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November 09, 2013

A long one while I'm away (10)

Wie bereits anlässlich der "Disco Cosmopolis"-Reihe gesehen, beschränkten sich LP-seitenlange Tracks in den 1970ern keineswegs auf die Prog Rock-Szene, sondern waren auch im Disco-Bereich nicht selten. Wobei man sich meistens auf eher monotone Ausdehnungen von 3minütigen-Singles auf 18 Minuten beschränkte... Manche "Disco-Longtracks" waren allerdings anspruchsvoller, etwa die von Giorgio Moroder produzierte MacArthur Park Suite (1978), gesungen von Donna Summer:

Mai 17, 2012

RIP Donna Summer



I feel love (live 1978)

Dezember 17, 2011

Both kinds of music (83): Disco Inferno

Natürlich blieb auch die Country-Musik nicht von der spätsiebziger Discofizierung aller erdenklichen Musikgenres verschont (wie bereits hier illustriert), wobei sowohl Country-Motive in Disco-Tracks eingebaut wurden, als auch Country-Musiker auf Discobeats und -streicher zurückgriffen. Hier ist in erster Linie Dolly Parton zu nennen, die 1977 mit dem Album Here you come again ein Comeback feierte und den Grammy für die beste weibliche Vocal-Performance im Country erhielt. Von zwei der auf dem darauf folgenden Album Heartbreaker (1978) erschienenen Songs erschienen auch Discomixe von den ohnehin sehr dancefloor-tauglichen Songs I wanna fall in love und Baby I'm burning.


Bereits seit den späten 1950ern trieb Bill Anderson als Songwriter und Countrysänger sein Unwesen, war aber in den 1970ern eher als Gameshow Host ein Begriff, was ihn aber nicht davon abhielt, Country-/Disco-Crossovertracks wie hier Double S (1979) einzuspielen:

Selbst Klassiker des Genres, wie hier Jambalaya von Hank Williams in der Version von Silver Blue (1978) waren vor der Discofizierung nicht sicher:

Mai 15, 2010

Disco Cosmopolis (15 und Schluss): Klassenkampf in Bollywood

Zum Abschluss wieder Indien, genauer gesagt das als Antwort auf Saturday Night Fever und ähnliche Filme konzipierte Bollywood-Drama Disco Dancer von 1982. In der recht klassenkämpferischen Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte wird die Entwicklung eines Straßenmusikanten zum gefeierten Discotänzer und -Sänger geschildert, die zugleich auch die Geschichte der Rache des besagten Musikanten an einem korrupten Oligarchen ist, der die Mutter des jungen Musikanten geschlagen und ins Gefängnis stecken lassen hatte. Im Verlauf des Films ruiniert unser Held nicht nur die Karriere des Sohns des Oligarchen, der aufgrund seines Versagens als Discotänzer und des damit verbundenen sozialen Abstiegs heroinsüchtig wird, sondern kriegt auch noch die hübsche Tochter des Oligarchen rum. Schliesslich kommt der Oligarch am Ende nach einem Kung-Fu-Kampf durch Elektrokution ums Leben (genauso war bei einem Attentat zwischenzeitlich die Mutter des Helden getötet worden, was zur Folge hatte, dass der Held eine Phobie vor elektrischen Gitarren entwickelte).

Zwei Songs aus diesem mittlerweile zum Kultfilm verklärten Machwerk: 
Kishore Kumar - Ae Oh Aa Zara Mudke


Parvati Khan - Jimmy Aaja



Besonders erfolgreich war der Film übrigens in der Sowjetunion, wie man einem rezenten Buch von Sudha Rajagopalan entnehmen kann: Leave Disco Dancer alone. Indian Cinema and Soviet movie-going after Stalin (Infos).

Mai 09, 2010

Disco Cosmopolis (14): Go West

Keine Musikrichtung war vor der Vereinnahmung durch Disco sicher, natürlich auch nicht Bluegrass, Country & Western:
Silver Blue - The Tennessee Waltz (1978)


Boots Clements - Ghost Riders In The Sky (1981)


Umgekehrt geht's natürlich auch:
Steelrider Country Band - Staying Alive (live 2006)

April 23, 2010

Disco Cosmopolis (13): Im Weltinnenraum der Disco

2010: 70s-Style Disco kommt nach Afghanistan:
Sitara - Disco Dewanee


Bonus:
Das pakistanische Original aus dem Jahre 1981 von Nazia Hassan.

April 17, 2010

Disco Cosmopolis (12): Back to the future

Cerrone - Supernature (1978)


Donna Summer - I feel love (1977)


The Droids - The force (1977)

April 10, 2010

Disco Cosmopolis (11): There was a cat that really was gone

Kongenialer Text:  
Boney M. - Rasputin (1978)


Bonus:
Boney M. - Gotta go home (1979)

Dig the funky Sheik!

April 03, 2010

Disco Cosmopolis (10): Systemkonkurrenz

Disco Ost, mit Blick westwärts:
Gruppe Kreis - Doch ich wollt' es wissen (1976)


Disco West, mit Blick ostwärts:
Dschinghis Khan - Moskau (1979)

März 27, 2010

Diszkó Cosmopolis (9)

Die Antwort des Warschauer Pakts auf Boney M. (oder so):

Neoton Família -  Santa Maria (englische Version, 1980)



Neoton Família - Hova Menjek (1980)


Neoton Família - Diszkókece (1979)

März 20, 2010

Disco Cosmopolis (8): Sowjetmenschendisko

Оркестр и вокальная Группа "Диско"  (1978)

März 13, 2010

Disco Cosmopolis (7): Farsi Funk

Toofan - Khodaye Asemoona (197?)

