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März 06, 2013

Christoph Hackenberg liest Max Stirner

Schönes Video, entdeckt bei Ars Libertatis:

Auch gefallen auf dem gleichen Blog hat mir das unerwartete Plädoyer für eine traditionalistische katholische Kirche: http://arslibertatis.com/aus-gruenden-der-vielfalt-fuer-eine-traditionalistische-katholische-kirche/

Januar 27, 2012

237 Jahre Friedrich Wilhelm Joseph Schelling

§9. Das Ich läßt sich anders nicht, als bloß insofern es unbedingt ist, bestimmen, denn es ist bloß durch seine Unbedingtheit, bloß dadurch, daß es schlechterdings nicht zum Ding werden kann, Ich. Es ist also erschöpft, wenn seine Unbedingtheit erschöpft ist. Denn, da es bloß durch seine Unbedingtheit ist, so würde es eben dadurch aufgehoben, wenn irgend ein von ihm denkbares Prädikat anders als durch eine Unbedingtheit denkbar wäre, also dieser entweder widerspräche, oder noch irgend etwas Höheres, in dem sie beide, das Unbedingte und das vorausgesetzte Prädikat, vereinigt wären, voraussetzte.
Das Wesen des Ichs ist Freiheit, d.h. es ist nicht anders denkbar, denn nur insofern es aus absoluter Selbstmacht sich, nicht als irgend Etwas, sondern als bloßes Ich setzt. Diese Freiheit läßt sich positiv bestimmen, denn wir wollen keinem Ding an sich, sondern dem reinen, durch sich selbst gesetzten, sich allein gegenwärtigen, alles Nicht-Ich ausschließenden Ich Freiheit zuschreiben. Dem Ich kommt keine objektive Freiheit zu, weil es gar kein Objekt ist; sowie wir das Ich als Objekt bestimmen wollen, zieht es sich in die beschränkteste Sphäre und unter die Bedingungen der Wechselbestimmung zurück – seine Freiheit und Selbständigkeit verschwindet. Objekt ist nur durch Objekt, und nur insofern, als es an Bedingungen gefesselt ist, möglich – Freiheit ist nur durch sich selbst, und umfaßt das Unendliche.
Wir sind also in Ansehung objektiver Freiheiten nicht unwissender, als wir es in Rücksicht auf jeden Begriff sind, der sich selbst widerspricht. Unfähigkeit aber, einen Widerspruch zu denken, ist keine Unwissenheit. Jene Freiheit des Ichs läßt sich also auch positiv bestimmen. Sie ist für das Ich nichts mehr und nichts weniger, als unbedingtes Setzen aller Realität in sich selbst durch absolute Selbstmacht. – Negativ bestimmbar ist sie als gänzliche Unabhängigkeit, ja sogar als gänzliche Unverträglichkeit mit allem Nicht-Ich. Ihr verlangt, daß ihr euch dieser Freiheit bewußt seid? Aber bedenkt ihr auch, daß erst durch sie all euer Bewußtsein möglich ist und daß die Bedingung nicht im Bedingten enthalten sein kann? Bedenkt ihr überhaupt, daß das Ich, insofern es im Bewußtsein vorkommt, nicht mehr reines absolutes Ich ist, daß es für das absolute Ich überall kein Objekt geben, und daß es also noch viel weniger selbst Objekt werden kann? – Selbstbewußtsein setzt die Gefahr voraus, das Ich zu verlieren. Es ist kein freier Akt des Unwandelbaren, sondern ein abgedrungenes Streben des wandelbaren Ichs, das, durch Nicht-Ich bedingt, seine Identität zu retten und im fortreißenden Strom des Wechsels sich selbst wieder zu ergreifen strebt[...]; (oder fühlt ihr euch wirklich frei beim Selbstbewußtsein?). Aber jenes Streben des empirischen Ichs, und das daraus hervorgehende Bewußtsein wäre selbst ohne Freiheit des absoluten Ichs nicht möglich, und die absolute Freiheit ist als Bedingung der Vorstellung ebenso notwendig, wie als Bedingung der Handlung. Denn euer empirisches Ich würde niemals streben, seine Identität zu retten, wenn nicht das absolute ursprünglich durch sich selbst aus absoluter Macht als reine Identität gesetzt wäre.
Wollt ihr diese Freiheit als eine objektive erreichen, so schlägt euch dies immer fehl, ihr mögt sie dadurch begreifen oder widerlegen wollen; denn eben darin besteht sie, daß sie alles Nicht-Ich schlechthin ausschließt.
Das Ich kann durch keinen bloßen Begriff gegeben sein. Denn Begriffe sind nur in der Sphäre des Bedingten, nur von Objekten möglich. Wäre das Ich ein Begriff, so müßte es etwas Höheres geben, in dem er seine Einheit – etwas Niedereres, in dem er seine Vielheit erhalten hätte, kurz: das Ich wäre durchgängig bedingt. Mithin kann das Ich nur in einer Anschauung bestimmt sein. Aber das Ich ist nur dadurch Ich, daß es niemals Objekt werden kann, mithin kann es in keiner sinnlichen Anschauung, also nur in einer solchen, die gar kein Objekt anschaut, gar nicht sinnlich ist, d.h. in einer intellektualen Anschauung bestimmbar sein. – Wo Objekt ist, da ist sinnliche Anschauung, und umgekehrt. Wo also kein Objekt ist, d.i. im absoluten Ich, da ist keine sinnliche Anschauung, also entweder gar keine, oder intellektuale Anschauung. Das Ich also ist für sich selbst als bloßes Ich in intellektualer Anschauung bestimmt.
Ich weiß es recht gut, daß Kant alle intellektuale Anschauung geleugnet hat; aber ich weiß auch, wo er dies getan hat, in einer Untersuchung, die das absolute Ich überall nur voraussetzt, und aus vorausgesetzten höheren Prinzipien nur das empirisch-bedingte Ich, und das Nicht-Ich in der Synthesis mit dem Ich, bestimmt. Ich weiß es ebenso, daß diese intellektuale Anschauung, sobald man sie der sinnlichen verähnlichen will, durchaus unbegreiflich sein muß, daß sie überdies ebensowenig als die absolute Freiheit im Bewußtsein vorkommen kann, da Bewußtsein Objekt voraussetzt, intellektuale Anschauung aber nur dadurch möglich ist, daß sie gar kein Objekt hat. Der Versuch also, sie aus dem Bewußtsein zu widerlegen, muß ebenso sicher fehlschlagen, als der Versuch, ihr durch dasselbe objektive Realität zu geben, was nichts anderes hieße, als sie schlechterdings aufheben.
Das Ich ist nur durch seine Freiheit, mithin muß alles, was wir vom reinen Ich aussagen, durch seine Freiheit bestimmt sein.
Aus: F.W.J. Schelling, "Vom Ich als Prinzip der Philosophie" [1795], Werke, Band 1, Leipzig, 1907, S.31-34.

Februar 24, 2011

Im Zelt mit Gaddafi

Der Tagesspiegel bringt eine Bilderstrecke mit Gaddafi und Gästen: "Im Zelt mit Gaddafi".
Um ein Haar hätte mich dieses Schicksal im Jahre 2000 auch ereilt, ich habe es dann aber doch vorgezogen, zu Hause zu bleiben...

Mai 11, 2010

Nach Berlin!

Und wenn ich zurück bin, folgt der lang erwartete Abschluss der Disco Cosmopolis-Reihe...

Juli 31, 2009

Die Woche des Väterchen Machno: Persönliche Anmerkungen

Wieso eigentlich Machno?
Machno hat ja nun eigentlich keine individualistischen oder "linkslibertären" Positionen vertreten, sondern sich, im Gegensatz zu mir, explizit als "Kommunist" verstanden. Allerdings beschränkte sich der "Kommunismus" Machnos auf die - freiwillige - Sozialisierung des Bodens; das System der Landkommunen und durch Arbeiterkooperativen selbstverwaltete Fabriken, die untereinander Tauschwirtschaft betreiben, lässt sich durchaus mit mutualistischen oder voluntaristischen Ansichten vereinbaren. Auch von Machno hochgehaltene Prinzipien wie Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Initiative und Kreativität erinnern nicht unbedingt an das, was der Individualist oder "Marktanarchist" gemeinhin unter "Kommunismus" versteht.

Mit der Organisationsplattform von Machno und Arschinow, letztlich der Versuch das Programm einer anarchistischen bzw. libertärkommunistischen Partei (im politischen Sinn des Wortes) aufzustellen, konnte ich allerdings auch schon in jüngeren Jahren nichts anfangen, als ich regelrecht alles über die Machnowstischina in mich hineinfrass: die Geschichte der Machno-Bewegung von Arschinow, die (Machno eigentlich nicht ganz so wohlgesonnene) Unbekannte Revolution Volins, die Machno-Hagiographie von Alexander Skirda, ein dünner französischer Band mit (nicht sonderlich spannenden) Schriften Machnos selber, bis hin zu obskuren anarchistischen Broschüren über "Machno und die Judenfrage". Ein Fall von jugendlicher Revolutionsromantik meinerseits?

