Gestern abend weilte der Princeton-Professor, Wirtschaftsnobelpreisträger und ehemalige Berater der Reagan- und Clinton-Administrationen und des weltweit bekannten Unternehmens Enron Paul Krugman auf Einladung der Fondation Alphonse Weicker (eine Stiftung der derzeit größten in Luxemburg ansässigen Bank, BGL BNP Paribas) zu einem Vortrag mit dem Titel "Inequality and Crises: Coincidence or Causality?" in Luxemburg. Das ausschliesslich 350 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften und NGOs vorbehaltene Event fand in der Zentrale des weltweit grössten Stahlkonzerns ArcelorMittal statt; der luxemburgische Blätterwald reagierte naturgemäss begeistert über die "provokanten Thesen" (Tageblatt) des "invité de renom" (Voix de Luxembourg), "Nobel avant-gardiste" (Quotidien) und "Popstars der Ökonomie" (Luxemburger Wort), der seinerzeit ja bereits erfolgreich zur künstlichen Schaffung einer Immobilienblase in den USA aufgerufen hatte. Krugman argumentierte zu diesem Anlass unterkonsumtionstheoretisch, dass eine steigende Ungleichheit ebenso die Grundlage für die Krise von 1929 wie für diejenige von 2007 gewesen sei. Die Ursache dieser Ungleichheit sieht Krugman ganz unökonomisch in einem ideologischen Paradigmenwechsel, und zwar "in einem Rechtsruck bei der Republikanischen Partei in den USA in den 80er Jahren", der zur allgemeinen Deregulierung der Märkte geführt habe, und damit die Krise erst ermöglicht hätte (bekanntlich gab es in den USA zwischen der Weltwirtschaftskrise von 1929 und den 1980ern keine Rezessionen...). Dementsprechend meint Krugman: "Wenn wir 2005 noch die gleiche Regulierung wie 1975 gehabt hätten, wäre es nie zu der Krise gekommen." (Zitat Tageblatt). Während die staatlichen Regulierer ihr Möglichstes versuchen, den neuesten Entwicklungen auf den Finanzmärkten hinterzuhechten, schlägt Krugman im Gegenzug die Rückkehr in die 1970er vor (was allerdings zugegebenermaßen billiger käme) Das nennt man dann wohl nostalgia for an age that never existed.
Weitere Krugmansche Weisheiten kann man einem Kurzinterview im Tageblatt entnehmen, in dem der Ökonom unter anderem vorschlägt, "Länder wie Deutschland" sollten branchenübergreifend und unabhängig von der wirtschaftlichen Lage und Produktionsentwicklung des jeweiligen Betriebs die "Gehälter senken, um weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben" (Krugman will also offenbar die Ungleichheit dadurch bekämpfen, dass alle weniger kriegen), jedoch soll diese Lohnsenkung nicht "dramatisch" ausfallen. Ganz up-to-date scheint Krugman noch nicht zu sein; so bezeichnet er Deutschland immer noch als Exportweltmeister und Europa als Gewinner der Globalisierung. Auf die Frage "Was sollen Europas Länder Ihrer Meinung nach tun?" antwortet Krugman: "Die Länder, die mehr Schulden machen können, sollen das tun." Wozu diese Schulden gemacht werden sollen, scheint dabei völlig egal zu sein. Und wer soll's bezahlen? "(...) die EZB soll anfangen, mehr Geld zu drucken". Ah ja. Sehr clever, Herr Krugman; ich wollte auch schon immer mal einen Ein-Million-Euro-Schein in Händen halten.
Tja, wie schreibt das Luxemburger Wort über den "Popstar" und "Medienliebling": "Auch wenn er provoziert, so bleiben seine Aussagen für Laien klar verständlich. Das Publikum liebt ihn dafür." In anderen Worten: populism sells. Und Krugman kann damit als Rebell und Provokateur gegen das establishment auftreten, obwohl venue, Publikum und vermutlich auch Besoldung das establishment in Reinkultur repräsentieren.
Weitere Krugmansche Weisheiten kann man einem Kurzinterview im Tageblatt entnehmen, in dem der Ökonom unter anderem vorschlägt, "Länder wie Deutschland" sollten branchenübergreifend und unabhängig von der wirtschaftlichen Lage und Produktionsentwicklung des jeweiligen Betriebs die "Gehälter senken, um weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben" (Krugman will also offenbar die Ungleichheit dadurch bekämpfen, dass alle weniger kriegen), jedoch soll diese Lohnsenkung nicht "dramatisch" ausfallen. Ganz up-to-date scheint Krugman noch nicht zu sein; so bezeichnet er Deutschland immer noch als Exportweltmeister und Europa als Gewinner der Globalisierung. Auf die Frage "Was sollen Europas Länder Ihrer Meinung nach tun?" antwortet Krugman: "Die Länder, die mehr Schulden machen können, sollen das tun." Wozu diese Schulden gemacht werden sollen, scheint dabei völlig egal zu sein. Und wer soll's bezahlen? "(...) die EZB soll anfangen, mehr Geld zu drucken". Ah ja. Sehr clever, Herr Krugman; ich wollte auch schon immer mal einen Ein-Million-Euro-Schein in Händen halten.
Tja, wie schreibt das Luxemburger Wort über den "Popstar" und "Medienliebling": "Auch wenn er provoziert, so bleiben seine Aussagen für Laien klar verständlich. Das Publikum liebt ihn dafür." In anderen Worten: populism sells. Und Krugman kann damit als Rebell und Provokateur gegen das establishment auftreten, obwohl venue, Publikum und vermutlich auch Besoldung das establishment in Reinkultur repräsentieren.