März 06, 2010

Disco Cosmopolis (6): Chinoiserien

Ervinna - Mustapha (1980)


Amanda Lear - Queen of Chinatown (1978)


und aus der Reihe "Prog-Bands versuchen sich in Disco-Musik": Goblin - Disco China (1979)

Februar 27, 2010

Disco Cosmopolis (5): Balkan Beats

Zdravo - Disko Je Prava Stvar (1977)



Beti Djordjević -Nasloni Glavu (1978)


Cice-Mace & Miha Kralj - Decaci (1981)


 Bonus: ein Aerobic-Kurs in der Muttersprache von Slavoj Žižek:

Februar 20, 2010

Disco Cosmopolis (4): Greeksploitation

Mike Rozakis - La Discothèque aus dem Film She knew no other way (1973)

Oder mit anderen Worten: Le greek, c'est chic!

Februar 13, 2010

Februar 07, 2010

Disco Cosmopolis (2): Komm mit ins Boogie-Wunderland

Earth, Wind and Fire - Boogie Wonderland (1979)

Januar 30, 2010

Disco Cosmopolis (1): Ramba Ho!

Usha Uttup - Ramba Ho (1981)

Januar 17, 2010

In defense of Progressive Rock (17 und Schluss): The Day After

Die 1976/77 einsetzenden Angriffe von Punk und New Wave, und vor allem der Kritiker in der Musikpresse auf den Progressivrock hatte seine Konsequenzen. Eine ganze Reihe Bands lösten sich auf, alle anderen versuchten - ob aus Eigeninitiative oder auf Druck der Plattenfirma sei dahingestellt - einen neuen Stil zu finden [N.B. In den Zeiten vor Internet und weitestgehend ohne alternative Distributionskanäle, Independent-Labels usw. waren Pop- und Rockmusik extrem trendorientiert. Diese Tendenz nahm jedoch in den 1990ern deutlich ab. Man sieht dies ganz deutlich, wenn man Diskographien von Bands betrachtet, die seit den 1960ern aktiv sind, die bis in die frühen 1990er ständig versuchten, ihren Sound zu "aktualisieren", um chartfähig zu bleiben. Ab den 1990ern blieb dies aus, nicht zuletzt auch eine Folge der Entwicklung der Popmusik zu immer stärkerer Selbstreferenzialität].

Manche Bands verkauften mit dieser Neuausrichtung deutlich mehr Platten als zuvor, in erster Linie natürlich Genesis, deren Sänger/Schlagzeuger Phil Collins zum Liebling aller Schwiegermütter wurde und die zu einer der umsatzträchtigsten Bands des Planeten wurden. Auch deren Ex-Sänger Peter Gabriel konnte mit schlauer Popmusik Erfolge feiern. King Crimson gelang vielleicht die künstlerisch überzeugendste Transition: mit Ex-Zappa- und Bowie-Gitarristen Adrien Belew erfanden sich Fripp und Co. als New Wave/Post-Punk(in den 90ern dann: Tech-Metal)-Band neu, und machten dabei eine Musik, die man immer noch als progressiv bezeichnen konnte. Yes fusionierten - zum Schrecken ihrer Fangemeinschaft - für ein Album mit den Buggles, danach nahmen sie in einer anderen Besetzung mit 90125 eines der bestproduzierten Alben der frühen 1980er auf und konnten sich via MTV ein neues Publikum erobern. Danach verschwanden sie in der Versenkung, zumal ihre Musik in immer seichtere und uninspirierte AOR-Gefilde abdriftete, ehe sie sich in der zweiten Hälfte der 1990er darauf besannen, dass es doch ertragreicher ist, ihre 1970er-Erfolge zu recyceln.

Kansas versuchten dank dem neuen Sänger John Elefante, einem "wiedergeborenen Christen", mit christlicher Rockmusik einen neuen Zuhörerkreis erreichen. Hier mit Crossfire (1982):


Manche Bands veränderten sich zur Unkenntlichkeit. Etwa Le Orme, die sich die Haare abschnitten und auf Synthie-Pop umstiegen: Rosso di sera (1982):


Für deutsche Progbands bot es sich an, auf den Neue Deutsche Welle-Zug aufzuspringen; z.B. Grobschnitt mit Schweine im Weltall (1983):


Auch die Reaganomics hinterließen sichtbare Spuren. Wer hätte sich in den 1970ern träumen lassen, dass ausgerechnet Jethro Tull mal im Nadelanzug zu Synthesizerklängen darüber singen würden, dass Reichtum auch nicht glücklich macht (siehe auch Rush): Lap of luxury (1984):

Bei aller Ironisierung der Wall Street-Kultur der 1980er fragt man sich, ob man damit nicht auch die "Yuppies" als neue Zielkundschaft erreichen wollte.

Ende der 1970er versuchten sich auch einige Prog-Bands mit Ausflügen in die Gefilde der Disco-Musik (selbst Magma!) - immerhin teilte man sich eine Vorliebe für "symphonische Klänge" und Longtracks - was bisweilen zu seltsamen Blüten führte. Etwa bei den italienischen Prog-Urgesteinen New Trolls, die plötzlich wie die Bee Gees klangen:

Immerhin mussten sie sich die Bärte nicht abrasieren.

Disco sollte alsbald als ebenso tot gelten wie Prog. Umso beachtlicher, dass ausgerechnet 1980, auf dem Höhepunkt der homophoben und antihedonistischen "Disco sucks!"-Kampagne, dieses gemeinsame Stück von Olivia Newton-John und dem Electric Light Orchestra veröffentlicht wurde: Xanadu, dreieinhalb Minuten voll unironisch vorgetragenem Optimismus und utopischer Positivität, so zusagen der Gegenentwurf zu No future: