Juli 16, 2009

Gelungene Titelwahl

"Eine unbequeme Wahrheit" überschreibt das Luxemburger Wort heute ihren Bericht über die Vorschläge des Unternehmerverbands UEL zur "langfristigen Sicherung des Rentensystems". Eine überaus passende Anlehnung an Al Gores Film, da genau wie bei Gore Rechenmodelle, die versuchen mögliche Projektionen über eine mögliche Entwicklung zu liefern, als unanfechtbare Tatsachen, eben als DIE "Wahrheit" dargestellt werden. Dabei ist in beiden Fällen die Anzahl der Variablen, auf denen das Rechenmodell beruht, sehr hoch. Im Fall des Rentensystems wird u.a. ein durchschnittliches Anwachsen der Arbeitskraft um 0,5%, eine durchschnittliche Steigerung der Produktivität um 1,7%, ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 2,2% und eine Fruchtbarkeitsquote von 1,7 Kindern pro Frau vorausgesetzt; zugleich wird von allen möglichen Erschütterungen (im positiven wie im negativen) des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ökologischen, technologischen, wissenschaftlichen Status quo abgesehen.

Letztlich dienen diese Modelle, an das schwammige Schlagwort der "Generationengerechtigkeit" geheftet, zum Durchsetzen einer Verzichtsrhetorik: um die Dauerhaftigkeit des Systems zu garantieren, muss die heutige Generation zurückstecken - die UEL fordert die Anpassung der Renten an den Preisindex gleich fünfmal auszusetzen, egal wie die Entwicklung der Inflation aussehen mag; bei hoher Inflation also eine recht drastische Rentenkürzung -, damit der nächsten Generation mehr bleibt. Da es auch in Zukunft kommende Generationen geben wird, kann man das Argument bis ad aeternam wieder aus der Schubladen ziehen. Generationengerecht und gottgefällig ist also, wenn jede Generation auf ein Neues Verzichtsarbeit leistet.


P.S. Noch so eine unbequeme Wahrheit:

James Hansens Prognosen aus dem Jahr 1988 - und die reale Temperaturentwicklung (via Watt's up with that)

Juli 14, 2009

Schock! Messias säuft!


Und das auch noch in Anwesenheit eines kleinen Kindes!

Juli 11, 2009

Live on Playboy After Dark (2)

Canned Heat - Turpentine Moan / On the road again

Juli 10, 2009

Blogroll Honduras

Ich habe bereits am letzten Wochenende die honduranische Blogosphäre durchforstet, aber davon abgesehen meine Linkzusammenstellung hier zu posten. Da das Thema aber mittlerweile in den Medien schon wieder soweit "durch" ist, ist es vielleicht doch interessant auf Quellen aus erster Hand zurück zu greifen. Das Bild, das sich bietet, ist das eines tief gespaltenes Land - die meisten Blogs, die ich gefunden habe, schienen eher früh darüber, zu sein dass Zelaya, der quasi als angehender Diktator geschildert wird, erst mal weg vom Fenster ist, während die Pro-Zelaya-Blogs ausführlich über die Repression und Gewalt seitens der "Ordnungskräfte" berichten.

Pro-Zelaya

http://hondurasresistencia.blogspot.com/ (spanisch)

http://aliveinhonduras.org/ (spanglish)

http://porhonduraslibre.blogspot.com/ (spanisch)

http://hibueras.blogspot.com/ (spanisch)

http://redeshn.com/ (spanisch)

http://honduras.redeshn.com/ (spanisch)

Addendum: http://pst-secuenciadelgolpe.blogspot.com/ (spanisch)


Anti-Zelaya

http://lagringasblogicito.blogspot.com/ (englisch; US-Amerikanerin vor Ort)

http://blog.aeortiz.com/ (englisch)

http://hondurasliving.blogspot.com/ (englisch)

http://borninhonduras.blogspot.com/ (englisch)

http://laurieishere.blogspot.com/ (englisch)

http://bloglectores.hondublogs.com/ (spanisch)

http://elcatracho.blogspot.com/ (spanisch)

http://elinvestigador.blogspot.com/ (spanisch, seit Januar nicht mehr aktiv)


Vor allem über Vögel, auch Anti-Zelaya:

http://www.hondubirding.wordpress.com/ (spanglish)

Mühsam

Aus gegebenem Anlass hier ein Auszug aus Mühsams Ascona (1905) über deutsche Arbeiterbewegung und Vegetarier:

"Wenn etwas typisch ist für den Charakter einer Bevölkerung, so ist es ihre Arbeiterbewegung; und wer als vorwärtsdrängender Kritiker das kennengelernt hat, was in Deutschland unter dem Namen Arbeiter-'bewegung' stagniert, dessen Laune müßte eitel Zuckerwerk sein, wollte er dem deutschen Volkscharakter gegenüber liebenswürdig bleiben.

Ich für meine Person habe zu lange im Kampfe für die Befreiung der Arbeiterschaft und für den Sozialismus dem feindlich gegenübergestanden, was in Deutschland Arbeiterbewegung heißt, um dem Charakter der großen Volksmasse in Deutschland, der ganz und gar dem Charakter des Besitzmobs entspricht, die geringste Sympathie entgegenbringen zu können. Und wenn ich angesichts des wahlbeflissenen Proletariats, das das Seinige getan zu haben wähnt, wenn es 3.000.000 sozialdemokratische Stimmen ins behördlich sanktionierte Closet zerrt, nicht lache, bis ich mir den Bauch halte, wie es einige kluge Individualisten tun, sondern mit Zornesworten weiterkämpfe für die Arbeiter - und gegen ihre Führer, so mag das wohl das Rudiment eines atavistischen Nationalbewußtseins sein, das mich selbst für die Deutschen noch auf die Stunde revolutionärer Selbsterkenntnis hoffen läßt ...

... An dieser Stelle mag die Wiedergabe eines Liedes am Platze sein, das mir jüngst in einer verbrecherischen Stunde entfuhr und das den Vegetarier als Sammelbegriff vielleicht besser illustriert als eine weitschweifige Charakteristik.

Der Gesang der Vegetarier

Ein alkoholfreies Trinklied

(Melodie Immer langsam voran)

Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.
Auch Früchte gehören zu unsrer Diät.
Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.

Wir sonnen den Leib, ja wir sonnen den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.
Doch manchmal paddeln wir auch im Teich,
Das kräftigt den Körper und wäscht ihn zugleich
Wir sonnen den Leib und wir baden den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.

Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
Und die Milch und die Eier und lieben keusch.
Die Leichenfresser sind dumm und roh,
Das Schweinevieh - das ist ebenso.
Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
Und die Milch und die Eier und lieben keusch.

Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.
Gemüse und Früchte sind flüssig genug,
Drum trinken wir nichts und sind doch sehr klug,
Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.

Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut das scheußliche Sündenpack.
Wir setzen uns lieber auf das Gesäß
Und leben gesund und naturgemäß.
Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut nur das scheußliche Sündenpack.

Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat.
Und schimpft ihr den Vegetarier einen Tropf,
So schmeißen wir euch eine Walnuß an den Kopf.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse früh und spat."

Mehr zu Erich Mühsam findet man zum Beispiel auf der Webseite der Erich-Mühsam-Gesellschaft.

Juli 08, 2009

Schock! Nicht mal Papst kann Weltwirtschaftskrise beheben!

Wenn man in der heutigen taz die deutschen Reaktionen zur päpstlichen Enzyklika Caritas in veritate liest, kann man nur staunen. Offenbar musste der Papst dem Anspruch Genüge tun, die Weltwirtschaftskrise im Alleingang zu lösen:
"Der religionspolitische Sprecher der 'Linken'-Bundestagsfraktion, Bodo Ramelow, begrüßte zwar die 'klare Äußerung' des Papstes: 'Leider bleibt die Enzyklika in Fragen konkreter Maßnahmen hinter den Erwartungen zurück.' CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Enzyklika mache deutlich, dass unternehmerische Freiheit und Initiative so wichtig seien wie soziale Verantwortung und die Ausrichtung der Wirtschaft an den Interessen von Mensch und Umwelt. Bernhard Emunds, Professor für Christliche Gesellschaftsethik der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen bei Frankfurt (Main), kritisierte, längst überfällige und erwartete Aussagen zum Klimawandel finde man in dem Text fast gar nicht. Auch die Aussagen zu Ursachen und Lösungschancen für die Finanzkrise hätten eine zu starke 'individualistische Schlagseite' [sic!]. Die Ideen zur Regulierung der Finanzkrise wirkten 'hilflos'. Auch der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach sagte: 'Gerade die Probleme der Finanzmärkte sind ziemlich schwach und blass dargestellt. Es gibt keine konkreten Anweisungen oder konkrete Orientierungen, wie sie gelöst werden sollen.' "

Währenddessen beschließt das Möchtegern-Zentralkomitee des Weltkapitalismus, dessen Beschlüsse sich bis dahin vor allem dadurch auszeichneten, rein gar keine Folgen gehabt zu haben, in einem Anfall von Hybris, dass die Weltdurchschnittstemperatur bis 2050 oder so herum um maximal 2 Grad Celsius zu steigen hat. Ob das real existierende Klima sich an diesen epochemachenden Beschluss hält, ist zwar mehr als fraglich, jedoch ist die Weltöffentlichkeit erstmal happy über dieses "wichtige Signal", obwohl auch in diesem Zusammenhang natürlich mehr "konkrete Anweisungen" gewünscht werden.

Berichtigung [10.7.09]: Nicht bis 2050 sondern bis Ende des Jahrhunderts soll's 2 Grad wärmer werden, und zwar nicht im Vergleich zu heute, sondern zum "vorindustriellen Zeitalter". Siehe hierzu auch Maxeiner und Miersch in Springers Welt.

