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Juli 16, 2011

Both kinds of music (61): Das Geburtsjahr des Country-Rock

Nach den Byrd-lastigen Wochen heute drei weitere "Fundamente" des Country-Rock, alle drei aus dem Jahr 1968:

1. Nashville West mit zwei weiteren (späteren) Byrds-Mitgliedern, Clarence White und Gene Parsons, sowie dem späteren Flying Burrito Brother Gib Guilbeau (Parsons trat ebenfalls Mitte der 70er den Burrito Brothers bei). Nashville West (der Name ist Programm) veröffentlichte kein Album zu Lebzeiten. Erst acht Jahre nach Auflösung der Band, 1976, erschien ein Album mit Aufnahmen von 1968, darunter auch dieser Titel: Louisiana rains, sozusagen ein Crossover aus Cajun-Musik und den Beatles.

2. Die Everly Brothers, zehn Jahre nach ihrem Teenie-Hit Bye Bye Love und fünf Jahre nach dem Country-Album The Everly Brothers sing great country hits, verknüpfen auf dem Album Roots erdigen Rock mit traditioneller Country-Musik, darunter auch den Merle Haggard-Titel Mama tried:


3. Deutlich im psychedelischen Bereich operierte die vergleichsweise obskure Band Stone Country um Steve Young, die 1968 ihr einziges Album veröffentlichte. Wer ein Album hören will, auf dem sowohl Banjo als auch Sitar zum Einsatz kommen, ist bei der Band aus Alabama gut aufgehoben. Hier der Titel Mantra:

Juli 09, 2011

Both kinds of music (60): Clarks und Dillards fantastische Expedition

Bereits ehe die Byrds mit Gram Parsons in Richtung Country abbiegten, hatte Gene Clark, der die Band 1966 verlassen hatte, ein Album mit dem Country-Duo Gosdin Brothers eingespielt, welche wiederum aus der südkalifornischen Bluegrass-Gruppe The Hillmen hervorgegangen war, bei denen auch Byrds-Bassist Chris Hillman als Mandolinist tätig war. Im Verlauf der Aufnahmen zu diesem Album lernte Clark auch den Banjo-Spieler Doug Dillard von den Dillards (vor allem bekannt als die "Darlings" aus der Andy Griffith Show) kennen. Nachdem er im Oktober 1967 für kurze Zeit wieder bei den Byrds tätig war, schloss Clark einen Solo-Vertrag mit A&M ab. Die Aufnahmen zu einem Solo-Album brach er allerdings wieder ab, und spielte stattdessen ein Album mit Dillard ein, das im Oktober 1968 unter dem Titel The fantastic expedition of Dillard and Clark erschien (auch Bernie Leadon, später Gitarrist der Flying Burrito Brothers und der Eagles, und Chris Hillman sind auf dem Album zu hören). Hier der Titel Train leaves here this morning:

Ironischerweise hatte Doug Dillard zuvor die Dillards verlassen, weil diese ihm zuviele Pop-Elemente (Schlagzeug! Streicher!) in ihren traditionellen Bluegrass-Sound aufgenommen hatten - und spielte nun mit einem ehemaligen Pop-Star eine Mischung aus Country, Pop und Rock. 1969 erschien ein zweites Album von Dillard&Clark, auf denen auch die meisten Mitglieder der Flying Burrito Brothers auftreten. Leadon verließ die Band während der Aufnahmen, da Dillard seine Freundin Donna Washburn als Background-Sängerin durchboxte. Das Album Through the morning, through the night war weniger erfolgreich als sein Vorgänger, und Clark verließ die Band um sein erstes wirkliches Solo-Album White Light einzuspielen, das erst 1971 erschien. Hier vom zweiten Dillard&Clark-Album Kansas City Southern und von White Light der Titel Spanish Guitar:


Nach Clarks Ausstieg führte Dillard die Band weiter, die zur Doug Dillard Expedition wurde, und wieder traditionellen Bluegrass spielte, so z.B. bei diesem TV-Auftritt mit dem Instrumental Hickory Holler:

Juni 25, 2011

Both kinds of music (58): Gram Parsons wird flügge

Nachdem die vom Harvard-Theologiestudenten Gram Parsons gegründete International Submarine Band 1967 erste Gehschritte in Richtung einer Verknüpfung von Country und Rock eingeschlagen hatte, allerdings immer noch auf die Veröffentlichung ihres ersten Albums wartete, verließ Parsons überraschend die eigene Band, als er ein Angebot annahm, den Byrds - bis dahin vor allem mit Pop-Versionen von Bob Dylan-Titeln erfolgreich - beizutreten, wo er den geschassten David Crosby ersetzte. Parsons' Zeit mit den Byrds sollte allerdings nicht lange währen... Schon nach wenigen Monaten wurde Parsons wieder entlassen, da er sich weigerte, in Südafrika aufzutreten (über die Gründe dieser Weigerung gibt es allerdings verschiedene Ansichten). Hierzu ein Auszug aus dem Dokumentarfilm Fallen Angel:


Aus der kurzen Zusammenarbeit zwischen Parsons und den Byrds, die auch als erste "langhaarige" Band in der Grand Ole Opry spielten (sehr zum Unmut der meisten Zuschauer), entstand im März/April 1968 das Album Sweetheart of the rodeo, zu dem Parsons auch einige Titel beisteuerte, so den zum Klassiker gewordenen Hickory Wind:


Das Album gilt gemeinhin als Geburtsstunde des Country-Rock, das ist aber, gelinde gesagt, Unsinn. Viel traditioneller als die Byrds auf Sweetheart of the rodeo kann man Country eigentlich nicht spielen (mit Ausnahme vielleicht von Parsons' One hundred years from now). Die Ursprünge des Country-Rock lagen eher davor, sei es in einigen Titeln der bereits erwähnten International Submarine Band, sei es auch bei einigen Aufnahmen der Byrds selbst, so das auf dem vorangegangenen Album The notorious Byrd Brothers veröffentlichte Wasn't born to follow, das 1969 im Soundtrack zum Film Easy Rider zu neuen Ehren kam: