Februar 13, 2010

Februar 08, 2010

Die Abenteuer der Linken auf der Suche nach neuen Wählerschichten

"Was die SWP in England kann, können wir schon lange" mag sich die "Neue antikapitalistische Partei" Olivier Besancenots gedacht haben, und stellt anlässlich der demnächst stattfindenden Regionalwahlen eine Kandidatin auf, deren einzige Qualität darin zu bestehen scheint, ein Kopftuch zu tragen (offenbar ist sie, analog zu Sarrazins "Kopftuchmädchen", damit geboren worden). Diese Entscheidung hat jedoch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen geführt. U.a. rief sie scharfe Kritik seitens der iranischen arbeiterkommunistischen Partei hervor.

Die Damen Wagenknecht, Buchholz und Dagdelen von der deutschen "Linkspartei" haben hingegen für ihre an sich ehrliche und konsequente Entscheidung nach der Ansprache von Shimon Peres sitzen zu bleiben, Beifall erhalten, wenngleich dieser ihnen doch etwas peinlich sein sollte. Nun gut, war auch nicht das erste Mal; sowas kommt wohl auch davon, wenn man ständig mit dem "Primat der Politik" ins Feld zieht, eine Formel, auf die doch wohl die NPD das Urheberrecht hat.

Die Luxemburger Linke ihrerseits versucht mit der Belegung des Themas "Diekircher Brauerei" ein paar Stimmen auf den Stammtischen gutzumachen. "Wir befinden uns nicht länger in der Logik des Industriekapitalismus, sondern in der des Finanzkapitalismus" erschrickt Marc Baum, Vertreter von "Déi Lénk" im Escher Gemeinderat (Luxemburger Wort, 3.2.10). Diesbezüglich schlägt "Déi Lénk" vor, sollte der "Deal mit Bofferding nicht klappe[n]" (d.h. die von der Regierung vorgezogene Lösung, den internationalen Konzentrationstendenzen im Brauereigewerbe, durch die Schaffung eines nationalen Monopolisten entgegen zu wirken, indem man die schon das seit Jahrzehnten von Bofferding verfolgte Ziel einer feindlichen Übernahme von Diekirch staatlich subventioniert), der Staat solle "im allgemeinen Interesse" AB Inbev "enteignen", und nach dem Vorbild der Baden-Württemberger Rothaus-Staatsbrauerei selbst zum Braumeister werden (tageblatt vom 3.2.10). Was für ein Interesse der Luxemburger Staat hieran hätte (Wirtschaftsminister Krecké winkte ja schon gleich ab), wie er den Vertrieb und das ganze Konzessionswesen organisieren würde, wird von den Linken nicht weiter erläutert - offenbar geht man hier davon aus, dass dies schon von selber funktionieren würde, falls der allwissende, alleskönnende und stets wohlintentionierte Papa Staat dies in die Hand nimmt. Hauptsache, der Staat greift ein, um das "nationale " Industriekapital vor dem "internationalen" Finanzkapital zu schützen - so lautet die Quintessenz linken Denkens im Jahre 2010. Wieso allerdings das "allgemeine Interesse" an einer Bierbrauerei grösser sein soll, als bei den zahlreichen anderen Betrieben, die derzeit schliessen oder in grösserem Ausmass Leute entlassen (General Electrics IP, Commerzbank, Fastnet, Brinks et j'en passe...), will mir hingegen nicht einleuchten...

Februar 07, 2010

Disco Cosmopolis (2): Komm mit ins Boogie-Wunderland

Earth, Wind and Fire - Boogie Wonderland (1979)

Februar 06, 2010

146 Jahre John Henry Mackay

Als nächstem in der Reihe der libertären "Geburtstagskinder" widmen wir uns heute dem Stirner-Popularisierer, Individualanarchisten und Skandalautor John Henry Mackay. Hier ein Auszug aus seinem Roman Der Freiheitssucher von 1921 (integral einzusehen auf Projekt Gutenberg-DE), eine Art Glaubensbekenntnis aus dem zehnten und letzten Kapitel:

"Was läßt sich inzwischen tun gegenüber dieser so festgegründeten, nach allen Richtungen hin ausgebauten und scheinbar so unbezwinglichen Gewalt des Staates?
Viel. – Unendlich viel.
Vor allem dies: sich selbst dieser Gewalt entziehen; nicht mitmachen; beiseitestehen.
Denn nicht nur auf das, was ein Mensch tut, kommt es an, sondern oft noch weit mehr auf das, was er unterläßt.
Sich nicht an die Krippe des Staates drängen, als sei sie die einzige Futterstelle; keine »Ehre« darin suchen, einer so verächtlichen Institution, wie er, der Staat, es ist, zu dienen, sondern es als eine Schande betrachten, seine Kraft und Hilfe in den Dienst einer so schlechten Sache zu stellen; auf jede solche, nur mit der eigenen Entwürdigung erkaufte, sogenannte »gesicherte Lebensstellung« verzichten, wie auf alle diese lächerlichen Titel, Orden und Auszeichnungen; vor der Obrigkeit und ihren Organen nicht bei jeder Gelegenheit kriechen und betteln, um sie so in ihrem Hochmutsdünkel auch noch zu bestärken, sondern ihnen entgegentreten, wie anderen Menschen auch, und von ihnen verlangen, anständig behandelt zu werden; nicht in der Ehe, sondern in freien Bündnissen, in gesonderten Haushaltungen und daher unangreifbar gegen jede freche Einmischung von außen, sein Glück suchen und finden; seine Kinder selbst unterrichten oder von selbstgewählten und selbstbezahlten Kräften unterrichten lassen, statt sie fremden Händen auszuliefern, und ihnen von früh auf zeigen, in welcher Welt sie lebten und in welcher sie leben sollten; dem Staat und ebenso der Gemeinde ihre Steuern nicht hintragen, sondern sie sich holen lassen und erst im äußersten Notfall (und dann auch noch unter immer wiederholtem Protest) bezahlen; die Existenz dieses Staates und dieser Gemeinden negieren und sie nur in Anspruch nehmen, wenn das eigene Interesse es gebieterisch erforderte – mit einem Wort: dem Angreifer und seinen Helfershelfern bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Leben so sauer wie nur möglich machen, ihn ärgern, ermüden, enervieren durch Sabotage und passive Resistenz, wo es nur ging – so durch das eigene Leben ein stilles, und eindringliches Beispiel geben, daß es ging, wenn man nur wollte; das und noch manches andere konnte jeder tun, und konnte es schon heute!

Aber der Arbeiter, wurde er gefragt, was konnte der Arbeiter tun, der keine Steuern zahlte, weil er kein Einkommen hatte, das der Besteuerung wert gewesen wäre, und der daher auch keine Steuern verweigern konnte?
Ebenfalls viel.
Alles, was Politik hieß, perhorreszieren; keine politische Partei durch seinen Beitritt stärken; keiner wie immer gearteten Führerschaft Gefolge leisten; sich jeder Wahl enthalten und unter Protest gegen den ganzen Wahlschwindel; die eigene Lage und das, worauf es allein ankam, endlich begreifen lernen – begreifen, daß es besser war, statt darüber zu reden, ob statt zehn nur acht Stunden gearbeitet werden solle, einen Zustand zu erkennen, in dem nur zwei oder drei Stunden gearbeitet zu werden brauchte, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen – mit einem Wort: begreifen, daß die soziale Frage keine politische, sondern eine soziale Frage war und daß sie deshalb so hieß; und daß er, der Arbeiter, eine Waffe besaß, die an der rechten Stelle und zur rechten Zeit, überlegen und klug angewandt, ihn unbesiegbar machte – den Streik.
Dies alles und vieles andere konnte getan werden, wenn es nur getan werden wollte: die Bücher und Flugschriften der Literatur dieser Weltanschauung des individualistischen Anarchismus – (und welche Weltanschauung hatte in den drei Kultursprachen, der französischen, der englischen, der deutschen eine solche Literatur!) – diese in die Ecke gedrückte, überall totgeschwiegene, verfemte Literatur, konnte verbreitet werden, unablässig und überallhin, wo es nur ging; wer reden konnte, mochte reden; wer schreiben, schreiben; und wer nicht selbst bauen konnte, sollte wenigstens helfen, Steine zum Bau herbeizutragen, um so die Mittel zu schaffen, ihn zu vollenden. Und der Einzelne bei allem immer neue Kraft aus dem Gedanken schöpfen, daß die Sache der Freiheit seine Freiheit war und die eigene Befreiung der Lohn für alle Mühen. Würde so, dort wie hier, gehandelt werden, – wahrlich! – der Tag konnte nicht mehr fern sein, wo das soziale Problem seiner tatsächlichen Lösung entgegenging, statt, wie heute, nur erst als Forderung auf dem Papier zu stehen.

Denn wenn es eine Utopie gab, so war es die Utopie der Gewalt. »Utopisten« schalten die Feinde der Freiheit deren Freunde.
Aber nicht die Freiheit, sondern die Gewalt war eine Utopie – ein auf die Dauer unhaltbarer und unmöglicher Zustand der menschlichen Gesellschaft.
Die paar Jahrtausende der Menschheitsgeschichte, die sich übersehen ließen, von ihren barbarischen Urzuständen an bis herauf zu den, leider in vielem noch ebenso barbarischen Zuständen unserer Tage – was waren sie anders, als ein unausgesetzter Kampf um die Gewalt? – als ein ewiger Wechsel dieser Gewalt zu immer neuen Formen ohne die Möglichkeit, sich in einer von ihnen ständig zu behaupten – was waren sie anders als ein vergeblicher Kampf? –
Was waren sie anders, als ein Kampf der Freiheit eben gegen diese Gewalt, der Kampf der einen um ihre Freiheit gegen die Unterdrückungsversuche der anderen? –
Und was waren sie anders, als ein steter, wenn auch langsamer Sieg der Freiheit und ein immer neues Unterliegen der Gewalt? –
Denn die Freiheit war die Siegerin und mußte es sein, weil sie der natürliche Zustand der Gesellschaft war, der einzige, der endlich nach den endlosen Kämpfen von Dauer sein würde.
Die Gewalt war die Utopie, und alle Versuche, ihren Zustand zu einem dauernden zu machen, ein immer neuer Fehlschlag der Feinde der Freiheit, und diese ihre Feinde, nicht ihre Freunde, in Wahrheit – Utopisten!"

Bonus: Aafje Heynis singt Richard Strauss' Vertonung von Mackays Gedicht Morgen!
 

Februar 03, 2010

101 Jahr Simone Weil

Anlässlich des heutigen Geburtstags von Simone Weil und zum Ende des Jubiläumsjahres, das uns hier in Luxemburg auch eine nicht uninteressante Konferenz von Laure Adler beschert hat, ein paar Zeilen der französischen Philosophin über die Wissenschaft als Dorf und Orakel aus dem vergleichsweise obskuren Text "Réflexions à propos de la théorie de quanta" (1942; enthalten in Sur la science, 1966):

"On sort rarement du village; beaucoup de savants, leur spécialité mise à part, sont bornés et peu cultivés, ou, s'ils s'intéressent à quelque chose en dehors de leur travail scientifique, il est très rare qu'ils mettent cet intérêt en relation, dans leur esprit, avec celui qu'ils portent à la science. Les habitants du village sont enclins à l'étude, brillants, exceptionnellement doués; mais enfin, jusqu'à un âge où l'esprit et le caractère sont en grande partie formés, ils sont au lycée comme les autres et se nourrissent de manuels médiocres. Jamais nul ne s'est particulièrement attaché à développer leur esprit critique. À aucun moment de leur vie on ne les prépare particulièrement à mettre le pur amour de la vérité au-dessus des autres mobiles; nul mécanisme d'élimination ne fait d'une disposition naturelle en ce sens une condition de l'entrée dans le village. Il y a des mécanismes d'élimination, au nombre desquels les examens et concours, mais ils ne portent pas sur l'intensité ou la pureté de l'amour pour la vérité. Cet amour, le goût de l'exactitude et du travail bien fait, le désir de faire parler de soi, la convoitise de l'argent, de la considération, de la réputation, des honneurs, des titres, les antipathies, les jalousies, les amitiés, tous ces mobiles et d'autres encore se mélangent chez les habitants de ce village, comme chez tous les hommes, en proportion variable. Ce village, comme tous les autres villages, est fait d'humanité moyenne, avec quelques écarts vers le haut et vers le bas. Il a des traits singuliers; ainsi le fait d'être périodiquement bouleversé par les changements de mode; tous les dix ans à peu près une génération nouvelle s'y enthousiasme pour de nouvelles opinions. Comme ailleurs, la lutte des générations et des personnes y produit à chaque moment une opinion moyenne. L'état de la science à un moment donné n'est pas autre chose; c'est l'opinion moyenne dans le village des savants. (...)
 
Il n'est donc pas vrai que la science soit une espèce d'oracle surnaturel, source de sentences différentes, certes, d'année en année, mais nécessairement: de plus en plus sages. Car c'est ainsi qu'on se la représente communément aujourd'hui, et l'ivresse que nous éprouvons à crier  'La Science dit que...' n'est même pas refroidie par la certitude qu'elle ne le dira plus dans cinq ans. On croirait - cet égard comme à plusieurs autres - que l'actualité a pour nous valeur d'éternité. Valéry lui-même a parlé plus d'une fois de la science conformément à la superstition commune. Quant aux savants, ils sont, bien entendu, les premiers à faire passer leurs propres opinions pour des sentences dont ils ne seraient pas responsables, dont ils n'auraient à rendre aucun compte, émanées d'un oracle. Cette prétention n'est pas tolérable, car elle n'est pas légitime. Il n'y a aucun oracle, mais seulement les opinions des savants, lesquels sont des hommes. Ils affirment ce qu'ils croient devoir affirmer, en quoi ils ont raison, mais ils sont eux-mêmes les auteurs responsables de tout ce qu'ils affirment, et ils en doivent compte. Ils ne rendent pas ce compte; mais ils ont tort; ils se font tort d'abord à eux-mêmes, car ils ne le rendent pas non plus à eux-mêmes."

Februar 02, 2010

La Chambre s'amuse...

[M. Michel Wolter (CSV):] Mir vun der CSV ënnerstëtzen déi Politik, déi d'Regiirung gemaach huet, 2009-2010 wëlles huet, ze maachen, well mer bewosst an eng gewësse Richtung wëlle goen. Mir maachen eis awer näischt vir. Mir wëssen, dass se net strukturell ass, déi dote Politik. Mir wëssen, dass et eng konjonkturell Politik ass.

Et ass pure Keynes, dee mer maachen. Et ass pure Keynes. Mir maachen...

Plusieurs voix.- Kéis?

Plusieurs voix.- Keynes!

M. Michel Wolter (CSV).- Jo, dat ass nees Äre Problem.

(Interruptions et hilarité)

Neen. Här Bettel, dat ass nees Äre Problem, dass der Är Klassiker net emol kennt.

M. Xavier Bettel (DP).- Ech kennen den Här Keynes, mä Dir schwätzt vu Kéis. Ech hat geduecht, Dir géift direkt schonn d'Regierung hei beuerteelen.

(Compte rendu des séances publiques de la Chambre des Députés. 13e séance; mercredi, 9 décembre 2009, pg. 160).

Januar 30, 2010

Disco Cosmopolis (1): Ramba Ho!

Usha Uttup - Ramba Ho (1981)

Januar 26, 2010

Januar 24, 2010

The world according to LuxairTours


(draufklicken  zum Vergrössern)

LuxairTours nimmt Rücksicht auf seine Kunden: da für manche dieser die Existenz des Judenstaats ein Stein des Anstosses ist, verschwindet Israel gleich mal ganz von der Landkarte. Ob die Palästinenser aber von dieser großägyptischen Lösung so begeistert sein werden? Auch zu beachten: die Südgrenze Marokkos (und beim Zerfallsprozess von Ex-Jugoslawien ist man auch nicht ganz up-to-date).

Januar 22, 2010

Mahnwache der UNEL

Depuis les élections présidentielles de 2009, l’Union Nationale des Étudiant-e-s du Luxembourg (UNEL) observe les événements en Iran avec une inquiétude grandissante. En effet, depuis la fraude électorale de 2009, la théocratie Iranienne emploie des méthodes de plus en plus répressives pour contrer les revendications pacifiques de l’opposition.

L'UNEL constate que ce sont, comme souvent dans l’histoire, des étudiant-e-s qui mènent de manière résolue les manifestations pacifiques contre un régime Iranien, qui nie les principes démocratiques et bafoue les droits de l’homme. Ainsi, l'UNEL condamne sévèrement les violations des droits de l’homme qui furent reportées :
- Lors d’une manifestation le 19 décembre 2009 au moins 8 personnes furent tuées et plus que 1300 arrêtées, selon un rapport officiel du gouvernement (!).
- Le 26 décembre d’autres manifestants furent tués et arrêtés par les forces de l’ordre.
- Le 27 décembre plus que 80 étudiant-e-s furent arrêté-e-s.
- Des prisonniers témoignent une dégradation rapide des conditions de détention, impliquant de maintes cas de torture et de viol.
- Des exécutions de prisonniers politiques furent déjà réalisées et d’autres sont annoncées par le procureur général et les responsables politiques.
Face à cette situation, l’UNEL exprime toute sa solidarité pour les manifestants pacifiques en Iran et appelle aux étudiant-e-s et habitants du Luxembourg de se réunir pour une vigile silencieuse le samedi à 16h00 à la Place Clairefontaine au Centre Ville.

L’UNEL se rallie aux revendications de l’ESU (European Students Union):
1) Governments must not remain silent about human rights abuses and should discontinue diplomatic and economic relations with the Iranian regime.
2) Human rights groups and community organizations need to take a more active role in pressuring the Iranian regime to respect human rights.
3) Academics from all disciplines must recognize the fact that their voices are among the most important and influential and that their peers in Iran desperately need their solidarity.
4) Student organizations of all kinds need to prepare activities which will raise awareness of the plight of their fellow students in Iran and assist them in realizing their goal of a free and democratic Iran.

Januar 21, 2010

Food for thought

"Man würde sich freilich täuschen, wenn man die offiziellen Deklamationen einer Beendigung des Kampfes und seiner Überführung in ein konsensorientiertes Deliberieren wörtlich nehmen und sich dementsprechend einrichten würde. Tatsächlich bleibt auch hier das intellektuelle Agieren der Leitvorstellung des Kampfes verbunden, nur dass dies nicht mehr offen ausgesprochen und die Auseinandersetzung nicht länger in der Form des als solchen angekündigten Duells ausgetragen wird. Im Anschluss an die Begrifflichkeit von Clausewitz und Delbrück hat ein Strategiewechsel stattgefunden, in dem die Orientierung am Niederwerfen auf die am Ermatten umgestellt worden ist. Und zu diesem Strategiewechsel gehört ganz entscheidend ein Austausch der Semantik, bei dem die Begrifflichkeit des Kampfes und der Auseinandersetzung durch die der Verständigung und des Konsenses verdrängt worden ist.
Wer das jedoch wörtlich nimmt, die Rüstung ablegt und sich neugierig dem Geschehen einer konsensorientierten Kommunikation nähert, hat bereits verloren. Er gleicht jenen Trojanern, die nach zehn Jahren Belagerung durch die Griechen deren überraschenden Abzug für das Ende des Kampfes und das zurückgelassene große Pferd für eine Opfergabe hielten, die Mauern niederrissen und das Pferd in die Stadt zogen. (...)

Gramsci hat (...) den Intellektuellen einen wichtigen Platz in der veränderten Form der Auseinandersetzung zugewiesen. (...) In ihrem Ringen um die intellektuelle Hegemonie werden Erhalt und Verlust der politischen Macht vorbereitet. Damit hat Gramsci die Intellektuellen als Spezialisten der Ermattungsstrategie identifiziert, die nach dem Ende der napoleonischen Niederwerfungsstrategie, in der die schiere Überlegenheit der Massen ausschlaggebend war, nunmehr das Heft des Handelns übernommen hatten. Aber Gramsci blieb als Marxist auf den Kampf fixiert. Zu jenem Odysseus'schen Coup, der mit dem fingierten Abzug und der Opfergabe als Angriffswelle den Krieg als Frieden und den Frieden als Krieg ausgab, drang er nicht vor. Das gelang erst jenen, die ihre eigene parteiliche Position als gesellschaftlichen Konsens durchzusetzen versuchen. Sie errichteten Befestigungen, während sie sich mit der Friedenstaube tarnten. Das sind ganz gefährliche Kämpfer, die aus der Friedenstaube ein Kampfzeichen gemacht haben."

Aus: Herfried Münkler, "Niederwerfen oder Ermatten? Vom Kampf der Intellektuellen um die Hegemonie", in Zeitschrift für Ideengeschichte, 4/2009, S.10, 15-16.

Januar 19, 2010

98 Jahre Armand Robin


Am 19. Januar 1912 wurde Armand Robin, libertärer Dichter, Autor, Radiomacher, Resistenzler und Kritiker des Stalinismus in Plougernével in der Bretagne geboren. Robin gehört jener Generation von Künstlern und Intellektuellen an, die sich nach dem Krieg im Umfeld der Fédération Anarchiste und seiner Zeitung Le Libertaire wiederfanden (siehe auch Camus, Brassens, Ferré...) und in Opposition zur intellektuellen Hegemonie des PCF-Stalinismus standen; bisweilen mit recht drastischen Worten, wie Robin in folgendem Gedicht:

Le Staline

Les miens, paysans, ouvriers, que RIEN ne trompe, NE PEUT tromper,
M’ont dit : « Il y a sur tout pays odeur de merde ;
« Tous les jours un peu plus il y a odeur de merde ;
« On tue un peuple chaque jour pour accroître la merde ;
Des journaux de merde, des radios de merde, des affiches de merde
« Avec grands mots de merde annoncent des progrès de merde ;
« Les juges ne rendent plus que des jugements de merde ;
« Même nous, les travailleurs, on veut que nous soyons merde.
« Toi qui sais des noms, nomme-nous l’inédite bête,
« La bête plus que bête que n’est que merde,
« Qui se conçoit merde et ne se veut que merde,
« La bête qui se veut merde, pieds, ventre, épaules, tête,
« La bête de merde qui dans sa tête de merde eut ce penser de merde :
« L’HOMME EST PARTOUT TUÉ ; ENFIN LA MERDE PEUT RÉGNER !
« LA MERDE DE MERDE EN MERDE VA TOUS VOUS EMMERDER ;
« TOUT VA VOUS ETRE ÔTÉ, COEUR, ÂME, ESPRIT,
PAIN, VIN, TOUT, SAUF LA MERDE ;
« VOUS ALLEZ VOIR CE QUE LA MERDE PEUT CRÉER
« VOUS ALLEZ VOIR TRÔNES DE MERDE ET DIA­MANTS DE MERDE ;
« NOUS SAURONS VOUS DONNER DES FESTIVAUX DE MERDE ;
« TOUS VOUS DÉFILEREZ, TROP HONORÉS, DE­VANT LA MERDE ;
PUIS VIENDRA LA GRANDE RÉVÉLATION DE LA MERDE,
« LA BIBLE DE LA MERDE : À L’ORIGINE IL Y EUT LA MERDE,
« AU CENTRE IL Y EUT LA MERDE, À LA FIN SERA LA MERDE,
« AINSI L’A ÉCRIT LE JEHOVAH DE LA MERDE. »

« Paysans, ouvriers, miens non souillés, mieux que RIEN ne peut souiller,
Triomphante pleins naseaux : « TOUT EST BIEN MERDIFIÉ ;
« À MON IMAGE À MOI MERDE, MERDOIE LE MONDE ENTIER !
« MÊME LES TRAVAILLEURS ONT MA MERDE DANS LEUR PENSÉE ! »

La gigantesque bête étendue en ces palais,
Régnant de merde en merde en l’ÉPOQUE DE LA MERDE
Avec miroirs de merde où refléter sa merde
Et des lettrés par rangs de vingt chantant : « GLOIRE À LA MERDE ! »
La grande bête qui est source, centre et fin de la merde,
La bête tellement merde que toute terre en devient merde,
La bête partout prêchant : « LE BONHEUR, C’EST MA MERDE ! »
Et condamnant l’humanité pour crime de lèse-merde,
La tarasque toute en merde, travailleurs, c’est LE STALINE ».

*
**
Je le nomme LE staline, car UN Staline n’existe pas :
En effet LA merde ne peut être UNE merde ;
Si peu qu’on soit merde on est TOUTE la merde ;
On est tout entier merde ou bien merde on n’est pas.

Aus: Poèmes indésirables (1945).

P.S. Ebenfalls heute zu begehen (neben dem 145. Todestag von P.J. Proudhon): 202 Jahre Lysander Spooner. Vielleicht mehr zu diesem radikalen amerikanischen Naturrechtler und Individualanarchisten ein andermal; für heute sei auf dieses Portrait aus der Feder von Wendy McElroy verwiesen.

Januar 17, 2010

In defense of Progressive Rock (17 und Schluss): The Day After

Die 1976/77 einsetzenden Angriffe von Punk und New Wave, und vor allem der Kritiker in der Musikpresse auf den Progressivrock hatte seine Konsequenzen. Eine ganze Reihe Bands lösten sich auf, alle anderen versuchten - ob aus Eigeninitiative oder auf Druck der Plattenfirma sei dahingestellt - einen neuen Stil zu finden [N.B. In den Zeiten vor Internet und weitestgehend ohne alternative Distributionskanäle, Independent-Labels usw. waren Pop- und Rockmusik extrem trendorientiert. Diese Tendenz nahm jedoch in den 1990ern deutlich ab. Man sieht dies ganz deutlich, wenn man Diskographien von Bands betrachtet, die seit den 1960ern aktiv sind, die bis in die frühen 1990er ständig versuchten, ihren Sound zu "aktualisieren", um chartfähig zu bleiben. Ab den 1990ern blieb dies aus, nicht zuletzt auch eine Folge der Entwicklung der Popmusik zu immer stärkerer Selbstreferenzialität].

Manche Bands verkauften mit dieser Neuausrichtung deutlich mehr Platten als zuvor, in erster Linie natürlich Genesis, deren Sänger/Schlagzeuger Phil Collins zum Liebling aller Schwiegermütter wurde und die zu einer der umsatzträchtigsten Bands des Planeten wurden. Auch deren Ex-Sänger Peter Gabriel konnte mit schlauer Popmusik Erfolge feiern. King Crimson gelang vielleicht die künstlerisch überzeugendste Transition: mit Ex-Zappa- und Bowie-Gitarristen Adrien Belew erfanden sich Fripp und Co. als New Wave/Post-Punk(in den 90ern dann: Tech-Metal)-Band neu, und machten dabei eine Musik, die man immer noch als progressiv bezeichnen konnte. Yes fusionierten - zum Schrecken ihrer Fangemeinschaft - für ein Album mit den Buggles, danach nahmen sie in einer anderen Besetzung mit 90125 eines der bestproduzierten Alben der frühen 1980er auf und konnten sich via MTV ein neues Publikum erobern. Danach verschwanden sie in der Versenkung, zumal ihre Musik in immer seichtere und uninspirierte AOR-Gefilde abdriftete, ehe sie sich in der zweiten Hälfte der 1990er darauf besannen, dass es doch ertragreicher ist, ihre 1970er-Erfolge zu recyceln.

Kansas versuchten dank dem neuen Sänger John Elefante, einem "wiedergeborenen Christen", mit christlicher Rockmusik einen neuen Zuhörerkreis erreichen. Hier mit Crossfire (1982):


Manche Bands veränderten sich zur Unkenntlichkeit. Etwa Le Orme, die sich die Haare abschnitten und auf Synthie-Pop umstiegen: Rosso di sera (1982):


Für deutsche Progbands bot es sich an, auf den Neue Deutsche Welle-Zug aufzuspringen; z.B. Grobschnitt mit Schweine im Weltall (1983):


Auch die Reaganomics hinterließen sichtbare Spuren. Wer hätte sich in den 1970ern träumen lassen, dass ausgerechnet Jethro Tull mal im Nadelanzug zu Synthesizerklängen darüber singen würden, dass Reichtum auch nicht glücklich macht (siehe auch Rush): Lap of luxury (1984):

Bei aller Ironisierung der Wall Street-Kultur der 1980er fragt man sich, ob man damit nicht auch die "Yuppies" als neue Zielkundschaft erreichen wollte.

Ende der 1970er versuchten sich auch einige Prog-Bands mit Ausflügen in die Gefilde der Disco-Musik (selbst Magma!) - immerhin teilte man sich eine Vorliebe für "symphonische Klänge" und Longtracks - was bisweilen zu seltsamen Blüten führte. Etwa bei den italienischen Prog-Urgesteinen New Trolls, die plötzlich wie die Bee Gees klangen:

Immerhin mussten sie sich die Bärte nicht abrasieren.

Disco sollte alsbald als ebenso tot gelten wie Prog. Umso beachtlicher, dass ausgerechnet 1980, auf dem Höhepunkt der homophoben und antihedonistischen "Disco sucks!"-Kampagne, dieses gemeinsame Stück von Olivia Newton-John und dem Electric Light Orchestra veröffentlicht wurde: Xanadu, dreieinhalb Minuten voll unironisch vorgetragenem Optimismus und utopischer Positivität, so zusagen der Gegenentwurf zu No future:


Januar 15, 2010

Proudhon zum 201.: 3 Auszüge aus dem "Manuel du spéculateur à la bourse"

"Ainsi l'on a affecté de ne voir dans les scandales de l'époque que de l'agiotage. Le Moniteur l'a fait entendre; la magistrature, suivant l'exemple donné d'en haut, a fulminé ses mercuriales. La comédie à son tour a fait semblant d'agiter ses grelots. Qu'accusent cependant l'organe officiel, et la justice, et le théâtre? Le jeu, rien que le jeu. Mais, messieurs, Le JEU ne produit pas de si puissants efforts. Nous ne serions pas si malades si nous n'avions à nous reprocher que cette peccadille. Disons la vérité. (...).
(...) tandis que la Sagesse constituée accuse le jeu, que la Scène le châtie, que la Bourse elle-même, ravie de se voir si bien chaperonnée, le dénonce : l'improbité règne dans les moeurs, la piraterie dans les affaires. Sous l'apparence de transactions régulières et libres, de réalisations facultatives, d'exercice légitime de la propriété, sévissent, sans nul empêchement, le charlatanisme, la corruption, l'infidelité, le chantage, l'escroquerie, la concussion, le vol."

"La spéculation n'est autre chose que la conception intellectuelle des différents procédés par lesquels le travail, le crédit, le transport, l'échange, peuvent intervenir dans la production. (...) Ainsi donc la Spéculation est, à proprement parler, le génie de la découverte. C'est elle qui invente, qui innove, qui pourvoit, qui résout, qui, semblable à l'Esprit infini, crée de rien toutes choses. Elle est la faculté essentielle de l'économie. Toujours en éveil, inépuisable dans ses ressources, méfiante dans la prospérité, intrépide dans les revers, elle avise, conçoit, raisonne, définit, organise, commande, LÉGIFÈRE; le Travail, le Capital, le Commerce exécutent. Elle est la tête, ils sont les membres; elle marche en souveraine, ils sont les esclaves.
Son action est universelle. Le premier qui laboura un champ, qui enferma du bétail dans un parc, qui fit fermenter du jus de pomme ou de raisin, qui creusa, au moyen de la flamme, un canot dans un tronc d'arbre, fut tout autant spéculateur que celui qui, longtemps après, imagina la monnaie ou la lettre de change."

"Pour une bourgeoise intelligente, généreuse et probe, la Bourse eût été le parlement duquel seraient émanés chaque jour des décrets plus efficaces que toutes les ordonnances des ministres et les lois votés par quatre cent cinquante-neuf représentants. Il n'est police, armée ni tribunaux qui eussent pu se comparer à cette force de la spéculation pour le maintien de l'ordre. Sous un tel régime, le pays avait la possession absolue de lui-même: la non-confiance devenait impossible.
La bourgeoisie, il faut l'avouer, est loin d'avoir compris ces hautes et nobles fonctions. Saisie d'une fièvre de spéculation agioteuse, avide de concessions, de subventions, de privilèges, de primes et de monopoles, elle a considéré la fortune publique comme une proie qui lui était dévolue; l'impôt comme une branche de son revenu; les grands instruments du travail national, chemins de fer, canaux, usines, comme les gages de son parasitisme; la propriété, comme un droit de rapine; le commerce, l'industrie, la Banque, comme des façons naturelles d'exploiter le peuple et de pressurer le pays."

(aus der rezenten Anthologie mit Auszügen aus dem und Kommentar zum Manuel du spéculateur de la Bourse, Proudhons kommerziell erfolgreichstem Buch, das jedoch vollständig zuletzt ...1869 veröffentlicht wurde; S.58-59, 68-70, 82).

Januar 12, 2010

Biermonopole zerschlagen!

Gestern fand in Diekirch für luxemburgische Verhältnisse erstaunliches statt: auf einer spontanen Demonstration kamen fast 1800 Menschen zusammen, um gegen die Ankündigung des weltweiten grössten Bierherstellers AB InBev, dass die Brasserie de Luxembourg in Diekirch weitestgehend geschlossen, 63 der noch verbliebenen 93 Beschäftigten entlassen und die Luxemburger "Traditionsbiere" Mousel und Diekirch fortan in Belgien gebraut werden sollen, zu demonstrieren. Da ich der Diekircher Brauerei irgendwo sentimental verbunden bin (ich ging in Diekirch zur Schule, wo wir in direkter Dunstlinie zur Brauerei lernten) und auch den Unmut der Beschäftigten, denen offenbar noch im Dezember das genaue Gegenteil - d.h. der Erhalt der Brauerei in Diekirch - versprochen wurde, nur verständlich finde, kann ich natürlich einem Einsatz für den Weiterbestand der Brauerei viel Sympathie entgegen bringen kann. Weit weniger sympathisch ist mir der offen nationalistische Ton, mit dem für den Beibehalt der Diekircher Brauerei eingetreten wird.

Das tageblatt (12.11.10) zeigt Fotos, auf denen das Logo der Brasserie de Luxembourg mit "Brasserie de Belgique" überschrieben wurde, und berichtet über Parolen à la "Gitt zréck an d'Belsch, dir Bonzen" (ich dachte, die "Bonzen" seien schon längst da?). Für das konservative Luxemburger Wort steht glatt die "nationale Identität" auf dem Spiel, die Proteste künden von "eine[r] diffuse[n], aber verbreitete[n] Sorge, dass sich das 'traditionelle Luxemburg' in einer globalisierten, von Aktienwert und Profitmaximierung gesteuerten Wirtschaftswelt Schritt für Schritt der Sperrstunde nähert". Tja, wie schrieben schon Marx und Engels im Kommunistischen Manifest: "Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen. (...) Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet."

Liebe Landsleute, in diesem Zusammenhang sind nicht die "Belgier", die sich angeblich gegen das kleine Luxemburg verschworen haben (das tageblatt berichtet: "Ein weiterer Beweis der langen Planung sei die Tatsache, dass im belgisch-luxemburgischen Grenzgebiet... viele Kneipeninhaber, die bis dahin Biere der Diekircher Brauerei im Ausschank hatten, dazu angehalten worden, in Zukunft auf die belgische Biermarke Jupiler umzusteigen."), das Problem. Im Gegenteil: in Belgien sind ebenfalls schwere Einschnitte geplant, mit weit mehr Entlassungen als in Luxemburg. Es nutzt also nichts, Standorte gegeneinander auszuspielen. OGBL-Zentralsekretär Romain Daubenfeld hat dies übrigens richtig erkannt: "Les postes qui ne seraient démantelés sur un site, le seraient sur un autre"; Quotidien vom 9.1.10.

Der Standort Diekirch, obwohl gegenwärtig gewinnbringend, ist vielmehr das Opfer der zugespitzten Konzentration auf dem Biermarkt, wo mittlerweile die Situation erreicht ist, dass nur noch einige wenige Konzerne den gesamten Weltmarkt unter sich aufteilen, wobei AB InBev wiederum die alles überragende Stellung einnimmt (regelmässig berichtet übrigens der Blogger Chris O'Brien über die Entwicklung auf dem Biermarkt). Dass diese Konzentrationstendenzen zwangsläufig auch zu einer Rationalisierung der Produktion führen, ist nur naheliegend. In diesem Sinn ist es übrigens auch falsch, bei AB InBev das Streben nach "kurzfristigem Gewinn" zu kritisieren. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: AB InBev schliesst Werke, obwohl sie heute Gewinn bringen; dies durchaus in Anbetracht längerfristiger Planungen. Das Unternehmen reagiert dabei auf den sinkenden Bierkonsum, insbesondere in Folge des Rückgangs von Kneipenbesuchen in den westlichen Industrienationen (der auch eine Folge von staatlichen Massnahmen zur Hebung der Volksgesundheit wie Verstärkung von Alkoholkontrollen und Rauchverboten ist), indem es jetzt bereits strukturelle Reformen im Sinne der Kostensenkung durchführt, obwohl es eigentlich kurzfristig sehr gute Zahlen aufzuweisen hat. Am Schicksal der entlassenen Brauereiarbeiter ändert dies natürlich nichts. Auch der Konsument hat von diesen Konzentrations- und Rationalisierungstendenzen nichts: im Gegenteil, zunehmend wird ihm das gleiche Produkt unter verschiedenen Namen vorgesetzt. Die Auswahlmöglichkeiten auf dem Biermarkt verringern sich, ein "Standardbiergeschmack" setzt sich durch.

Was kann man dagegen tun? Bier brauen! Ein, zwei, viele Kleinbrauereien eröffnen, um der Monopolstellung von AB InBev eine Alternative entgegen zu stellen. Diese Tendenz ist übrigens in den USA voll entwickelt, wie der Beer Activist zu berichten weiss. Bereits im 19. Jahrhundert waren lokale Bierbrauereien, die zum Teil auch einen überregionalen Markt abdeckten, in fast allen Dörfern und Kleinstädten vorhanden, und zeugten davon, dass "Unternehmergeist" kein Monopol des Bürgertums sein muss. Vielleicht wäre das ja auch eine Lösung für Diekirch? Ein, z.B. von einer Braukooperative, mit Rückgriff auf die technische Sachkenntnis der entlassenen Brauereiarbeiter, gebrautes und vermarktetes "Stackdikkricher Ieselsbéier"?

Januar 09, 2010

In defense of Progressive Rock (16): Und dann gibt's da auch noch...

Rush. Die Kanadier gehören zum rocklastigeren nordamerikanischen Prog, der vor allem in der zweiten Hälfte der 1970er erfolgreich war, als die Prog-Welle in Europa bereits weitestgehend abgeschwappt war (siehe auch: Kansas). An Rush ist insoweit bemerkenswert, dass es sich um ausgesprochene Libertäre handelt und libertäres Gedankengut regelmässig in die Texte der Band einfliesst (seit dem zweiten Album allesamt vom Schlagzeuger Neil Peart verfasst). Stand Rush in den 1970ern noch eher dem randschen Objektivismus nahe - das Album 2112 ist Ayn Rand gewidmet, der Song Anthem vom Album Fly by night bezieht sich auf die gleichnamige Novelle von Rand - ohne jedoch in den moralischen Absolutismus vieler Objektivisten zu verfallen, so beschreibt sich Songwriter Peart heute als "left-leaning libertarian".  2003 widmete sich übrigens eine ganze Ausgabe der Ayn Rand Studies der Debatte über die politische Ausrichtung der Band, Auszüge findet man hier.

Rush zum Thema "...uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun" - Something for nothing (1976)


Ein paar bewegte Bilder: Rush - Circumstances (1978)


Im Unterschied zu den meisten britischen Prog-Bands aus den 1970ern, die heute meist nur in kleinen Clubs auf Nostalgietours durch die Lande tingeln, sind Rush auf dem amerikanischen Kontinent bis heute sehr groß. Wie groß? So groß:

Januar 08, 2010

Lesestoff fürs Wochenende

Da meine rezente Prophezeiung leider erste Ansätze der Erfüllung aufweist, und wir dieses Wochenende wohl eingeschneit zu Hause verbringen müssen, hier ein paar Leseempfehlungen aus dem weltweiten Gewebe:

- "Kepler" auf dem Blog Venezuela Europa über das bolivarisch-militaristische Erbe Venezuelas (mit einem Link zu Marx' Charakterisierung des lateinamerikanischen Westentaschenbonaparte Libertador).

- Eine linkslibertäre Rezension zu Michael Moores Capitalism: A love story aus der aktuellen Ausgabe des Freeman.

- Die abschließende Kritik des Gegenstandpunkt an Heinz Dieterichs Schwachsinn Sozialismus des 21. Jahrhunderts.


- Carl Schmitt über Bakunin (en français).

Januar 05, 2010

Debatte um Avatar

Avatar, der Beweis, dass man mit regressiver Kapitalismuskritik viel Geld verdienen kann und dass es  schon State of the art-Technik bedarf, um den edlen, naturverbundenen Wilden artgerecht darzustellen, lässt derzeit die Wellen hoch schlagen (auch schon etwas länger her, dass ein Hollywood-Blockbuster derart debattiert wurde. Zuletzt glaube ich bei Matrix?).

Hier ein paar ausgewählte Rezensionen:
lalibertine von den Freunden der offenen Gesellschaft über die organische Volksgemeinschaft auf dem Planeten der Gutmenschen.

Peter Suderman entdeckt die ursprüngliche Inspiration für die Blaumänner und -frauen auf Reason - Hit&Run.

John De Nardo und der gespaltene Blickpunkt des Science Fiction-Fans auf SF Signal.

Für Jeffrey Wells ist der Film total links.

Der "klügste Filmkritiker der Welt" sieht das etwas anders.

Das "Internationale Komitee der 4. Internationale" ebenso.