Juli 07, 2009

Juli 05, 2009

Live on Playboy After Dark (1)

Fleetwood Mac - Rattlesnake Shake


Juli 04, 2009

"Our skin is every color and our faith is every creed"

Michael O'Donoghue - Don't tread on me


Juli 02, 2009

Einige Gedanken zum Putsch in Honduras

Bereits vor ein paar Tagen hat sich der venezuelanische Blogger Miguel auf The Devil's Excrement gewundert, wieso sich die ganze Welt nach dem Umsturz in Honduras auf die Seite des geschassten Präsidenten Zelaya stellt (die UNO hat seitdem einstimmig für das Wiedereinsetzen Zelayas gestimmt). Alle Beteiligten, Militär, Oberster Gerichtshof, Parlament, haben sich zumindest formal an alle demokratisch-rechtsstaatlichen Regeln gehalten; es war im Gegensatz Zelaya selber, der sich über die Verfassung gestellt hat, indem er - gegen die überwältigende Mehrheit im Parlament, gegen eine Entscheidung des obersten Verfassungsgerichts, gegen seine eigene liberale Partei - sich per Referendum eine oder mehrere weitere Amtszeiten sichern wollte (gerade aufgrund der Erfahrungen aus der wenig demokratischen Vergangenheit des Landes ist die Mandatsperiode in Honduras sehr strikt auf eine Amtsperiode beschränkt). Kann man also sogar sagen, die Institutionen des Landes hätten eine mögliche Diktatur Zelayas verhindert?
Zugleich ist die Art der Absetzung allerdings nicht gerade dazu geeignet, Vertrauen in die neue Regierung zu wecken: allzusehr erinnerte die Vorgehensweise an Militärputschs früherer Zeiten. Gezieltes Verbreiten von Desinformationen (z.B. wurde offenbar gemeldet, Zelaya hätte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt), nächtliche Ausgangssperren, Verhaftung von Gewerkschaftsfunktionären, Einschränkungen der Demonstrations-freiheit, das "vorübergehende" Aussetzen von verfassungsmässig garantierten Freiheiten trüben das demokratische Bild. Jedoch legt die Weltöffentlichkeit den Schwerpunkt weniger auf die Verurteilung dieser Angriffe gegen die bestehenden individuellen Freiheiten, als vielmehr auf die Person Zelayas, der gegen den Willen sämtlicher staatlicher Institutionen und seiner eigenen Partei, eventuell sogar gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung (der Generalstreikaufruf der Gewerkschaften ist laut der taz von heute lediglich von der Lehrerschaft gefolgt worden, nicht von den Arbeitern; zugleich gab es grössere Demonstrationen gegen eine Rückkehr Zelayas) zurück ins Amt gehievt werden soll.
Für den Editorialisten des liberalen Journal von heute hat "das Volk" von Honduras mit Zelaya seinen einzigen Fürsprecher verloren. In gewisser Weise zeigt diese Fokussierung auf eine "Lichtgestalt" (inwiefern der Grossgrundbesitzer Zelaya, der aus einem auf "Law and Order"-fokussierten Wahlkampf siegreich hervorging, überhaupt als solche dienen kann, sei dahingestellt) das Weiterbestehen eines vordemokratischen, absolutistischen Politikverständnisses. Nicht nur dass man aus einer blossen Stimmmehrheit anlässlich einer Wahl das Recht Herrschaft über andere auszuüben ableitet, nein, für viele begründet die "Volkssouveränität" offenbar das Recht sich über den verfassungsmässigen Rahmen, in dem man sich bewegt, hinwegzusetzen; siehe z.B. die häufig von "antiimperialistischen Linken" zu hörende rhetorische Fragestellung zum Iran: "und wenn Ahmadinedschad doch gewonnen hat?" - als würde ein Wahlsieg Ahmadinedschads Verhaftungen, Folter und Morde rechtfertigen.

Persepolis 2.0

Die Auseinandersetzungen im Iran, illustriert mit Bildern aus Marjane Satrapis Persepolis:

Juni 30, 2009

Arme Unternehmer!

Wieder mal lustiges aus dem Wirtschaftsteil des Luxemburger Wort: Deloitte und die Fiducaire Générale de Luxembourg leisten ihren "Beitrag, anderen in der Krise zu helfen", indem sie den notleidenden und überforderten Unternehmern helfen, staatliche Subventionen an Land zu ziehen, von deren Existenz die Unternehmer wohl noch nichts wussten:
"Tatsächlich gibt es derzeit 67 [!] Programme, von denen kleine und mittlere Unternehmen profitieren können. Die Facette reicht von Investitionshilfen über Mittel für die Umwelt, Forschung, Weiterbildung, Übernahme und Erhalt der Arbeitsplätze. Hinzu kommt noch das seit Mai gültige Konjunktur-Paket. Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es immer noch die "Aide de minimis", die bis zu 200000 Euro betragen kann. 'Für ein kleines Unternehmen ist der Zeitaufwand für die Prüfung all dieser Mittel viel zu groß' weiß Meyers [Wirtschaftsprüfer der Fiduciaire Générale] aus Erfahrung.".
Seltsam also, dass die Unternehmerverbände, die sonst so auf Bürokratieabbau und Sanierung der Staatsfinanzen pochen, nicht den Dickicht des "Förder-Dschungels" ein wenig lichten wollen, sondern sich demnächst am liebsten dafür bezahlen lassen wollen, dass sie überhaupt neue Leute einstellen (die sogenannten Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, bei denen der staatliche Beschäftigungsfonds die Hälfte beilegt, sprechen ja schon eine deutliche Sprache).

Juni 28, 2009

Aus der Rubrik: es war nicht alles schlecht

Feeling B - Lied von der unruhevollen Jugend

Juni 27, 2009

Dies und das

Heute nur ein paar lesenswerte Links aus der schönen, weiten Welt des Internets:
- Roderick T. Long und Daniel zum Medien-Overkill anlässlich des Todes von Michael Jackson.
- Eine (bislang) vier Teile umfassende individualanarchistische Kritik am Anarchokommunismus von Ken Knudson bringt Wendy McElroy: Teil 1, 2, 3, 4.
- JayJay berichtet über die gestrige Demo an der Gëlle Fra.
-Thomas Eppinger über Jubelperser.
- Ein Interview mit den Machern von El Libertario auf Infoshop.

Update: Teil 5 und Teil 6 der Polemik von Knudson.

Juni 25, 2009

Faule Kredite sollen den Mittelstand retten

In den letzten Tagen wurde die Gründung der "Northstar Europe S.A." als Joint-Venture des kanadischen "Finanzdienstleister" Northstar Trade Finance, der staatlichen Investitionsbank SNCI und dem ebenfalls staatlichen Kreditversicherer Office du Ducroire quer durch den luxemburger Blätterwald als wirksame Hilfe für die schwer gebeutelten, exportorientierten mittelständischen Unternehmen Europas im Allgemeinen und Luxemburgs im Besonderen gefeiert. Das Luxemburger Wort vom 20. Juni 2009 berichtet ausführlicher über die Vorgehensweise der neuen Gesellschaft:
"Ein Luxemburger Unternehmen will einer ägyptischen Firma eine Maschine verkaufen, [hier fehlt offensichtlich ein: diese] hat aber nicht genügend Geld. Das benötigte Kapital leihen sich die Ägypter bei Northstar Europe, das den luxemburgischen Exporteur bezahlt. Northstar leiht sich das Geld bei Banken, die den Kredit über den SNCI refinanzieren können. Versichert wird der Kredit beim Ducroire, das sich wiederum selbst rückversichert."
D.h. ganz nach dem Modell des berüchtigten Derivate-Handels setzt Northstar keinerlei eigenes Kapital ein, sondern verkauft bloss Kredite weiter, die er woanders aufgenommen hat, und die noch dazu vom Staat refinanziert werden sollen. Dabei bietet die öffentliche Hand gleich eine doppelte Absicherung, da sie neben der Refinanzierung gegenüber den Banken zugleich auch noch die Versicherung beim Zahlungsausfall zu leisten hat. Dem Luxemburger Unternehmen kann es also in letzter Instanz egal sein, ob sein ägyptischer Kunde zahlungsfähig ist, da der Luxemburger Staat ja sowieso einspringen wird. Dies lädt natürlich geradezu dazu ein, von vornherein völlig überhöhte Preise zu verlangen. Der Ägypter wiederum wird dadurch gezwungen, sich zu verschulden. Falls die Rückzahlung inklusive Zins und Zinseszins dann ausbleibt (das Office du Ducroire hat gerade erst über die "mangelnde Zahlungsmoral" seit Ausbruch der Krise geklagt), häufen sich bei den Banken, bei denen Northstar Kunde ist, die faulen Kredite (für die in letzter Instanz der Steuerzahler einzuspringen hat). Über die Gewinnmarge von Northstar bei der ganzen Chose schweigt sich das Luxemburger Wort wohlweislich aus.

Juni 24, 2009

Demo am Freitag

Die ASTI und die iranische Gemeinschaft in Luxemburg rufen zu einer Solidaritätsdemo mit der Demokratiebewegung im Iran auf. Stattfinden soll das Ganze am 26. Juni von 12 bis 14 Uhr an der Gëlle Fra.