Vielleicht eher von Wildwest-Romantik. Tatsächlich scheint mir Machno als Figur der volkstümlichen Mythologie Osteuropas - abgesehen von der Adoption Machnos durch ukrainisch-nationalistische Kreise, dies obwohl Machno kein Wort Ukrainisch sprach und der Machnowist Shalom Schwartzbard den historischen Führer der ukrainischen Nationalisten Simon Petliura ermordet hat - eher an den Mythos von Jesse James (wohlverstanden nicht der reale Jesse James, der wohl, nach allem was man weiss, ein ganz gewöhnlicher Krimineller war), an einen "Rächer der Enterbten" im Stile eines Zorro oder Robin Hood, als einen Ernesto "Che" Guevara zu erinnern. Nicht revolutionäre Volksmassen stehen im Mittelpunkt der Verbildlichung der Machnowstschina, sondern wilde, freie Reiter, die durch die Weite der Steppe rasen. So symbolisiert Machno einerseits eben die mit dieser Weite in Verbindung gebrachte Freiheit, das freie Leben der Kosaken, andererseits den Freiheitskämpfer, der, im Unterschied zu allen anderen maßgeblichen Protagonisten des russischen Bürgerkriegs, nicht nach Übernahme der Macht strebt, sondern nach siegreicher Beendung des Krieges und Eroberung der Freiheit zu einem einfachen Leben als Bauer zurückkehren will.

Zugleich ist die historische Erfahrung der Machnowstschina auch eine Mahnung: wie Machno selber einmal eingesteht, ist eine Armee wohl die schlechteste Grundlage für den Aufbau einer libertären Gesellschaft, die man sich denken kann. Dass die Schwarze Armee Machnos im Gemetzel des Bürgerkriegs nicht von dunklen Flecken verschont bleiben konnte, und Machno oft seine eigenen Truppen nicht unter Kontrolle behielt (siehe etwa Fedir Shsus' Massaker an Russlanddeutschen), scheint mir fast die logische Folge der Lage, in der sich die Machno-Bewegung befand. Auch wenn es hier oft schwer fällt, historische Wahrheit und Mythos auseinanderzuhalten (siehe etwa die Anklagen seitens der mennonitischen Kirche, die von einer systematischem Verfolgung und Ermordung von Mennoniten seitens Machno sprechen; das Problem ist nur, dass man hierüber in der oben genannten Literatur nichts findet, und auch Machno nirgends die Mennoniten auch nur erwähnt. Hier würde man sich wirklich nichtmennonitische Recherchen wünschen...) hat die anarchistische Geschichtsschreibung die Vorwürfe gegen die Machnowisten oft etwas allzu schnell als bolschewistische Propaganda abgetan.

In diesem Sinn sei das Bildnis des Väterchen Machno neben einer Reminiszenz an alte Zeiten auch als Symbol des Freiheitskampfes gegen sämtliche Tyrannen, gleichwelcher Couleur, verstanden, zugleich aber auch als Mahnung, dass das Errichten einer herrschaftsfreien Gesellschaft und Ausüben von Gewalt, d.h. von Herrschaft, notwendigerweise in Widerspruch zueinander stehen (zum Thema Anarchismus und Gewalt sei auch auf diesen lesenswerten Text bei Wendy McElroy verwiesen).

Mai 30, 2009

I'm movin' on



Wegen meines Umzugs in der realen Welt wird dieses Blog in den kommenden Tagen ein wenig pausieren.

März 11, 2009

In eigener Sache

Ich lese gerade die bereits erwähnte Anthologie des "liberalen" Proudhons. Sehr schön darin diese Beschreibung des Meisters:
"En usant d'un terme qu'il n'utilise pas, on peut dire qu'il est bien davantage 'de gauche' que socialiste. Contre l'ordre établi, avec les ouvriers, contre la bourgeoisie, contre le capitalisme, la religion et l'empereur, mais hostile à ce que sera le programme des socialistes, de L. Blanc à nos jours."
Ob die Beschreibung wirklich so gut auf Proudhon passt, darüber könnte man lange streiten; auf mich passt sie allemal.

Dezember 29, 2008

Zum Jahresende...

...scheinen mir ein paar Erläuterungen zu diesem Blog angebracht. "De lëtzebuerger Anarchist für Wahrheit und Recht" war eine von mir initiierte einmalige, satirische Zeitschrift der Anarchistischen Föderation Luxemburgs, die es wegen des dort enthaltenen pornographischen Inhalts immerhin zu einer Art Tribunal seitens der Trierer Antifa gebracht hat. Einen Sinn für Satire und Ironie sollten auch die Leser dieses Blogs mitbringen.
Es sei ansonsten angemerkt, dass man nicht automatisch von einem oder mehreren hier verlinkten Seiten auf meine eigene politische Gesinnung schließen sollte (was bei der Bandbreite ja auch recht schwierig ist). Seit meiner Zeit bei der sich mittlerweile in alle Winde zerstreuten FA habe ich mich zugegebenermaßen in mancherlei Punkten recht weit von dem gängigen westeuropäischen, linksradikal geprägten "Anarchismus" entfernt, und bin zu einem Häretiker, um nicht zu sagen: einem Realo geworden. Nichtsdestotrotz bin ich weiterhin an den verschiedensten libertären Tendenzen interessiert, und kann darüberhinaus auch immer wieder bei anderen politischen Lagern Interessantes entdecken. Wenn man mich denn unbedingt irgendwo einordnen will: gäbe es einen europäischen Ableger der "Alliance of the Libertarian Left", wäre ich dort vermutlich Mitglied.