Anarchokapitalisten wiederum mögen den Film: es geht um die Verteidigung von Eigentumsrechten (meint Stephen Kinsella).

Januar 02, 2010

In defense of Progressive Rock (15): Die Subgenres - Rock sinfonico italiano

Eine sehr breite und eigene Prog-Szene bildete sich in den 1970ern in Italien, das neben Großbritannien zum Zentrum  der "symphonischen" Ausprägung des Progs wurde. Hier drei der bekannteren Vertreter:

Premiata Forneria Marconi - Celebration (1974)


Le Orme - Contrappunti (1974)


Banco del Mutuo Soccorso - L'evoluzione (Song von 1972, hier eine Live-Aufnahme von 1992)

Dezember 31, 2009

Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen



A propos: Im Solaren Imperium Perry Rhodans wird 2010 auf der Erde dank arkonidischer Technik die globale Wetterkontrolle eingeführt (laut Perry Rhodan-Band 60: K.H. Scheer, Festung Atlantis, erschienen 1962). Weniger hübsch sind die Perspektiven für 2010 im Film Absolon mit Christopher Lambert (2003): dort wird die Hälfte der Menschheit durch ein tödliches Virus hinweg gerafft.

Dezember 30, 2009

In defense of Progressive Rock (14): Gastbeitrag von Alicia Keys

"Keith Emerson is the greatest thing I discovered this year. I have heard him before, but I stumbled on this clip on YouTube and really discovered him. Musically, he's mean, and he takes all of the classical sound that I love and he freaks it and he flips it on all these crazy sounds, and... I'm into him. That clip is from 1971. I watched him play organs backwards and fly up on pianos, and the piano flips around, and I swear I'm gonna do a couple o' those tricks on my next tour.  It's crazy! It's unbelievable. It's one thing to play with the keyboard the right way up, but to play that way is a total different monster. That's crazy!"
(aus Mojo, 194, Januar 2010).



Dezember 27, 2009

Joseph Déjacque und die Erfindung des Worts "libertär"

Anlässlich des 188. Geburtstags des französischen Anarchisten Joseph Déjacque wollen wir uns heute dem Ursprung des Wortes "libertär" widmen, als dessen Urheber Déjacque gemeinhin gilt. In einem 1972 in der Zeitschrift Economie et société erschienenen Artikel erläutert Valentin Pelosse die Schaffung der Neologismen "libertär" und "Libertarismus" (bzw. auf französisch "libertaire" und "libertarisme") bei Déjacque. Zuerst habe Déjacque den Begriff "libertär" in Opposition zu "liberal" in seiner Kritik an Proudhons Misogynie De l'être humain mâle et femelle. Lettre à P.J. Proudhon (1857) benutzt, in dem er Proudhon vorwirft, Freiheit im Handel, aber Protektionismus zwischen Mann und Frau zu vertreten:
"Anarchiste juste-milieu, libéral et non LIBERTAIRE, vous voulez le libre échange pour le coton et la chandelle, et vous préconisez des systèmes protecteurs de l'homme contre la femme, dans la circulation des passions humaines ; vous criez contre les hauts barons du capital, et vous voulez réédifier la haute baronie du mâle sur la vassale femelle ; logicien à bésicles, vous voyez l'homme par la lunette qui grossit les objets, et la femme par le verre qui les diminue ; penseur affligé de myopie, vous ne savez distinguer que ce qui vous éborgne dans le présent ou dans le passé, et vous ne pouvez rien découvrir de ce qui est à hauteur et à distance, ce qui perspective de l'avenir : vous êtes un infirme !" (den ganzen Text findet man hier).

Ich muss jedoch sagen, dass ich in diesem Zusammenhang nicht ganz überzeugt bin, dass dies wirklich der erste Gebrauch des Begriffs "libertaire" ist, zumal Déjacque sich keineswegs genötigt sieht, die Opposition zwischen "libertaire" und "libéral" weiter zu erläutern. Proudhon selber benutzt den Begriff "libertaire" wie selbstverständlich 1858 in De la Justice dans la Révolution et dans l'Eglise, allerdings dort nicht mit Bezug auf Déjacque, auch nicht als Selbstbezeichnung, sondern als Oberbegriff für die radikalsten Vertreter der Freihandelsschule, wie Bastiat, de Molinari oder Dunoyer (vgl. De la Justice dans la Révolution et dans l'Eglise. Première étude, 2. Auflage, Brüssel 1860, S.58-59). Bei beiden Verwendungen des Begriffs hat man den Eindruck, dass die Autoren davon ausgehen, dass der Leser bereits etwas mit dem Begriff "libertaire" verbindet. Wikipedia gesteht übrigens Déjacque den ersten "politischen Gebrauch" des Wortes "libertär" bzw. "libertarian" zu, unterstreicht aber, dass der englische Begriff "libertarian" bereits im 18. Jahrhundert benutzt wurde. Der älteste nachgewiesene Gebrauch stammt aus einem  Essay von William Belsham: "On liberty and necessity", erschienen in Essays, philosophical, historical and literary, London, 1789, S.1-15. Dort stellt der englische Philosoph den "necessarians" (d.h. die Deterministen) die "libertarians" als Verteidiger des freien Willens entgegen: "Or, where is the difference between the Libertarian, who says that the mind chuses [sic] the motive; and the Necessarian, who asserts that the motive determines the mind; if the volition be the necessary result of all the previous circumstances?" (ebd., S.13).


Die Entwicklung des Begriffs "libertär" von diesem philosophischen Gebrauch hin zu einem politisch bzw. ökonomischen Gebrauch bei Déjacque und Proudhon, und darüber hinaus zur gebräuchlichen Benutzung als Synonym für Anarchismus, aber auch ab den 1940ern als Selbstbezeichnung für eine gewöhnlich eher der politischen Rechten zugerechneten Bewegung in den USA wäre dementsprechend eigentlich noch zu schreiben. Klar ist allerdings, dass die 1858 bis 1861 von Déjacque in New York herausgegebene Zeitung Le Libertaire den Begriff nachhaltig popularisiert hat. Die Zeitung Déjacques, die mittlerweile integral online einsehbar ist, existiert übrigens in gewisser Weise, nach vielen Unterbrechungen und Neubeginnen, bis heute, seit 2005 allerdings nur noch als Online-Edition. Herausgeber ist mittlerweile die "Coordination anarchiste" aus Le Havre, ein Überbleibsel der "Union anarchiste" die sich in den 1970ern aus der "Fédération anarchiste" gelöst hat, da diese sich zu sehr in Richtung Anarchokommunismus entwickelt habe. Hier findet man die aktuelle Ausgabe.


Abschliessend ein Auszug aus einem Gedicht Déjacques, das in der letzten Ausgabe des ursprünglichen Libertaire vom 4. Februar 1861 erschienen ist:
"Au delà du gouffre qui gronde
Loin de l’écume de nos mœurs,
L’esprit signale un Nouveau-Monde.
Le monde des libres penseurs...

Voile au vent ! fils de la pensée,
Marcheurs dont l’âme est le gréement
Voile au vent, et flamme hissée !
— L’idéal... c’est le mouvement !"

Dezember 26, 2009

In defense of Progressive Rock (13): Die Subgenres - Canterbury

Der "Canterbury-Sound" ist in etwa der kleinere und etwas schrägere Bruder des "symphonischen Progs" (Yes, Emerson, Lake & Palmer, frühe Genesis usw.). Jedoch ist es eher schwierig, den Canterbury-Sound auf eine Stilrichtung festzulegen, vielmehr handelt es sich um einen Oberbegriff für eine Reihe Musiker, die ursprünglich in der Rockszene der Universitätsstadt Canterbury in den 1960ern aktiv waren, wie z.B. Robert Wyatt, Hugh Hopper, Dave Sinclair, Dave Stewart, Steve Hillage, Kevin Ayers oder Daevid Allen. Die Fachseite Babyblaue Prog-Reviews charakterisiert den Canterbury Sound wie folgt:
"Im Canterbury-Sound spielen deutliche Jazzeinflüsse eine stärkere Rolle als bei den meisten symphonischen Bands, hingegen ist die Rockkomponente schwächer ausgeprägt. Allerdings ist es schwierig, den Canterbury-Sound musikalisch wirklich festzumachen, die Unterschiede zwischen den einzelnen Bands sind beachtlich. Quirligen Pop-Songs, wie sie die frühen Caravan boten, stehen die ausgedehnten, kompromisslosen Jazzausflüge der mittleren Soft Machine gegenüber, einer Band, die ihrerseits zuvor psychedelisch angehauchten Pop gemacht und im Swinging London als große Konkurrenz von Pink Floyd gegolten hatte. Mit in das Spektrum gehören daneben z.B. die bedingungslose Komplexität mancher Henry Cow-, Egg- und National Health-Kompositionen oder der sogenannte Space Rock von Gong."

