März 25, 2009

Rudolf Rocker - Über den Begriff des Kleinbürgers

Zum heutigen Geburtstag von Rudolf Rocker, ein später Text des bekanntesten Autoren des deutschsprachigen Anarchosyndikalismus über den "Kleinbürger" Proudhon:

Proudhon. Ich habe nicht nur alle seine Werke, sondern auch seine 14 Bände starke Korrespondenz mit großem Nutzen gelesen. Ich bin sogar heute noch im Besitz einer vollständigen Sammlung aller seiner Tageszeitungen, aus denen man erst ein richtiges Bild über ihn und seine Zeit gewinnen kann.Wer da glaubt, Proudhon einfach als Kleinbürger abtun zu können, hat sich nie die Mühe gegeben, ihn wirklich kennen zu lernen. Dies ist übrigens nur in Deutschland der Fall, wo unter dem Einfluß des Marxismus jede andere soziale Richtung verdrängt wurde oder nie richtig aufkommen konnte. Es war Marx selbst, der mit dem inhaltslosen Wort Kleinbürger Proudhon und jeden ihm nicht bequemen Gegner abzufertigen versuchte, und gerade bei uns in Deutschland hat man dieses wie eine Offenbarung aufgefasst, ohne sich auch nur die Mühe zu geben, sich die Frage zu stellen, was man eigentlich darunter verstehen soll.

Was ist ein Kleinbürger? Im besten Falle doch nur ein sehr unbestimmter sozialogischer Begriff. Man kann darunter einen Menschen verstehen, der unter behäbigen wirtschaftlichen Verhältnissen sein Leben fristet. Aber was ist damit gewonnen? Gar nichts. Wenn man beweisen könnte, dass ein Mensch, der wirtschaftlich einer bestimmten sozialen Schicht angehört, in seinem Denken und Handeln vollständig von dieser Zugehörigkeit abhängig ist, so wäre die Frage schnell gelöst. Aber gerade diesen Beweis konnte bisher niemand erbringen. Fast alle großen Pioniere des sozialistischen Gedankens kamen aus dem Lager des Kleinbürgertums, der Großbourgeoisie, der Aristokratie und der Intellektuellen. Nur Weitling, Proudhon und einige wenige mehr kamen aus dem Arbeiterstande. (Wohlverstanden! ich spreche hier nicht von der Gefolgschaft des Sozialismus, sondern von seinen theoretischen Begründern.) Wenn ich hier betone, dass Proudhon aus der Arbeiterschaft kam und manche Jahre seines Lebens sein Brot als Schriftsetzer verdienen musste, so betrachte ich dies keineswegs als seinen besonderen Vorzug und noch viel weniger als die Ursache seiner geistigen Entwicklung.

Über die inneren Ursachen der schöpferischen Begabung eines so genialen Menschen, wie Proudhon unbedingt gewesen ist, wissen wir vorläufig noch sehr wenig oder gar nichts. Sogar der schärfste Psychologe hat uns bis jetzt dieses Geheimnis der Natur nicht enträtseln können; sicher aber ist, dass dieser innere Schöpfertrieb gewiß nicht auf der Zugehörigkeit eines Menschen zu einer bestimmten Volksschicht erklärt werden kann. Auf Proudhon aber kann die Bezeichnung Kleinbürger, auch wenn wir sie rein soziologisch betrachten, schon deshalb keine Anwendung finden, weil er seiner Abstammung nach nie dem Kleinbürgertum angehörte, und auch später nicht, als er die Schriftsetzerei aufgegeben hatte und sich ganz der Schriftstellerei ergeben hatte.

Das wollte auch Marx darunter nicht verstanden wissen. Er benutzte dieses Wort in einem rein verächtlichen Sinn, weil er glaubte, seinen Gegner damit umso tiefer treffen zu können. Wäre ihm das Wort lediglich ein soziologisches Einteilungsmittel gewesen wie z.B. dem Geographen die Einteilung der Erde in Länge- und Breitegrade, so hätte er seinen intimsten und vielleicht einzigen wirklichen Freund, den reichen Fabrikanten Friedrich Engels, ähnlich beurteilen müssen, dessen wirtschaftliche Verhältnisse ja noch weit über die Lebenshaltung der Kleinbürgers hinausgingen.

Doch daran dachte er gar nicht. Das Wort hatte für ihn, trotz der materialistischen Geschichtsauffassung, eine rein psychologische Bedeutung mit einem höhnenden Beigeschmack. Was er darunter verstanden wissen wollte, war ein Kleingeist, der über die Niederungen des Denkens nicht hinauskommt oder, was man im gewöhnlichen Sprachgebrauch einen Philister nennt. Heute erfüllt das Wort „Konterrevolutionär“ dieselbe Aufgabe, und weil auch dieses Kompliment bereits bis zum Überdruß eintönig wurde, so beehrt man neuerdings jeden, der nicht auf die Weisheit des Kreml schwört, wohl auch als „Faschist“, da man gerade keinen anderen Patentausdruck auf Lager hat.

Wer aber Proudhon als Philister oder gar als Kleingeist betrachtet, der hat nie versucht, in sein Werk einzudringen oder ihm sogar nur als Mensch gerecht zu werden. Proudhon war, ohne Zweifel, einer der kühnsten Denker aller Zeiten und hat Probleme aufgeworfen, welche die Menschen noch auf Jahrhunderte hinaus beschäftigen werden. Dazu war er ein echter Kämpfer, der mit unbestechlicher Redlichkeit seiner inneren Überzeugung folgte und nie aus Bequemlichkeit oder persönlicher Berechnung Dinge verschwieg, die gesagt werden mussten. Kein Mann wurde von den Reaktionären aller Schattierungen so bitter gehasst wie er, was er häufig genug am eigenen Körper fühlen musste. Ein Mann, der jahrelang für seine Überzeugung im Gefängnis schmachten musste und sich später, bereits von Krankheiten geplagt, neuen Verfolgungen nur durch die Verbannung entziehen konnte, war sicher kein Philister. Wie immer man seine Anschauungen beurteilen mag, diesen Vorwurf kann ihm mit gutem Gewissen keiner machen.

Man hat Proudhon häufig den Vorwurf der Inkonsequenz gemacht, weil er in späteren Werken Dinge anders beurteilt hat als in seinen Erstlingsschriften. Aber gerade darin besteht ja seine ganze Größe. Er war ein Mensch, der unermüdlich mit sich selber rang und gerade deshalb stets im Werden begriffen war. Konsequenz beginnt bei den meisten erst dann, wenn die Gedanken eingefroren werden. Er selbst sagte einmal mit leiser Ironie: „ein konsequenter Mensch ist einer, der geistig fertig ist und nicht mehr über sich hinauskommt.“ Diese Worte sollten wir uns gerade heute, wenn durch die heillose Flut oder Schlagworte der Geist zu versanden beginnt, immer wieder ins Gedächtnis rufen. Erst wenn wir uns wieder von dem Propagandaunrat der heute so geschäftigen Rattenfänger von rechts und links endgültig befreien werden, um den großen Problemen, die unsere Zeit uns gestellt hat, wirklich näherzutreten, wird ein neuer geistiger Aufstieg beginnen können. Je schneller und gründlicher dies geschieht, desto besser.


Die freie Gesellschaft, vol. IV, 38 (1953).


P.S. Dezent möchte ich damit auch nochmal für mein eigenes Buch werben.

März 22, 2009

Frauen zerschreddern die Moody Blues


Rock Goddess - (K)nights in White Satin






März 18, 2009

Weltmarkt Illustrated



"Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.

An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur."

Manifest der Kommunistischen Partei, 1848 (nach MEW, 4, S.466).

März 17, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number 5 in a series)

Auch Le Monde Diplomatique, das Zentralorgan der, zumindest ihrem Selbstverständnis nach, linken Nostalgiker des Nationalstaats, geht in ihrer aktuellen Nummer (ich zitiere nach der deutschen Ausgabe, März 2009) auf die Krise von 1873 im Vergleich zur heutigen Krise ein, und bringt als Illustration dazu Auszüge aus Marx' Rede über den Freihandel, gehalten am... 9. Januar 1848 vor der Demokratischen Gesellschaft in Brüssel.

Marx behauptet in dieser Rede im Wesentlichen, dass er den Freihandel dem Schutzzollsystem vorziehe, da letzteres konservativ sei, während der Freihandel letztlich der Sache der Revolution diene:
"[Das Freihandelssystem] zersetzt die bisherigen Nationalitäten und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie an die Spitze. Mit einem Wort, das System der Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution. Und nur in diesem revolutionären Sinne, meine Herren stimme ich für den Freihandel."
Nicht zufällig erinnert diese Argumentation an das Loblied auf die revolutionäre Funktion der Bourgeoisie in der Weltgeschichte aus dem Manifest der Kommunistischen Partei, das etwa zur gleichen Zeit entstand (und wiederum auf eine ähnlichen Argumentation aus Victor Considérants Manifeste de la démocratie au XIXe siècle aufbaut, dem das Kommunistische Manifest überhaupt viel verdankt).

