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Januar 12, 2010

Biermonopole zerschlagen!

Gestern fand in Diekirch für luxemburgische Verhältnisse erstaunliches statt: auf einer spontanen Demonstration kamen fast 1800 Menschen zusammen, um gegen die Ankündigung des weltweiten grössten Bierherstellers AB InBev, dass die Brasserie de Luxembourg in Diekirch weitestgehend geschlossen, 63 der noch verbliebenen 93 Beschäftigten entlassen und die Luxemburger "Traditionsbiere" Mousel und Diekirch fortan in Belgien gebraut werden sollen, zu demonstrieren. Da ich der Diekircher Brauerei irgendwo sentimental verbunden bin (ich ging in Diekirch zur Schule, wo wir in direkter Dunstlinie zur Brauerei lernten) und auch den Unmut der Beschäftigten, denen offenbar noch im Dezember das genaue Gegenteil - d.h. der Erhalt der Brauerei in Diekirch - versprochen wurde, nur verständlich finde, kann ich natürlich einem Einsatz für den Weiterbestand der Brauerei viel Sympathie entgegen bringen kann. Weit weniger sympathisch ist mir der offen nationalistische Ton, mit dem für den Beibehalt der Diekircher Brauerei eingetreten wird.

Das tageblatt (12.11.10) zeigt Fotos, auf denen das Logo der Brasserie de Luxembourg mit "Brasserie de Belgique" überschrieben wurde, und berichtet über Parolen à la "Gitt zréck an d'Belsch, dir Bonzen" (ich dachte, die "Bonzen" seien schon längst da?). Für das konservative Luxemburger Wort steht glatt die "nationale Identität" auf dem Spiel, die Proteste künden von "eine[r] diffuse[n], aber verbreitete[n] Sorge, dass sich das 'traditionelle Luxemburg' in einer globalisierten, von Aktienwert und Profitmaximierung gesteuerten Wirtschaftswelt Schritt für Schritt der Sperrstunde nähert". Tja, wie schrieben schon Marx und Engels im Kommunistischen Manifest: "Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen. (...) Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet."

Liebe Landsleute, in diesem Zusammenhang sind nicht die "Belgier", die sich angeblich gegen das kleine Luxemburg verschworen haben (das tageblatt berichtet: "Ein weiterer Beweis der langen Planung sei die Tatsache, dass im belgisch-luxemburgischen Grenzgebiet... viele Kneipeninhaber, die bis dahin Biere der Diekircher Brauerei im Ausschank hatten, dazu angehalten worden, in Zukunft auf die belgische Biermarke Jupiler umzusteigen."), das Problem. Im Gegenteil: in Belgien sind ebenfalls schwere Einschnitte geplant, mit weit mehr Entlassungen als in Luxemburg. Es nutzt also nichts, Standorte gegeneinander auszuspielen. OGBL-Zentralsekretär Romain Daubenfeld hat dies übrigens richtig erkannt: "Les postes qui ne seraient démantelés sur un site, le seraient sur un autre"; Quotidien vom 9.1.10.

Der Standort Diekirch, obwohl gegenwärtig gewinnbringend, ist vielmehr das Opfer der zugespitzten Konzentration auf dem Biermarkt, wo mittlerweile die Situation erreicht ist, dass nur noch einige wenige Konzerne den gesamten Weltmarkt unter sich aufteilen, wobei AB InBev wiederum die alles überragende Stellung einnimmt (regelmässig berichtet übrigens der Blogger Chris O'Brien über die Entwicklung auf dem Biermarkt). Dass diese Konzentrationstendenzen zwangsläufig auch zu einer Rationalisierung der Produktion führen, ist nur naheliegend. In diesem Sinn ist es übrigens auch falsch, bei AB InBev das Streben nach "kurzfristigem Gewinn" zu kritisieren. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: AB InBev schliesst Werke, obwohl sie heute Gewinn bringen; dies durchaus in Anbetracht längerfristiger Planungen. Das Unternehmen reagiert dabei auf den sinkenden Bierkonsum, insbesondere in Folge des Rückgangs von Kneipenbesuchen in den westlichen Industrienationen (der auch eine Folge von staatlichen Massnahmen zur Hebung der Volksgesundheit wie Verstärkung von Alkoholkontrollen und Rauchverboten ist), indem es jetzt bereits strukturelle Reformen im Sinne der Kostensenkung durchführt, obwohl es eigentlich kurzfristig sehr gute Zahlen aufzuweisen hat. Am Schicksal der entlassenen Brauereiarbeiter ändert dies natürlich nichts. Auch der Konsument hat von diesen Konzentrations- und Rationalisierungstendenzen nichts: im Gegenteil, zunehmend wird ihm das gleiche Produkt unter verschiedenen Namen vorgesetzt. Die Auswahlmöglichkeiten auf dem Biermarkt verringern sich, ein "Standardbiergeschmack" setzt sich durch.