Juni 23, 2009

Verantwortlicher für die Krise endlich gefunden

Ausgerechnet der keynesianische Vorzeigeökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman ist an allem Schuld, wie Lew Rockwell kürzlich enthüllt hat. Krugman hatte 2002 in einem Kommentar in der New York Times Alan Greenspan ans Herz gelegt, eine Immobilienblase als Gegengift zur Dot-com-Blase zu inszenieren:
"The basic point is that the recession of 2001 wasn't a typical postwar slump, brought on when an inflation-fighting Fed raises interest rates and easily ended by a snapback in housing and consumer spending when the Fed brings rates back down again. This was a prewar-style recession, a morning after brought on by irrational exuberance. To fight this recession the Fed needs more than a snapback; it needs soaring household spending to offset moribund business investment. And to do that, as Paul McCulley of Pimco put it, Alan Greenspan needs to create a housing bubble to replace the Nasdaq bubble."
Mehr darüber hier.

Juni 21, 2009

The times they are a-changin'

Ein Auftritt, wie er heute nicht mehr möglich wäre: das Golden Gate Quartet live im Blauen Bock 1977.

Geradezu ein Sinnbild für den Spagat der Bonner Republik, der alten BRD, zwischen Verwestlichung bzw. Amerikanisierung einerseits, und Muff von tausend Jahren andererseits.

Als Bonus noch ein Titel des Golden Gate Quartet von 1943, der bereits vier Jahre später nicht mehr politically correct war:

Juni 18, 2009

Von einer Theokratie zur nächsten

Während die iranische Theokratie gerade zwischen ihren inneren Widersprüchen zerrieben zu werden scheint (mal schauen wie's ausgeht), befindet sich eine andere Theokratie erst an ihrem Anfang.
Aber der neue Messias ist offenbar noch nicht ganz unfehlbar.

Juni 16, 2009

Live from Teheran

Hier nur ein paar Links zu Blogs direkt aus dem Iran bzw. von Iranern:
Revolutionary Road
Rotten Gods
Alireza ab
Iranian Woman
Global Voices: Iran

Die luxemburger "Blogosphere" scheinen die Geschehnisse ja kalt zu lassen, abgesehen vom Solidaritätsaufruf von ck auf L for Liberty. Geradezu gar nichts findet man bei Anarchisten und Libertären. Vielleicht liegt es daran dass es keine wirklich aktive libertäre Organisation im Iran zu geben scheint, wenn man linke Blogs wie La Bataille Socialiste, SB News und Entdinglichung vergleicht, die alle seit langem mit den iranischen Arbeiterkommunisten sympathisieren und in den letzten Tagen die Ereignisse im Iran zum Schwerpunkt der Blogaktivität gemacht haben.

Juni 15, 2009

30 Jahre Islamische Republik in 7 Minuten

Tarikhe Ma - Our History
(mit handlicher englischer Übersetzung. Vermutlich in der Nähe der "Volksmudschahidin" angesiedelt; weiß jemand mehr?)


Das "El pueblo unido..."-Sample in Verbindung mit Linkin Park, na, das hat doch mal was.

Juni 10, 2009

Kraken und Anti-Kraken

Angesichts der rezenten Debatte hier in Luxemburg über eine Hausbesetzung in Clausen vielleicht von Interesse: das holländische Modell des Kraken, sowie des Anti-Kraken, das allerdings kurz vor der Abschaffung steht:

Juni 04, 2009

Mai 30, 2009

I'm movin' on



Wegen meines Umzugs in der realen Welt wird dieses Blog in den kommenden Tagen ein wenig pausieren.

Keine Wahlempfehlung

JayJay empfehlt auf L for Liberty, man sollte, "wenn auch nur ein Name auf der gesamten Wahliste sympathisch ist, (...) den auch ankreuzen." Nun stehen eine ganze Reihe mir sympathische Namen, ja auch einige Freunde und Bekannte, auf den Listen für die Parlaments- und Europawahl kommenden Sonntag. Aber will ich denen wirklich wünschen, in ein Parlament reingewählt zu werden?

Erst vor kurzem hat hier in Luxemburg das trotzkistische Urgestein Alain Krivine über seine Erfahrungen als Europaparlamentarier berichtet; sein Bericht unterschied sich eigentlich nicht wesentlich von Proudhons Anmerkungen über seine Zeit in der Assemblée Nationale 1848-1849. Abstimmungen über Gesetzestexte bei denen sich nicht einmal ein Fünftel der Abgeordneten mit dem Text auseinandergesetzt hat, sofern sie denn überhaupt anwesend sind; Missbrauch von verschiedenen Privilegien auf Kosten des Steuerzahlers und Wählers, ohne dies in irgendeiner Weise zu hinterfragen; verbale Schaukämpfe zwischen Mehrheit und Opposition, von denen jeder weiss dass sie keinerlei Konsequenzen haben, und niemanden dazu bewegen, anders abzustimmen; eine allgemeine Entfremdung von der Wirklichkeit in der sich das Wahlvolk bewegt... Die Liste ist lang. Ein deutscher Bundestagsabgeordneter hat mir gegenüber mal erzählt, dass er in seiner rebellischen Jugend gegen den "parlamentarischen Kretinismus" schwadronierte, sich später aber als guter Demokrat von solchem Revoluzzergerede distanzierte, jedoch als Abgeordneter dann feststellen musste, dass wohl doch etwas dran war.

Schon während der Wahlkampagne hörte man oft genug, der oder die Betroffene hätte ja keine Zeit, weil gerade Wahlkampf usw. Dass die verschiedenen Kandidaten und Kandidatinnen zumeist von Idealismus getrieben werden, und durchaus ehrlich in ihrem Engagement sind, mag ja sein. Jedoch sehe ich zahllose andere, sinnvollere Möglichkeiten seinen Altruismus auszuleben, als durch Legiferieren, als durch das Streben nach Mehrheiten und der Überstimmung der Minderheit. Es gibt unendliche Möglichkeiten das Leben der Mitmenschen zu verbessern, ohne ihnen diese Verbesserungen per Gesetz aufzuzwingen. Werdet doch Forscher, Ärzte, Ingenieure, Architekten, Schriftsteller, Künstler, Programmierer, setzt euch für bessere Arbeitsbedingungen in eurem Betrieb ein, oder baut selber ein Unternehmen nach euren eigenen Vorstellungen auf!

Dementsprechend werde ich sicherlich keine Wahlempfehlung abgeben, auch nicht nach altem anarchistischem Brauch ("wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten" und so. Gähn...) dazu aufrufen, die Wahl zu boykottieren, das mag der Einzelne handhaben wie er lustig ist. Für mich steht nur fest: wichtiger als die Stimme abzugeben, ist es sie zu erheben, und nach dem alten Punk-Motto "Do it yourself" selber etwas zu tun, als darauf zu hoffen oder zu fordern, dass ein Volksvertreter dies übernimmt.

Mai 28, 2009

Das "LW" zum Tode Proudhons

In seiner Ausgabe vom 4. Februar 1865 interessiert sich das gute alte Luxemburger Wort mehr für die ausgebliebene letzte Ölung Proudhons als für den Verstorbenen (die Nachricht kam unter "Vermischtes"):



Quelle: "Numérisé par la Bibliothèque nationale de Luxembourg, http://www.eluxemburgensia.lu/"(unbedingt empfohlen!)

Mai 26, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number 7 in a series)

(Résumé der früheren Folgen hier.)

Weniger als für den Grund des Ausbruchs der Krise, interessiert Marx sich im ausführlichsten der drei Briefe an Danielson, dem Schreiben vom 10. April 1879, insbesondere für die bis dahin unerhörte globale Ausbreitung der Krise. Für Marx ist es die Entwicklung der Eisenbahnen, die erst die Grundlage hierfür schufen, gewissermaßen die Krise auf Schienen in die Welt hinaus trugen.

Die Eisenbahn ist zunächst für Marx ein Kommunikationsmittel, und zwar das Kommunikationsmittel, das den "modernen Produktionsmitteln" entspricht (könnte man hier als Analogie das WorldWideWeb als Grundlage für die ebenso globale Ausbreitung der jetzigen Krise sehen?), zugleich der Ausgangspunkt für die Schaffung von "riesigen Aktiengesellschaften", "angefangen mit Bankgesellschaften", für einer nie da gewesene "Konzentration des Kapitals", verbunden mit einer "mächtigen Steigerung der kosmopolitischen Aktivität des Leihkapitals". Für Marx bietet sich der Weltmarkt des Jahres 1879 ganz ähnlich dar, wie er der öffentlichen Meinung von heute erscheint, als "Netzwerk finanziellen Schwindels und gegenseitiger Verschuldung, der kapitalistischen Form 'internationaler' Brüderlichkeit".

Jedoch sieht Marx als Schöpfer dieses Netzwerks weniger den "freien Markt", sondern durchaus staatliche Intervention zugunsten der großen Eisenbahngesellschaften, wie er gleich im Anschluss darlegt:
"In allen Staaten, mit Ausnahme Englands, wurden die Eisenbahngesellschaften durch die Regierungen auf Kosten der Staatskasse bereichert und großgezogen. In den Vereinigten Staaten bekamen sie außer ihrem Profit einen großen Teil des Staatslandes als Geschenk, und zwar nicht nur das zum Bau der Eisenbahnlinien erforderliche, sondern darüber hinaus viele Meilen Land auf beiden Seiten der Linien, mit Wäldern, usw. So wurden sie die größten Grundeigentümer, da natürlich die kleinen einwandernden Farmer derart gelegenes Land bevorzugten, um sich bequeme Transportmöglichkeiten für ihre Produkte zu sichern." (alle Zitate aus MEW, 34, S.373).