Hier ein paar Beispiele:
Soft Machine - Why am I so short? (1968)


Gong - The Pot Head Pixies (1973)


Henry Cow - No more songs (1976)

Dezember 24, 2009

Mühsam, passend zur Jahreszeit (2)

Ein Weihnachtslied aus früheren Krisenzeiten:

Das Fest der Liebe

Die Schrauben knarren; der Propeller rattert;
die Wellblechschwingen rasseln mit Gequiek:
So kommt vom Himmelsdom der Republik
der liebe Weihnachtsengel hergeflattert,
erhöhend, wo's die Menschen reichlich haben,
die Festesfreude mit den schönsten Gaben,
doch wo die andern hausen in der Tiefe,
erhöht der Engel Preise und Tarife.

Indessen die fiskalischen Gebiete
bereist Knecht Ruprecht. Wo er hintritt, kracht's
Er trägt das edle Antlitz Hjalmar Schachts
und nur wer brav ist, kriegt zum Lohn Kredite.
Meint ihr, er braucht nur in den Sack zu fassen,
und schon fließt Geld in eure Pleitekassen?
Erst feste Steuern für den Weihnachtsengel!
Wer pumpen will, bemühe auch den Schwengel!

Dem Reich sowohl als auch der Metropole
hat sich das Christkind freundlich zugeneigt.
Kredit gibt's, wenn der Preis für Butter steigt,
für Fleisch und Tabak, Mehl und Stiefelsohle.
Das Wasser wird, das Licht, das Gas verteuert,
bald auch, bloß weil du lebst, dein Kopf besteuert.
Gewaltig neppen die Verkehrsbetriebe,
Berliner, dich! – O süßes Fest der Liebe!

Doch bleibt gerecht! Der Staat braucht viel Millionen!
Siehst, Arbeitsloser, hungern du dein Kind,
so denk, wie teuer Panzerkreuzer sind,
getürmte Fürsten, Generalspensionen!
Die "Wirtschaft" muss die Hakenkreuze schmieren,
du musst, Prolet, den Sklareksumpf sanieren.– –
Der Weihnachtsengel schirme deinen Glauben!
Vom Himmel hoch da knarren Steuerschrauben.
(1929)

Dezember 19, 2009

In defense of Progressive Rock (12): Have a very progressive Christmas!

Greg Lake - I believe in Father Christmas (1975)


Jethro Tull - Ring out the solstice bells (1976)


Kansas - The Light (2001)

Dezember 18, 2009

Führer statt Quasselbude

Greenpeace auf den Spuren von Carl Schmitt:
(Foto AFP)

Dezember 16, 2009

Libertäre Presse

Die Nummer 4 der ALLiance, "Theorie- und Strategiejournal" der Alliance of the Libertarian Left, ist erschienen und als .pdf beim Liberty Activism Repository erhältlich: hier der direkte Link. Die Qualität der Texte ist recht unterschiedlich (die xte Debatte darüber, ob man als Anarchist wählen gehen kann, finde ich nicht gerade sonderlich spannend), ein Layout ist quasi inexistent... Nun ja. Nichtsdestotrotz interessant darin: die Ausgrabung eines Artikels von Voltairine De Cleyre über die Ladies' Liberal League sowie ein Bericht über die Entwicklung der libertären Szene (im breitesten Sinne) in Russland und in der Ukraine in den vergangenen Jahren. Die nächste Nummer von ALLiance soll sich schwerpunktmäßig mit den Industrial Workers of the World und der linkslibertären Haltung zu Gewerkschaften auseinandersetzen.

Dezember 14, 2009

A propos postmodern

Alles was zum Gipfel in Kopenhagen noch zu sagen ist, sagen Michael Schellenberger und Ted Nordhaus in einem sehr unterhaltsamen Essay auf dem Blog des Breakthrough Institute. Zwei Auszüge:

"With all hopes of a treaty abandoned months ago, diplomats and greens are in a state of serious cognitive dissonance, attempting to resolve the seriousness of the problem with the total lack of a meaningful government response. They do so, not by asking hard questions about the viability of the Kyoto framework, but rather by creating a simulacrum of action to substitute for any meaningful action to reduce emissions or adapt to a warmer world. 
In this, Copenhagen represents the first truly postmodern global event in human history. Other generations had Versailles, Yalta, Bretton-Woods -- agreements that re-organized nation states and shaped the modern world. We, by contrast, have Copenhagen, which has no power to do anything. In reality, Copenhagen is no more effectual than the made for media confabs like Davos. But the United Nations, multinational green groups, and sympathetic reporters have succeeded in creating the impression of action where there is, in fact, none at all. (...)

Yet, from London to Canberra to Washington, D.C., liberals and greens sell business-as-usual policies as the keys to averting ecological apocalypse. And everywhere conservatives and skeptics warn that these same policies will lead to economic ruin. The denialists' pas de deux continues, the multiple echo chambers spinning in unison.
In this environment, skeptics and greens alike make hallucinogenic statements and create bizarre media stunts. The president of the Maldives, a nation of 300,000 people, summoned the press corps to a 'cabinet meeting' -- under water, in scuba gear -- based on the apparent belief that such media stunts will persuade China and India, nations of two billion people, to fundamentally alter their development paths. Youth climate activists sing 'Give Peace a Chance' not because global warming is like war but because it's the best protest song they knew.
Skeptical conservatives insist that Copenhagen, a Davos-style green media event, is in fact the beginning of a new, secret global government. And Senator James Inhofe, who not only denies man-made warming but also believes that it was invented by a vast conspiracy, announced that he would travel to Copenhagen to act as a one man 'truth squad'."

Der Limonadenozean und die (Post-)Moderne

Als Zusatz zum Post von gestern, hier ein Text von Hakim Bey aus dem Jahr 1991, der sich u.a. mit Fouriers Phantasien auseinandersetzt. Hakim Bey definiert sich selber als "ontologischer Anarchist", beim libertärsozialistischen Establishment ist er hingegen als "Lifestyle-Anarchist" verpönt, der eine postmoderne Brühe aus Stirner, Nietzsche, Marx, situationistischer Internationale, Sufismus und Mystizismus als "Anarchismus" verkaufe. In gewisser Weise der Slavoj Zizek des Individualanarchismus. Der Leser urteile selbst:

The Lemonade Ocean & Modern Times

A Position Paper by Hakim Bey
1. One More River to Cross

In our experience (that is, not merely in intellectual speculation but in everyday-life) we have found that "the Ego" can be as much of a spook as "the Group"--or indeed, spooky as any abstraction which is allowed to control behavior, emotion, thought, or fate. Deeply as we've been influenced by Stirner / Nietzsche / Tucker/ Mackay, we have never held to any rigid ideological or psychological form of Individualism / Egoism. Individualist anarchism is lovely dynamite, but not the only ingredient in our cocktail.

Our position, put quite simply (in the form of a truism): The autonomy of the individual appears to be complemented & enhanced by the movement of the group; while the effectiveness of the group seems to depend on the freedom of the individual.

In the 1980's--thru poverty, terror, mediation, & alienation--the individual was more & more isolated, while all forms of "combination" (communes, co-ops, etc.) were eliminated or else reduced to pure simulation. The pleasures of the isolated ego have begun to pull as the "self" is gradually reduced to a comm-terminal or funnel for commodity-fetishes. In the 90's we will demand effective means of association which depend neither on Capital nor any other form of representation. We reject the false trance of the Spectacular group--but we also reject the lonely ineffectiveness of the embittered hermit. Always one more illusion to overcome!

2. Maximizing Marx

"Type-3 anarchism" (a term coined by Bob Black) designates a radically non-ideological form of anarchism neither Individualist nor Collectivist but in a sense both at once. This current within anti-authoritarianism is not a new invention, however (nor has it been given any final form). One can find versions of it in such works as bolo'bolo, or in the writings of the Situationists. One Situ group ("For Ourselves") went so far as to suggest a synthesis of Max Stirner & Karl Marx, who in real life were bitter enemies. They pointed out that Stirner's psychological existentialism does not necessarily conflict with Marx's economics. Bakunin criticized not Marx's original critique but rather the solution he proposed, dictatorship.

As for us, Stirner outweighs Marx because psychology precedes economics in our theory of liberation--but we read Stirner in the light of Bakunin & the early Marx--the light of the 1st International & the Commune of 1870--the light of Proudhon.

In order to clarify this position, we'll introduce two more names from our "family tree," Steven Pearl Andrews (1812-1886) & Charles Fourier (1772-1837). In a sense we find them a more congenial pair than Max und Marx, because they both made significant donations to the cause of erotic liberation (a central concern of the Mackay Society), unlike say the virginal Bakunin, or Marx or Proudhon--both prudes--or for that matter Stirner, Nietzsche, or Tucker, who all more or less avoided the subject. Serious historians of the Social often ignore Andrews & Fourier because they were "cranks"--utopianists, marginals, Blake-like visionaries. One needs to be something of a surrealist to appreciate them. But our appreciation is more than erotic, aesthetic, or spiritual. We also draw from them a precise picture of our own position in the "type-3" current of contemporary libertarianism.

3. Lemonade Ocean

Fourier was amazing. He lived at the same time as De Sade & Blake, & deserves to be remembered as their equal or even superior. Those other two apostles of freedom & desire had no political disciples, but in the middle of the 19th century literally hundreds of communes (phalansteries) were founded on fourierist principles in France, N. America, Mexico, S. America, Algeria, Yugoslavia, etc. Proudhon, Engels, Kropotkin all read him with fascination, as did Andre Breton & Roland Barthes. But today in America he is forgotten--not one complete work by Fourier is in print here--a few anthologies came out in the 70's but have vanished--& only one work about him (a fine biography by Jonathan Beecher, which may serve to stir some enthusiasm). Fourier's own disciples suppressed some of his most important texts (on sexuality), which did not appear in print till 1967. It's about time he was re-discovered again.

To quote Fourier out of context is to betray him. To say for example that he believed the ocean would turn to lemonade in the future, when humanity comes to live in Harmonial Association, is to make him a figure of fun (as Hawthorne did in The Blythedale Romance). To understand the beauty of the idea it must be seen in the context of Fourier's grand & brilliant cosmological speculations, rivals in complexity of Blake's prophecies. For Fourier the universe is composed of living beings, planets, & stars, who feel passion & who carry out sexual intercourse, so that creation itself is continual. The miseries of Civilization have deflected Earth & humanity from their proper destiny in a literal cosmic sense. Passion, which we have been taught to regard as "evil," is in fact virtually the divine principle. Human beings are microscopic stars, & all passions & desires (including "fetishes" & "perversions") are by nature not only good but necessary for the realization of human destiny. In Fourier's system of Harmony all creative activity including industry, craft, agriculture, etc. will arise from liberated passion--this is the famous theory of "attractive labor." Fourier sexualizes work itself--the life of the Phalanstery is a continual orgy of intense feeling, intellection, & activity, a society of lovers & wild enthusiasts. When the social life of Earth is harmonized, our planet will re-join the universe of Passion & undergo vast transformations, affecting human form, weather, animals, & plants, even the oceans.

Passion draws humanity into association just as gravity draws celestial bodies into orbital systems. The phalanstery is a little solar system revolving around the central fire of the passions. Thus, altho Fourier always defends the individual against the tyranny of the Civilized groups (what we've called Spectacular groups, in the modern context), nevertheless for him the group in its ideal form takes on a quality of absoluteness. It's been jokingly said of him that the only sin in his system is eating lunch alone. But "association" cannot be considered a form of collectivism or communism--it is not strictly "egalitarian," nor does it eliminate personal property or even inheritance. Moreover, all the elaborate titles & ranks Fourier delighted to invent for his Harmonians were voluntary & purely ceremonial. The Harmonian does not live with some 1600 people under one roof because of compulsion or altruism, but because of the sheer pleasure of all the social, sexual, economic, "gastrosophic," cultural, & creative relations this association allows & encourages.

4. The Convivial Individualist

One of Fourier's favorite illustrations of how harmony works even in Civilization was the dinner party, where wine, wit, & good food are enjoyed according to a spontaneous order, not subject to any law or morality. Social Harmony would be like a never-ending party: Fourier envisioned people leaping out of bed at 3 a.m. to pick cherries as if they were rushing off to a grand ball.

Steven Pearl Andrews (who also used the dinner-party metaphor) was not a fourierist, but he lived through the brief craze for phalansteries in America & adopted a lot of fourierist principles & practices. His chief mentor was Josiah Warren, first exponent of Individualist anarchism (or "Individual Sovereignty") in America--altho Warren in turn inherited much from certain strains of radical democracy & Protestant "spiritual anarchy" which can be traced to the earliest Colonial period. Andrew was a system-builder, a "logothete" like Fourier & Blake, a maker of worlds out of words. He syncretized Abolitionism, Free Love, spiritual universalism, Warren, & Fourier into a grand utopian scheme he called the Universal Pantarchy.

He was instrumental in founding several "intentional communities," including the "Brownstone Utopia" on 14th St. in New York, & "Modern Times" in Brentwood, Long Island. The latter became as famous as the best-known fourierist communes (Brook Farm in Massachusetts & the North American Phalanx in New Jersey)--in fact, Modern Times became downright notorious (for "Free Love") & finally foundered under a wave of scandalous publicity. Andrews (& Victoria Woodhull) were members of the infamous Section 12 of the 1st International, expelled by Marx for its anarchist, feminist, & spiritualist tendencies.

Like Fourier, Andrews created a "religion" to replace all the corrupt authoritarian cults of Civilization. We admit that this mystical tendency in both thinkers interests us a great deal, &again rouses our sympathies more than the cold atheism (or "fundamental materialism") of a Stirner or Marx. Type-3 anarchism includes for us the heritage of the Ranters, Antinomians, & Family of Love, as well as radical forms of buddhism, taoism, & sufism.
Like Blake, Fourier & Pearl Andrews built systems of their own so as not to be slaves to someone else's--& these grand structures included psychological, sexual, & spritual dimensions missing from mere ideological or philosophical systems. The structural details of Harmony & Pantarchy are fascinating & inspiring, but for us their deepest value lies in the daring of their total "radical subjectivity." Fourier & Pearl Andrews created poetics of life, not merely politics or economics, & it is this aspect of their work we most admire & wish to emulate.

5. Universal Pantarchy & North American Phalanx

In a more immediate sense, however, we find that Fourier & Pearl Andrews offer useful arguments & practical hints for the establishment of a kind of association which seems even more desirable now than before the age of Late Capitalism, Dead Communism, pure Spectacle, & the eerie alienation of credit cards & answering machines, polls & surveys, computer viruses, & immune-system breakdowns. In the 1980's even the anti-authoritarian "Margin" fell into a spooky state of communication via the mail, BBSs, xerography, & tape. Physical separateness can never be overcome by electronics, but only by "conviviality," by "living together" in the most literal physical sense. The physically divided are also the conquered & Controlled. "True desires"--erotic, gustatory, olfactory, musical, aesthetic, psychic, & spiritual--are best attained in a context of freedom of self & other in physical proximity & mutual aid. Everything else is at best a sort of representation. The entire revolt against Civilization can be seen (at least from one point of view) as an attempt to recreate the autonomous intimacy of the band, the free association of individuals.

Morbid loneliness is no better than the engineered consensus of the New World Order--in fact the two are but opposite sides of the coin, like homelessness & rent: false individualism vs. false collectivism. In the face of this illusory dichotomy we will continue to propagate Individual Sovereignty--but at the same time proclaim that our first & most urgent research of the decade must concern the nature of association.

Thus we announce our intention to revive & amalgamate both the Universal Pantarchy & the North American Phalanx, the local (NY area) manifestations of Andrews' & Fourier's systems. The new Universal Pantarchy & North American Phalanx (UP/NAP) will be first a society of appreciation & research (more musty-dusty 19th century obscure crackpots to venerate & imitate!)--but also & perhaps more importantly it may become a nucleus of association. We plan to make field trips to the original sites of Modern Times & the Phalanx; we intend to revive the fourierist tradition of banquets; we plan to construct a shrine to Fourier & the Pantarch; we may even go so far as to produce another newsletter!

And perhaps our research will actually lead to further experiments in the creation of temporary autonomous zones, free times & spaces excavated in the walls of Babylon--creative autonomy & comradeship in the no-go areas where power has "disappeared"--& who knows? even in our lifetimes, the mutation..."A crank? Yes, I'm a crank: a little device that causes revolutions!" (E.F. Schumacher).

Long live Individual Sovereignty! Long live the Pantarchy! Long live Harmony!

-- April 7 (Fourier's birthday) 1991 NYC