Was kann man dagegen tun? Bier brauen! Ein, zwei, viele Kleinbrauereien eröffnen, um der Monopolstellung von AB InBev eine Alternative entgegen zu stellen. Diese Tendenz ist übrigens in den USA voll entwickelt, wie der Beer Activist zu berichten weiss. Bereits im 19. Jahrhundert waren lokale Bierbrauereien, die zum Teil auch einen überregionalen Markt abdeckten, in fast allen Dörfern und Kleinstädten vorhanden, und zeugten davon, dass "Unternehmergeist" kein Monopol des Bürgertums sein muss. Vielleicht wäre das ja auch eine Lösung für Diekirch? Ein, z.B. von einer Braukooperative, mit Rückgriff auf die technische Sachkenntnis der entlassenen Brauereiarbeiter, gebrautes und vermarktetes "Stackdikkricher Ieselsbéier"?

Dezember 18, 2008

Sozialismus im 21. Jahrhundert

Between 2001 and 2007, Siemens TS and Siemens S.A., a regional company in Venezuela, paid an estimated $16.7 million in bribes to Venezuelan government officials in connection with the construction of metro transit systems in the cities of Valencia and Maracaibo, Venezuela. The two projects, Metro Valencia and Metro Maracaibo, generated approximately $642 million in revenue to Siemens. The Metro Valencia project was awarded to a TS entity in the United States and later transferred to Siemens, and the Metro Maracaibo project was awarded to Siemens andpart of the work was assigned to the U.S. TS entity. Each of the contracts was financed in part by the U.S. Export-Import Bank in Washington, D.C. The corrupt payments were made using four separate, overlapping payment schemes.
1. Under the first scheme, Siemens maintained a numbered, off-books bank account in Panama and either maintained a similar account in Miami or had contacts to a banker in Miami who had access to such accounts. These accounts were controlled by two CEOs and two CFOs of Siemens' regional subsidiary in Venezuela. One of the regional CFOs estimated that between 2001 and 2003 he paid $5 to $6 million per year out of the accounts, a portion of which went to government officials in support of the Venezuelan projects. The regional CFO periodically destroyed the account statements.
2. Under the second scheme, Siemens paid over $6.8 million to four U.S.- based entities controlled by a longtime Siemens business consultant. Siemens called upon the consultant, known as a political "fixer" in Venezuela and who had been an advisor to former Venezuelan presidents, to ensure political support for the Maracaibo and Valencia projects and for Siemens' role in them. Siemens made payments into the U.S. bank accounts of the four controlled entities pursuant to sham consulting agreements in return for no legitimate work. Bank records reveal payments to Venezuelan government officials and politically-connected individuals, including a high-ranking member of the central government, two prominent Venezuelan attorneys acting on behalf of government officials, a former Venezuelan defense minister and diplomat, and a relative of a local politician, all of whom had influence over these and other Siemens contracts in Venezuela. Siemens transferred an additional $4.9 million to one of the controlled entities between 2006 and 2007 by artificially inflating the terms of a contract with a U.S. engineering firm.
3. Under the third scheme, Siemens used a Cyprus-based business consultant as an intermediary to fund up to $2.5 million in bribe payments on the Valencia project. Sham agreements were entered into with the business consultant that purported to be for other Siemens projects, but were actually designed to transfer money to Valencia. This payment scheme was authorized by a former CFO of the Turnkey Division within the TS group at Siemens.
4. Under the fourth scheme, Siemens in 2002 and 2003 entered into a sham agreement with a Dubai-based business consultant to supply Metro Maracaibo with approximately $2.6 million in workshop equipment. The equipment was actually supplied by another supplier, and the business consultant did not supply any goods under the contract. After the business consultant came under suspicion as a result of its involvement in the investigation of possible bribes paid to ENEL managers in Italy, the CFO of Siemens' Turnkey Division's successor was ordered to terminate the contract. Instead, the new CFO arranged the assignment of the contract to another Dubai-based business consultant that continued the sham workshop equipment arrangement.
Quelle: U.S. SECURITIES AND EXCHANGE COMMISSION
Litigation Release No. 20829 / December 15, 2008
Accounting and Auditing Enforcement Release No. 2911 / December 15, 2008
Securities and Exchange Commission v. Siemens Aktiengesellschaft, Civil Action No. 08 CV 02167 (D.D.C.)