Schon diese strategische Zustimmung für den Freihandel geht dem Monde Diplo jedoch zu weit; man müsse diese im "historischen Kontext" verstehen: "Er wollte (...) den Freihandel als Rammbock gegen eine bäuerliche, konservative Gesellschaftsordnung einsetzen." Der Monde Diplo hingegen bevorzugt Keynes' "National Self-Sufficiency", so der Titel eines Aufsatzes von 1933, auf den sich Jacques Sapir dort positiv bezieht. In einer Zeit wo vom Europäischen Gewerkschaftsbund über Fidel Castro bis hin zur trotzkistischen Orthodoxie alle Welt vor dem um sich greifenden ökonomischen Nationalismus und Protektionismus warnt, bricht Le Monde Diplomatique, als Vorkämpfer gegen die "pensée unique" der Globalisten, eine Lanze für die nationale Abschottung, für nationale Selbstgenügsamkeit. Zurück in die Dreissiger also?

Man höre und staune: "In der Geschichte fiel der Protektionismus stets mit der Industrialisierung und wirtschaftlicher Entwicklung zusammen oder hat sie sogar ausgelöst", schreibt Paul Baroich. Hingegen habe Freihandel, ausser im Falle des "manchesterliberalen Grossbritanniens", das jedoch auf den durch 150 Jahre Protektionismus errungenen Vorsprung aufbauen gekonnt habe, immer negative Inzidenzen auf das wirtschaftliche Wachstum gehabt!

Nun mag es ja durchaus so sein, dass Protektionismus in manchen historischen Epochen durchaus für die Staaten, die sich ihn leisten konnten, durchaus Vorteile gebracht hat, jedoch allein im Sinne der Durchsetzung nationaler Machtinteressen - die traditionelle imperialistische Politik war in der Tat: Abschottung des Binnenmarkts, Kolonialismus und militärische Expansionspolitik nach aussen. Wie bereits der junge Marx 1842 wusste:
"Handel und Gewerbe sollen beschützt werden, aber eben das ist der streitige Punkt, ob Schutzzölle Handel und Gewerbe wahrhaft beschützen? Wir betrachten vielmehr ein solches System als Organisation des Kriegszustandes im Frieden (...)." [MEW, Ergänzungsband 1, S.398].

Es ist in dieser Hinsicht kein Wunder, dass es in erster Linie die kleineren bzw. schwächeren Staaten, die auf Exporte angewiesen sind, sich gegen protektionistische Tendenzen der Mächtigeren wehren: so derzeit in der EU die Mittel- und Osteuropäer gegen die Franzosen, oder auch die afrikanischen Staaten gegen die Agrarsubventionen in Nordamerika und Europa. Für den Monde Diplomatique ist es allerdings genau umgekehrt herum: hier drückt Protektionismus angeblich den Schutz der "Völker" gegenüber der "ungebändigten Globalisierung" aus. Das ist aber letztlich auch eine Zivilisationsfrage - was für eine Welt wollen wir? Weltmarkt oder "geschlossner Handelsstaat"? Melting Pot oder "Unantastbarkeit der Kulturen"? Kosmopolitismus oder Abschottung?

(Wird fortgesetzt)

März 12, 2009

Frauen an der Orgel

Da ich die nächsten paar Tage in der Weltgeschichte herumreise, kommt der 2. Beitrag zur neuen Musikvideo-Serie schon heute:

She - Outta Reach


März 11, 2009

In eigener Sache

Ich lese gerade die bereits erwähnte Anthologie des "liberalen" Proudhons. Sehr schön darin diese Beschreibung des Meisters:
"En usant d'un terme qu'il n'utilise pas, on peut dire qu'il est bien davantage 'de gauche' que socialiste. Contre l'ordre établi, avec les ouvriers, contre la bourgeoisie, contre le capitalisme, la religion et l'empereur, mais hostile à ce que sera le programme des socialistes, de L. Blanc à nos jours."
Ob die Beschreibung wirklich so gut auf Proudhon passt, darüber könnte man lange streiten; auf mich passt sie allemal.

März 09, 2009

Jean-Baptiste und John Maynard

Letzten Freitag, anlässlich einer Diskussion zu Ursachen der aktuellen Krise, ging jemand weit zurück und bemühte Says Theorem (ein Angebot von Gütern schafft immer eine Nachfrage an Gütern, so dass sich in einer freien Marktwirtschaft immer ein Gleichgewicht bildet), das (u.a.) von Keynes kritisiert wurde - die ewige Diskussion zwischen angebots- und nachfrageorientierten Ökonomen mal wieder.

Die Gegenüberstellung der beiden, Say und Keynes, hat mich allerdings etwas grübeln lassen. Offensichtlich ging der Redner davon aus, dass Keynes von den beiden der Fortschrittlichere, der "Linke" ist. Nun war Jean-Baptiste Say ein Teilnehmer der französischen Revolution (Mitglied der Nationalgarde unter dem Kommando von Lafayette), ein Girondin, sein Leben lang Republikaner und Antiklerikaler; kurz, im Kontext der Zeit stand Say zweifelsohne sehr weit links.

Keynes hingegen vertritt in seiner politischen Grundsatzrede "The End of Laissez-Faire" von 1926 die Rückkehr zum mittelalterlichen Zunftwesen und eine Form des Ständestaates; in der Einleitung zur ersten deutschen Ausgabe der General Theory of Employment, Interest and Money (1936) schreibt Keynes dass sich seine Theorie sicherlich besser unter den Bedingungen eines totalitären Staates anwenden liesse; Gewerkschaften hielt Keynes für "Tyrannen" die man bekämpfen müsse (oder: durch die Einführung feststehender Löhne überflüssig machen sollte); ansonsten war Keynes ein elitärer Snob, der sich selbst zur "educated bourgeoisie" zählte, und für das "boorish proletariat" nur Verachtung übrig hatte.

Wie kommt es also heute dass Keynes heute als Linker gilt, und sogar vorzugsweise von Gewerkschaftlern zitiert wird, der Revolutionär Say hingegen als konservativ? Sicherlich spielt dabei Ignoranz eine grosse Rolle (Say und Keynes sind im wesentlichen Chiffren, wer macht sich schon die Mühe alte ökonomische Werke im Original zu lesen?). Nichtsdestotrotz ist es interessant, wie solche Verschiebungen in der öffentlichen Meinung, besser: in der öffentlichen Verbildlichung vor sich gehen.

März 08, 2009

Frauen im Rock

Anlässlich des von Lenin eingeführten internationalen Frauentag, der heute begangen wird, habe ich mir überlegt, nach der Glam Rock-Reihe, nun als nächstes jeden Sonntag (oder so um den Dreh) Videos von Frauenrockbands der 70er und 80er, vorzugsweise laute, zu posten. Fangen wir an mit den Runaways - Wasted (1977).

März 07, 2009

Marx, dieser Liberale

Mit der Fortsetzung der Marx-Reihe wird es leider etwas dauern... nur eine kurze Anregung schon heute:
Ich habe gestern mein Exemplar der Anthologie des "liberalen" Proudhon erhalten, "La liberté, partout et toujours", aus der "Bibliothèque Classique de la Liberté" (in gewisser Weise passt das ganz gut als fast zeitgleich erscheinende Ergänzung zu meinen "aventures de Proudhon au pays des nazis", zum "faschistischen" Proudhon - bestellbar z.B. hier).

Ich habe mich gefragt, ob man einen ähnlichen Sammelband nicht auch zu Marx publizieren könnte, mit Passagen wie folgender aus der Kritik des Gothaer Programms, wo der alte Trierer gegen die sozialdemokratische Losung des freien Staats polemisiert:
"Es ist keineswegs Zweck der Arbeiter, die den beschränkten Untertanenverstand losgeworden, den Staat frei zu machen. Im Deutschen Reich ist der 'Staat' fast so 'frei' wie in Rußland. Die Freiheit besteht darin, den Staat aus einem der Gesellschaft übergeordneten in ein ihr durchaus untergeordnetes Organ zu verwandeln, und auch heutig sind die Staatsformen freier oder unfreier im Maß, worin sie die 'Freiheit des Staats' beschränken." (Ausgabe Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking, 1971, S.25).

