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Januar 05, 2012

Qualitätsjournalismus

In ihrer heutigen Ausgabe entdeckt die Zeitung vum lëtzebuerger Vollek die seltsame Kandidatur einer "Taube" inmitten eines "Wanderzirkus mit fünf Falken". Gemeint sind Ron Paul und der republikanische Wahlzirkus in den USA. Die Zeitung lobt zunächst die Antiimp-Credentials von Ron Paul:
"Was den Millionär Paul auszeichnet, sind seine seit Jahrzehnten beharrlich vertretenen Positionen gegen die militaristische Außenpolitik und die Aggressionskriege der USA sowie gegen die finanzielle und politische Unterstützung der israelischen Kriegsabenteurer und der israelischen Lobby in den USA."
Des Weiteren schreibt das KPL-Zentralorgan über Pauls Kampf gegen die Fed: "Paul wirft der Fed vor, den ihr vom Staat übertragenen hoheitlichen Aufgaben nicht zum Wohl des Volkes, sondern zwecks Bereicherung ihrer privaten Eigentümer nachzugehen und fordert daher ihre längst überfällige Verstaatlichung." 
Ähem, Genossen, es übersteigt vielleicht euer Vorstellungsvermögen: Ron Paul fordert keineswegs die "Verstaatlichung" der Federal Reserve (ohnehin ist die Eigentümerschaft der teilnehmenden Bankinstitute eher symbolischer Natur - obwohl man natürlich sagen kann, dass die Fed zum Wohl der Banken agiert, aber nicht weil sie dieses über das "Wohl des Volkes" stellt, sondern wohl weil sie beides als identisch ansieht) - er will ihre Abschaffung. Eigentlich ist der Titel seines Buches End the fed in dieser Hinsicht doch schwer misszuverstehen, oder?

Juni 13, 2010

Mal wieder Zeit für ein paar Links

- Hannes Stein lobt den kleinbürgerlichen Anarchismus auf Long Island.

- Die Leninisten arbeiten sich immer noch an Nestor Machno ab.

- "Spar dir das": ein Text von Wolf Lotter zum gegenwärtigen Spar-Mantra, erstaunlicherweise bereits vor vier Jahren geschrieben.

- Leon de Winter versucht den "Progressiven" mit "Fakten" beizukommen - zu einer Zeit, in der (umgekehrt als bei Walter Benjamin), die "Konstruktion des Lebens (...) weit mehr in der Gewalt von Überzeugungen als von Fakten" liegt - und stellt ein paar legitime Fragen zum Israelknax der westeuropäischen Linken, auch wenn er dabei zuweilen zu sehr verallgemeinert und die Darstellung "schlaue, hinterhältige orientalische Despoten übertölpeln naive Westler" etwas arg ins Klischee abdriftet: "Der Islam und die nützlichen Idioten".

- Zum gleichen Thema: Spiked, ehemals LM Magazine, ehemals Living Marxism, und schon immer Kandidaten für die Rubrik "Die andere Meinung", zieht Parallelen zwischen der Rhetorik von Antizionisten und Neocons.

- Ein rappender Wobblie (Dank an JayJay für den Link, definitiv mehr "street credibility" als die Jungs hier).

November 30, 2009

Kulturimperialismus mal anders

Während sich der Rest der Welt über die Schweizer Penisneider echauffiert, die vorsorglich alle zukünftigen Minarettbauten verboten haben, wollen wir uns heute einem Land zuwenden, das dem Islam deutlich zuvorkommender begegnet: Bolivien. Dort wurde, nach einer großzügigen Spende seitens Mahmoud Ahmadinejad anlässlich seines Besuchs vergangene Woche, in einem Krankenhaus in El Alto die Schleierpflicht für alle Pflegerinnen eingeführt. So hatten sich die Einheimischen die "indigene Selbstbestimmung" vermutlich nicht vorgestellt...

Ein weiterer Triumph iranisch-lateinamerikanischer Freundschaft stellen sicherlich die in venezuelanisch-iranischer Koproduktion entstandenen "antikapitalistischen Autos" Turpial und Centauro dar. Das antikapitalistische Auto zeichnet sich dadurch aus, dass (der Leser ahnt es schon) man sehr viel Geduld mit sich bringen muss, bis es geliefert wird, dass das Design dreist bei Auslaufmodellen des kapitalistischen Auslands gestohlen wurde und dass es unter frühkapitalistischen Arbeitsbedingungen produziert wird. Mehr dazu im grandios sarkastischen Kommentar des Economist.

November 25, 2009

The same old song

Wie Broder schon mal festgestellt hat, wurde nach dem 9.11.1938 in der nationalsozialistischen Presse die Reichskristallnacht relativiert, indem man sie mit den gleichzeitigen Ereignissen in Palästina verglich, nach dem Motto "Was sind schon ein paar Scherben gegen die Verbrechen der Zionisten und ihrer britischen Helfershelfer in Palästina", oder wie die von Broder zitierte Wiener Volks-Zeitung am 12.11.1938 titelte: "Londoner Hetze wegen Glasscherben - aber kein Wort über zerstörte Araberdörfer!"

Wenn man nun die Nummer 41 der Zeitungszeugen in Händen hält, erkennt man dass dies offenbar eine offizielle Vorgabe des Reichspropagandaministerium für die Berichterstattung  über die Pogromnacht gewesen sein muss. So schreibt die dort abgedruckte Berliner Morgenpost am 16.11.1938 unter dem Titel "Die Welt wehrt sich gegen jüdische Emigranten":
"Ueber alle diese Dinge liest man in den judenfreundlichen Blättern Englands und Amerikas aber leider nichts, sondern sie überschlagen sich in einem wüsten Gezeter über die 'brutale Behandlung' der Juden in Deutschland.
Wenn sich die Araber [der Begriff "Palästinenser" war 1938 noch nicht gebräuchlich] gegen den jüdischen Eindringling wehren und ihren angestammten Grund und Boden und ihr mehr als tausendjähriges Recht auf ihr Land verteidigen, dann sind es in diesen Blättern Rebellen und Banditen, die an den Galgen gehören. Die jüdischen Eindringlinge, die das arabische Volk versklaven wollen, aber sind die unschuldigen Opfer 'arabischer Mörder'.
Gewisse englische Kreise, und mit ihnen alle Judenfreunde in der Welt, sollten sich dich lieber einmal mit der englischen Kolonialgeschichte beschäftigen, wobei sie ganz andere Dinge lesen werden als das, was man mit den Juden in Deutschland gemacht hat."

In der Saarbrücker Zeitung vom 13.11.1938 kehrt die gleiche Argumentation sogar in der "Filmschau" wieder:
"Die Bildzeugnisse von der 'Befriedung' der Araber sind gerade jetzt wertvoll, da sich ein Teil der Auslandspresse mal wieder überschlägt, weil an jüdischen Geschäften in Deutschland einige Scheiben entzwei gingen."

Heute, da man weiss, dass am 9.11.1938 doch mehr als nur ein paar Scheiben zu Bruch ging, müssen die Zionisten schon selber herhalten um "Kristallnacht" zu feiern.