das allerdings kurz vor der Abschaffung steht:

Juni 04, 2009