Vergleiche zu diesen Betrachtungen auch Murray N. Rothbard in "The Origins of the Federal Reserve", demzufolge die staatlich geförderten Eisenbahnkartelle geradezu die Grundlage für die Herausbildung des durch enge Verknüpfungen zwischen politischem und wirtschaftlichem Establishment geprägten Kapitalismus des 20. Jahrhunderts bildeten. (wird fortgesetzt).

Weil nicht gewesen sein kann, was nicht gewesen sein darf

Fünf Tage nach der Enthüllung, dass der Mörder Benno Ohnesorgs Mitglied der SED war und in Diensten des MfS stand (wenngleich er diese Tat wohl nicht im Auftrag der StaSi begang), lässt sich auch das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Luxemburgs, die Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek, dazu herab, dies in Form eines Leitartikels zu kommentieren. Auszug:

"Der Jahrestag des Grundgesetzes der BRD wurde in der Geschichte des westdeutschen Separatstaates nie gefeiert, wahrscheinlich deshalb, weil man es dem Staat und dem Volk - ohne Letzteres zu fragen - einfach von oben übergestülpt hatte. Der 60. Jahrestag dieses demokratiefernen Aktes sollte aber nun unbedingt gefeiert werden. Also liess man ein paar Millionen springen, kein Problem in der aktuellen Krise, im im Zentrum der deutschen Hauptstadt ein 'Volksfest' zu veranstalten und den obersten Grüssaugust der Nation, den deutschen Bundespräsidenten mit einer getürkten Wahl im Amt zu bestätigen. Und da man die Verwalter und Interpreten der alten Akten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit ohnehin mit etlichen Millionen alimentiert, wurden sie flugs beauftragt, mal wieder einen kleinen Skandal aus dem Zylinder zu zaubern.

Und die wurden auftragsgemäss auch 'fündig', indem sie 'herausfanden', dass der Westberliner Polizist Kurras, also der, der sich im Juni '67 von dem unbewaffneten Studenten Benno Ohnesorg derartig bedrängt fühlte, dass er ihn in Notwehr erschiessen musste, dass also jener Todesschütze angeblich inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes und zudem auch noch Mitglied der SED gewesen sein soll. (...)

Und den professionellen Geschichtsumschreibern vom Schlage eines Hubertus Knabe gibt die 'Entdeckung' die tolle Gelegenheit, wieder einmal DDR, SED und 'Stasi' für alles Unheil in der Welt verantwortlich zu machen. Wahrscheinlich wird man demnächst herausfinden, dass der Polizist, der 1952 in Essen den jungen Kommunisten Phillipp Müller erschoss, heimlich Mitglied der KPD war. Und auch der Attentäter von Sarajevo im Juni 1914 war ein Agent der 'Stasi'... Und ganz sicher auch einer von denen, die einst einen gewissen Jesus ans Kreuz nagelten. (...)"

Mai 21, 2009

Himmelfahrt

Die ersten zehn Minuten aus Magmas De Futura, live in Paris 1977.

Mai 19, 2009

Reiseempfehlung für (Rechts-)Libertäre

Le ridicule tue.

Deux couplets apocryphes de L'Internationale, tombés en oubli pour des raisons évidentes:
Il avait de belles moustaches
Le sourcil noir le regard clair
Un peu bourru un peu bravache
Pour nous c’était presque un père
Joli cœur sous une peau d'vache
Grand cœur sans en avoir l'air
Révolutionnaire sans tâche
Oui Staline est exemplaire

Ouvre bien tes yeux, camarade
Et vois où sont les renégats;
Sors du brouillard, de cette rade,
Rejoins tes frères de combat !
Crie : À bas le révisionnisme,
À bas les mystificateurs !
Vive le marxisme-léninisme,
Notre idéal libérateur !

Mai 16, 2009

Das Video zum Tag

Les Charlots - Merci Patron!


Mai 13, 2009

Zesumme plangen

Das neue Wahlplakat der CSV:

Wobei dieser Rückgriff allerdings bei den Genossen der Berliner CDU abgekupfert ist.

Mai 12, 2009

Ostdeutsche haben besseres zu tun

Pünktlich zum 20. Jubiläum der Manipulation der Kommunalwahlen 1989 durch die SED gibt es jetzt diese garantiert manipulationsfreien Urnengänge:

"MAGDEBURG/MZ. In mindestens sieben Gemeinden in Sachsen-Anhalt wird die am 7. Juni geplante Kommunalwahl aufgrund fehlender Kandidaten ausfallen. 'Es gibt dort keine Bewerber für den Gemeinderat, so dass wir die Wahlen absagen mussten', sagte Landeswahlleiter Klaus Klang auf Nachfrage der MZ. Betroffen sind bislang nur Orte im Bördekreis - Bertingen, Born, Dolle, Heinrichsberg und Wenddorf -sowie im Landkreis Stendal, wo in Buchholz und Bellingen nicht gewählt werden wird.
Sieben geplatzte Urnengänge - für Klang ist das ein Novum. Zwar habe es bei vergangenen Kommunalwahlen immer mal wieder die eine oder andere Absage gegeben, 'so viele hatten wir aber noch nie.' Weitere Absagen seien zwar theoretisch noch denkbar, Klang hält dies indes für wenig wahrscheinlich. Nach MZ-Informationen soll es aber in weiteren Kreisen Probleme geben, ausreichend Kandidaten für komplette Gemeinderäte zu gewinnen. Eine Übersicht über das gesamte Land liege noch nicht vor, so Klang. (...)"
Aus: Mitteldeutsche Zeitung vom 4.5.2009

Mai 09, 2009

Frauen ohne Rock

Beenden wir die Reihe über Frauenbands so wie wir sie angefangen haben: mit den Runaways, diesmal in der Urbesetzung mit Cherie Currie und ihrem grössten Hit: Cherry Bomb (live in Japan 1977).



Eigentlich könnte man die Reihe auch noch lange fortsetzen, es sei nur an The Bloods, Bitch, Kleenex (später LiLiPUT), Birtha, Raincoats, L7, Slits oder gar Mainstream-lastigeres wie Fanny, Vixen, Go-Gos oder Bangles erinnert. Mal schauen, vielleicht kommt ja noch eine zweite Staffel.

Mai 08, 2009

Henry David Thoreau

Eine sehr schöne Würdigung von Henry David Thoreau findet man heute auf L for Liberty.
Thoreau lesen kann man übrigens auch hier: http://thoreau.eserver.org/

Mai 03, 2009

Frauen von vor vorgestern

Die Suche nach der "ersten" reinen Frauenband führt einen immer weiter zurück in die Vergangenheit. Bereits lange vor Erfindung der Rock-Musik gab es bereits "Girl Bands" oder "All Girl Orchestras", jedoch sind diese längst in Vergessenheit geraten, aus dem öffentlichen Gedächtnis gelöscht worden. Die grosse alexandrinische Bibliothek namens Internet erlaubt uns jedoch wieder Zugriff auf Filme aus diesen Jahrzehnten, die zuvor in Archiven verstaubten und unzugänglich für die grosse Masse waren (zugleich zeigen diese Filme, dass Video-Clips definitiv keine Erfindung der Beatles, von Françoise Hardy oder, wie manche glauben, von Queen sind).

Drei Beispiele aus drei Jahrzehnten:

1920er
The Ingenues - Tiger Rag (1929)



1930er
Ina Ray Hutton and her Melodears - Doin' the Suzy Q (1936)



1940er
International Sweethearts of Rhythm - She's crazy with the heat; Do you wanna jump, children?; How 'bout that jive; Round & Brown Blues (1946)



Beim letzten Song stimmen leider Ton und Bild nicht überein.

Mai 02, 2009

Gustav Landauer

Heute auf den Tag vor 90 Jahren wurde im Zuchthaus München-Stadelheim Gustav Landauer, Sohn eines jüdischen Schuhverkäufers und ehemaliger Beauftragter für Volksaufklärung der Räterepublik Baiern, von Soldaten der Reichswehr unter dem Kommando von Reichsminister Noske (SPD) erschossen. 1933 wurde das Denkmal das 1925 auf dem Münchner Waldfriedhof zum Gedenken an den libertären Sozialisten errichtet worden war, von den Nationalsozialisten zerstört.

Anbei einige Worte Landauers über den anarchistischen Terrorismus, die mir auch noch für heutzutage relevant erscheinen, wo zwar keine Morde mehr im Namen der Anarchie begangen werden, das öffentliche Bild des Anarchismus und der libertären Bewegung jedoch zunehmend wieder auf das Wirken selbstherrlicher schwarzgekleideter Randalierer reduziert wird:

"Ich stehe nicht an, es in aller Schärfe auszusprechen - und ich weiß, daß ich mit diesen Worten hüben noch drüben Dank ernten werde -: Die Attentatspolitik der Anarchisten geht zum Theil aus dem Bestreben einer kleinen Gruppe hervor, es den großen Parteien gleich zu thun. Es steckt Rennomirsucht darin. Wir machen auch Politik, sagen sie; wir sind nicht etwa unthätig; man muß mit uns rechnen. Die Anarchisten sind mir nicht anarchisch genug; sie sind noch immer eine politische Partei, ja, sie treiben sogar ganz primitive Reformpolitik; das Töten von Menschen hat von je her zu den naiven Besserungsversuchen der Primitiven gehört; und Mowbrays Brutus war ein kurzsichtiger Reformpolitiker. Wenn die amerikanischen Machthaber jetzt, ohne Rücksicht auf Rechte und Gesetze, einige ganz unbetheiligte Anarchisten aufhängen ließen, so handelten sie genau so anarchistisch wie irgendein Attentäter, - und vielleicht, eben so wie dieser, aus Idealismus. Denn nur Dogmatiker können leugnen wollen, daß es glühende und aufrichtige Staatsidealisten giebt. Die Anarchisten freilich in ihrer Mehrzahl sind Dogmatiker; sie werden schreien, daß ich, der ich mir auch heute noch das Recht beimesse, meiner Weltanschauung den Namen der Anarchie zu geben, so ohne weiteres meine Wahrheit ausspreche; sie sind auch Opportunisten und werden finden, gerade jetzt sei nicht die Stunde zu solcher Aussprache. Ich aber finde: Jetzt gerade ist der Moment. (...)

Es ist hier nicht meine Absicht, mich in die Psychologie der modernen Attentäter zu versenken. Sie sind vielleicht weniger Helden oder Märtyrer als eine neue Art von Selbstmördern zu nennen. Für einen Menschen, der an nichts glaubt als an dieses Leben und den dieses Leben bitter enttäuscht hat, der erfüllt ist von kaltem Haß gegen die Zustände, die ihn zu Grunde gerichtet haben und die ihm unerträglich zu gewahren sind, kann es ein dämonisch verführerischer Gedanke sein, noch einen von denen da oben mitzunehmen und sich auf dem Umweg über die Gerichte und vor den Augen der Welt demonstrativ ums Leben zu bringen. Und mindestens ebenso verführerisch ist der Gedanke, der tausendfach variiert in der anarchistischen Literatur widerkehrt: der autoritären Gewalt die freie Gewalt, die Rebellion des Individuums entgegenzusetzen.

Das ist der Grundirrthum der revolutionären Anarchisten, den ich lange genug mit ihnen getheilt habe, daß sie glauben: das Ideal der Gewaltlosigkeit mit Gewalt erreichen zu können. Sie wenden sich mit Heftigkeit gegen die "revolutionäre Diktatur", die Marx und Engels in ihrem kommunistischen Manifest als ein kurzes Übergangsstadium nach der großen Revolution vorgesehen hatten. Das sind Selbsttäuschungen; jede Gewaltausübung ist Diktatur, sofern sie nicht freiwillig ertragen, von den befehligten Massen anerkannt ist. In diesem Fall aber handelt es sich um autoritäre Gewalt. Jede Gewalt ist entweder Despotie oder Autorität."


Aus: "Anarchische Gedanken über Anarchismus" (1901)


Frauen von vorgestern

Gemeinhin wird oft Fanny als die erste Frauenband in der Rockmusik betrachtet. Die Wahrheit ist allerdings eher, dass sie von Beginn an als die erste Frauenband vermarktet wurden. Tatsächlich gab es in den Sechzigern bereits eine ganze Menge Frauenbands, hauptsächlich in der Beat- und Garage-Szene. Einen Überblick der verschiedenen Gruppen gibt "Funknroll" in seinem Video zu den Bootles - I'll let you hold my hand.



Wobei Goldie and the Gingerbreads bereits lange vor Fanny einen Vertrag mit einem Major-Label hatte (1963 bei Decca). Auch die Liverbirds haben 1965-1966 2 Alben bei Philips veröffentlicht, wenn auch nur in Westdeutschland.

Liverbirds - Diddley Daddy
(live)



In den Achtzigern nahmen die Pandoras aus L.A. die Tradition der weiblichen Garage Rock-Bands wieder auf, wie hier im Video zu Want Need Love:

April 29, 2009

Heraus zum 16... nein, erstmal zum 1. Mai!

Immerhin spielen André Mergenthaler (ex-Univers Zéro und Art Zoyd), das Haïdouti Orkestar und viele weitere Bands in der Abtei Neumünster.

In anderen Herren Länder mag man sich ja dem Aufruf der "reformistischen" Anarchosyndikalisten anschließen...

April 25, 2009

Frauen spielen (mit) Motörhead

Girlschool - Bomber (Das Video lässt sich wohl am besten als "Porno für Antideutsche" beschreiben).



Und als Bonus zur Motörhead-Coverversion noch der gemeinsame Auftritt von Girlschool und Motörhead im Musikladen 1981: Please don't touch


April 23, 2009

Was ist eigentlich "Linkslibertarianismus"?

"brainpolice2" hat sich an einer Definition versucht.

April 21, 2009

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?

"Et gëtt héich Zäit", so lautet der sinnige Wahlkampfslogan der luxemburger Linken, denn: "Der Kapitalismus ist überholt." (S.5 des Wahlprogramms von Déi Lénk). Wer sich jedoch von einer Partei, die so selbstbewusst ist, dass sie über sich selber schreibt: "Déi Lénk: Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden." (S.4), erwartet ein gänzlich neues, postkapitalistisches Wirtschaftssystem präsentiert zu bekommen, wird schnell eines Besseren belehrt: die großspurig angekündigten "antikapitalistischen Strukturreformen" (S.6) beschränken sich auf eine Kritik der "einseitigen Ausrichtung auf den Finanzsektor" und die Forderung nach "Diversifizierung" der luxemburgischen Wirtschaft, u.a. durch den Einstieg in "neue Umwelttechnologien". Also in etwa das gleiche, was alle anderen Parteien ebenfalls fordern. Allenfalls bedauert Déi Lénk stärker als andere politische Kräfte die "Desindustrialisierung" des Großherzogtums (S.5). Für die Linken gilt es im Gegenteil den Finanzplatz auf seine Kernbereiche zu reduzieren, indem die "Bankprodukte (...) vordringlich auf die Unterstützung der sozialen Bedürfnisse und der Realwirtschaft" ausgerichtet sein sollen, womit "ganze wirtschaftliche Aktivitäten aus der Abhängigkeit des Bankenkapitals" (S.6) befreit würden. In anderen Worten: das raffende Kapital soll zugunsten des schaffenden Kapitals verdrängt werden, denn: "Im regionalen Raum Luxemburg kann nicht nur Handel getrieben werden, es müssen auch Waren produziert werden." (S.6)

Als wenn der Begriff "Ware" nicht bereits Austausch, d.h. "Handel" voraussetzen würde. Sind "verbriefte Kredite" (S.3) etwa keine Waren? Déi Lénk scheinen unter einer besonders absonderlichen Form des Warenfetischismus zu leiden, insofern sie sich hier nur materielle Dinge als Waren vorstellen können. Vielleicht ist auch die etwas merkwürdige Forderung einer "prinzipiellen Legalisierung des File-Sharing (...) unter strenger Wahrung (...) der Autorenrechte" (S.42) - d.h. die Forderung des Status quo, denn File-Sharing ist bekanntlich nicht "prinzipiell" verboten, sondern eben nur die während des File-Sharings auftretenden Verletzungen der Urheberrechte - auf diese Fixierung am Materiellen zurück zu führen. Dies könnte auch erklären, wieso das eigentliche Problem das sich im Bereich der genmanipulierten Organismen stellt, nämlich die Frage was man eigentlich patentieren kann und welche Abhängigkeitsverhältnisse und Mehrkosten durch Patente entstehen können, im Programm der Linken nicht tangiert wird, sondern GMOs vielmehr per definitionem als böse, als "Risiko für Mensch und Natur" (S.29) abzulehnen sind, und offenbar nicht Patente, sondern die bloße Existenz eines gentechnischen Eingriffs in die gottgegebene Ordnung den "Bauern des Südens" an Monsanto ketten.

Gentechnikfrei soll natürlich auch der "Anbau von Obst und Gemüse" (S.30) sein, den Déi Lénk, wie übrigens auch die KPL, als Zukunftschance für Luxemburg entdeckt hat. Beklagt Déi Lénk am Anfang die Desindustrialisierung, so befürwortet sie diese jedoch im Bereich der Landwirtschaft, und richtet sich gegen die "quasi industrielle Produktion von Nahrungsmitteln" (S.29). Nicht nur das Bankwesen soll also "back to basics" geführt werden, sondern auch die Landwirtschaft, verbunden mit einer Rückbesinnung auf die Industrie, die durch einen "öffentlichen Finanzierungspol" (S.6) durchgefüttert und dadurch erhalten bleiben soll. Eigentlich ein im Kern zutiefst konservatives Programm, das uns hier als Überwindung des Kapitalismus verkauft werden soll.

Inwieweit die Rückkehr der sogenannten "Realwirtschaft" jedoch das, neben dem Recht auf Arbeit, eingeforderte "Recht auf selbstbestimmtes Leben" verwirklichen soll, bleibt mir zumindest schleierhaft. Ich kann an der Existenz des Industriearbeiters, selbst in unserem hochtechnisierten Zeitalter, wenig "selbstbestimmtes" oder emanzipatorisches erkennen (wie "demokratisch" man das Betriebsleben auch gestalten will); für Generationen von Industriearbeitern lag die Hoffnung auf Emanzipation eher darin, dass ihre Kinder und Enkel diesem Schicksal entfliehen. Kevin Carson schreibt meines Erachtens zu Recht: "The factory system, throughout history, has been possible only with a work force deprived of any viable alternative." (Studies in Mutualist Political Economy, 2007, S.136). Wer wäre diese Arbeitskraft, nachdem Déi Lénk die absolute Mehrheit erreicht? Die ehemaligen Banker? Machen wir uns nichts vor, vermutlich wären es Migranten, die sich als Fabrikarbeiter oder meinetwegen auch als Saisonarbeiter im Obst- und Gemüseanbau abrackern könnten, während die Luxemburger noch stärker als bisher im öffentlichen Dienst unterkommen würden.

Rätselhaft scheint mir desweiteren auch wie diese Rückbesinnung auf die Industrie mit der "ökosozialistischen Alternative" (S.32) zusammen gehen soll, die Déi Lénk als "Lösung" für den Klimawandel präsentieren, der vom Kapitalismus - da Prinzip der Profitmaximierung - nicht "gemeistert" (S.33) werden könne (obwohl Energiekonzerne schon seit Jahren vorführen, wie man mit der "Bekämpfung des Klimawandels" durchaus anständige Gewinne machen kann). Wohlweislich verzichten die Linken in ihrem Wahlprogramm darauf, ein verbindliches Emissionsabbauziel zu benennen, jedoch kritisieren sie (S.32) das Kyoto-Protokoll als zu bescheiden und den Emissionshandel als "neoliberales Unding" (schon wieder diese Haftung am Dinglichen...). Liegt die Lösung bloss darin, dass sich die "Fusion der Begehren des Salariats [für die deutschsprachigen Leser: d.h. die Lohnarbeiter bzw. die "Arbeitnehmerschaft"], der Bauern des Südens und der Umweltbewegungen" vollzieht? Wie lässt sich diese "Fusion" aufrecht erhalten, wenn, sagen wir mal, auf Druck der Umweltbewegung im reichen Westen, ein Unternehmen beschliesst seine Produktionskapazitäten im Westen abzubauen, Tausende Leute zu entlassen, um den gleichen Betrieb dann in einem Entwicklungsland ohne vergleichsbare Umweltgesetzgebung wieder aufzubauen, und da den hungernden, landlosen Bauern als Alternative zu ihrer aussichtslosen Existenz immerhin einen im lokalen Vergleich gut bezahlten, evt. sogar halbwegs abgesicherten Arbeitsplatz anbieten kann? Lassen sich dann noch die Interessen der drei Gruppen unter einen Hut bringen?

Soll es, wie es Déi Lénk fordern, die "weltweite Verstaatlichung der Produktion und Verteilung von Energie" schon von selber richten, da nur sie einen "schnelleren Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung" (S.33) garantieren kann (wie staatliche Erdölunternehmen von Saudi-Arabien bis Venezuela es uns täglich vorführen)? Überhaupt erscheint der Staat für die luxemburger Linke, in unserer postneoliberaler Zeit verständlich, als die Lösung; staatliche Prärogativen sollen als Reaktion auf die Krise rundum gestärkt werden, von der völligen Abschaffung des Bankgeheimnisses zwecks effizienterem Zugriff auf mögliche Steuergelder bis hin zur Lizenz zum Gelddrucken (pardon: die EZB soll "unter die Kontrolle gewählter Vertreter kommen", S.7). Bisweilen wirkt diese Fixierung auf den Staat fast wie das negative Spiegelbild eines karikaturalen marktgläubigen Neoliberalen; z.B. muss sich Déi Lénk selbstverständlich für einen "öffentlich-rechtlichen Fernsehsender mit vielfältigem Angebot" stark machen, auch wenn die Nachfrage dafür wohl nicht grösser sein wird als für das existierende öffentlich-rechtliche Radio.

Zugleich tritt Déi Lénk vehement gegen den "Big Brother"-Staat ein; wenn auch sonst der Staat immer mehr Macht bekommen soll, so darf es auf keinen Fall zur Vorratsdatenspeicherung und zur Kameraüberwachung, zumindest nicht zur "ausufernden" (S. 37), kommen. Nun wird der Sympathisant der Linken mir gegenüber einwenden, dass es ja durchaus auch darum gehe, demokratische Strukturen auszubauen und zu stärken, die im Programm vorgesehene staatliche Kontrolle demokratisch legitimiert sein soll, usw. So soll vor allem, im Unterschied zum heutigen demokratischen System, der "Einfluss mächtiger, nicht demokratisch legitimierter Interessegruppen (Kirchen, Wirtschaftslobbys...)" (S.44) ausgeschaltet werden. Gleichzeitig sollen die "Organisationen der 'Zivilgesellschaft' (Gewerkschaften, NGOs) (...) stärker in die Entscheidungsprozeduren eingebunden werden" (S.44). Ja, aber, sind Gewerkschaften nicht auch irgendwo mächtige Interessengruppen? Und wer hat Greenpeace eigentlich demokratisch legitimiert? Hier läuft das Programm der Linken eigentlich darauf hinaus zu sagen: unter unserer Mehrheit wird es nur noch politischen Einfluss seitens jener Interessengruppen geben, die wir mögen.

Überspringen wir den aussenpolitischen Teil (auch wenn man da unter anderem erfährt, dass es im Falle eines Wahlsiegs von Déi Lénk zur "Schaffung eines unabhängigen, lebensfähigen palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt", S.49, kommen wird), und kommen gleich zum Fazit: wohl kaum eine andere bei den Wahlen antretende Partei wird ihrem eigenen Anspruch so wenig gerecht wie Déi Lénk. Sie beansprucht als einzige politische Kraft "grundsätzliche Fragen" (S.3) aufzuwerfen; tatsächlich stellt sie, im Vergleich zum historischen Fundus der verschiedenen Strömungen der Linken in deren Tradition sie sich wähnt, so gut wie gar nichts grundsätzlich in Frage: weder Staat noch Geld noch Eigentumsordnung noch Lohnarbeit. Sie beansprucht den Kapitalismus durch "antikapitalistische Strukturreformen" zu überwinden; ihr Programm läuft auf den Entwurf eines gestutzten, konsensfähigeren, nachhaltigeren, krisenfreien, d.h. letztlich stabileren Kapitalismus hinaus. Lediglich einen selbstgestellten Anspruch kann das Programm erfüllen: "Selbstverständlich haben auch wir nicht auf alle Fragen eine fertige Antwort. Die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Entwicklung und der konkreten Politik ist auch ein Lernprozess, der weitergeht." Hoffentlich.

April 20, 2009

Noch mehr Fuzzbox

Als Zugabe zu Samstag, hier auch die zweite Single von Fuzzbox:
We've got a Fuzzbox and we're gonna use it! - Love is the slug



Die Achtziger waren schon irgendwie schön und schaurig zugleich.

April 19, 2009

Planopoly (will haben!)

Ein schönes Portrait von Andreas Steinbach, dem Erfinder des Planopoly, einer an die Planwirtschaft der DDR angelehnten Version des Monopoly (leider nicht im Handel erhältlich!), aus der gestrigen Erstausgabe der SonnTaz.

Ceterum censeo dass das neue Layout der taz stinklangweilig ist.

April 18, 2009

Frauen ohne Regel

We've got a Fuzzbox and we're gonna use it! - Rules and Regulations


April 11, 2009

Frauen mit Fiedel

The Deadly Nightshade - Keep on the sunny side of life


Die Woche der Auferstehungen: Ostern

Nach Beda Venerabilis (ca. 673-735) ist das Osterfest nach der angelsächsischen Fruchtbarkeitsgöttin Eostre oder Eastre benannt, der Monat April ist dementsprechend der "Eostur-Monath". Jakob Grimm, die eine Hälfte der Gebrüder Grimm, macht aus Eostre (die für manche auch eine Erfindung Bedas ist, so liest man im deutschsprachigen Wikipedia: "Die Existenz dieser Göttin wird von vielen heutigen Wissenschaftlern jedoch bestritten oder zumindest stark angezweifelt." Also ehrlich gesagt, hätte ich so meine Probleme mit einem "Wissenschaftler", für den Eostre real existiert!) die germanische Göttin "Ostara", nach der später Lanz von Liebenfels seine antisemitischen Hefte benennen wird, die ein junger Adolf Hitler begierig aufsaugt. Wie dem auch sei, heute wird Ostara von der Wicca als kleinerer Sabbat am 21. März (Frühlinganfang) begangen.

Dass auch Ostern in diesem Zeitraum gefeiert wird, hängt nicht in erster Linie damit zusammen dass Jesus, nach den meisten christlichen Überlieferungen zumindest, während des Passah-Festes gekreuzigt wurde (nach dem Koran ist Jesus, Sohn von Miriam, der Schwester von Aaron und Moses, nicht am Kreuz gestorben; nach dem jüdischen Toledoth Jeschu ist Jesus zwar auch während des Passahfestes gestorben, jedoch gehängt worden - etwa 90 Jahre vor den Geschehnissen von denen in den Evangelien berichtet wird); eher ist es umgedreht: Jesus ist zum Frühlingsanfang gestorben, weil sein Tod und seine Auferstehung Motive von allen Fruchtbarkeitsgöttern und -göttinnen aufgreift, die ganz einfach den zyklischen Charakter der Jahreszeiten symbolisieren, das Vergehen und neue Aufblühen der Natur, die bevorstehende neue Ernte, die jedes Jahr auf ein Neues von den höheren Mächten erbittet werden muss. Robert M. Price berichtet irgendwo von einer griechischen Bäuerin, die bei einem Passionsspiel für die Auferstehung des HErrn betet, da sie fürchtet, dass ohne Jesus' Entsteigen des Grabes (wobei Jesus in vielen orthodoxen Darstellungen, wie Herakles, Tammuz et al. in den Hades hinabsteigt) die Ernte ausfallen würde. Price gesteht der Frau zu, Sinn und Zweck des Osterfestes besser verstanden zu haben, als alle christliche Theologie, die sich vor allem dadurch auszeichnet, etwas sehr simples so sehr symbolisch zu überfrachten, dass die ursprüngliche Bedeutung des Festes überdeckt wird - obwohl gerade in unserem Kreis Osterei und -hase noch recht eindeutige Hinweise auf den ursprünglichen Charakter von Ostern als Fruchtbarkeitsfest, als Feier des beginnenden Frühlings geben.

In diesem Sinne: frohe Ostern!

April 10, 2009

Die Woche der Auferstehungen: Karfreitag



Psalm 22 (Auszüge; nach der Luther-Bibel)

2. Mein GOtt, mein GOtt, warum hast du mich verlassen? Ich heule, aber
meine Hilfe ist ferne.

3. Mein GOtt, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht; und des
Nachts schweige ich auch nicht.

4. Aber du bist heilig, der du wohnest unter dem Lob Israels.

5. Unsere Väter hofften auf dich, und da sie hofften, halfest du ihnen
aus.

6. Zu dir schrieen sie und wurden errettet; sie hofften auf dich und
nicht zuschanden.

7. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und
Verachtung des Volks.

(...)

12. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hie kein
Helfer.

13. Große Farren haben mich umgeben, fette Ochsen haben mich umringet;

14. ihren Rachen sperren sie auf wider mich wie ein brüllender und
reißender Löwe.

15. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser; alle meine Gebeine haben sich
zertrennet; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzen Wachs.

16. Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben, und meine Zunge
klebet an meinem Gaumen; und du legest mich in des Todes Staub.

17. Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat sich um
mich gemacht; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.

18. Ich möchte alle meine Beine zählen. Sie aber schauen und sehen
ihre Lust an mir.

19. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein
Gewand.

(...)

Die Inspiration für die Kreuzigungsszene des Markusevangeliums; für gläubige Christen eine Prophezeiung der Leiden Jesu am Kreuz, für gläubige Juden hingegen eine fehlerhafte Übersetzung.

April 09, 2009

Die Woche der Auferstehungen: Attis


Der phrygische Gott Attis passt eigentlich nicht so gut in das Bild des sterbenden und auferstandenen Gottes, obwohl auch er als Fruchtbarkeits- resp. Vegetationsgott als solcher verehrt wurde. Wie bei Dionysos gibt es auch vom Attis-Mythos mehrere Varianten, wobei auch Elemente der Tammuz-/Adonis-Erzählungen eingeflossen sind.

Wir wollen uns auf diejenige beschränken, laut der Attis durch die Gnade des Zeus nicht leiblich, sondern als ewig grüne Pinie wiedergeboren wurde. Zuvor war Attis verblutet, als er sich in einem Anfall von Wahn selbst die Genitalien abschnitt. Dieser Wahnzustand war eine Reaktion auf das Erscheinen der in ihn verliebten Kybele während des Hochzeitsfestes von Attis und der Tochter des Königs der phrygischen Stadt Pessinus. Nun war es so, dass Kybele und Attis zwar Liebhaber gewesen waren, aber beide eigentlich zwei Facetten der gleichen Person darstellten: des/der zweigeschlechtlichen Dämons/in Agdistis. Die Zweigeschlechtlichkeit von Agdistis war den Göttern des Olymp ein Dorn im Auge, weshalb sie Agdistis das männliche Geschlechtsteil abschnitten. Die nunmehr weibliche Agdistis lebte fortan als Kybele, auch "Grosse Mutter" genannt, weiter, aus dem abgetrennten Penis wurde hingegen ein kräftiger Mandelbaum. Als Nana, die Tochter des Flussgottes Sangarios, eine Frucht des Baumes in den Schoss fällt, wird sie (unbefleckt) mit Attis schwanger...

In gewisser Weise wiederholt sich also bei Attis im Tod die Zeugung.


N.B. Attis erkennt man dadurch wieder, dass er immer mit einer Jakobinermütze (französisch: "bonnet phrygien") auf dem Kopf dargestellt wird.

April 08, 2009

Die Woche der Auferstehungen: Dionysos (Zwei Varianten)

Dionysos, ein weiterer Gott der für Tod und Wiedergeburt steht, zeichnet sich von den anderen auferstandenen Gottheiten dadurch aus, dass bei ihm das zweite Leben das eigentliche ist, der Geburtsmythos und der Auferstehungsmythos direkt verknüpft werden, dies in beiden existierenden Varianten:
1) Dionysos ist der Sohn von Zeus und der sterblichen Semele, der Tochter König Cadmus' von Theben. Durch die eifersüchtige Hera dazu verleitet, stirbt die schwangere Semele als Zeus ihr den Wunsch erfüllt sich ihr in seiner wahren, in seiner göttlichen Gestalt zu zeigen. Zeus rettet den ungeborenen Dionysos in dem er ihn in seinen Oberschenkel einnäht. Schliesslich entlässt Zeus das Kind auf der Insel Ikaria, weswegen Dionysos als der "von zwei Müttern getragene", bzw. der "zweifach geborene" ist.
2) Dionysos ist der Sohn von Zeus und Persephone, der Königin der Unterwelt (die in verschiedenen Fassungen der Mythen selber eine Tochter von Zeus ist). Die eifersüchtige Hera schickt die Titanen los, um das Kleinkind Dionysos zu töten. Die Titanen reissen das Kind in Stücke, und essen alles auf bis auf das Herz, das gerettet werden kann. Zeus legt das Herz in Semeles Schoss (nach anderen Überlieferungen isst Semele das Herz auf), die das Kind ein zweites Mal zur Welt bringt.

April 07, 2009

Die Woche der Auferstehungen: Krishna


Obwohl Krishna eine recht spannende Gottheit ist, so ist die Geschichte von seinem Tod und seiner Auferstehung doch vergleichsweise banal (geschildert wird sie im 16. Buch der Mahabharata, der Mausala Parva). Es begab sich so: am 18. Februar des Jahres 3.102 vor unserer Zeitrechnung, um 2 Uhr nachmittags, stösst ein Jägersmann auf den unter einem Baum in tiefer Meditation versunkenen Krishna. Der offenbar etwas schwersichtige Jäger hält den blauhäutigen Schäfer für Dammwild, und trifft ihn mit einem Pfeil an der Ferse, was, ähnlich wie bei Achilles, zum sofortigen Tod führt. Als sich der erschrockene Schütze jedoch der Leiche nähert, schlägt Krishna wieder die Augen auf, und steht in einem gelben Anzug vielarmig vor dem verdutzten Jäger. Krishna tröstet den Jäger und steigt anschliessend mit viel Getöse gegen Himmel auf. Der Augenblick des Todes Krishnas markiert den Anfang des Kali Yuga, des dunken Zeitalters, in dem wir uns nunmehr seit über 5.000 Jahren befinden. Und das alles wegen einem schwersichtigen Jäger!


P.S. Im Internet findet man Angaben darüber, dass Krishna gekreuzigt worden sei und sich die Erde verdüstert habe usw. Das ist aber gelinde gesagt Bullshit, und geht wohl auf den französischen Sachbuch- und Abenteuerroman-Schreiber Louis Jacolliot zurück, der sich im 19. Jahrhundert mit den Parallelen zwischen Krishna und Jesus auseinandergesetzt hat.


April 06, 2009

Die Woche der Auferstehungen: Osiris


Osiris, Sohn des Geb und der Nut, sterblicher König von Ägypten, wird von seinem eifersüchtigen Bruder Set und 78 Mitverschwörern verraten, und anlässlich eines Banketts dazu verleitet, sich in einen seiner Körperform angepassten Kasten zu legen. Der verräterische Bruder nagelt den Kasten zu, und schmeisst ihn in den Nil. Osiris ertrinkt im verschlossenen Kasten (seitdem ist es Brauch Menschen in Särgen zu bestatten). Der Sarg schwimmt bis nach Byblos im heutigen Libanon. Osiris' Ehefrau Isis findet ihn dort nach langer Suche, und bringt die Leiche zurück nach Ägypten. Jedoch entdeckt Seth die Leiche, und zerteilt sie in 14 Stücke, die er im Nil verteilt. Isis gelingt es erneut, alle Stücke wieder zu finden, bis auf den königlichen Penis, der von einem Fisch gefressen worden war. Mit Hilfe von Anubis gelingt es ihr die übrig gebliebenen Stücke wieder zusammen zu fügen und Osiris vorübergehend zum Leben zu erwecken. Der untote Osiris zeugt auf mystische Art und Weise mit Isis einen Sohn, Horus. Anschliessend wird Osiris einbalsamiert und begraben; die Götter sind jedoch von Isis' Hingabe so beeindruckt, dass sie Osiris im Jenseits zum Leben erwecken und ihn zum Herrn über das Totenreich und den Richter über die Seelen der Verblichenen macht. Durch Osiris' Tod und Auferstehung wird so das Leben nach dem Tod für alle Sterblichen ermöglicht.

April 05, 2009

Die Woche der Auferstehungen: Dumuzi und Inanna

Es ostert sehr. Zum Fest der Auferstehung wollen wir in den kommenden Tagen einige von den Toten auferstandene Götter und Helden kurz vorstellen.

Dumuzi (babylonisch: Tammuz, hellenisiert: Adonis), der Schäfer, Ehemann von Inanna, der sumerischen Göttin der Liebe; in der sumerischen Mythologie fungiert der ursprünglich sterbliche Hirte und Urahn von Gilgamesh als Vegetationsgott. Die Ehe zwischen Dumuzi und Inanna sichert die Fruchtbarkeit der Felder wie der Lenden.
Inanna (babylonisch: Ischtar) beschließt eines Tages in die Unterwelt zu ihrer Schwester Ereshkigal hinabzusteigen, wird jedoch von Ereshkigal getötet und nach drei Tagen wieder auferweckt. Nach ihrer Rückkehr aus der Unterwelt ist Inanna entsetzt, dass ihr Ehemann Dumuzi sie nicht betrauert, und befiehlt den Dämonen Dumuzi selbst in die Unterwelt hinab zu ziehen. Dumuzis Tod hat das Verdorren der Felder, das Einsetzen einer großen Sommerdürre zur Folge. Dumuzi gelingt es - dank der Hilfe des Gottes Utu - der Unterwelt zu entkommen und zu seiner Schwester Geshtinanna, der Göttin des Weines, zu fliehen. Schliesslich entscheidet Inanna, dass Dumuzi jedes Jahr sechs Monate in der Unterwelt verbringen muss und dann wiederum sechs Monate von seiner Schwester Geshtinanna abgewechselt wird. So stirbt Dumuzi seitdem jedes Jahr auf ein Neues, wenn die Ernte eingenommen wird, begleitet vom Jammern und Wehklagen der weiblichen Bevölkerung (vergleiche Ezechiel 8,14), und kehrt nach sechs Monaten pünktlich zurück, so dass die neue Saat spriessen kann...

As the farmer, let him make the fields fertile
As the shepherd, let him make the sheepfolds multiply,
Under his reign let there be vegetation,
Under his reign let there be rich grain

(The Courtship of Inanna and Dumuzi)

Frauen aus Japan

Japan scheint mit Abstand die höchste Frauenband-Quote weltweit zu haben. Hier im Westen sind Bands ohne männliche Beteiligung vielleicht nicht mehr ganz so ein Kuriosum wie in den Siebzigern, aber doch eher die Ausnahme (man überlässt den Frauen die Leadsängerinnen- bzw. Blickfangrolle); in Japan hingegen hat man den Eindruck, dass es genausoviele Frauen- wie Männerbands gibt. Woran's liegt? Vielleicht an der Vorreiterrolle von Yoko Ono?

Shonen Knife - Riding on the rocket



The 5.6.7.8.s - Motorcycle Go-Go-Go!



The Planets - Crazy Love


April 04, 2009

Libertäre Presse

Am 1. April ist die erste Ausgabe von Shawn Wilburs LeftLiberty erschienen, eine vor allem auf die Geschichte und Literatur des Mutualismus fokussierte Zeitschrift, einsehbar hier. Das Format ist allerdings das in linkslibertären Kreisen populäre der Vorlage zum Selbstausdrucken, was nicht unbedingt das Lesen am Bildschirm vereinfacht...

Höhepunkt der ersten Nummer ist für mich ein erster Einblick in eine fourieristische Parallelweltgeschichte, die fortgesetzt werden soll. Daneben findet man auch weitgehend in Vergessenheit geratene Texte von Benjamin Tucker und William B. Greene, wobei der Text "The blazing star" von letzterem auch zeigt, dass - gelinde gesagt - okkultes Denken der anarchistischen bzw. libertären Bewegung im 19. Jahrhundert nicht unbedingt fremd war.

Addendum: es gibt letztendlich doch die Zeitschrift auch als konventionelles Pdf-File.

März 30, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number 6 in a series)

Am Ausführlichsten äußert sich Marx über die große Krise der Jahre 1873 und folgende in einer Reihe von Briefen an Nikolai Danielson, dem russischen Übersetzer des Kapitals, geschrieben am 15. und 28. November 1878, sowie am 10. April 1879. Zuvor war die Krise, nachdem sie Mitteleuropa, Rußland und die USA getroffen hatte, nun auch mit einiger Verspätung ins Mutterland des Kapitalismus, nach England vorgestoßen.

In diesen Briefen an Danielson geht es nicht zuletzt auch darum, daß Marx zu rechtfertigen versucht, wieso er gut 13 Jahre nach Erscheinen von Kapital Band I den zweiten Band noch immer nicht abschliessen konnte. Im dritten Brief erklärt Marx, dies sei durch den Ablauf und Charakter der Krise verschuldet, die ihm offenbar seine bisherigen Erklärungsmodelle ein wenig durcheinander gebracht haben:
"Ich hätte unter keinen Umständen den zweiten Band veröffentlicht, ehe die augenblickliche industrielle Krise in England ihren Höhepunkt erreicht hat. Die Phänomene sind diesmal ganz eigenartig, sie unterscheiden sich in vieler Beziehung von den früheren, und dies (...) erklärt sich leicht durch die Tatsache, daß niemals zuvor der englischen Krise ungeheuere und fast schon fünf Jahre andauernde Krisen in den Vereinigten Staaten, Südamerika, Deutschland, Österreich usw. vorausgingen. Man muß also den gegenwärtigen Verlauf beobachten, bis die Dinge ausgereift sind, dann erst kann man sie 'produktiv konsumieren', das heißt 'theoretisch'." (MEW, 34, S.370-371).

Marx gesteht sogar ein, daß ihm die neuerliche "Masse an Material" aus den USA und Rußland, ihm einen glücklichen "Vorwand" liefere, seine "Untersuchungen fortzusetzen, 'anstatt sie endgültig abzuschließen' " (MEW, 34, S.372). D.h. Marx hat sich zu diesem Zeitpunkt offenbar schon damit abgefunden, daß sein Opus Magnum, Das Kapital, nie zu Ende geschrieben wird; er will seine Kritik der politischen Ökonomie eigentlich gar nicht abschliessen. Dies erscheint mir zumindest aber auch als Absage an die Idee eines in sich geschlossenen Marxschen Systems, wie es bereits zu diesem Zeitpunkt von der sich bildenden marxistischen Partei (und von Friedrich Engels) propagiert wurde. Marx gefällt sich offenbar eher (auch wenn er das wohl nie öffentlich zugegeben hätte) in der Rolle des Beobachters, des Empirikers, für den "der Weg das Ziel ist": Marx will sein "System" gar nicht abschliessen, da er es vorzieht, immer größere Mengen an Wissen sich anzueignen - wie auch die unzählige Auswahl an Sachthemen, etwa in Marx' Exzerptheften bezeugt. Jedoch hat dieses Konsumieren mit fortschreitendem Alter nichts "Produktives" mehr an sich: nach 1873 publiziert Marx fast nicht mehr (es sei denn als Ghost Writer bei einem Kapitel von Engels' Anti-Dühring), und das letzte zu Lebzeiten unter dem eigenen Namen von Marx veröffentlichte Buch bleibt der erste Band des Kapitals.

Dass sich Marx diese Muße und Ruhe erlaubt, liegt nicht nur an seinem sich verschlechternden Gesundheitszustand, es liegt auch daran, dass er nunmehr - ganz unabhängig von seinen empirischen Beobachtungen, und ganz im Gegenteil zu seiner Panik in den späten 1850ern, als er drängte seine Kritik noch abzuschliessen, bevor der Kapitalismus gänzlich zu Grunde ginge - der festen Überzeugung eine neue Ära der Prosperität folge der Krise so sicher wie das Amen in der Kirche:
"Wie sich nun diese Krise auch entwickeln mag - deren detaillierte Beobachtung für den Erforscher der kapitalistischen Produktion und für den professionellen Theoretiker freilich von höchster Wichtigkeit ist -, sie wird wie ihre Vorgängerinnen vorübergehen und einen neuen 'industriellen Zyklus' mit allen seinen Phasen von Prosperität usw. einleiten." (MEW, 34, S.372).
(wird fortgesetzt).

März 29, 2009

Frauen, Funk, Flöten und Comics

Isis - April Fool



Mehr über die weltweit erste lesbische Funk-Band hier.

März 27, 2009

The Scientist as Rebel

Schönes Portrait in der New York Times von Freeman Dyson, der seinen Namen nicht gestohlen hat.

März 26, 2009

Völkischer Beobachter included

Das Projekt "Zeitungszeugen" (Nachdruck verschiedener Zeitungen aus dem "Dritten Reich" zu historischen Ereignissen wie Reichtagsbrand, Hindenburgs Tod, Austritt aus dem Völkerbund...) hat vor Gericht Recht bekommen, und darf in Zukunft wieder Zeitungen des NSDAP-eigenen Fr. Eher-Verlags nachdrucken; insbesondere betroffen ist der Völkische Beobachter. Das bayrische Finanzministerium hatte als Rechtsnachfolger von Joseph Goebbels und Adolf Hitler die zweite Ausgabe der Zeitungszeugen (enthalten war die Ausgabe des Völkischen Beobachters zum Reichstagsbrand) beschlagnahmen lassen; auf einen für die dritte Ausgabe vorgesehenen Reprint einer Nummer des Angriff wurde verzichtet.
Das Gericht hat festgehalten, dass nicht Hitler und Goebbels, sondern der Eher-Verlag als Urheber zu gelten hat. Da das Urheberrecht in diesem Fall 70 Jahre nach Erscheinen erlischt, kann Zeitungszeugen, sofern der Freistaat Bayern in der Berufung nicht doch noch gewinnt, Zeitungen des Eher-Verlags der Jahre 1933-1938 nachdrucken.
Ich persönlich begrüsse das, bisher habe ich noch in jeder Ausgabe der Zeitungszeugen Neues gelernt. Zuletzt hat man jedoch etwas arg viel auf die katholische Germania zurückgegriffen - ein bißchen Abwechslung könnte nicht schaden.
Mein Kampf wird übrigens ab 2015 (70 Jahre nach dem Tod des Verfassers) im Public Domain sein, was ja eigentlich eine gute Gelegenheit wäre, eine historisch-kritische Ausgabe dieses weltgeschichtlich doch einigermaßen bedeutsamen Buches zu veröffentlichen. Da die deutschen Volksvertreter ihr Volk allerdings für derart unmündig halten (oder die hitlersche Überzeugungskraft für so groß ???), dass sie davon ausgehen die bloße Lektüre von Mein Kampf würde Millionen in überzeugte Nationalsozialisten verwandeln, ist zu befürchten, dass dem noch ein Gesetz zuvorkommen wird.