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Dezember 04, 2010

Both kinds of music (29): Der Haley'sche Komet

Das goldene Zeitalter des Western Swing mag nach 1945 vorbei gewesen sein, nichtsdestotrotz gab es auch noch neuere Interpreten, die diesen Stil weiter pflegten, so z.B. der als jodelnde Cowboy auftretende Bill Haley, geboren 1925 in Highland Park, Michigan, der nach ersten Gehschritten mit den Down Homers und den Range Drifters ab 1947 mit seiner Begleitband als Bill Haley and the Four Aces of Western Swing auftrat. Einer der (im Nachhinein) bekanntesten und berüchtigsten Titel der Band ist der akkordeonlastige, fröhliche Song Yodel your blues away (Januar 1949):

Nach den Four Aces gründete Haley 1950 die Saddlemen, deren Musik als "tough western style" charakterisiert wurde. Die Saddlemen schreckten auch nicht davor zurück, einen "schwarzen" Track, also Rhythm'n'Blues zu spielen, so diese Aufnahme von Ike Turners Rocket 88 (Juni 1951):


1952 benannten sich die Saddlemen in Haley's Comets um; unter diesem Namen landeten sie 1953 einen großen Hit mit dem Titel Crazy Man, Crazy. Im darauf folgenden Jahr nahmen die Comets einen zuvor bereits von Sonny Dae & his Knights eingespielten Titel auf, der auf Hank Williams' Song Move it on over basierte: Rock around the clock. The rest, as they say, is history.

November 13, 2010

Both kinds of music (26): Boogie on

Bevor wir uns nächste Woche an die 1950er rantasten, heute noch drei Hillbilly Boogies aus den späteren 1940ern, die eine langsame Entwicklung vom Western Swing hin zum Western Bop bzw. Rockabilly illustrieren.

Tex Williams - Smoke! Smoke! Smoke! that cigarette (1947)

Les Paul - Hip Billy Boogie (1948)

Maddox Brothers and Rose (America's most colourful hillbilly band) - Move it on over (1948)

Oktober 06, 2010

Both kinds of music (20bis): Addendum zum Samstagspost

Der Samstag "embeddete" Jimmy Wakely war nicht nur Western Swing-Sänger und Filmstar, sondern bekämpfte in seinem eigenen DC-Comic auch das organisierte Verbrechen im Wilden Westen (ähnlich wie bei John Wayne, der in den Comics als "schnellster Schwimmer der Welt" galt und eigenhändig Alligatoren tötete, wurden Wakelys detektivische Fähigkeiten dabei etwas übertrieben...). Hier das Cover der letzten Ausgabe, Nummer 18 (Juli-August 1952, Zeichnungen von Gil Kane), in dem sich der Westernbarde mit dem Ghost Rider Phantom Brander anlegt:

Oktober 02, 2010

Both kinds of music (20): Straight outta Compton

Das Zentrum der Western Swing-Welle der frühen 1940er lag an der US-amerikanischen Westküste, und insbesondere in den großen Dance Halls in Los Angeles und Umgebung, darunter der Venice Pier Ballroom, der Town Hall Ballroom in Compton oder der Riverside Rancho. Der recht ausführliche Western Swing-Eintrag bei Wikipedia vermittelt einen Eindruck dieser Zeit:
"Burt (or Bert) "Foreman" Phillips developed a circuit of dance halls and bands to play for them. Among these halls in 1942 were the Los Angeles County Barn Dance at the Venice Pier Ballroom, the Town Hall Ballroom in Compton, the Plantation in Culver City, the Baldwin Park Ballroom, and the Riverside Rancho. These Western dances were a huge success. According to Hank Penny, Phillips had said, 'I don't want any of that Western Swing!' But that's what he got, and it got him huge eclectic crowds. Writer Gerald Vaughn wrote that 'a Dance band hopes to make people move, not stand and listen, so the emphasis has to be on beat, rhythm, syncopation.'
One of the groups which played at the Venice Pier Ballroom was led by Jimmy Wakely with Spade Cooley, his successor as bandleader, on fiddle. Several thousand dancers would turn out on Saturday night to swing and hop. 'The hordes of people and jitterbuggers loved him.' When Bob Wills played the Los Angeles Country Barn Dance at the Venice Pier for three nights shortly before he broke up his band to join the U.S. Army during World War II, the attendance was above 15,000. Fearing that the dance floor would collapse, police stopped ticket sales at 11 p.m. The line outside at that time was ten deep and stretched into Venice. Another source states that Will attracted 8,600 fans.
Riverside Rancho, operated by Marty Landau, had a 10,000-square-foot (930 m2) dance floor, three bars and a restaurant. According to Merle Travis, 'At that time 'Western swing' was a household word. Al Dexter had had a million-seller on his 'Pistol Packin' Mama' record. Bob Wills was heard on every jukebox with this 'San Antonio Rose'. T. Texas Tyler was doing well with his 'Remember Me (When the Candlelights are Gleaming)'. It was practically impossible to wedge your way into the Palace Barn where Red Murrell and his band were playing. A mile down the hill was the Riverside Rancho. You were lucky to find a ticket on a Wednesday night. Tex Williams and his Western Caravan were playing there."
 
Einen Eindruck des Tanzstils der in diesen Dance Halls gepflegt wurde, bietet dieser Soundie aus dem Jahr 1941 mit Jimmy Wakely - The covered wagon rolled right along:

Einer der größten Hits dieser Ära hatte, wie oben zitiert, Al Dexter 1943 mit dem Titel Pistol Packin' Mama (nein, nicht Sarah):

Der gleiche Titel wurde übrigens auch von Bing Crosby und den großartigen Andrews Sisters gecovert was noch einmal zeigt, wie sich auch das Swing-Establishment dieser Zeit Western-Elemente angeeignet hat. Tatsächlich hatte schon die erste Zusammenarbeit zwischen Crosby und den Andrews Sisters auf das westerntypische Gejodel zurückgegriffen:
Yodelin' Jive (1939)
 
Die Western Swing-Welle brach ab als die Roosevelt-Administration 1944 zur Kriegsfinanzierung eine 30%-ige Steuer auf  "Tanzlokalen" einführte, die sog. "Night Club Tax", so dass die Nachtclubbesitzer dazu übergingen, Tanzen in ihren Lokalen zu verbieten und dementsprechend auch keine Bands engagierten, die wie die Western Swing-Bands hauptsächlich Tanzmusik spielten. Desweiteren kamen die typischen Swing-Big Bands, auch in Folge des großen Musikerstreiks von 1942-44, aus der Mode, so daß sich auch viele Western Swing-Interpreten nach und nach neueren Stilrichtungen zuwendeten und andere Elemente in ihren Stil integrierten, wie wir in den kommenden Wochen sehen werden.

September 25, 2010

Both kinds of music (19): Swing Kids

Die frühen Vierziger waren auch die Hochzeit des Western Swing, dessen Ursprünge und Merkmale wir hier schon behandelt haben. Tatsächlich wurde der Begriff "Western Swing" erst in dieser Zeit geprägt, vor allem von dem "Viertelindianer" Spade Cooley, der ab 1942 versuchte, Bob Wills die Krone des "King of Western Swing" abzunehmen. Ein Kurzfilm aus dem Jahr 1945 über die (fiktive)  Lebensgeschichte Cooleys trägt sogar den Titel "Spade Cooley: King of Western Swing". Und oh Wunder, den unterhaltsamen Streifen findet man integral auf Youtube:

Aber auch der "Original King of Western Swing" Bob Wills feierte Anfang der 1940er Jahre seine größten Erfolge, zum Beispiel mit dem Titel New San Antonio Rose (1940), hier in einer Art Hybridversion mit dem Crooner Tommy Duncan aus dem Jahr 1944:


Die zunehmende Hinwendung des Western Swings hin zum typischen Big Band-Sound dieser Jahre beruhte auf Gegenseitigkeit, wie z.B. dieser Clip von Ella Mae Morse mit Freddie Slack samt Orchester zeigt: Cow Cow Boogie (1942):

Juli 31, 2010

Both kinds of music (11): Es kommt Swing in die Sache

Die Genrebezeichnung western bezog in den 1930ern nicht nur auf die singenden Cowboys mit ihren melancholisch bis schmalzigen Balladen. Ebenfalls als western bzw. als western dance klassiert wurden Bands wie die Light Crust Doughboys und die daraus hervorgehenden Bob Wills and his Texas Playboys und Milton Brown and his musical brownies, sozusagen die Urgesteine dessen, was ab den 1940ern unter die Genre-Bezeichnung western swing subsumiert wurde. Western Swing unterschied sich sowohl von der Old-time music der Appalachen als von zeitgenössischer Country-Musik im Gefolge von Jimmy Rodgers insbesondere dadurch, dass durchgängig ein Instrument eingesetzt wurde, das Traditionalisten ein Dorn im Auge war: das Schlagzeug (tatsächlich sollte Bob Wills 1944 zum Schrecken vieler als erster Interpret in der 1925 gegründeten Grand Ole Opry in Nashville, Tennessee mit einem Schlagzeuger auftreten, wenn er auch hinter einem Vorhang versteckt blieb - vergleichbar wohl mit dem "Judas!"-Moment als Dylan die elektrische Gitarre zur Hand nahm).

Hier je ein Video der drei maßgeblichen frühen Western Swing-Bands:
Light Crust Doughboys- Beer Drinkin' Mama (1939)


Bob Wills and his Texas Playboys - Steel Guitar Rag (1936)


Milton Brown and his Musical Brownies - Yes Sir! (1936)

Mai 08, 2010

Vor 65 Jahren wurde die letzte Seite von "Mein Kampf" geschrieben


Texas Jim Robertson - The Last Page of Mein Kampf (1944)