Das ist doch eigentlich klassischer Liberalismus in Reinkultur (keine Sorge im Übrigen, gleich auf der darauffolgenden Seite ist von der "revolutionären Diktatur des Proletariats" die Rede). Und ein solches Unterfangen hätte zumindest den Reiz den linksetatistischen Mainstream etwas zu verwirren.
(siehe auch: http://www.liberation.fr/tribune/010182441-karl-marx-etait-un-liberal)

Februar 28, 2009

Deutsch-sowjetische Freundschaft

Ein Dialog aus dem Fortsetzungsroman Achtung! Industriespione! Geheimagent X wird eingesetzt! eines gewissen Max Ewerwien. Veröffentlicht in Der Deutsche. Die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront, Ausgabe vom 20. Januar 1934 (Reprint 2009 in Zeitungszeugen No. 6):

"Weiter laß dir gesagt sein, Lindström, daß der polnische Korridor nur eine vorübergehende Erscheinung ist im Leben der Völker. Das sagen sogar die Pazifisten. (...)"

"Zugegeben, Serno! Im Zusammenhang damit behaupte ich, daß jeder russische Soldat schon heute ein Aktivposten für Deutschland ist."

"Und der Nichtangriffspakt, den Rußland mit Polen abgeschlossen hat?"

"Du ahnungsloser Engel", lächelte Serno. "Der Nichtangriffspakt ist nur zu dem Zwecke von Rußland unterzeichnet worden, um ihn zur gegebenen Zeit zerreissen zu können. Es heißt dann im Falle eines Falles: Es sind Momente eingetreten, oder auch, um dem Weltproletariat die Sache schmackhaft zu machen: 'Die Lebensbedingungen des werktätigen, russischen Volkes usw.' Wir werden mit Rußland schon mal wieder Arm in Arm gehen müssen, gleichgültig unter welcher Staatsform dieses Sechstel der Erde marschieren wird."

"Serno, Kind Gottes! Ich lache Tränen, wenn die deutschen Kommunisten in absehbarer Zeit vor Staatsgesinnung triefen und den gerade amtierenden Ministern Ovationen bereiten. (...)"

"Sei nicht ironisch, Lindström! Ein Block Deutschland - Rußland - Italien?"

"Junge, Junge! Dann noch ein einziges Mal Soldat sein! Das wäre doch etwas anderes gewesen als 1914, gekettet an einen Staat, der schon damals ein Leichnam war und dessen Völkerschaften zu 50 Prozent an Verrat und Sabotage dachten. (...)"

"Stelle dir nur vor, Lindström! Das neue Rußland. Die Indolenz und Stupidität des Muschiks aufgelockert. 50 000 deutsche Offiziere und Unteroffiziere nach Rußland exportiert, das Land selbst ein einziger Atem von Initiative. Und Italien! (...) Wenn man die Italiener an ihre antiken Vorgänger erinnert, läßt sich mit ihnen etwas anfangen. (...)"

"Und wenn es uns an Offizieren fehlt? Dann machen wir wahrscheinlich wieder Seminaristen und Gymnasiasten zu Kompanieführern, was?"

"Unsinn! Das gab's nur einmal. Es wird schon dafür gesorgt werden, daß tüchtige Arbeiter- und Bauernsöhne, die das Zeug zu Führern haben, an die Tete kommen werden. Diese Kerle, zusammengeschweißt mit dem alten preußischen Schwertadel, würden sich, wenn sie angesetzt werden, in die Ziele hineinfressen."

Februar 24, 2009

Plus ça change, plus c'est la même chose (bis)


"Doomsday", Zeichnungen von Abe Simon, aus Black Cat Mystery #40, Oktober 1952, Harvey Comics.

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number 4 in a series)

Erst am 18. Juni 1875 geht Marx in seinem Briefverkehr auf die Krise ein. Er spricht in einem Brief an den Narodnik Pjotr Lawrowitsch Lawrow davon, dass die Krise noch ein halbes Jahr andauern könnte (tatsächlich sollte es erst 1879 wieder aufwärts gehen; allerdings hielt die Depression im wesentlichen bis in die 1890er Jahre an). Zugleich sieht er seine Theorie hier noch durch die Krise bestätigt, da sie, nur sechs Jahre nach dem Krach von 1866-67, zeige dass die Abstände zwischen den Krisen immer kürzer werden. Marx sieht somit, ähnlich wie schon 1858, auch nun wieder das baldige Ende des Kapitalismus nahen:
"Die wirklich bemerkenswerte Phänomen ist die Verkürzung der periodischen Dauer der allgemeinen Krisenzyklen. Ich habe diese Zahl nie für eine konstante, sondern stets für eine abnehmende Größe gehalten; aber das Erfreuliche ist, daß sie so greifbare Anzeichen ihrer Abnahme aufweist; das ist ein schlechtes Omen für die Dauer der bürgerlichen Welt." (MEW, 34, S.145).

Tatsächlich hatte Marx in der ersten französischen Ausgabe von Kapital Band I von 1872-1875 (44 Lieferungen; das Erscheinen dieser Passage lag beim Verfassen des Briefes an Lawrow noch nicht weit zurück) einen Passus zur "stufenweise" vorgenommenen "Verkürzung" der Wirtschaftszyklen zwischen zwei Krisen eingeschoben (vgl. MEW, 23, S.662). Mehr zu den Wirtschaftszyklen jedoch ein andermal; heute gehen wir noch auf einen weiteren Brief an Lawrow ein (21. Oktober 1876), der insbesondere die eher hilfslosen Maßnahmen der zaristischen Regierung angesichts der Krise behandelt:
"Die russische Regierung hat bereits das Signal ihrer Zahlungsunfähigkeit gegeben, indem sie die Bank von Petersburg erklären ließ, ausländische Wechsel würden nicht mehr gegen Gold (resp. Silber) eingelöst. Darauf war ich gefaßt, was aber zu weit geht, ist die Tatsache, daß diese Regierung, bevor sie diese 'unangenehme' Maßnahme traf, wieder die Dummheit begangen und den Versuch gemacht hat, zwei oder drei Wochen an den Wechselkurs an der Londoner Börse künstlich aufrechtzuerhalten. Das hat sie fast zwanzig Millionen Rubel gekostet; ebensogut hätte sie dieses Geld in die Thames werfen können.
Diese absurde Operation - die künstliche Aufrechterhaltung des Wechselkurses auf Kosten der Regierung - gehört dem achtzehnten Jahrhundert an. Heute können sich nur noch die russischen Finanzalchimisten auf so etwas einlassen. Seit dem Tode von Nikolaus haben dies grotesken, sich periodisch wiederholenden Manipulationen Rußland mindestens 120 Millionen Rubel gekostet. So etwas kann nur eine Regierung tun, die allen Ernstes noch an die Allmacht des Staates glaubt. Die anderen Regierungen wissen wenigstens, daß 'Geld keinen Herrn hat'." (MEW, 34, S.219-220).
Mit der zuletzt geäusserten Meinung wäre Marx für die heutigen Wendehalskeynesianer vermutlich ein unverbesserlicher Neoliberaler. In der Tat hat der Staat seither so manches getan und geschaffen, um die "Allmacht des Staates" in Sachen Geldpolitik wieder herzustellen. Es sei daran erinnert, daß es 1876 noch überhaupt keine Zentralbanken im heutigen Sinne gab und der Goldstandard gerade dabei war den Silberstandard abzulösen.

[Übrigens ist in der taz von heute zu lesen: "1873 gab es schon einmal einen großen Wirtschaftseinbruch. Damals wussten die Regierungen nichts über die Steuerung einer Krise und ließen sie einfach laufen. 1879 ging es dann wieder bergauf." Tja: Que sera, sera.]

Februar 23, 2009

Plus ça change, plus c'est la même chose

"De tous côtés, on proposait des solutions à la misère; les réformateurs commençaient par faire une critique mordante de l'état social existant et des projets des autres écrivains; c'était généralement la partie du livre qu'on traitait avec le plus d'ampleur; ils terminaient en proposant un remède qui devait être bon, puisque toutes les autres solutions étaient écartées.
Les économistes ne procédaient pas autrement que les socialistes; ils déclamaient contre la douane, l'accusaient de mettre tout hors de prix; - mais on leur répondait en signalant les misères que le libre-échange amènerait à sa suite.
Enfin quelques écrivains déclaraient qu'il fallait savoir supporter une crise fatale, qu'il n'y avait rien à faire, que la misère ne pouvait être combattue que par la pratique malthusienne."

Georges Sorel - Essai sur la philosophie de Proudhon (1892).

Februar 21, 2009

David Bowie Week - Gnosis, Kabbalah und magische Tänze

Zu Bowies mystischen Verirrungen und Verwirrungen gäbe es sicherlich viel zu schreiben. Zum Glück haben dies bereits einige Leute getan, allen voran Peter R. Koenig, dessen Artikel "The Laughing Gnostic" irgendwann zum Buch ausgebaut werden soll.
Bowies Interesse an der Kabbalah wird hier (auf französich) und hier (auf englisch, unvollendeter Artikel) besprochen.

Als Anhang ein paar passende Videos, womit die Bowie-Woche abgeschlossen ist Ich verhänge hiermit denn auch einen zweiwöchigen Verlinkungsbann auf Youtube-Videos für den Blog.

Zunächst Station to Station aus Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo:



Symbolismus-Overkill gab's im Video zu Loving the Alien (1984):



Ganz finster wird es dann im Film Labyrinth (1985); sogar unschuldige Babys werden hier mißbraucht:


Februar 20, 2009

David Bowie Week - Just a Gigolo (1978)

Marlene Dietrich inspiziert den feschen, wenn auch scheuen, Jüngling David Bowie.



Bowie wurde dabei in Berlin gefilmt, die Dietrich in Paris... oh Wunder der Traumfabrik ;-)

Februar 19, 2009

David Bowie Week: Queen Bitch

David Bowie Woche ohne Spiders from Mars geht ja auch nicht (immerhin soll's ja auch um Glam Rock gehen...), deswegen gibt Bowie im Video unten den Lou Reed beim altehrwürdigen Old Grey Whistle Test:

Februar 18, 2009

David Bowie Week: Quicksand; The Battle for Britain (The Letter)

1997: Bowie wird 50. Zu Gast u.a. Robert Smith (The Cure).



Quicksand

I’m closer to the Golden Dawn
Immersed in Crowley’s uniform
Of imagery
I’m living in a silent film
Portraying
Himmler’s sacred realm
Of dream reality
I’m frightened by the total goal
Drawing to the ragged hole
And I ain’t got the power anymore
No I ain’t got the power anymore

I’m the twisted name
on Garbo’s eyes
Living proof of
Churchill’s lies
I’m destiny
I’m torn between the light and dark
Where others see their targets
Divine symmetry
Should I kiss the viper’s fang
Or herald loud
the death of Man
I’m sinking in the quicksand
of my thought
And I ain’t got the power anymore

[CHORUS]
Don’t believe in yourself
Don’t deceive with belief
Knowledge comes
with death’s release

I’m not a prophet
or a stone age man
Just a mortal
with the potential of a superman
I’m living on
I’m tethered to the logic
of Homo Sapien
Can’t take my eyes
from the great salvation
Of bullshit faith
If I don’t explain what you ought to know
You can tell me all about it
On, the next Bardo
I’m sinking in the quicksand
of my thought
And I ain’t got the power anymore

[CHORUS]

Februar 17, 2009

David Bowie Week: Tin Machine - Under the God

Nach leiseren Tönen vom jüngeren Bowie nun lauteres vom älteren. Bowie singt als Leadsänger von Tin Machine 1991 in Hamburg gegen Neo-Nazis an.



Hmm... Bowie und Nazis. War da nicht mal was?
Ansonsten: gute Reflexe, Mister Jones!

Februar 16, 2009

David Bowie Week: When I'm Five

Ein seltener Nichtalbumtrack von 1968; das Video stammt aus dem Fernsehspecial "Love you 'til tuesday" von 1969.

Februar 15, 2009

David Bowie Week: The Society for the Prevention of Cruelty to Long-haired Men

Vermutlich David Bowies erster Fernsehauftritt: mit 17 Jahren tritt er, damals noch als Davy Jones, für die Rechte langhaariger Männer ein. Wir schreiben das Jahr 1964:

Platz 1 - David Bowie

Zum Abschluss der Glam Rock-Charts eine ganze Woche David Bowie!

Fangen wir an mit:

David Bowie - Life on Mars?


Februar 14, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number 3 in a series)

Setzte sich Marx noch 1857 daran, seine ökonomischen Studien so schnell wie möglich abzuschliessen, um seine Kritik der politischen Ökonomie noch vor dem Zusammenbruch des kapitalistischen Weltsystems fertig zu stellen ("Wenn ich zu spät fertig werde, um noch die Welt für derartige Sachen aufmerksam zu finden, ist der Fehler offenbar my own." schreibt Marx am 22. Februar 1858 an Lassalle; MEW 29, S.551), so findet man zur weitaus schwer wiegenderen und längerfristigen Krise von 1873, die Scott Reynold Nelson zufolge die meisten Ähnlichkeiten zur aktuellen Krise aufweist, im marxschen Briefwechsel, wie er im MEW Band 33 zusammengestellt ist, in etwa... nichts.

Allerdings koinzidiert der marxschen Entschluss seinen Versuch, den Krisenverlauf mathematisch genau berechnen zu können, "fürs erste" aufzugeben, zeitlich mit dem Ausbruch der Krise im Mai 1873:
"Ich habe hier [Samuel, Marx' Anwalt und späterer Übersetzer] Moore eine Geschichte mitgeteilt, mit der ich mich privatim lang herumgebalgt. Er glaubt aber, daß die Sache unlösbar ist, oder wenigstens, wegen der vielen und größtenteils erst auszufindenden Faktoren, die darin eingehn, pro tempore unlösbar ist. Die Sache ist die: Du kennst die Tabellen, worin Preise, Discountrate etc., etc. in ihrer Bewegung während des Jahrs etc. in auf- und absteigenden Zickzacks dargestellt sind. Ich habe verschiednermal versucht - zur Analyse der Krisen -, diese ups and downs als unregelmäßige Kurven zu berechnen und geglaubt (ich glaube noch, daß es mit hinreichend gesichtetem Material möglich ist), daraus die Hauptgesetze der Krisen mathematisch zu bestimmen. Moore, wie gesagt, hält die Sache einstweilen für untubar, und ich habe beschlossen, for the time being es aufzugeben." (Brief von Marx an Engels vom 31. Mai 1873, MEW 33, S.82).

Marx und Engels beschäftigen sich 1873/1874, wie die Lektüre des Bandes 33 zeigt, vorzugsweise mit dem "Platzen" einer anderen "Blase": sie betreiben das Platzen dieser Blase mit um so größeren Engagement selbst. Angesichts der um sich greifenden Weltwirtschaftskrise gibt es für Marx und Engels offenbar nichts wichtigeres als die Arbeiterinternationale von anarchistischem "Gesindel" und "Sektierern", d.h. den Anhängern Bakunins und Proudhons, zu säubern, auch wenn dies praktisch zum Zusammenbruch der Internationale führen sollte (die IAA löst sich 1876 auf, nachdem sie nach ihrem Haager Kongress von 1872, auf dem Bakunin ausgeschlossen und der Sitz des Rates nach New York verlegt worden war, ohnehin bereits nach und nach in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht war). Engels schreibt am 20. Juni 1873 an Bebel:
"Nehmen sie z.B. die Internationale. Nach der Kommune [Pariser Kommune von 1871] hatte sie den kolossalsten Erfolg. Die zusammengedonnerten Bourgeois schrieben ihr Allmacht zu. Die große Menge der Mitglieder glaubte, das werde ewig so bleiben. Wir wußten sehr gut, daß die Blase platzen müsse. Alles Gesindel hing sich ihr an. Die in ihr enthaltenen Sektierer wurden üppig, mißbrauchten die Internationale in der Hoffnung, man werde ihr die größten Dummheiten und Gemeinheiten erlauben. Wir litten das nicht. Wohl wissend, daß die Blase einmal platzen müsse, handelte es sich für uns nicht darum die Katastrophe zu verschieben, sondern Sorge zu tragen, daß die Internationale rein und unverfälscht aus ihr hervorgehe. [...]
Übrigens hat schon der alte Hegel gesagt: Eine Partei bewährt sich dadurch als die siegende, daß sie sich spaltet und die Spaltung vertragen kann ["Eine Partei bewährt sich erst dadurch als die siegende, daß sie in zwei Parteien zerfällt; denn darin zeigt sie das Prinzip, das sie bekämpfte, an ihr selbst zu besitzen, und hiemit die Einseitigkeit aufgehoben zu haben, in der sie vorher auftrat. Das Interesse, das sich zwischen ihr und der andern teilte, fällt nun ganz in sie und vergißt der andern, weil es in ihr selbst den Gegensatz findet, der es beschäftigt. Zugleich aber ist er in das höhere siegende Element erhoben worden, worin geläutert er sich darstellt. So daß also die in einer Partei entstehende Zwietracht, welche ein Unglück scheint, vielmehr ihr Glück beweist." G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Paderborn, s.d., S.463]. Die Bewegung des Proletariats macht notwendig verschiedne Entwicklungsstufen durch; auf jeder Stufe bleibt ein Teil der Leute hängen und geht nicht weiter mit [...]." (MEW 33, S.590-591).
Soll man also angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise mit Hegel und dem Sohn eines Barmener Fabrikbesitzers auch den heutigen Linksparteien raten sich zu spalten?

Februar 12, 2009

Platten, die die Welt nicht kennt

Wikipedia hat den Vorteil, dass man dort bei Banddiskographien oft von Platten liest, von denen man vorher nie gehört hat, die in den "offiziellen" Bandkatalogen meist nicht aufgeführt sind, und auch nicht mehr neu aufgelegt werden; insbesondere Alben von bekannten Bands, bei denen aber das bekannteste Mitglied abhanden gekommen ist (wegen Ausstieg, Drogenexzessen, Tod usw.). Z.B. war mir bis vor ein paar Monaten neu, dass Supertramp noch einige Alben ohne ihren Sänger Roger Hodgson veröffentlicht haben, zuletzt Slow Motion im Jahr 2002...


Mott (ex-Mott the Hoople) ohne Ian Hunter...


Big Brother and the Holding Company ohne Janis Joplin (deutlich mehr Alben übrigens ohne als mit Janis Joplin, die Band existiert erstaunlicherweise bis heute!)...


The Doors ohne Jim Morrison...



Die Spiders from Mars ohne David Bowie und ohne Mick Ronson - lediglich der Bassist und der Schlagzeuger sind von Ziggy Stardusts Begleitband übrig geblieben!



Februar 08, 2009

Platz 2 - Suzi Quatro

Fünf Songs, zwei Videos:

Suzi Quatro -Can the Can, 48 Crash, Daytona Demon, Devil Gate Drive, Too Big




Februar 07, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Interludium)

Als Illustration des Crashs von 1873, von dem ich unten mutmasste, er könne einen Bruch in der marxschen Auffassung der Gründe der Krisen bewirkt haben, folgender Artikel von Scott Reynolds Nelson aus The Chronicle Review vom 17. Oktober 2008, der die 1873er Krise mit der "Subprime-Crisis" vergleicht:

The Real Great Depression

The depression of 1929 is the wrong model for the current economic crisis

As a historian who works on the 19th century, I have been reading my newspaper with a considerable sense of dread. While many commentators on the recent mortgage and banking crisis have drawn parallels to the Great Depression of 1929, that comparison is not particularly apt. Two years ago, I began research on the Panic of 1873, an event of some interest to my colleagues in American business and labor history but probably unknown to everyone else. But as I turn the crank on the microfilm reader, I have been hearing weird echoes of recent events.

When commentators invoke 1929, I am dubious. According to most historians and economists, that depression had more to do with overlarge factory inventories, a stock-market crash, and Germany's inability to pay back war debts, which then led to continuing strain on British gold reserves. None of those factors is really an issue now. Contemporary industries have very sensitive controls for trimming production as consumption declines; our current stock-market dip followed bank problems that emerged more than a year ago; and there are no serious international problems with gold reserves, simply because banks no longer peg their lending to them.

In fact, the current economic woes look a lot like what my 96-year-old grandmother still calls "the real Great Depression." She pinched pennies in the 1930s, but she says that times were not nearly so bad as the depression her grandparents went through. That crash came in 1873 and lasted more than four years. It looks much more like our current crisis.

The problems had emerged around 1870, starting in Europe. In the Austro-Hungarian Empire, formed in 1867, in the states unified by Prussia into the German empire, and in France, the emperors supported a flowering of new lending institutions that issued mortgages for municipal and residential construction, especially in the capitals of Vienna, Berlin, and Paris. Mortgages were easier to obtain than before, and a building boom commenced. Land values seemed to climb and climb; borrowers ravenously assumed more and more credit, using unbuilt or half-built houses as collateral. The most marvelous spots for sightseers in the three cities today are the magisterial buildings erected in the so-called founder period.

But the economic fundamentals were shaky. Wheat exporters from Russia and Central Europe faced a new international competitor who drastically undersold them. The 19th-century version of containers manufactured in China and bound for Wal-Mart consisted of produce from farmers in the American Midwest. They used grain elevators, conveyer belts, and massive steam ships to export trainloads of wheat to abroad. Britain, the biggest importer of wheat, shifted to the cheap stuff quite suddenly around 1871. By 1872 kerosene and manufactured food were rocketing out of America's heartland, undermining rapeseed, flour, and beef prices. The crash came in Central Europe in May 1873, as it became clear that the region's assumptions about continual economic growth were too optimistic. Europeans faced what they came to call the American Commercial Invasion. A new industrial superpower had arrived, one whose low costs threatened European trade and a European way of life.

As continental banks tumbled, British banks held back their capital, unsure of which institutions were most involved in the mortgage crisis. The cost to borrow money from another bank — the interbank lending rate — reached impossibly high rates. This banking crisis hit the United States in the fall of 1873. Railroad companies tumbled first. They had crafted complex financial instruments that promised a fixed return, though few understood the underlying object that was guaranteed to investors in case of default. (Answer: nothing). The bonds had sold well at first, but they had tumbled after 1871 as investors began to doubt their value, prices weakened, and many railroads took on short-term bank loans to continue laying track. Then, as short-term lending rates skyrocketed across the Atlantic in 1873, the railroads were in trouble. When the railroad financier Jay Cooke proved unable to pay off his debts, the stock market crashed in September, closing hundreds of banks over the next three years. The panic continued for more than four years in the United States and for nearly six years in Europe.

The long-term effects of the Panic of 1873 were perverse. For the largest manufacturing companies in the United States — those with guaranteed contracts and the ability to make rebate deals with the railroads — the Panic years were golden. Andrew Carnegie, Cyrus McCormick, and John D. Rockefeller had enough capital reserves to finance their own continuing growth. For smaller industrial firms that relied on seasonal demand and outside capital, the situation was dire. As capital reserves dried up, so did their industries. Carnegie and Rockefeller bought out their competitors at fire-sale prices. The Gilded Age in the United States, as far as industrial concentration was concerned, had begun.

As the panic deepened, ordinary Americans suffered terribly. A cigar maker named Samuel Gompers who was young in 1873 later recalled that with the panic, "economic organization crumbled with some primeval upheaval." Between 1873 and 1877, as many smaller factories and workshops shuttered their doors, tens of thousands of workers — many former Civil War soldiers — became transients. The terms "tramp" and "bum," both indirect references to former soldiers, became commonplace American terms. Relief rolls exploded in major cities, with 25-percent unemployment (100,000 workers) in New York City alone. Unemployed workers demonstrated in Boston, Chicago, and New York in the winter of 1873-74 demanding public work. In New York's Tompkins Square in 1874, police entered the crowd with clubs and beat up thousands of men and women. The most violent strikes in American history followed the panic, including by the secret labor group known as the Molly Maguires in Pennsylvania's coal fields in 1875, when masked workmen exchanged gunfire with the "Coal and Iron Police," a private force commissioned by the state. A nationwide railroad strike followed in 1877, in which mobs destroyed railway hubs in Pittsburgh, Chicago, and Cumberland, Md.

In Central and Eastern Europe, times were even harder. Many political analysts blamed the crisis on a combination of foreign banks and Jews. Nationalistic political leaders (or agents of the Russian czar) embraced a new, sophisticated brand of anti-Semitism that proved appealing to thousands who had lost their livelihoods in the panic. Anti-Jewish pogroms followed in the 1880s, particularly in Russia and Ukraine. Heartland communities large and small had found a scapegoat: aliens in their own midst.

The echoes of the past in the current problems with residential mortgages trouble me. Loans after about 2001 were issued to first-time homebuyers who signed up for adjustablerate mortgages they could likely never pay off, even in the best of times. Real-estate speculators, hoping to flip properties, overextended themselves, assuming that home prices would keep climbing. Those debts were wrapped in complex securities that mortgage companies and other entrepreneurial banks then sold to other banks; concerned about the stability of those securities, banks then bought a kind of insurance policy called a credit-derivative swap, which risk managers imagined would protect their investments. More than two million foreclosure filings — default notices, auction-sale notices, and bank repossessions — were reported in 2007. By then trillions of dollars were already invested in this credit-derivative market. Were those new financial instruments resilient enough to cover all the risk? (Answer: no.) As in 1873, a complex financial pyramid rested on a pinhead. Banks are hoarding cash. Banks that hoard cash do not make short-term loans. Businesses large and small now face a potential dearth of short-term credit to buy raw materials, ship their products, and keep goods on shelves.

If there are lessons from 1873, they are different from those of 1929. Most important, when banks fall on Wall Street, they stop all the traffic on Main Street — for a very long time. The protracted reconstruction of banks in the United States and Europe created widespread unemployment. Unions (previously illegal in much of the world) flourished but were then destroyed by corporate institutions that learned to operate on the edge of the law. In Europe, politicians found their scapegoats in Jews, on the fringes of the economy. (Americans, on the other hand, mostly blamed themselves; many began to embrace what would later be called fundamentalist religion.)

The post-panic winners, even after the bailout, might be those firms — financial and otherwise — that have substantial cash reserves. A widespread consolidation of industries may be on the horizon, along with a nationalistic response of high tariff barriers, a decline in international trade, and scapegoating of immigrant competitors for scarce jobs. The failure in July of the World Trade Organization talks begun in Doha seven years ago suggests a new wave of protectionism may be on the way.

In the end, the Panic of 1873 demonstrated that the center of gravity for the world's credit had shifted west — from Central Europe toward the United States. The current panic suggests a further shift — from the United States to China and India. Beyond that I would not hazard a guess. I still have microfilm to read.

Scott Reynolds Nelson is a professor of history at the College of William and Mary. Among his books is Steel Drivin' Man: John Henry, the Untold Story of an American legend (Oxford University Press, 2006).

Februar 04, 2009

Februar 03, 2009

Doppelte Standards

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/auf-den-punkt/Papst-Benedikt-Antisemitismus;art15890,2722329

Malte Lehming vom Berliner Tagesspiegel ist für mich der lesbarste Leitartikelschreiber der deutschen Presselandschaft. Immer logisch, stringent und auf den Punkt gebracht, entwickelt Lehming bisweilen sehr ungewöhnliche Blickpunkte auf das Tagesgeschehnis. Im Leitartikel von heute (Link oben) geht's um die unterschiedliche öffentliche Bewertung von christlichen und islamischen Fundamentalisten, auch wenn sie in diesem Fall im wesentlichen das gleiche Geschichtsbild vertreten.

Happy Birthday


3.2. 1909 - 24.8.1943

Februar 01, 2009

Platz Drei - Slade (3 Videos!)

Slade - Coz I luv you



Slade - Rock'n'Roll Preacher



Slade - Take me bak 'ome


Januar 27, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number two in a series)

Wir haben im ersten Teil feststellen müssen, dass Marx im zweiten Band des Kapitals den unterkonsumtionstheoretischen Ansatz zur Erklärung des Auftreten von Krisen in einer kapitalistischen Marktwirtschaft selber kritisiert, obwohl er z.B. im dritten Band einen ähnlichen Ansatz vertritt. Engels benutzt diese Passage in seiner Edition des zweiten Bandes auch um gegen Rodbertus zu polemisieren (Karl Johann Rodbertus-Jagetzow, Staatssozialist preussischer Prägung, 1848 kurz Kultur- und Bildungsminister; im Zusammenhang der Unterkonsumtionstheorie ist insbesondere Rodbertus' "Gesetz der fallenden Lohnquote" interessant).
Das Zitat aus Kapital II entstammt dem sogenannten "Manuskript VIII", das mithin zu den spätesten Beiträgen von Marx zum Kapital-Komplex gehört, und Ende der 1870er Jahre, d.h. am Ausgang der von der Krise des Jahres 1873 ausgelösten Depressionsphase, geschrieben wurde. Engels hat nach Marx' Tod aus verschiedenen Manuskripten, die über einen Zeitraum von 13 Jahren (1868-1881) verfasst wurden, den zweiten Band zusammengestellt; gerade die Integration des Manuskripts VIII hat ihm dabei einige Mühe bereitet:
"Die Hauptmasse des Materials war, wenn auch grösstenteils sachlich, so doch nicht sprachlich fertig ausgearbeitet; (...) nachlässiger Stil, familiäre, oft derbhumoristische Ausdrücke und Wendungen, englische und französische technische Bezeichnungen, oft ganze Sätze und selbst Seiten englisch; (...). Auch dies Manuskript [VIII] ist nur eine vorläufige Behandlung des Gegenstands, bei der es vor allem darauf ankam, die gewonnenen neuen Gesichtspunkte gegenüber Manuskript II festzustellen und zu entwickeln (...)." (Kapital Band II, wie unten, Vorwort Engels, S.7, 12).
Trotz der festgestellten "neuen Gesichtspunkte" findet man in Engels' Edition ebenfalls noch Stellen, die einem unterkonsumtionstheoretischen Ansatz verhaftet sind (so in Fussnote 38 über die Begrenzung der Realisation des Warenkapitals und somit des "Mehrwerts"durch "die konsumtiven Bedürfnisse einer Gesellschaft, wovon die grosse Mehrzahl stets arm ist und arm bleiben muss"; Engels zitiert nach Manuskript II von 1870). Seit neuestem (allerdings bei einem Preis von 168€ für die breite Masse unerschwinglich) sind übrigens auch die verschiedenen Manuskripte von Marx zum zweiten Band in Form des Bandes II/11 der Marx-Engels-Gesamtausgabe erhältlich.
Die hier zitierten Auszüge lassen jedenfalls darauf schliessen, dass Marx' Beobachtungen zur 1873er Krise ihn zu einer Revision seiner früheren Krisentheorie veranlasst haben, die er jedoch nicht mehr in druckfertiger Form fertigstellen konnte, vielleicht auch nicht wollte. Die wenigsten marxistischen Interpreten der marxschen Krisentheorie waren aber bereit diesen Bruch deutlich zu machen, und von verschiedenen, durchaus widersprüchlichen, krisentheoretischen Ansätzen bei Marx auszugehen. Michael Heinrich bemerkt hierzu:
"In der Diskussion wurde zwar schon frühzeitig anerkannt [beim unten genannten Eduard Bernstein z.B.], dass die Marxsche Krisentheorie nicht nur unfertig ist, sondern dass auch inhaltlich divergierende Ansätze vorliegen. Häufig wurde dann aber doch versucht, diese verschiedenen Äusserungen zu einer einzigen Theorie zu vereinheitlichen, oder es wurde eine Argumentationsfigur herausgegriffen und erklärt, hier liege die authentische Marxsche Krisentheorie vor, an der dann die übrigen Äusserungen gemessen wurden. Eine einfache 'Addition' der verschiedenen krisentheoretischen Passagen zu einer einzigen Theorie scheint aufgrund der enormen inhaltlichen Unterschiede auf jeden Fall zum Scheitern verurteilt zu sein." (Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, 4. korr. Auflage, Münster, 2006, S.342). (wird fortgesetzt)

Januar 26, 2009

The Deviants


Ich entdecke dieser Tage die drei Sechziger-Jahre-Alben der Deviants. Es ist überaus erstaunlich, dass mir diese Band bis vor kurzem völlig unbekannt war; diffus anarchistischer Proto-Punk/Psychedelic Rock-Mischmasch, inklusive an die Situationisten angelehnte Entwendung und Verfremdung der Ästhetik der Konsumgesellschaft der damaligen Zeit (Werbung, Erotikheftchen, Marvel Comics und B-Movies). Sex Pistols zehn Jahre vor den Sex Pistols, quoi. Die Musik ist dabei fast Nebensache.

Mehr Infos findet man hier.

Da die Deviants nie bei Top of the Pops, Musikladen, Disco usw. aufgetreten sind, findet man auch keine bewegten Bilder auf Youtube.
Hier hat aber jemand die Coverversion von Papa Oo Mao Mao vom zweiten Album zur Untermalung seines politischen Plädoyers benutzt (das folgende Video ist im Gebiet der Volksrepublik China gesperrt):



Januar 25, 2009

Platz 4 - Zwei Videos

Mehr ein Glam-/Prog-Hybridding, diesmal. Die frühen Roxy Music (mit Brian Eno):

Roxy Music - Ladytron



Roxy Music - Virginia Plain


Januar 22, 2009

Students on the move... again

Eine Fotoauswahl von den Studentenprotesten in Venezuela gegen die Möglichkeit der unbegrenzten Wiederwahl des Staatspräsidenten:















Mehr Fotos vom 20. Januar hier und hier.
Mehr vom 14. Januar hier und hier.

Januar 18, 2009

Kann Marx zum Verständnis der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen? (Number one in a series)

"Marx ist wieder hip" schreibt der Züricher Blick, "selbst Manager fragen sich plötzlich: Hatte Karl Marx etwa doch Recht?". Die Massen reißen sich um Neuausgaben des ersten Bandes des Kapital, und erhoffen sich dadurch eine allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, kurz eine Erklärung für unerklärliche Zustände geliefert zu kriegen.
Allerdings kann man sich fragen, worin diese geniale Enthüllungsarbeit Marx' eigentlich bestanden haben soll. In der recht banalen Feststellung, dass es im Kapitalismus mehr oder weniger regelmäßig Krisen gibt?
Ich will im folgenden auf diesem Blog gelegentlich (wenn ich Lust und Zeit dazu finde) auf die Frage eingehen, ob die Lektüre von Marx tatsächlich etwas zum Verständnis der Finanz- und Wirtschaftskrise beitragen kann.

Fangen wir mit einem Zitat aus dem dritten Band des Kapital (nach der Erstausgabe Hamburg, 1894, S.501) an: "Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde."
Jeder Gewerkschafter sieht sich bestätigt und freut sich: schuld an der Krise ist letztlich also die Lohndrückerei der Arbeitgeberverbände.
Jedoch schreibt Marx im zweiten Band des Kapital (2. Auflage, Hamburg, 1893, S.409-410):

"Jede Krise vermindert die Luxuskonsumtion momentan; sie [...] wirft damit einen Teil der Luxusarbeiter aufs Pflaster, während sie andrerseits den Verkauf der notwendigen Konsumtionsmittel eben dadurch auch ins Stocken bringt und verringert. Ganz abgesehn von den gleichzeitig abgedankten, unproduktiven Arbeitern, die für ihre Dienste einen Teil der Luxusausgabe der Kapitalisten empfangen (diese Arbeiter selbst sind pro tanto Luxusartikel) und die sich sehr stark beteiligen namentlich auch an der Konsumtion notwendiger Lebensmittel etc. Umgekehrt in der Prosperitätsperiode, und namentlich während der Zeit ihrer Schwindelblüte – wo schon aus andren Gründen der relative, in Waren ausgedrückte Wert des Geldes fällt (ohne wirkliche sonstige Wertrevolution), also der Preis der Waren, unabhängig von ihrem eignen Wert, steigt. Nicht nur steigt die Konsumtion notwendiger Lebensmittel; die Arbeiterklasse (in die nun ihre ganze Reservearmee aktiv eingetreten) nimmt auch momentanen Anteil an der Konsumtion ihr sonst unzugänglicher Luxusartikel, außerdem auch an der Klasse der notwendigen Konsumtionsartikel, die sonst zum größten Teil »notwendige« Konsumtionsmittel nur für die Kapitalistenklasse bildet, was seinerseits eine Steigerung der Preise hervorruft.

Es ist eine reine Tautologie zu sagen, daß die Krisen aus Mangel an zahlungsfähiger Konsumtion oder an zahlungsfähigen Konsumenten hervorgehn. Andre Konsumarten als zahlende kennt das kapitalistische System nicht, ausgenommen die sub forma pauperis oder die des »Spitzbuben«. Daß Waren unverkäuflich sind, heißt nichts, als daß sich keine zahlungsfähigen Käufer für sie fanden, also Konsumenten (sei es nun, daß die Waren in letzter Instanz zum Behuf produktiver oder individueller Konsumtion gekauft werden). Will man aber dieser Tautologie einen Schein tiefrer Begründung dadurch geben, daß man sagt, die Arbeiterklasse erhalte einen zu geringen Teil ihres eignen Produkts, und dem Übelstand werde mithin abgeholfen, sobald sie größern Anteil davon empfängt, ihr Arbeitslohn folglich wächst, s0 ist nur zu bemerken, daß die Krisen jedesmal gerade vorbereitet werden durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt und die Arbeiterklasse realiter größern Anteil an dem für Konsumtion bestimmten Teil des jährlichen Produkts erhält. Jene Periode müßte – von dem Gesichtspunkt dieser Ritter vom gesunden und »einfachen« (!) Menschenverstand – umgekehrt die Krise entfernen. Es scheint also, daß die kapitalistische Produktion vom guten oder bösen Willen unabhängige geringen Teil ihres eignen Produkts, und dem Übelstand werde mithin abgeholfen, sobald sie größern Anteil davon empfängt, ihr Arbeitslohn folglich wächst, so Bedingungen einschließt, die jene relative Prosperität der Arbeiterklasse nur momentan zulassen, und zwar immer nur als Sturmvogel einer Krise."

Nun steht diese (empirisch nicht haltbare) Feststellung, dass lediglich im Vorfeld einer Krise die Löhne ansteigen können, ja ganz offensichtlich im Widerspruch zum oben zitierten Satz aus dem dritten Band des Kapital, wo Marx eine Unterkonsumtionstheorie in der Tradition Sismondis entwickelt (ein Widerspruch, der bereits Eduard Bernstein aufgefallen ist, Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie, Stuttgart, 1899, S.67). Es ist also zunächst festzustellen, dass Marx noch nicht mal innerhalb der drei Bände des Kapitals eine einheitliche Krisentheorie vertritt. (wird fortgesetzt)

Platz 5

Sparks - This town ain't big enough for both of us



Bonus
Nicht allzu bekannt ist, dass auch AC/DC als Glam Rock-Band angefangen hat; hier das Video zu Can I sit next to you girl, mit Dale Evans als Leadsänger:

Januar 17, 2009

Tanz den Hamas

Also, für eine islamische Bewegung für die insbesondere westliche Musik im wesentlichen Teufelszeug ist, produziert die Hamas durchaus dancefloor-taugliche Ohrwürmer. Zwei Beispiele:



Januar 15, 2009

Happy Birthday


15 January 1809 – 19 January 1865

Januar 11, 2009

Libertäre Presse

Die Nummer 55 des Libertario aus Venezuela ist erschienen. Hübsches Cover, interessante Artikel (auch wenn man des spanischen, so wie ich, nur ansatzweise mächtig ist), ein paar nett gemachte Comics:
http://www.nodo50.org/ellibertario/libertarios/libertario55.html

Eine "Demoversion" der ALLiance (neue Zeitschrift der Alliance of the Libertarian Left) findet man hier.

Platz 6

Mud - Dynamite

Januar 10, 2009

Marx hat alles vorhergesehen

"Citing Karl Marx, who presaged: "The owners of capital will stimulate the need of the working class to take expensive, collateral loans to buy their condos, houses and technological products; and, at the end, these unpaid debts will result in the nationalization of the banks upon their bankrupcy, and so the state will be on the pathway to communism (...)"

Hier der Originalkontext (Achtung: Satire!).

Januar 04, 2009

Platz 7

T.Rex - Bang a Gong (Get it on)


Dezember 29, 2008

Zum Jahresende...

...scheinen mir ein paar Erläuterungen zu diesem Blog angebracht. "De lëtzebuerger Anarchist für Wahrheit und Recht" war eine von mir initiierte einmalige, satirische Zeitschrift der Anarchistischen Föderation Luxemburgs, die es wegen des dort enthaltenen pornographischen Inhalts immerhin zu einer Art Tribunal seitens der Trierer Antifa gebracht hat. Einen Sinn für Satire und Ironie sollten auch die Leser dieses Blogs mitbringen.
Es sei ansonsten angemerkt, dass man nicht automatisch von einem oder mehreren hier verlinkten Seiten auf meine eigene politische Gesinnung schließen sollte (was bei der Bandbreite ja auch recht schwierig ist). Seit meiner Zeit bei der sich mittlerweile in alle Winde zerstreuten FA habe ich mich zugegebenermaßen in mancherlei Punkten recht weit von dem gängigen westeuropäischen, linksradikal geprägten "Anarchismus" entfernt, und bin zu einem Häretiker, um nicht zu sagen: einem Realo geworden. Nichtsdestotrotz bin ich weiterhin an den verschiedensten libertären Tendenzen interessiert, und kann darüberhinaus auch immer wieder bei anderen politischen Lagern Interessantes entdecken. Wenn man mich denn unbedingt irgendwo einordnen will: gäbe es einen europäischen Ableger der "Alliance of the Libertarian Left", wäre ich dort vermutlich Mitglied.

Welcome to the savage world of 2009

as imagined in 1992

Dezember 28, 2008

Eight to go

Mott The Hoople - Roll Away The Stone


Dezember 21, 2008

Number Nine

Nicht ihr bester Song, aber die albernsten Kostüme:

The Sweet - Wigwambam


Dezember 20, 2008

2 Gedichte von Erich Mühsam (passend zur Jahreszeit)

Weihnachten

Nun ist das Fest der Weihenacht,
das Fest, das alle glücklich macht,
wo sich mit reichen Festgeschenken
Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,
wo aller Hader wird vergessen
beim Christbaum und beim Karpfenessen; ­­
und groß und klein und arm und reich ­­
an diesem Tag ist alles gleich.
So steht's in vielerlei Varianten
in deutschen Blättern. Alten Tanten
und Wickelkindern rollt die Zähre
ins Taschentuch ob dieser Märe.
Papa liest's der Familie vor,
und alle lauschen und sind Ohr...
Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt
ein armer Kerl gelesen hat.
Er hob es auf aus einer Pfütze,
daß es ihm hinterm Zaune nütze.

***
Heilige Nacht

Geboren ward zu Bethlehem
ein Kindlein aus dem Stamme Sem.
Und ist es auch schon lange her,
seit's in der Krippe lag,
so freun sich doch die Menschen sehr
bis auf den heutigen Tag.
Minister und Agrarier,
Bourgeois und Proletarier ­
es feiert jeder Arier
zu gleicher Zeit und überall
die Christgeburt im Rindviehstall.
(Das Volk allein, dem es geschah,
das feiert lieber Chanukah.)

Dezember 18, 2008

Sozialismus im 21. Jahrhundert

Between 2001 and 2007, Siemens TS and Siemens S.A., a regional company in Venezuela, paid an estimated $16.7 million in bribes to Venezuelan government officials in connection with the construction of metro transit systems in the cities of Valencia and Maracaibo, Venezuela. The two projects, Metro Valencia and Metro Maracaibo, generated approximately $642 million in revenue to Siemens. The Metro Valencia project was awarded to a TS entity in the United States and later transferred to Siemens, and the Metro Maracaibo project was awarded to Siemens andpart of the work was assigned to the U.S. TS entity. Each of the contracts was financed in part by the U.S. Export-Import Bank in Washington, D.C. The corrupt payments were made using four separate, overlapping payment schemes.
1. Under the first scheme, Siemens maintained a numbered, off-books bank account in Panama and either maintained a similar account in Miami or had contacts to a banker in Miami who had access to such accounts. These accounts were controlled by two CEOs and two CFOs of Siemens' regional subsidiary in Venezuela. One of the regional CFOs estimated that between 2001 and 2003 he paid $5 to $6 million per year out of the accounts, a portion of which went to government officials in support of the Venezuelan projects. The regional CFO periodically destroyed the account statements.
2. Under the second scheme, Siemens paid over $6.8 million to four U.S.- based entities controlled by a longtime Siemens business consultant. Siemens called upon the consultant, known as a political "fixer" in Venezuela and who had been an advisor to former Venezuelan presidents, to ensure political support for the Maracaibo and Valencia projects and for Siemens' role in them. Siemens made payments into the U.S. bank accounts of the four controlled entities pursuant to sham consulting agreements in return for no legitimate work. Bank records reveal payments to Venezuelan government officials and politically-connected individuals, including a high-ranking member of the central government, two prominent Venezuelan attorneys acting on behalf of government officials, a former Venezuelan defense minister and diplomat, and a relative of a local politician, all of whom had influence over these and other Siemens contracts in Venezuela. Siemens transferred an additional $4.9 million to one of the controlled entities between 2006 and 2007 by artificially inflating the terms of a contract with a U.S. engineering firm.
3. Under the third scheme, Siemens used a Cyprus-based business consultant as an intermediary to fund up to $2.5 million in bribe payments on the Valencia project. Sham agreements were entered into with the business consultant that purported to be for other Siemens projects, but were actually designed to transfer money to Valencia. This payment scheme was authorized by a former CFO of the Turnkey Division within the TS group at Siemens.
4. Under the fourth scheme, Siemens in 2002 and 2003 entered into a sham agreement with a Dubai-based business consultant to supply Metro Maracaibo with approximately $2.6 million in workshop equipment. The equipment was actually supplied by another supplier, and the business consultant did not supply any goods under the contract. After the business consultant came under suspicion as a result of its involvement in the investigation of possible bribes paid to ENEL managers in Italy, the CFO of Siemens' Turnkey Division's successor was ordered to terminate the contract. Instead, the new CFO arranged the assignment of the contract to another Dubai-based business consultant that continued the sham workshop equipment arrangement.
Quelle: U.S. SECURITIES AND EXCHANGE COMMISSION
Litigation Release No. 20829 / December 15, 2008
Accounting and Auditing Enforcement Release No. 2911 / December 15, 2008
Securities and Exchange Commission v. Siemens Aktiengesellschaft, Civil Action No. 08 CV 02167 (D.D.C.)

Dezember 14, 2008

Platz 10

"We can't salute ya - can't find a flag"

Alice Cooper - School's Out

Dezember 11, 2008

Werbepause


Dezember 10, 2008

Kuba: Einstieg in die Grüne Gentechnik

Via Transgen.de:

(08.12.2008) Kuba will erstmals den Anbau von gentechnisch verändertem Mais zulassen. Durch eine stärkere Nutzung der Grünen Gentechnik will das Land sich aus der Abhängigkeit von Agrarimporten lösen. In Kürze soll auf einem etwa 50 Hektar großen Feld gentechnisch veränderter Mais angebaut werden. Wie Carlos Borroto, Direktor des staatlichen Instituts für Gentechnik und Biotechnologie gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte, soll dort Saatgut erzeugt werden, mit dem im nächsten Jahr eine Fläche von etwa 6000 Hektar mit gv-Mais bewirtschaftet werden kann. Es handele sich um einen gv-Mais, der ähnlich sei wie er in vielen Ländern bereits zugelassen ist. Außerdem beschäftigten sich kubanische Forschungsinstitute intensiv mit der Entwicklung gentechnisch veränderter Sojabohnen, Kartoffeln und Tomaten.

Durch mehr Agrarforschung möchte sich Kuba aus der Abhängigkeit von Agrarimporten befreien. Derzeit muss Kuba 60 Prozent seiner Lebensmittel aus dem Ausland einführen, vor allem Sojabohnen, Weizen und Mais. Zudem belasten steigenden Preise auf den internationalen Agrarmärkten das wirtschaftlich schwache Land. Trotz des Embargos sind die USA der wichtigster Lieferant, da Lebensmittel von den gegenüber Kuba verhängten Handelsbeschränkungen ausgenommen sind.

Der kubanische Präsident Raul Castro hat eine Steigerung der Agrarproduktion als "Frage der nationalen Sicherheit" ausgerufen. In diesem Jahr haben drei Hurrikane etwa 30 Prozent der kubanischen Ernte zerstört.

Kathoulesche Pluralismus

Haut ass eng ganz gelungen Ausenaanersetzung op der dretter Sait vum Wort: de Biltgen kritiséiert als "CSV-Nationalvorsitzender" ee Bréif vun 53 EVP-Deputeierten (chreschtdemokratesch Fraktioun am Europaparlament), fir déi d'CSV net resolut genuch géint d'Euthanasiegesetz firgaang ass. Deen waar de 4.12. am Wort als offene Bréif publizéiert gin. De Biltgen schreiwt notamment: "Wir wären übrigens froh, wenn alle EVP-Europaabgeordneten sich genauso resolut und kämpferisch für mehr soziales Europa einsetzen würden."
D'Wort-Redaktioun mengt dozou: "Es ist eine unbewiesene Unterstellung, das 'Luxemburger Wort' teile die Ansicht der 53 EVP-Abgeordneten. Wenn wir nur die uns oder der CSV genehmen offenen Briefe, Analysen und Meinungen, freien Tribünen und Briefe an die Redaktion abdrucken würden, verfehlten wir unser Ziel, nämlich u.a. eine Plattform offener Auseinandersetzung für möglichst viele zu sein."
Dont acte. ;-)

Dezember 08, 2008

Punk anscheinend doch noch nicht ganz tot

Noch etwas mehr Machno:

Контра - Махно


Dezember 07, 2008

Politische Bildung

Ein nett gemachter Film aus Frankreich über Nestor Machno findet man auf dieser Seite:
http://www.avoixautre.be/spip.php?article1573

Interessant sind vor allem die seltenen Filmaufnahmen von Machno, die Machno-Zerrfigur in sowjetischen Filmen über den Bürgerkrieg von 1917-21 und das Weiterleben der Erinnerungen über 70 Jahre bolschewistische Diktatur hinweg in der "Kolchose Karl Marx" in Goulai-Pole.

Platz 11

Alvin Stardust - My Coo Ca Choo


Dezember 03, 2008

Monarchie, Schmonarchie

Mir persönlich ist ein Monarch der nichts zu sagen hat lieber als ein (CSV-)Präsident der viel zu sagen hätte; in diesem Sinne sehe ich die angekündigte Verfassungsänderung sogar recht positiv.

Jetzt müsste man nur noch erreichen dass der Hof nicht mehr durch unsere Steuergelder gemästet wird, sondern sich seinen Unterhalt selbst erwirtschaften muss.

Dezember 01, 2008

Platz 12

The Rubettes - I can do it

Schön gelb.